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DIGNITAS - Bagira vom Sport- und Nutztier zur Gefährtin

Die passende Geschichte zu Ashanti das Gnadenbrotpferd

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BAGIRA`S Geschichte

Vom Sport- und Nutztier zur Gefährtin

Basierend auf einer wahren Geschichte

Autoren: Jana und Silvi

DIGNITAS – Die Würde der Tiere Teil 2


DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Vor 7 Jahren ging unser größter Wunsch in Erfüllung, ein eigenes Pferd, ein

Partner fürs Leben. Wie sich daraus eine Verbindung fürs Leben entwickelt hat,

das Wachsen mit der Aufgabe und das Glück dieser Freundschaft, sowie auch

mal Tiefpunkte des Lebens, möchten wir schriftlich festhalten und zeigen, dass

ein Pferd ein treuer Gefährte und ein großer Lehrer ist. Es ist ein Lebewesen,

welches wertgeschätzt gehört und nicht nur als Lastenträger und Sportgerät

angesehen werden sollte. Es verdient geliebt zu werden und Aufmerksamkeit von

seinem Besitzer zu bekommen, auch bei Krankheiten.

Alles begann vor 16 Jahren. Damals waren wir 8 und 10 Jahre alt, und mit

unserem Umzug in ein kleines Dorf, bekamen wir die große Chance, Kontakt zu

den schönsten Geschöpfen dieser Erde zubekommen. Über eine Freundin hatten

wir das Glück, Pflegepferde zu bekommen und somit auch den ersten, näheren

Kontakt zu diesen Tieren. Sie standen in einer Scheune, die provisorisch zu

einem Stall umgebaut worden war. Im Sommer lebten die Pferde einen Kilometer

weit vom Stall entfernt, auf einer Waldlichtung mit Weide und Hütte. Die Tiere

waren arme Geschöpfe und dem Besitzer nicht wichtig. Ihre Grundbedürfnisse

wurden nicht immer gedeckt.

So lernten wir schon in jungen Jahren das oftmals schwierige Landleben kennen.

Angefangen mit Schneeschmelzen im Winter, über Regenwasser mit Kanistern

und Eimern auffangen, um genug Wasser zusammen zu bekommen, bis hin zum

Graspflücken, um alle hungrigen Pferdemäuler zu stopfen. Die Tiere wuchsen uns

ans Herz und wir verbrachten viele schöne Stunden, Tage und Jahre mit ihnen.

Wegen der nicht günstigen Lebensbedingungen der Tiere war das Veterinäramt

immer wieder vor Ort, weshalb die Pferde eines Tages verkauft wurden. Der

Gedanke auf ein besseres Leben der Pferde tröstete uns. Leider wurde uns

Kindern damals nicht mitgeteilt, wohin die Tiere verkauft worden waren.

Wie es das Schicksal wollte, hatten wir ein halbes Jahr später wiederum das

Glück, Pflegepferde zu bekommen. Wir lernten das A und O der Pferdehaltung,

die Arbeit mit den Pferden und das Reiten, auch wenn das nur die Seltenheit

war. Über die Stallbetreiberin bekamen wir die Chance auf einen Minijob als

Pferdepflegerinnen in einem großen Reitstall, was uns die Pflege der Pferde von

einer ganz neuen Seite zeigte. Der Job gestaltete sich härter als gedacht. Die

Arbeit war für uns schwer und anstrengend und verursachte oft

Migräneschmerzen durch körperliche Verspannungen, aber noch schwerer zu

ertragen der Anblick des Umgangs mit den Pferden.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Es war schmerzlich mitzubekommen, wie das Pferd nur als reines Sportgerät

gesehen wurde. Das Wohl der Tiere wurde oft in den Hintergrund gestellt. Auch

der Umgang mit dem Pferd an sich glich dem eines Sportgerätes: „Ist es kaputt,

muss es ersetzt werden“. Oft galt die Devise, „Aus den Augen aus dem Sinn“.

Wir sahen kleine Kinder mit Gerten und Sporen auf den Pferden sitzen. Wir

sahen Pferde, die resignierten, die bösartig wurden und Pferde, die abgeschaltet

hatten. Doch uns war klar, dass uns dieser Job einige Jahre begleiten würde, da

wir aus ärmeren Verhältnissen stammten und uns kaum einen anderen Zugang zu

der Arbeit mit Pferden hätten leisten können. So konnte zur damaligen Zeit

unser Motto nur lauten: „Zähne zusammenbeißen, Mund halten und weg schauen“,

auch wenn es oft schmerzlich war.

Trotzdem war es schön zu sehen, dass sich die Tiere freuten, wenn wir wieder

Dienst hatten. Wie oft standen wir in Boxen, hatten die Pferde einfach mal

durch gekrault und waren für sie da. Es war faszinierend, wie sie sich an uns

gewöhnten und als Dankeschön uns auch oft zurück kraulten. Doch bei 20-30

Pferden pro Tag fehlte uns leider die Zeit für ein längeres Beisammensein.

Nach ein paar Jahren mit unseren Pflegepferden war klar, dass wir als Mist-und

Pflegedienst angesehen wurden. Wir hätten mit unseren Pflegepferden gerne

mehr unternommen, was uns leider verwehrt wurde. Deshalb entschieden wir uns,

uns nicht weiter ausnutzen zu lassen und die Pflegepferde schweren Herzens

aufzugeben. Doch den Job als Pferdepfleger wollten wir behalten und auch noch

ein paar Jahre ausüben. Da wir bislang täglich 3 Stunden und mehr bei unseren

Pflegepferden gewesen waren, war uns nun klar, dass ein neues Hobby her

musste, um die Zeit sinnvoll auszufüllen. Die eigentliche Idee war es, einen Hund

anzuschaffen, mit dem wir viel Zeit verbringen könnten. Mit dem Minijob wäre

für den Unterhalt des Hundes gesorgt. Nach einigen Wochen des hin und her

rechnen, stellte sich heraus, dass das Geld auch für ein Pferd reichen würde. Um

genügend Rücklagen bei Seite zu legen, entschieden wir uns dafür, vorerst noch

ein Jahr Geld zu sparen.

Wir erzählten unserer Stieftante von unserem Vorhaben, damit sie uns sodann,

wenn die Zeit reif war, bei der Suche eines geeigneten Pferdes unterstützen

konnte. Schon ein halbes Jahr später hatte sie zwei Verkaufspferde aus dem

Bekanntenkreis, die wir uns anschauen konnten. Gesagt, getan. Auf ging es zu

Pferd Nummer Eins: Eine dunkelbraune Württemberger Stute. Der

unsachgemäße Umgang des Menschen mit dieser Stute machte sich bemerkbar.

Die Stute war leider recht problematisch im Umgang und war für uns zu

gefährlich.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Also auf zu Pferd Nummer Zwei: Dort angekommen, ging es auch schon direkt in

den Stall. In der hintersten Box stand eine wunderhübsche Fuchsstute mit ihrem

Fohlen. Als die Box geöffnet wurde, schaute sie sogleich neugierig heraus. Sie

hatte ein zierliches Gesicht mit außergewöhnlicher Blesse und einer schönen,

langen Mähne. Ihr Blick war sehr treuherzig. Sie hörte auf den Name Crispine

und war 14 Jahre alt. Sie stand bei einer Züchterin, bei der sie, wie wir

erfuhren, acht gesunde Fohlen zur Welt gebracht hatte. Davor hatte sie einen

schweren Springunfall gehabt, weshalb sie für den Springsport nicht mehr zu

gebrauchen war und in der Zucht landete. Dieses Thema schien uns durch unser

Leben zu verfolgen. Wieder ein Pferd, das abgeschoben worden war, da es für

den Sport nicht mehr brauchbar war. Endstation Zucht. Jedes Jahr ein Fohlen

und jedes wurden ihr wiederum nach einem halben Jahr schmerzlich entrissen.

Zum Kennenlernen durften wir die "Maus" putzen und wie es so üblich war, wurde

uns ein Tag zum Probereiten vorgeschlagen. Schon beim ersten Anblick waren wir

in sie verliebt und der Entschluss stand bereits fest - die süße Dame soll es

sein. Es war Schicksal, da änderte auch das Probereiten nichts mehr. Wir folgten

unserem Herzen und entschieden uns nun offiziell für unsere Bagira (wie wir sie

von nun an nannten).

Der Umzugstermin stand im Oktober 2010

an. Sie war zu dieser Zeit erneut tragend,

doch das Fohlen durfte sie in ihrer neuen

Heimat zur Welt bringen. Es stellten sich

folgende Bedingungen: Das Fohlen ging ein

halbes Jahr nach der Geburt an die

Züchterin zurück. Die Geburt musste auf

dem Hof, auf dem auch das Pferd unserer

Stieftante stand, zur Welt kommen.

Im Oktober 2010 war der große Tag dann

da, den wir schon sehnsüchtig erwartet

die Aufregung hielt uns wach. Tausend

Fragen schossen uns durch den Kopf -

Wird sich Bagira wohlfühlen? Wird sie uns

mögen? Wird sie uns vertrauen können?

Die wichtigste Frage für uns war: Werden

Das erste Bild von Bagira

wir Bagira glücklich machen können?

Noch bis heute beschäftigt uns die Frage fortlaufend. Von Beginn an fühlten wir

uns für Bagira verantwortlich. Ihr Leben wurde bisher im negativen Sinne durch

Menschen gesteuert, deshalb sahen und sehen wir es als unsere Aufgabe an,

Bagira die Möglichkeit zu bieten, Vergangenes zu verarbeiten. Wir wollen ihr

ermöglichen das Leben zu genießen. Vergangenes wird nicht ungeschehen, aber

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

die Zukunft kann versüßt werden. Das Wichtigste, was wir auf diesem Weg

lernten war, dass das Leben aus Höhen und Tiefen besteht. Man darf nie den

Mut verlieren und muss an sich glauben. Wenn man immer wieder aufsteht und

für seine Ziele kämpft, so schafft man es auch, steinige Wege zu gehen. Irren

ist menschlich. Wichtig ist es, offen zu sein und sich seine Fehler einzugestehen.

Doch lasst uns vom großen Tag erzählen. Gespannt warteten wir im Hof. Voller

Vorfreude sehnten wir den Moment der Ankunft herbei. Minuten schienen so

lang wie Stunden zu sein. Es

fühlte sich wie eine Ewigkeit an,

bis der Hänger endlich auf den

Hof fuhr. Bagira wieherte aus

dem Hänger. Als erstes wurden

die Papiere unterschrieben. Von

diesem Moment an gehörte

Bagira zu uns. Ein Leben lang

würden wir nun verbunden sein.

Wir erfuhren, dass Bagira nur

eine halbe Stunde vor Abfahrt

von Ihrem Fohlen getrennt

worden war. So wie es wohl

üblich war - ab in den Hänger und

weg. Wir dachten damals, dass

die Fohlen langsam von dem

Muttertier getrennt werden und

hätten mit so einer

Umgangsweise nicht gerechnet.

Als Bagira aus dem Hänger stieg,

schaute sie traurig und ängstlich

in die Ferne. Wir fühlten uns

Bagira in ihrer neuen Box, kurz nach der Ankunft

schuldig an ihrem Schicksal.

Wenn wir Bagira nicht gekauft hätten, so würde sie noch bei ihrem Fohlen sein.

Bei längerem Betrachten wurde uns aber klar -hätten wir Bagira nicht gekauft,

dann hätte sie jemand anderes gekauft und ebenfalls von ihrem Fohlen getrennt.

Es fühlte sich toll an ein neues Familienmitglied zu haben. Zu Beginn war Bagira

uns gegenüber sehr misstrauisch. Die Bindung würde mit der Zeit wachsen. Wir

mussten uns erst einmal gegenseitig kennenlernen. Die ersten Tage zeigten wir

Bagira ihr neues Zuhause und die anderen Pferde. Nach ein paar Wochen wollten

wir es mit Longieren probieren. Im Schritt klappte es wunderbar. Das Problem

kristallisierte sich im Trab heraus. Sie lief stets im Stechtrab und wirkte

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

panisch. Die Angst machte sich in uns bemerkbar – würde Bagira die Kurve

bekommen? Wir hatten große Mühe unsere Maus wieder in den Schritt zu

bekommen. Ratlos beendeten wir das Longieren. Was Bagira wohl hatte? Nach

einigen Malen Longieren kristallisierte sich die Peitsche als das Problem heraus.

Ohne Peitsche fiel sie nicht mehr in Panik. Der schnelle Trab blieb jedoch. Ein

ähnliches Problem zeigte sich beim Reiten. Doch wir ritten ohne Gerte. Im Trab

fiel sie beim Reiten ebenfalls in einen Stechtrab. Wir wussten nicht, welches

Problem Bagira hatte und beschlossen Reitstunden zu nehmen. Dort wurde uns

gesagt, dass wir Bagira ausbinden und in der Gruppe hinten einreihen sollten. Da

jeder ausgebunden ritt und wir es nicht besser wussten, taten wir, was uns

gesagt wurde. In den Stunden sollten wir hinten reiten und Bagira auch dort

halten. Das war leichter gesagt als getan. Letzten Endes beendeten wir die

Reitstunden mit hochrotem Kopf und völlig verschwitzt. Anschließend waren wir

alle drei kaputt. Bagira schien es damit auch nicht gut zu gehen. Wollten wir so

reiten? Wir träumten von klein auf, wie wir mit unserem Pferd harmonisch über

Wiesen reiten würden. Für uns wurde klar, dass wir so wie jetzt nicht reiten

wollten. Wir entschieden uns, lieber Spaziergänge und Bodenarbeit mit unserer

Maus zu machen. Langsam spürten wir, wie sich eine Beziehung zu ihr

entwickelte. Mit der Zeit wuchs dann auch Bagiras Bauch. Wenn man Bagira an

die Flanken fasste, spürte man den kleinen Knirps in ihrem Bauch. Es war

faszinierend, das kleine Wesen wachsen zu sehen.

Eines Tages im Juni 2011,

erhielten wir einen Anruf. Ein

kleines Hengstfohlen wurde

geboren. Unsere Bagira war

Mama geworden. Sie brachte in

der Nacht ihr neuntes,

gesundes Fohlen zur Welt.

Wochenlang beschäftigten wir

uns schon mit einem Namen. Er

sollte mit C beginnen und am

besten wäre ein Name, der zu

Die ersten Bilder von Bagira und Cornflakes……. einem Hengst und zu einer

Stute passte. Wir entschieden

uns für Cornflakes. Sobald es die Schule zuließ, fuhren wir zu den beiden

Pferden. Wir wollten den Kleinen im Leben willkommen heißen und unsere Bagira

beglückwünschen. Wir staunten nicht schlecht. Ein wunderhübsches Fohlen lag

neben Bagira im Stroh. Überrascht hatte uns, dass ein so großes Fohlen in

Bagiras Bauch gepasst hatte. In der Nacht der Geburt hatte Bagira zu kämpfen.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Umso glücklicher wirkte sie auf uns.

Bagira war eine stolze Mama. Voller

Muttergefühle verteidigte sie den

Kleinen vor den Boxennachbarn und

stillte ihn liebevoll. Uns überkam

sofort ein warmherziges Gefühl und

wir schlossen den kleinen Racker

sofort in unser Herz. Wir waren

stolz auf unsere Maus.

Bagira liebte ihren Sohn abgöttisch.

Er war ihr ein und alles. Sie

…. am Tag nach seiner Geburt

kümmerte sich rührend um den

kleinen Rabauken. Von Tag zu Tag wurde der Kleine größer und stärker. Man kann

auch sagen, frecher. Er entwickelte sich immer mehr zu einem kleinen

Schlawiner. Bei seiner Mama durfte er alles.

Er spielte so gerne das Kampfspiel mit Ihr.

„Auf sie mit Gebrüll!“ Dann rannte er wie

angebrannt um seine Mama, stieg und

versuchte sie zum Spielen zu animieren. Er

war ein sehr selbstbewusster, kleiner Kerl.

Halfter anziehen war für ihn nichts. Wir

wollten ihn sanft an das Halfter gewöhnen.

Daraus wurde aber nichts. Cornflakes war mit

einem Dickkopf ausgestattet. Er machte sich

ein Spiel daraus und wollte es natürlich

Cornflakes & Bagira

gewinnen. Doch nach einigen

Wochen hatten wir ihn geknackt -

für Leckerlis tat er alles. Da trug

man sogar ein Halfter. Es war ein

wunderschöner Sommer. Wir

verbrachten viele Stunden mit

Bagira und ihrem Sohn. Jeder Tag

war besonders. Es war schön, den

Kleinen aufwachsen zu sehen und

die Liebe einer Mutter zu ihrem

Kind auch bei Tieren kennen zu

lernen.

Cornflakes

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Eines Tages im Herbst war der kleine Cornflakes verschwunden. Bagira stand

völlig verstört in ihrer Box. Sie hatte eine schwere Euterentzündung. Voller

Sorge um den Kleinen suchten wir den Stallbetreiber auf. Er erzählte uns, dass

die Züchterin den Kleinen abgeholt hatte. Es war enttäuschend, dass uns

niemand Bescheid gegeben hatte. Wir konnten uns nicht einmal von ihm

verabschieden. Wir hatten zwar mehrere Wochen mit den Zweien geübt, so dass

sie auch ein paar Stunden voneinander getrennt sein konnten. Doch das war nicht

das Gleiche. So gut es ging, versuchten wir für Bagira da zu sein. Helfen konnten

wir ihr damit aber nicht wirklich. Sie verstand natürlich nicht, warum ihr Sohn

auf einmal nicht mehr da war. Da wir 40 Minuten zum Stall fuhren und so

weniger Zeit für Bagira hatten, entschieden wir uns einen Cut zu machen. Wir

wollten Bagira zu uns in die Nähe holen. Das würde uns mehr Zeit für Bagira

ermöglichen. Wir machten uns auf Stallsuche und wurden nach längerer Suche

auch fündig.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

Bagira im Tagesauslauf im neuen Stall

Zwei Monate später zog Bagira auf die Schwäbische Alb um. Ihr Schmerz wurde

dadurch nicht gelindert, das kann nur die Zeit. Die Zeit kann es nicht

ungeschehen machen, doch kann sie den Schmerz etwas lindern. Bagira wirkte in

sich gekehrt. Wir versuchten sie mit Spaziergängen abzulenken. Das Verhältnis

zwischen uns schien zerrüttet zu sein. Bagira schien uns nicht mehr zu

vertrauen. Sie war schreckhaft und hatte große Angst. Wenn die Angst für sie

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

nicht auszuhalten war, fing sie an zu steigen. Das machte die Spaziergänge

unangenehm und gefährlich. Für uns stand fest, dass wir erneut ihr Vertrauen

gewinnen wollten. Wir konnten Bagira verstehen. Wir hatten nicht verhindert,

dass ihr Sohn weggenommen wurde und hatten sie zudem in einen neuen Stall

gebracht.

Bagira bekam eine neue

Herde. Die Töchter des

Stallbetreibers hatten

ebenfalls ihre Pferde in

dieser Herde. Aber aus

dem Versuch, Bagira in

die Herde zu integrieren

wurde leider nichts, denn

die Herdenchefin

akzeptierte Bagira nicht.

Also musste eine neue

Herde her.

Das erste gemeinsame Bild Ashanti & Bagira

Sie bestand aus drei weiteren Stuten, einer Trakehner-, eine Haflinger- und eine

Hannoveraner Stute. Die Hannoveraner Stute war Ashanti, Bagiras jetzige

beste Freundin. Bis zu ihrer großen Freundschaft würde es ein paar Jahre

dauern. Damals war noch die Trakehner Stute Ashantis bessere Hälfte. Diese

Stute war nicht bei Kräften, abgemagert und krank. Ashanti beschützte sie, so

auch vor Bagira. Bagira durfte nicht in ihre Nähe. So grasten sie entfernt

voneinander. Mit der

Zeit entwickelte sich

eine richtige Herde aus

den Vieren. Bagira war

und ist ein Pferd,

welches ihre Herde

braucht aber gerne

auch mal ihre Ruhe hat.

Sie spazierte gerne

über die Koppel.

Mit der Zeit kam das

Vertrauen zurück. Der

Bagira bei einem Spaziergang……..

Stallwechsel stellte sich

als Goldwert heraus. Er

schenkte uns mehr Zeit mit Bagira. Wir hatten nun Zeit für stundenlange

Spaziergänge und intensive Bodenarbeit. So hatten wir auch Zeit, Reitstunden

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

auf dem Hof, über einen längeren

Zeitraum, zu beobachten. Wir

entschieden uns, es erneut mit dem

Reiten zu versuchen. Auf Empfehlung

der Reitlehrerin wechselten wir die

Zäumung auf gebisslos, einen LG-

Zaum. Ein guter Tipp, wie sich

herausstellte. Bagira wurde der

Druck aus dem Maul genommen. So

fiel es ihr leichter im Trab ruhiger zu

laufen. Endlich war es keine Qual und

es machte Spaß, Bagira zu reiten. Mit

der Zeit erkannte man auch kleine

Fortschritte. Wir verbrachten eine

wunderschöne Zeit miteinander. Die

Stallqualität trübte unser Glück.

…. und im Rapsfeld

Täglich misteten wir die Box nach und

waren beschäftigt, dass Bagira genug

zu fressen bekam. Im Winter kamen die Boxenpferde nicht regelmäßig auf die

Weide und verbrachten mehrere Wochen im Stall. Für uns war es ein Kampf,

dass Bagira raus durfte. Die Futterqualität

nahm drastisch ab. Auch an schlechten Tagen

schleppten wir uns mit Migräne in Stall, dass

wir Bagira Bewegung, eine saubere Box und

gutes und genug Heu zum fressen

ermöglichen konnten. Einen besseren Stall

fanden wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Im Jahr 2013 wendete sich das Blatt.

Zurückblickend können wir sagen, Gott sei

Dank. Leider wurde diese Zeit mit dem ersten

großen Zusammenbruch von Bagira

angekündigt. Mitte 2013 ging Bagira lahm und

hatte eine dicke, heiße Sehne. Sofort

verständigten wir den Tierarzt, der unserer

Maus helfen sollte. Leider wurden

Fehldiagnosen getroffen. Das machte das

Ganze natürlich nicht besser, nur teurer.

Zuerst war von einer Prellung die Rede,

anschließend sollte es ein Bluterguss an der

Sehne sein und letztendlich war es eine

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Sehnenfraktur an der tiefen Beugesehne. Jeden zweiten Tag kam der Tierarzt

und spritzte Bagira Medikamente. Sie sollte stehen und nur Schritt auf hartem

Boden geführt werden. Immer wieder wurde uns gesagt, man dürfe Bagira

wieder bewegen, sogar wieder im Schritt reiten. Das Ende vom Lied war, dass die

Sehne wieder dick und warm wurde. Der Erfolg blieb aus, es kostete nur unnötig

viel Geld. Das zwang uns zum Umdenken. Wir entschieden uns Bagira Ruhe zu

gönnen -kein Reiten und keine Bodenarbeit, nur Schrittspaziergänge. Den

Boxenarrest hoben wir auf, da es für Bagira eine Qual war alleine in der Box zu

bleiben. Bagira sollte zu ihrer Herde. Nach einiger Zeit war nichts mehr an der

Sehne zu sehen oder zu spüren.

So vergingen Monate. Der nächste Schock folgte im Herbst. Bagiras Herde

gelangte auf eine Weide mit jungem Gras. Am Abend bekamen wir einen Anruf -

Bagira verhalte sich komisch. Im Stall hatten wir den Verdacht auf eine Kolik.

Sofort verständigten wir den Tierarzt. Er bestätigte den Verdacht. Bagira litt

unter einer schweren Gaskolik. Es sollte eine lange und schlaflose Nacht werden.

Der Tierarzt bemühte sich 2 ½ Stunden lang -Injektionen, laufen im Schritt,

stehen am Hang, Weißdorntinktur und einige Spritzen. Als alles nichts half

schickte er uns in die Klinik -ein Schock. Damals hatten wir noch keinen

Anhängerführerschein. In der Nacht riefen wir verzweifelt Bekannte an, die uns

helfen konnten Bagira in die Klinik zu fahren. Tatsächlich schafften wir es

jemanden zu organisieren. Wir sind unserer Bekannten bis heute sehr dankbar.

Sie hat unserer Bagira das Leben gerettet, das werden wir ihr nie vergessen. Es

musste schnell gehen, ab in den Hänger und los zur Pferdeklinik. Dort

angekommen ging es Bagira sichtlich besser. Das Rütteln des Hängers während

der Fahrt schaffte es glücklicherweise die Gaskolik zu lösen. Bagira musste

nicht operiert werden. Sie sollte nur über Nacht zur Beobachtung in der Klinik

bleiben. Die Nacht war schlaflos und die Konzentration am nächsten Tag in der

Schule und beim Studium war nicht machbar. Unsere Gedanken kreisten immer

zu um Bagira -Würde es ihr gut gehen? Hatte sie noch Schmerzen? Konnten wir

sie wieder mit nach Hause nehmen? Endlich der erlösende Anruf -Bagira ginge es

gut und wir dürften sie am Mittag wieder abholen. Bagira durfte endlich wieder

heim. Durch dieses Erlebnis fingen wir an, uns mit der richtigen Fütterung

auseinander zu setzten. Wir wurden auf die 24 Stunden Fütterung aufmerksam.

Der Magen der Pferde ist nur auf kleine Mahlzeiten ausgelegt und lange

Fresspausen schaden diesem.

Leider war eine 24 Stunden Fütterung in diesem Stall nicht möglich. Wir kauften

Bagira Heu Netze und hängten sie in die Box. So hatte Bagira länger und mehr

Heu zur Verfügung. Wir entwickelten immer mehr den Traum, ein perfektes

Zuhause zu finden. Die meisten Ställe in unserer Gegend waren alte Bauernhöfe.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Die meisten Bauern, die diese Ställe betreiben, haben von Pferdehaltung

überhaupt keine Ahnung. Sie riechen das große Geld, aber ein Herz für diese

wunderbaren Geschöpfe haben sie nicht. Sie weigern sich auf die Wünsche der

Einsteller einzugehen. Lieber schmeißen sie unangenehme Einsteller vom Hof.

Nach dem Verlust ihres Sohnes kam Bagira wieder in die Rosse. Sie geriet mit

der Zeit außer Kontrolle. Die Abstände zwischen den Rossen wurden kürzer und

führten zu schweren Krämpfen. Bagira zeigte währenddessen Kolikanzeichen. Die

Tierärzte wollten sie mit Hormonen behandeln. Es wäre aber nicht garantiert,

dass es ihr helfen würde. Die andere Option wäre gewesen, Bagira erneut zu

decken. Das kam für uns nicht in Frage, denn ihr Körper trug von den neun Fohlen

deutliche Spuren. Ein Zufall ergab den Kontakt zu einer Tierheilpraktikerin, die

zusätzlich energetisch heilte. Sie empfahl uns Mönchspfeffer. Tatsächlich, die

Rosse wurde abgeschwächt und die Abstände dazwischen wieder länger.

Das Schicksal fügte die Zahnräder weiter zusammen. Unser Hufschmied hängte

seinen Job an den Nagel. Das zwang uns auch über die Hufe nach zu denken. Wir

waren mit Bagira lediglich auf Spaziergängen unterwegs. Das brachte uns zu der

Meinung, dass sie keine Hufeisen brauchte. Also machten wir uns auf die Suche

nach einer neuen Möglichkeit. Die neue Tierheilpraktikerin brachte uns auf den

Weg einer Hufbearbeitungsmethode, bei welcher die Hufe in Balance gestellt

werden. Wir entschieden uns auf ein Seminar zu gehen und uns darüber zu

informieren. Davon überzeugt entschieden wir die Eisen abnehmen zu lassen. Der

Hufschmid, welchen wir dafür engagierten, war von dem Plan die Eisen zu

entfernen nicht angetan. Er versuchte uns mit Beleidigungen und Demütigungen

von unserem Plan abzubringen. Doch es war unsere Entscheidung und wir setzten

uns durch. Bagira gehörte zu uns und wir waren seine Kunden. Jeder vertritt

seine Meinung, doch muss man niemanden

demütigen, um ihn von seiner Meinung zu

überzeugen. Zurückblickend können wir sagen,

dass es die beste Entscheidung war. Wir hatten

nie wieder Probleme mit der Sehne, die

Muskelverspannungen glichen sich aus und das

Stolpern war ebenfalls wie weggeblasen. Es

gestaltete sich nicht als der einfachste Weg,

doch als der gesündeste.

Kurze Zeit später brach Ashantis beste Freundin

auf dem Weg zur Weide zusammen und musste

vor Ort eingeschläfert werden. Ashanti, Bagira

und der Rest der Herde trauerten um ihre

Freundin. Das schweißte Bagira und Ashanti

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

zusammen. Zeitgleich wurde Ashanti von ihren Besitzern im Stall als Pfand

zurückgelassen. Bagira war für Ashanti da und baute sie auf. Aus den zweien

wurden unzertrennliche Freundinnen. Von nun an waren die Zwei nur noch im

Doppelpack zu sichten. Sie waren wie Pech und Schwefel. Die eine spiegelte die

andere wieder und umgekehrt.

Von unserer Hufpflegerin lernten wir den Hintergrund von Horsemanship kennen.

Diese Form von Arbeit mit dem Pferd faszinierte uns. Wir kamen in Kontakt mit

unserer Horsemanship Trainerin. Das Schicksal nahm seinen Gang. Es sollte

unsere Bestimmung sein. Von Beginn an fühlte Bagira sich verstanden und blühte

bei der Arbeit auf. Auch für uns war diese Art von Arbeit schön. Endlich wurden

wir von unserem Pferd verstanden. Wir lernten ihre Sprache kennen. So klar und

doch so leise. Von uns Menschen wird sie zu oft überhört. Wir nehmen sie nicht

wahr. Darunter leiden die Pferde. Es öffnete uns die Augen. Wir lernten, auf

jedes Zeichen von Bagira zu achten. Die Arbeit schweißte uns noch näher

zusammen. Nebenbei waren wir immer noch auf der Suche nach einem neuen

Stall. Doch hatten wir leider noch nichts Passendes gefunden. Ein Zahnrad

steuerte das nächste. Unsere Hufpflegerin berichtet uns, dass bei ihr im Stall

noch ein Offenstallplatz frei sei. Dieses ermöglichte uns, Bagira aus der Box und

aus alten Mustern in ein neues Leben zu holen. Doch was sollte aus der neu

gewonnen Freundschaft zwischen Bagira und Ashanti werden? Wie wir vom

Stallbetreiber erfuhren, hatte er noch keinen neuen Besitzer für Ashanti

gefunden. Ashanti war dämpfig, das macht einen Verkauf nicht einfach. Er

spielte mit dem Gedanken, den Abdecker kommen zu lassen. Ein Schock für uns.

Doch ein zweites Pferd konnten wir uns nicht leisten. Durch Zufall sprachen wir

mit unserer Tierheilpraktikerin und Heilerin darüber.

Die Lösung war näher als wir dachten. Unsere Heilerin hatte ein großes Herz, sie

machte uns ein großartiges Angebot – sie würde die Patin für Ashanti und wir die

Pfleger werden. Das Schicksal war besiegelt. Ashanti und Bagira würden

zusammen umziehen und in ein neues Leben starten. Faszinierend war, dass die

Pferde sofort Bescheid wussten. Sie merkten wohl, dass etwas im Busch war.

Am Tag des Umzuges schienen sie auf etwas zu warten. Ungeduldig warteten sie

auf der Koppel, bis wir sie endlich reinholten. Es schien, als ob sie sehnsüchtig

auf etwas warteten. Kurz vor der Reise tat sich ein schweres Unwetter auf. Alle

Pferde im Stall schienen nervös zu werden, nur die zwei standen seelenruhig in

ihrer Box und schauten sehnsüchtig in die Ferne. Als das Unwetter endlich

vorbei, war ging es los. Die Pferde sollten verladen werden. Voller Elan stiegen

beide ohne Probleme in den Hänger. Die Reise konnte losgehen. Auf ging es in ein

neues Leben. Als wir endlich im neuen Stall angekommen waren, stiegen die zwei

Stuten neugierig aus dem Hänger und schauten sich um. Sie waren ruhig als

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

würden sie wissen, dass ein neues, schöneres

Leben beginnen würde. Wir ließen die zwei sich

in Ruhe umschauen, bis sie alles erkundet

hatten. Anschließend brachten wir sie in ihren

neuen Offenstall.

Dort angekommen, durften die Zwei in ihr

abgetrenntes Abteil. Es war direkt neben den

anderen drei Pferden, die dort schon wohnten.

So konnten sich die Pferde in Ruhe kennenlernen

und beschnuppern. Zu dem Abteil gehörte eine

eigene Koppel. Die Zwei marschierten sofort auf

die Koppel und grasten genüsslich. Für die

anderen Pferde interessierten sie sich nicht.

Viel wichtiger war das saftige Gras. Von Beginn

Bagira als sie aus dem Hänger stieg

an fühlten sie sich

zuhause, das war spürbar.

Es war schön zu sehen, wie

sich die Zwei von Tag zu

Tag mehr zu Hause

fühlten. Sechs Wochen

nach der Ankunft war der

Tag der Eingliederung in

die Herde. Es schien, als

ob die Pferde schon immer

eine Herde waren. Beide

hatten ein neues Zuhause

gefunden. Die Zwei fanden

immer mehr zu Kräften

und blühten regelrecht

auf. Das Fell fing an, richtig schön zu glänzen und das Allgemeinwohl der Beiden

schien immer mehr aufzublühen. Allerdings gab es Tage, an denen es Bagira

scheinbar nicht gut ging. An solchen Tagen fraß sie wenig und war schlecht

gelaunt. Die Ursache konnten wir nicht feststellen.

Im Sommer hatten wir dann einen Pferdezahnarzttermin. Dort hegte die

Zahnärztin den Verdacht, dass Bagira unter EOTRH leiden könnte -einer

Zahnkrankheit, bei welcher der Zahnschmelz an den Wurzeln abgebaut wird. Die

Zahnwurzel arbeitet dagegen und produziert Zahnzement. Das führt zu einer

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Verdickung der Zahnwurzeln und verursacht starke Schmerzen. Aus diesem

Grund sollten wir in die Zahnklinik fahren und den Kiefer röntgen lassen. Der

Verdacht wurde leider bestätigt, weshalb fünf Schneidezähne extrahiert

werden mussten. Die Wunden heilten schnell und Bagira ging es nach der

Zahnoperation spürbar besser. Die schlechten Tage wurden spürbar weniger.

Weiterhin arbeiteten wir mit Horsemanship. Von Tag zu Tag wurde Bagira

selbstbewusster. Nach einigen Monaten fingen wir wieder mit dem Reiten an.

Wir entschieden uns, mit Hilfe unsere Horsemanship Trainerin umzulernen und

von Null anzufangen. Zu Beginn war es für uns extrem schwer umzulernen, das

Alte zu vergessen und Neues kennenzulernen. Für Bagira war es eine

Erleichterung. Sie schien Spaß an der Arbeit zu haben. Immer wieder lobte sie

uns mit Abschnauben. Es wirkte, als ob sie uns sagen wolle, so macht ihr es

richtig. Nach und nach machten wir kleine Fortschritte. Die Art von Arbeit mit

dem Pferd gefiel uns. Endlich hatten wir die

Chance, auf Bagira eingehen zu können und

wir wuchsen mit unserer Aufgabe.

Je älter Bagira wurde, desto jünger sah sie

aus. Es verging ein wunderschönes Jahr.

Doch es sollte nicht anhalten. Im Sommer

2015 folgte ein großer Schicksalsschlag.

Plötzlich und ohne Vorahnung verstarb der

Schwiegersohn des Stallbetreibers. Er

entschied sich seinen Hof aufzugeben. Der

Hof sollte verkauft werden. Dadurch war das Schicksal des Hofes ungewiss. Wir

machten uns erneut auf die Suche nach einem neuen Stall für die zwei Mädels.

Es schien jedoch unmöglich zu

sein, einen Stall zu finden.

Entweder war der Stall nicht

passend oder es gab keinen Platz

für zwei Pferde. Aus diesem

Grund entschieden wir erst einmal

zu bleiben und abzuwarten. Als

der Winter kam, erreichten wir

unser zweites Tief. Bagira

magerte immer mehr ab und

verlor ihre Kraft. Eine Ursache

dafür konnte nicht festgestellt

werden. Bis heute denken wir, dass Bagira die Tortur auf dem Hof zu schaffen

machte. Seit dem Tod des Schwiegersohnes lag eine bedrückende Stille auf dem

Hof. Es war eine quälende, trauernde Stille. Den Einstellern schien die

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Ungewissheit ebenso zu schaffen zu machen wie den Pferden. Es ging allen an die

Nieren. Wir machten uns große Sorgen um unsere Maus. Durch Zufall lernten wir

unsere heutige TCM-Heilpraktikerin kennen. Wir erzählten ihr von unserer

Bagira. Einige Zeit später kam sie das erste Mal zu uns. Wie sich herausstellte

war Bagiras Nierenessenz, durch die Geburten der vielen Fohlen, extrem

geschwächt. Durch eine Lichtstiftakkupunkturtherapie brachten wir Bagira

wieder zu Kräften und sie nahm endlich wieder zu. Die Suche nach Stallplätzen

für Ashanti und Bagira schien endlos und schließlich wurde auf dem

Nachbargrundstück ein Platz frei, den Ashanti dann bezog. Bagira blieb vorerst

auf dem alten Hof, weil keine Lösung in Sicht war. Doch auch der Nachbarhof

stellte keine wirkliche Alternative dar, diente lediglich dazu, den Platz auf dem

alten Hof zu räumen.

Für die beiden Stuten war die

Situation schier unerträglich. Wenn

sie auf den Koppeln waren, konnten

sie sich zwar sehen, aber nicht

zueinander laufen. Den ganzen Tag

war das flehende Rufen der beiden

zu hören.

Ein paar Dörfer weiter wurde dann

endlich für Bagira ein Platz gefunden

Bagira bei einem Spaziergang während der Trennung

und Ashanti verblieb zunächst noch

auf dem Nachbarhof. Der andere

Stall war ein Aktivstall. Er befand sich allerdings noch im Aufbau. Es war noch

vieles provisorisch. Bagira könnte sich so bewegen, wie sie es braucht und hätte

dabei noch eine 24 Stunden Heufütterung. Das würde Bagira brauchen, doch

Ashanti wäre nicht bei ihr.

Zwei Wochen später stand unser Umzug an. Vielleicht hatten wir die Chance auf

ein Leben, in dem Bagira wieder zu Kräften kommen konnte. Zeitgleich mit Bagira

zog ein Wallach mit in den neuen Stall ein. Beide kamen nebeneinander in die

Eingewöhnungsboxen. Dort hatten sie Kontakt zu den Pferden und konnten die

Herde kennenlernen. Das Glück währte nicht lange. Nebenan standen Ziegen im

Stall. Bagira kannte die Geräusche nicht. Das "Mähen" und "Meckern" war für sie

erschreckend und es machte sich Panik in ihr breit. Wir hatten alle Mühe, dass

sie uns die Box nicht einriss. Daraufhin entschieden wir uns, Bagira auf die

Weide zu bringen. Dort konnte sie sich an die neuen Geräusche gewöhnen. Zum

Glück war schönes Wetter. Der Wallach stand neben Bagira auf der Weide,

damit sie nicht alleine war. Dort angekommen, beruhigte sich Bagira wieder und

sie fing genüsslich an ihr Heu zu fressen. Nach einigen Tagen hatte sie

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Freundschaft mit dem neuen Wallach geschlossen. Wir beschlossen, die Zwei

zusammen zu lassen. Kaum war der Zaun zwischen den Zweien geöffnet,

marschierten beide Schnurstraks zum Futter. Kopf an Kopf fraßen sie ihr Heu.

Die Zwei verstanden sich

prächtig.

Die Geräusche der

Ziegen wurden zur

Gewohnheit. Bis dato

standen 6 Pferde im

Aktivstall -eine Stute

mit Fohlen, zwei weitere

Stuten und ein Wallach,

Bagira und ihr neuer

Freund. Bagira gewann an

Kraft. Die Bewegung und

die 24 Stunden

Fütterung taten ihr

ungemein gut. Sie wurde

Bagira und Ihr neuer Freund – Endlich zusammen….

wieder ein Pferd mit Figur. Das Fell fing wieder an zu glänzen und sie schien sich

wohl zu fühlen. Das zeigte uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen

hatten. Nach einem Streit zwischen den Stallbetreiberinnen und einer

Einstellerin, die drei Pferde eingestellt hatte, entschied sich die Einstellerin zu

gehen. So waren es nur

noch drei Pferde auf dem

Hof. Die Haflingerstute

wurde zu Bagira und ihrem

Freund eingegliedert.

Bagira fand in ihr eine

neue Freundin. Sie

bildeten eine zufriedene,

kleine Herde. Alle drei

schienen glücklich zu sein.

Immer

öfters

beobachteten wir, wie

Bagira im Liegen schlief.

Das hatten wir zuvor noch

nie beobachtet. Bagira

MITTAGSSCHLAF

fühlte sich wohl.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Da der Stall selber noch keinen Reitplatz hatte, gingen wir immer zu einem

benachbarten Stall auf den Reitplatz. Zu Beginn war der Ort für Bagira

furchtbar, da es sich um einen großen Stall mit vielen Pferden handelte und viel

Trubel auf dem Reitplatz war. Sie musste sich erst einmal daran gewöhnen. Wir

versuchten immer zu den Uhrzeiten auf den Reitplatz zu gehen, an denen wenig

los war. Mit der Zeit war es für Bagira auch kein Problem mehr. Es machte

richtig Spaß mit ihr zu arbeiten. Weiterhin nahmen wir unsere Horsemanship

Stunden. Nach einiger Zeit schlossen wir uns den anderen beiden Einstellerinnen

an und gingen mit ihnen ausreiten. So konnten wir das Sein in der Natur und das

Reiten verbinden. Das war bislang noch nie möglich gewesen. Trotz allem blieben

wir auch unseren Spaziergängen treu. Bagira liebte es durch das Gelände zu

laufen und in die Ferne zu blicken. Mitte des Jahres zog noch ein Wallach in die

Herde. Auch mit ihm verstand sich Bagira prima. Kurze Zeit später folgte noch

eine Stute. Sie wohnte aber nur einen Monat auf dem Hof. Das Glück wurde

immer wieder durch leere Versprechungen der Stallbetreiberinnen getrübt.

Nichts geschah auf dem Hof. Alles blieb ein Provisorium. Immer wieder wiesen

wir Einsteller darauf hin, dass etwas vor dem Einbruch des Winters getan

werden müsse. Die Scheune war behelfsweise aus Planen und Teppichen

zusammengeschustert. Die Trails waren ohne Bodenbeläge und die

Wasserleitungen nicht

isoliert. Es kristallisierte

sich leider immer mehr

heraus, dass die

Stallbetreiberinnen sich

mit ihren Plänen

übernommen hatten.

Trotzdem verbrachten

wir einen schönen

Sommer dort, abgesehen

von den Sorgen um den

Winter und wie es weiter

gehen sollte.

Bagira mit neuer Freundin

Die Stallbetreiberinnen

waren immer mehr mit

ihrer Aufgabe überfordert. Das Prinzip des Stalles war Goldwert, doch die

Umsetzung gelang ihnen nicht. Plötzlich merkten sie, dass die 24 Stunden

Heufütterung ins Geld ging und man ständig schauen musste, ob die Heutonnen

auch gefüllt seien. Deshalb kamen sie auf die glorreiche Idee, Heunetze mit

kleineren Fresslöchern zu verwenden. Für unsere Bagira war das keine gute

Entscheidung. Ihre Zahnkrankheit machte es ihr unmöglich an das Heu zu

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

gelangen. Nach langen Streitigkeiten schafften wir es letzten Endes, die

Stallbetreiberinnen davon zu überzeugen, dass sie Bagira zusätzlich zweimal am

Tag mit Heu in der Eingliederungsbox fütterten.

Ein paar Wochen später erfuhren wir, dass zwei neue Stuten in den Stall

einziehen sollten. Wir waren überzeugt davon, dass sie, wie die anderen Pferde,

auch in Ruhe eingegliedert werden würden. Doch da hatten wir uns getäuscht.

Die Stuten standen lediglich nur einen Tag und eine Nacht separat. Am nächsten

Tag wurden sie einfach in die Herde gelassen. Als wir im Stall ankamen, rannten

die Pferde wild über den Trail. Es harmonierte überhaupt nicht zwischen den

Pferden. Zum Glück war genug Platz, dass die Pferde sich gegenseitig ausweichen

konnten. Wir Einsteller tobten vor Wut. Das konnte doch nicht sein. Die

Stallbetreiberinnen ignorierten unseren Zorn. Sie waren der Meinung, sie führen

ihren Stall so wie sie es für richtig halten. Wenn uns das nicht passen würde,

dann könnten wir auch gerne gehen. Wir beschlossen gemeinsam mit den

Besitzerinnen der Haflingerstute und des Oldenburger Wallach, dass wir uns auf

Stallsuche begeben würden. Unsere Hoffnung war, dass die drei Freunde

zusammenbleiben konnten. Leider fanden wir keinen Stall, der unseren

Anforderungen entsprach. Wir entschieden uns wiederum vorerst zu bleiben und

abzuwarten.

Der Herbst rückte näher und Ende Oktober fiel der erste Schnee. Die Trails

wurden immer matschiger und der eisige Wind pfiff durch den provisorischen

Unterstand. Die neuen Stuten waren nicht sehr freundlich zu der Herde. Sie

ließen die rangniedrigen Tiere, wie Bagira und die Haflingerstute, nicht in den

Unterstand. Bagira fing an immer mehr abzunehmen. Uns war klar, dass wir

handeln mussten und zwar sofort und nicht erst wenn es zu spät war. Wir hatten

die Nase voll und entschieden uns, wohl oder übel alleine auf die Suche zu

begeben. Von unserer Horsemanship Trainerin erfuhren wir, dass auf einem Hof

ein Offenstallplatz frei geworden war. Sie meinte, Bagira würde charakterlich

gut zu den anderen Pferden passen. Wir kannten den Hof. Die Patin von Ashanti

hatte ihre Praxis und Wohnung dort.

Auf der Stallsuche ein paar Jahre zuvor, war dort auch eine Box frei gewesen.

Wir hatten damals allerdings nach einem Offenstall gesucht, weshalb dieser

Stall nicht in Frage kam. Also schauten wir uns den freien Offenstallplatz an. Die

Stallbetreiberin hörte sich geduldig unsere Geschichte an. Sie spürte, dass wir

mit Bagira in Not waren und bot uns diesen Platz an. Sie versprach uns, dass auf

Bagira eingegangen würde und verdeutlichte ihre Ideologie und die Philosophie

dieses Stalles. Der Hof sei ein Platz des Friedens, des Herzenswunsches und der

Heilung. Es sei ein Leben in der Natur, in Harmonie mit Mensch und Tier.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Der Offenstall befand sich auf einer wunderschönen Obstbaumwiese, etwas

abseits der anderen Ställe in ruhiger Lage. Die anderen Pferde wirkten

freundlich und offen. Wir waren hin und her gerissen. War es das richtige? War

der Platz groß genug für Bagira? Die größte Angst die wir hatten war, dass sich

Bagira mit den anderen Pferden nicht verstehen würde und nicht in den

Unterstand dürfte. Wir waren uns nicht sicher. Eines war jedoch klar, in dem

Stall, in dem Bagira gegenwärtig stand, konnten wir definitiv nicht bleiben. Das

würde Bagira schaden. Schlechter konnte es nicht werden. Wir entschieden uns,

noch eine Nacht darüber zu schlafen.

Am nächsten Tag wussten wir, auf diesen Hof würden wir mit Bagira ziehen. Dort

hat sie eine Chance auf Heilung und Frieden. Dort konnte sie das Pferd sein

wieder genießen. Wir entschieden uns, Anfang Dezember 2016 mit Bagira erneut

umzuziehen. Da wir uns mit unserer Entscheidung insgeheim doch noch unsicher

waren, da wir Bagira wieder zwei Freunde nehmen würden, brachte uns die

Besitzerin der Haflingerstute die Tierkommunikation näher. Sie empfahl uns eine

Tierkommunikatorin, mit der wir daraufhin in Kontakt traten. Wir konnten uns

nichts darunter vorstellen, doch war es ein Versuch wert. So bekamen wir die

Möglichkeit Bagira auf den Umzug vorzubereiten und es ihr zu erklären. Wir

schrieben der Tierkommunikatorin unsere Fragen und erzählten ihr vom neuen

Stall, so dass sie es an Bagira weitergeben konnte. Eine Woche später sendete

sie uns das Gespräch zu. Es rührte uns zu Tränen. Wir waren hin und weg, was

Bagira alles in dem Gespräch erzählte. Das konnte die Tierkommunikatorin nicht

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

wissen, da wir es ihr nicht erzählt hatten. Bagira erzählte von den

Spaziergängen, die sie so liebt, von den tollen Massagen, die sie von uns bekam

und von ihrem Leben. Die Tierkommunikatorin kannte weder Bagira noch etwas

aus ihrem Leben. Wir hatten nur vom neuen Stall erzählt und wollten von Bagira

wissen, ob sie glücklich sei und ob sie sich in dem alten Stall noch wohl fühle.

Dazu hatten wir ihr ein aktuelles Bild von Bagira gesendet. Bagira freute sich

über unsere Entscheidung. Sie merkte, dass in dem alten Stall keiner von uns

glücklich war. Sie äußerte die Hoffnung neue Freunde zu finden. Das bestärkte

uns in unserer

Entscheidung.

Eine Woche später war

bereits Dezember und

der Umzug stand vor der

Tür. Die Fahrt war

nervenaufreibender, als

gedacht. Wir hatten uns

einen Pferdehänger

geliehen. Er hatte eine

modernere Zwischenwand

– eine Stange mit einer

Plane. Während der

Bagira eine Woche im neuen Stall

Fahrt bemerkten wir,

dass Bagira in den

Rechtskurven im Hänger

rutschte. Das Anlehnen

an die Zwischenwand war

für sie, durch die Plane,

nicht möglich. Während

der Fahrt entschieden

wir uns für eine neue

Route – eine mit wenigen

Rechtskurven, auch wenn

dadurch der Weg länger

war. Wir schlichen

wortwörtlich in den neuen

Stall. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich an. Neugierig stieg Bagira

aus dem Hänger. Die Fahrt war sichtlich anstrengend für sie gewesen. Wir

führten sie in ihr neues Zuhause. Sie bekam vorerst ein abgegrenztes Abteil, mit

der Hälfte der Koppel. Auf der anderen Hälfte standen zwei Pferde. So konnten

sich die Drei aneinander gewöhnen. Bagiras neue Mitbewohner waren von Anfang

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

an neugierig, doch Bagira

ließ sich nicht beirren und

marschierte schnurstracks

zum Heu. Sie fraß sich

erst einmal richtig satt

bevor sie sich ihr neues

Heim anschaute. Im

Anschluss hatte sie auch

endlich Zeit die zwei

anderen Pferde neugierig

zu beschnuppern.

Nach ein paar Tagen bekam Bagira tagsüber Gesellschaft von einem älteren

Wallach, der ihr die Eingewöhnung versüßen sollte. Er zeigte ihr den Ablauf auf

dem Hof. So war

Bagira tagsüber

nicht alleine und

hatte einen Freund

an der Seite. Das

tat ihr sichtlich gut.

Jeden Tag hatte

Bagira wieder ein

Kilo mehr auf den

Rippen. Sie nahm

wieder schön zu. Sie

lebte sich gut ein

und wirkte müde

aber zufrieden.

Nach drei Wochen wurde Bagira zu den anderen Pferden eingegliedert. Von

Beginn verstanden sich die Pferde. So wurde aus den Dreien eine kleine, neue

Herde. Bagira durfte sogar mit in den Unterstand, obwohl sie die Rangniedrigste

von allen war. Sie fand in der Herde ihre Ruhe und man spürte, dass sie

angekommen war. Bagira wirkte glücklich und zufrieden. Es war schön, endlich

sorgenfrei zu seinem Pferd gehen zu können. Wir hatten keine Furcht mehr

davor, dass ständig neue Überraschungen zum Vorschein kommen würden. Wir

konnten uns endlich nur auf das Wichtigste konzentrieren – auf Bagira.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Nach einer Zeit fingen wir wieder an mit Bagira zu arbeiten. Doch auf dem

Reitplatz entpuppte sich ein Problem. An zwei Seiten des Platzes lagen Erdwalle,

auf denen Büsche standen. Das empfand Bagira als gefährlich. Wir konnten sie

nicht davon überzeugen, dass die Hecken harmlos sind. Dabei half uns das

Horsemanship leider auch nicht weiter. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch

keine Lösung für das Problem, doch es würde sich ein Türchen auftun.

Anfang 2017 fand ein Seminar über die Faszinetik auf dem Hof statt. Es

kristallisierte sich als ein sehr interessantes Seminar heraus. Dort lernten wir

den Zusammenhang vieler Probleme mit den Faszien. Faszien überziehen den

Muskel, die Organe, etc. und gelangen oft in Vergessenheit. Sind diese

Strukturen ungelöst, ist es für das Pferd unmöglich sich frei zu bewegen.

Fasziniert informierten wir uns über die Arbeit mit dem Faszienrad und dem

Bridle, sowie dem Bodyformer. Nach dem Theorieteil sollte die Arbeit mit dem

Faszienrad noch in der Praxis vorgeführt werden. Die Stallbetreiberin hatte die

Idee, Bagira als

Versuchspferd

vorzustellen, denn ihr war

der Kontakt mit dem

Faszienrad noch fremd.

Wir dachten uns, dass es

ein Versuch wert sei. Zu

Beginn war Bagira nervös

- so viele Menschen. Es

wurde uns erklärt, dass

die Pferde lernen sich bei

der Arbeit mit dem

Faszienrad

zu

Bagira mit Bambi

entspannen. Doch das

Lösen von Faszien ist zu Beginn schmerzhaft. Die Menschen, die mit der

Blackrole arbeiten, kennen das Gefühl und wissen, dass über längeren Zeitraum

viele Probleme gelöst werden können. Nach kürzester Zeit mit dem Faszienrad

lernte Bagira sich zu entspannen und sie wurde schlagartig ruhiger. Es schien ihr

sichtlich gut zu tun. Uns überzeugte die Faszinetik. Deshalb beschlossen wir,

diese Art von Arbeit auszuprobieren. Zuerst lernten wir das Arbeiten mit dem

Faszienrad kennen – das statische Lösen der Faszien. So schafften wir es nach

und nach Faszien zu lösen. Zu Beginn war spürbar, dass es zum Teil schmerzhaft

war. Doch sah man auch den Fortschritt. Bagiras Körper schien aufzumachen.

Der Rücken hob sich sichtbar und ihre Schreckhaftigkeit wurde weniger.

Anschließend lernten wir das Lösen von Faszien in der Bewegung kennen. Das A

und O in der Faszienarbeit ist die Abwechslung. Nach kürzester Zeit war das

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Problem mit dem Gebüsch auf dem Platz verschwunden. Bagira konnte endlich

entspannt an den Hecken vorbeilaufen. Körperlich wirkte sie fitter und

zufriedener. Es war das Stück in unserem Puzzle, was uns auf unserem Weg noch

gefehlt hatte.

Im März 2017 ereilte uns dann eine riesige Überraschung. Wir erfuhren, dass

Ashanti zu Bagira in den Offenstall ziehen sollte. Durch eine Erkrankung war es

ihrer Patin nicht mehr möglich, mit dem Auto zu ihr zu kommen. Deshalb

entschied sie sich, Ashanti zu Bagira zu holen. So konnte sie Ashanti wieder bei

sich haben, was auch ihre Genesung unterstützen würde. Es war eine

Riesenfreude. Bagira würde ihre beste Freundin wieder bekommen. Ihr

Herzenswunsch, einen Freund auf dem Hof zu finden, würde wahr werden. Doch

würden sie sich denn noch kennen und mögen?

Der große Tag stand im April 2017 an. Nervös fuhren wir in den Stall. Wie würde

Bagira reagieren? Der Hänger fuhr auf den Hof. Bagira stand am Putzplatz und

wartete gespannt und lies sich nicht beeindrucken. Ashanti stieg aus dem

Hänger. Nervös wieherte sie. Bagira erkannte sie sofort an ihrem Wiehern und

wieherte aufgeregt zurück. Endlich entdeckte Ashanti ihre Freundin und es

ertönte schallendes Gewieher über den Hof. Es war ein wunderschöner

Augenblick, der uns die Tränen in die Augen schießen ließ. Es brach aus uns

heraus. Die Trennung der Zwei hatte uns doch tiefer getroffen als wir

annahmen.

Der Moment des Wiedersehens

Die Stallbetreiberin handelte, holte Bagira und führte sie zu ihrer Ashanti. Es

war ein wunderschöner Moment. Man kann es nicht in Worte fassen. Die Zwei

waren von Beginn an wieder unzertrennlich. So würde Bagira mit ihrer Ashanti

zur Eingewöhnung separat neben den anderen leben. Sie hingen sofort

aneinander wie Pech und Schwefel. Es schien, als ob die Zwei niemals getrennt

gewesen waren. Sie hatten sich sofort wiedererkannt. Es war der schönste

Moment in unserem Leben und wir sind dankbar, dass wir ihn erleben durften.

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Von Tag zu Tag gewann Ashanti an Kräften dazu. Bagira blühte ebenfalls immer

mehr auf. Ihr neues Leben hatte begonnen. Nach einigen Wochen wurde die

Herde zusammengeführt. Bagira half ihrer Freundin, sich in die Herde

einzufinden. Ashanti stieg zur Herdenchefin auf. Bagira schlich sich in ihre

Spuren. So stieg sie ebenfalls im Rang. Sie kam gleich nach Ashanti, doch nur

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

Bagira & Ashanti wieder vereint

solange diese auch in der Herde stand. Sobald Ashanti auf Spaziergängen war,

hatte sie ihren alten Rang wieder. Das ließ Bagiras Selbstbewusstsein wachsen.

Beide strahlten ihr Glück nach außen.

Es folgte ein wunderschöner Sommer, in dem Bagira in ihrem Glück erstrahlte.

Doch im Herbst zeigte sich uns eine neue Aufgabe. Wir erfuhren, dass Ashantis

Patin auf Grund ihrer Erkrankung, einen neuen Weg einschlagen würde. Sie würde

den Hof verlassen, doch wollte sie Ashanti und Bagira nicht erneut trennen. Sie

sollten beisammenbleiben. Nach langen Überlegungen und Aussprachen ergab

sich eine Lösung. Ashanti würde auf dem Hof bleiben und die Patenschaft würde

weiter übernommen werden. Wir würden die Pflege übernehmen und Ashanti

würde als erstes Gnadenhofpferd auf dem Hof bleiben. Uns fiel ein riesiger

Stein vom Herzen. Das Schicksal ermöglichte es, dass die Zwei zusammenbleiben

dürfen und ihr Glück weiterhin auf dem Hof genießen können. So ging auch der

Herbst schnell an uns vorüber. Es folgte der Winter. Bagira entschied sich, in

der kalten und nassen Jahreszeit wolle sie im Stall leben. Über Nacht lebte sie

nun mit Ashanti im Stall. Dort war es windstill und trocken. Das Beste daran, sie

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

musste ihre verhasste Decke nicht tragen. Der Winter war nie ihre Jahreszeit

und schwächte sie früher, jetzt blieb sie bei Kräften. Es war das erste Mal, dass

Bagira mit Ressourcen in den Winter startete. Erstmals magerte Bagira nicht ab,

es ging endlich bergauf.

Wir können heute mit ruhigem Gewissen sagen, dass es Bagira gut geht – besser

denn je. Sie ist in der Zwischenzeit 20 Jahre alt, sieht besser aus als je zuvor

und wirkt glücklich und zufrieden. Wir wünschen uns noch lange, schöne Momente

mit ihr, die wir mit ihr genießen dürfen. Wir sind zu Freunden

zusammengewachsen. Einer ergänzt den anderen. Nach so langer Zeit kennen wir

uns in und auswendig. Es gibt gute und schlechte Tage. Wir müssen lernen, auch

die schlechten Tage zu akzeptieren und die Guten zu genießen. Bagira lehrte uns

zu zuhören, auf unser Bauchgefühl zu hören und auch zu vertrauen. Sie spricht

eine sehr klare Sprache und weiß was sie will. Die Kunst ist es, zu zuhören.

Wichtig ist auch, manchmal die Umgebung auszublenden. Als Pferdebesitzer ist

man vielen Reizen ausgesetzt. Es ist schwer, richtig oder falsch

herauszukristallisieren. Dabei ist das eigene Bauchgefühl sehr wichtig. Wir

haben die Erfahrung gemacht, auch einmal nicht auf unser Bauchgefühl zu hören.

Das haben wir jedoch später bitter bereut. Wir haben gelernt, Bagira zu

vertrauen und an ihr zu wachsen. Wir sind dankbar für die Momente und dafür,

eine so großartige Lehrmeisterin bekommen zu haben.

Bagira & Ashanti wieder vereint

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

An alle Pferdebesitzer da draußen: Durch unseren langen und teilweise auch

schweren Weg haben wir festgestellt, dass es sich lohnt, für seinen Traum zu

kämpfen. Das schönste Geschenk was wir bekommen haben, ist die tiefe und

innige Liebe von Bagira. Wichtig ist es, aus seinen Schicksalsschlägen zu lernen

und daran zu wachsen. Lernt aus euren Fehlern. Die Pferde weisen euch den Weg.

Doch müsst ihr Zuhören, was eure Pferde euch zu sagen haben. Wenn ihr das

schafft, habt ihr einen treuen Gefährten, der stets für euch da ist. Wichtig ist

zu erkennen, wenn der Weg in eine falsche Richtung geht und rechtzeitig

umzukehren. Bagira ist unser größter Lehrmeister. Sie hat für uns bestimmt

noch einige Lektionen, an denen wir wachsen können. Genießt jede Sekunde, jede

Minute, jede Stunde, jeden Tag und jedes Jahr mit euren Vierbeinern. Einige

Zeit betrachteten wir unseren Weg als Leidensweg. Nach längerem Betrachten

wurde uns klar, dass es ein Weg des Lernens und der Freundschaft war. Es ist

alles Schicksal, das man nicht ändern kann. Man sollte es annehmen und das

Leben genießen. Jeden schönen Moment sollte man in seinen Gedanken

festhalten. So kann man sich in schweren Zeiten immer wieder daran erinnern.

Das hilft einem an sich zu glauben und weiter nach vorne zu gehen. Wir wünschen

uns noch ganz viele schöne Momente mit unserer Bagira und danken ihr für all die

schönen Momente.

In Liebe Silvi und Jana

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

Bagira im Sommer 2017

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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Bagira´s Verjüngungskur

14 Jahre

16 Jahre

17 Jahre

Unser Leben mit Bagira von Jana & Silvi

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DIGNITAS – Die Würde der Tiere

Freundschaft verbindet – Drei ganze Leben

18 Jahre

19 Jahre

19 Jahre

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