2017_Dokumentation Demokratiekonferenz des Saale-Orla-Kreises

vielfaltimsok

Am 18.08.2017 fand auf Burg Ranis die 4. Demokratiekonferenz des Saale-Orla-Kreises statt.

Dokumentation der

Demokratiekonferenz 2017


Liebe Leserinnen und Leser,

am 18. August 2017 fand auf Burg Ranis die diesjährige

Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie im Saale-Orla-

Kreis statt. Unter dem Motto „Kunst und Kultur zwischen Gesellschaft und

Politik“ kamen Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen

Bereichen zusammen, um sich zu vernetzen, die Partnerschaft für

Demokratie besser kennenzulernen und ganz konkrete Schritte für eine

weitere gemeinsame Arbeit zu planen.

Das Format der Veranstaltung war sehr offen gehalten, es ging vor allem

darum, ins Gespräch zu kommen und in den Austausch zu treten – dazu

gab es die Möglichkeit, nach Workshop, Vortrag und Podiumsdiskussion

bei Livemusik und „Häppchen“ Beteiligungsangebote zu nutzen, bei denen

alle zu Wort kommen und ihre ganz persönlichen Anliegen artikulieren

konnten.

Die vorliegende Dokumentation dient der Zusammenfassung des Abends

und seiner Ergebnisse.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und

Teilnehmern, die mit ihren Ideen und ihren Erfahrungen zu einer

gelungenen Veranstaltung beigetragen haben.


Grußwort

– Anette Feike, 2. ehrenamtl. Beigeordnete des Landrates

Meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrte Helfer, sehr geehrte Menschen, die Verantwortung für

ein demokratisches Miteinander übernehmen.

Ich begrüße Sie alle recht herzlich zur diesjährigen Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie im

Saale-Orla-Kreis auf der Burg Ranis.

Nach den Demokratiekonferenzen unter dem Motto:

„Zwischen Saale und Orla für Demokratie, Courage, Toleranz und Weltoffenheit“ 2015

„Willkommenskultur im Saale-Orla-Kreis“ ebenfalls im Jahr 2015 und

„Partnerschaft braucht Partner“ im vergangenen Jahr,

steht die 4. Demokratiekonferenz im Saale-Orla-Kreis nun unter der Überschrift:

„Kunst und Kultur zwischen Gesellschaft und Politik“

Ich freue mich, dass Sie heute den Weg hierher gefunden haben.

Vielleicht auch, weil Sie erkannt haben, dass es bei Demokratie nicht immer um die große Politik geht, sondern

vor allem darum, wie wir im Alltag zusammenleben wollen.

Um das, was wir „demokratische Kultur“ nennen.

Es geht um die Gleichwertigkeit aller Menschen, um Offenheit, um Gegenseitigkeit und Anerkennung des

Anderen.

Und das passiert nicht nur auf der politischen Bühne, sondern vor allem im Sportverein, im Beruf, im Chor und in

der Sozialarbeit. Und eben auch in der Kunst und im kulturellen Bereich – gerade hier hat der Saale-Orla-Kreis

einiges zu bieten. Stellvertretend möchte ich die „Literatur- und Autorentage“ hier auf der Burg Ranis oder die

„Stelzenfestspiele“ bei Tanna nennen, mit denen es gelingt, überregionale und sogar bundesweite

Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Demokratische Kultur findet jeden Tag im Saale-Orla-Kreis an den vielfältigsten und unterschiedlichsten Stellen

statt

– es ist Zeit, einmal darüber zu reden und das auch sichtbar zu machen!

Angesichts immer offensiver agierender demokratiefeindlicher Einstellungen ist es wichtiger denn je, dass wir als

Befürworter des demokratischen Grundkonsenses geschlossen auftreten

– dass wir uns deutlich gegen Gewalt und Menschenfeindlichkeit bekennen und diese Einstellung auch in die

Öffentlichkeit tragen.

Um diesen Bestrebungen einen Rahmen zu verleihen, wurde 2015 die Partnerschaft für Demokratie im Saale-

Orla-Kreis gegründet – als Nachfolgeprojekt des Lokalen Aktionsplans in Pößneck.

Seitdem haben zahlreiche Vereine und Bildungsträger ihre Projektideen durch Fördermittel der Partnerschaft für

Demokratie umgesetzt und damit unseren Landkreis bereichert.

Auch in diesem Jahr bleibt das erklärte Ziel, die lebendige demokratische Kultur in der Region

weiterzuentwickeln.

Die Einbeziehung vielfältiger Akteure und die Förderung des Ehrenamtes stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie




die Gewinnung neuer Partner und

die Förderung möglichst vielfältiger Maßnahmen und

eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit

Ich hoffe, Sie bleiben uns auch im nächsten Jahr mit Ihrem Enthusiasmus und Ihrer Kompetenz als Partner

erhalten.

Wir freuen uns ebenso über das Interesse derjenigen, die heute vielleicht zum ersten Mal mit der Partnerschaft

für Demokratie in Berührung kommen und sind gespannt auf Ihre Ideen und die Themen, die Sie beschäftigen.

Ich freue mich auf einen interessanten, kontroversen und erkenntnisbringenden Abend!

Vielen Dank.


„Workshop: Wo Kultur anfängt und Kunst aufhört

- zwei Begriffe, ihre Geschichte und ihre Verwendung“

– Dr. Philipp Seitz (Dozent, Autor, Philosoph), Leipzig

Bereits um 16:00 Uhr fand ein Workshop, geleitet von Dr. Seitz, einem

Kulturwissenschaftler aus Leipzig, zum Thema „Wo Kultur anfängt und

Kunst aufhört - zwei Begriffe, ihre Geschichte und ihre Verwendung“ statt.

Die etwa 10 Teilnehmer erarbeiteten nach einer Einführung ins

Themengebiet die Begriffe Kunst und Kultur, wobei ersichtlich wurde, dass

es zu beiden Begriffen ein weit gefasstes Feld der Definitionen und

Herangehensweisen gibt.

Nach einem Input von Dr. Seitz zu Kulturbegriffstraditionen, wurde der

Workshop mit einer Diskussion zum Anspruch und der Wirklichkeit der

Kunst in der Kultur abgeschlossen.

Die Workshopteilnehmer zeigten sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen

und hätten sich, gerne auch in größerer Runde, mehr Zeit für die

abschließende Diskussion gewünscht.


Ankommen: Catering

– Bildungswerk Blitz e.V.

Ab 17:30 Uhr wurden die ankommenden Gäste und Diskutanten von einem

sehr aktiven Träger im Saale-Orla-Kreis und Mitglied im Begleitausschuss, dem

Bildungswerk Blitz e.V. in Empfang genommen. Dieser Aufgabe kam „Blitz“

insbesondere in Form der leiblichen Versorgung der Teilnehmer der

Demokratiekonferenz nach.

Selbstgebackene Kuchen aus dem Holzofen der Jugenbildungsstätte Hütten,

ebenso Brot aus diesem Ofen, begleitet von selbstgemachten Aufstrichen, die

von süß bis scharf und fruchtig bis herb jeden Geschmack bedienten.

An einer in einem Jugendprojekt entstandenen, bunten Bar, gab es bunte,

alkoholfreie Cocktails, wie auch Kaffee, Wasser und Säfte.

Die vielfältige, liebevolle Verpflegung führte an Stehtischen, auf Bänken und

beim Schlendern zu den ersten Gesprächen unter den Teilnehmern, auch die

Workshopteilnehmer teilten ihre ersten Erkenntnisse mit den neu

Eingetroffenen.


Begrüßung

– Annegret Zacharias, Andreas Gliesing und Anette Feike

Nach kurzen einleitenden Worten von Frau Zacharias, welche die

Partnerschaft für Demokratie des Saale-Orla-Kreises coacht, sprach Herr

Andreas Gliesing, Bürgermeister der Stadt Ranis zu den gut 50 Gästen.

Die Geschichte der Stadt Ranis und der Burg wurde skizziert, wobei auf die

jüngere Geschichte detaillierter eingegangen wurde, da in den letzten 2

Jahrzehnten fast der gesamte Gebäudekomplex restauriert wurde.

Als Brücke zum Thema der Demokratiekonferenz ging er auf die Rolle der

Wahlwerbung ein und wie diese größtenteils als eindeutig zu bewerten sei.

Er wünschte sich und allen Teilnehmern Erkenntnisse aus dieser

Veranstaltung mitzunehmen und drückte seine Vorfreude auf den Vortrag

von Frau Prof. Dr. Krieger aus.

Anette Feike, als Vertreterin des Landrates, richtete anschließend das zu

Beginn abgedruckte Grußwort an die Zuhörer.


Einführung: Partnerschaft für Demokratie in den Programmen

„Demokratie leben!“ und „DenkBunt“

Vielen Dank!

– Annegret Zacharias (Coach PfD / Büro für Beratung &

Evaluation Jena)

1. Lokale Partnerschaft für Demokratie (LPfD) im Programm „Demokratie

leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


Laufzeit: 2015 bis 2019 (jährliche Beantragung)

Strukturrahmen:

- Gebietskörperschaft > als 20.000 Einwohner

- Beteiligung an landes- und bundeszentralen Austausch- und

Qualifizierungsangeboten sowie der Evaluation

- Jährlich eine Demokratiekonferenz


In Thüringen zusätzliche Förderung durch „DenkBunt“ – Thüringer

Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit

Federführendes

Amt

Lokale

Koordinierungsund

Fachstelle

Begleitausschuss

Jugendforum


2. Strategische Ziele der lokalen Partnerschaft

Förderung und Stärkung des programmrelevanten Engagements

Förderung einer vielfältigen lokalen Kultur des Zusammenlebens

Förderung der Bearbeitung programmrelevanter lokaler

Problemlagen

3. Herausforderungen in der lokalen Partnerschaft für Demokratie





es soll ein gezielter Knowhow-Transfer in die kommunalen

Verwaltungsstrukturen erfolgen (Verbesserung des Umgangs mit

Problemlagen)

es soll eine „Breitenwirksamkeit“ in der Bevölkerung erzielt werden

Handlungskonzepte sollen partizipativ erarbeitet werden

es soll eine Gesamtstrategie entwickelt werden, die jährlich überprüft

und fortgeschrieben wird


Aufgaben des federführenden Amtes










zentrale Ansprechstelle für das BMFSJ und das BAFzA

Antragstellung (jährlich)

Mittelanforderungen

Verwendungsnachweisführung

Berufung bzw. Werbung für die Mitglieder des

Begleitausschusses

Beauftragung einer lokalen Koordinierungs- und Fachstelle bei

einem freien Träger

aktive Mitarbeit im Begleitausschuss

Vernetzung auf Kreis-, Landes- und Bundesebene

Zusammenarbeit mit der Landes- und Bundesevaluation

Aufgaben der Koordinierungs- und Fachstelle










Unterstützung bei der Steuerung und Fortschreibung der LPfD

Öffentlichkeitsarbeit

Koordinierung und Fachberatung der Einzelmaßnahmen

entsprechend des Handlungskonzeptes der LPfD

Beratung der Akteure und Träger

Geschäftsführung für den Begleitausschuss

Förderung der Vernetzung vor Ort (Akteure, Initiativen und

Projekte)

Vernetzung auf Kreis-, Landes- und Bundesebene

Förderung der fachlichen/thematischen Qualifizierung der

Akteure vor Ort

Zusammenarbeit mit der Landes- und Bundesevaluation

Aufgaben des Begleitausschusses




Steuerung und Fortschreibung der LPfD

Kommunikation der Ziele und Inhalte der LPfD

in die professionellen und sozialen Bereiche der Mitglieder

Entscheidungen über die jährlichen Themenschwerpunkte und

der entsprechenden Budgets der LPfD

Der BgA ist die parlamentarische Instanz in der LPfD. Er arbeitet

partizipativ bei der (Weiter)Entwicklung der LPfD, ist mehrheitlich

zivilgesellschaftlich zusammengesetzt, beteiligt das Jugendforum und

vor allem die regionalen Bürgerbündnisse.


Zwei Projektbeispiele aus den Jahren 2016/17

– „Raum für Gedanken“ Kathrin Ollroge &

„Provinzkultur“ Pößneck alternativer Freiraum e.V.

1. „Raum für Gedanken“ Kathrin Ollroge

Der „Raum für Gedanken“ reist durch verschiedene Orte Deutschlands,

um gesellschaftspolitische Themen unserer Zeit aufzugreifen. Die

Fotokünstlerin Kathrin Ollroge sammelt Ansichten zu aktuellen

Herausforderungen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens in Wort

und Bild und lädt Bewohner der bereisten Orte ein, Gedanken in Bezug

auf Nachbarschaft, Zuwanderung, Gemeinschaft und Familie im lokalen

Kontext in ihrem mobilen Raum auszutauschen.

Das Projekt wurde 2015 im Saale-Orla-Kreis durchgeführt:

https://www.raum-fuer-gedanken.com/projekte/flucht-asyl-undnachbarschaft/saale-orla-kreis-2015/

3sat-Dokumentation zum deutschlandweiten Kunstprojekt:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=55686


2. „Provinzkultur“ Pößneck alternativer Freiraum e.V.



Der Verein Pößneck Alternativer Freiraum e.V. engagiert sich seit fünf

Jahren für die Schaffung eines Jugend- und Kulturzentrums in der

Kleinstadt Pößneck. In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche

Einzelprojekte im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“, vormals

„Lokaler Aktionsplan“, realisiert werden. Im Jahr 2017 wird das

Großprojekt „ProvinzKultur“ von der lokalen Partnerschaft für

Demokratie gefördert, es sind insgesamt 9 Einzelveranstaltungen

(Lesungen, Konzerte, Projekttage) geplant.

Das Konzept von „ProvinzKultur“ zielt auf die Förderung einer

vielfältigen Kultur des demokratischen Zusammenlebens, die

soziokulturelle Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

in das städtische Leben, einhergehend mit der Sensibilisierung für

rechtsextreme, antisemitische und rassistische Erscheinungsformen

ab.


„Vortrag: Schlingensief & Co. – Potenziale ästhetischer

Ambiguität im gesellschaftspolitischen Diskurs“

– Prof. Dr. Verena Krieger (Lehrstuhl für Kunstgeschichte,

Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Der folgende Text stellt nicht eins-zu-eins den freien Vortrag von Frau Prof.

Dr. Krieger dar, es handelt sich um ein Erinnerungsprotokoll anhand von

Notizen.

Was ist die Ambiguität in der Kunst, wie stellt sich diese Mehrdeutigkeit oder

Uneindeutigkeit dar und was kann sie im gesellschaftspolitischen Diskurs leisten?

Die gängige Vorstellung ist, dass politisch engagierte Kunst eindeutig ist.

Meist verbunden mit der Vorstellung von künstlerischer Minderwertigkeit, denn: Je klarer

die Botschaft, desto mehr scheinen die künstlerischen Mittel zurückzustehen.

Das hat damit zu tun, dass Eindeutigkeit, eine klare Botschaft, im Gegensatz zu der

Eigenschaft von Kunst zu stehen scheint, uneindeutig, ambig und rätselhaft zu sein. Seit dem

dt. Idealismus um 1800 gilt Unbestimmtheit als Wesen des Ästhetischen (Baumgarten, Kant,

Goethe). Es ist eben gerade nicht rational bestimmt.

So betrachtet, scheint engagierte Kunst ein Widerspruch in sich zu sein. Die Eindeutigkeit

ihrer Botschaft hebt ihren Kunstcharakter auf.


Ein Grenzfall ist John Heartfield: Seine berühmten Fotomontagen in der A-I-Z Anfang der

1930er Jahre gegen den Hitlerfaschismus sind engagiert, aber auf sehr komplexe Weise. Es hat

dafür auch ein innovatives gestalterisches Verfahren entwickelt. Auch George Grosz und Otto

Dix, die in der Weimarer Republik gesellschaftskritische Werke schufen, werden heute als

große Künstler anerkannt.

JohnHeartfield, Adolf der Übermensch: Schluckt Gold und redet Blech, Fotomontage 1930er

Wie ist es in der Gegenwart?

Zeitgenössische Kunst tendiert ja zu gesellschaftspolitischem Engagement – Beispiel

Documenta, die dafür aber sehr angegriffen wird. Vielen Werken wird vorgeworfen, dass sie zu

didaktisch, zu eindeutig und damit langweilig seien. Ich finde das nur teilweise zutreffend.

Meine These ist, dass sich Engagement und Ambiguität in der Kunst nicht widersprechen,

sondern sogar besonders gut zusammenwirken. Die interessante engagierte Gegenwartskunst

arbeitet häufig mit Doppeldeutigkeiten, Widersprüchen, Uneindeutigkeit.

Gerade dies macht ihr Potenzial aus – und zwar sowohl ihr künstlerisches Potenzial als auch ihr

gesellschaftspolitisches.

Dafür einige Beispiele von den 1980ern bis zur Gegenwart:

1. Aktionskunst: Schlingensief, Bitte liebt Österreich – Erste österreichische

Koalitionswoche (2000) („Ausländer raus“) (Doppeldeutige Lesbarkeit als kritisch und

affirmativ. Gegensätzliche Reaktionsweisen. Ziel war Entlarvung. Ironie. Subversive

Affirmation. Moralische Uneindeutigkeit.)

2. Konzeptfotografie: Santiago Sierra; 250 cm Linie auf sechs bezahlte Leute tätowiert,

1999 (ebenso moralisch unentschieden; Wiederholung des Kritisierten oder Kritik?)

3. Collage: Barbara Kruger; Your gaze hits the side of my face, Fotomontage, 1981

(Hinterfragung des eigenen Blicks)

4. Installation: Elmgreen& Dragset, PhotoBooth, Mixed Media Installation, 2004

(Freisetzung von Fantasie. Der eigene Voyeurismus, die eigenen Projektionen werden

zum Thema.)

5. Kurzfilm: Nico Sommer: Schwarz Weiß Deutsch (2011) (Grenzbewegung zwischen

harmlos sympathischem Paar und dessen eigenem Rassismus/latente Formen von

Rassismus)


Was haben die Beispiele gemeinsam?

Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen, Rassismus,

Geschlechterverhältnis, soziale Ungleichheit




KünstlerInnen vertreten erkennbar Position, aber diese wird nicht so einfach

deutlich. Die Werke sind doppel- oder gar mehrdeutig. Sie bedürfen aktiver

Auseinandersetzung. Das macht besonderen Reiz aus, ist eine Herausforderung.

Nicht nur entsteht in der Rezeption eine Denkbewegung, sondern man wird auf sich

selbst zurückgeworfen. Die eigene Wahrnehmung und Assoziationen werden

thematisiert und hinterfragt.

Man muss sich nicht eine bestimmte Haltung zu Eigen machen, aber man kann sich

in der eigenen Haltung verunsichern lassen.

Darin - in der Verunsicherung und Anstiftung zur Selbstreflexion - liegt das Potenzial

ästhetischer Ambiguität.

Ambige Kunst kann im gesellschaftspolitischen Diskurs viel produktiver wirken als

Kunstwerke mit eindeutigen Botschaften. Das Publikum wird ernst genommen, kann sich

mündig dazu verhalten. Gerade jetzt in der Wahlkampfzeit sind wir umgeben mit

verdummender Werbung.

Künstlerische Ambiguität ist ein echtes Gegenprogramm dazu!


„Podiumsdiskussion: Kunst und Kultur zwischen

Gesellschaft und Politik“

– Moderation: Annegret Zacharias; verschiedene Gäste

In der abschließenden Podiumsdiskussion stellten sich mehrere Diskutanten

diesem Thema.










Prof. Dr. Verena Krieger

Lehrstuhl für Kunstgeschichte Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kathrin Ollroge

Fotokünstlerin aus Potsdam, seit 2014 Projekt „Raum für

Gedanken“

Matthias Biskupek

Schriftsteller, Publizist, Literaturkritiker; Rudolstadt/Berlin

Volly Tanner

Schriftsteller („Punkrockliteratur“), Moderator, Journalist; Leipzig

Christian Rost

Büro für Urbane Zwischenwelten, Leipzig; Beteiligungsprozesse,

Kulturentwicklung, Regionalentwicklung, Kultur- und

Kreativwirtschaft im ländlichen Raum

Ernst Niemand

Comic-Künstler aus Jena u.a. gesellschaftskritischer Comic „Angry

White Dude“

Andreas Berner

Vorsitzender Lesezeichen e.V. - Thüringer Büro zur Förderung von

Literatur und Kunst

Philipp Gliesing

Pößneck Alternativer Freiraum e.V.; soziokulturelle Jugendkultur in

Pößneck

Dr. Philipp Seitz

Dozent, Autor, Kulturwissenschaftler, Philosoph; Leipzig


Zu Beginn der Runde stellte Moderatorin Annegret Zacharias mehrere teils

provokante Fragen in den Raum, die eine Diskussion in Gang bringen und

aus den verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden sollten.

Fragen waren unter anderem:

Wie verhalten Sie sich zur These, dass Kunst und Kultur eine Verantwortung

in der demokratischen Gesellschaft haben?

Inwiefern verstehen Sie Ihre Arbeit als politisch?

Was können/müssen/sollen Kunst und Kultur in einer demokratischen

Gesellschaft leisten?

Können/müssen/sollen Kunst und Kultur zur Demokratieförderung staatlich

eingespannt werden?

Welche Rolle können Künstlerinnen und Künstler in der demokratischen

Gesellschaft einnehmen?

Die unterschiedlichen Positionen und Gedanken wurden durch die

Diskutanten dargestellt und auch einige Wortmeldungen aus dem Publikum

flossen in die Diskussion ein.

Schnell wurde deutlich, dass die Sichtweisen zur gesellschaftlichen Rolle

von Kunst und Kultur, stark divergierten. Hat Kunst einen „Auftrag“? Wenn

ja, gibt sie sich diesen selber oder wird er ihr zugewiesen? Wenn ja, von

wem? Dies nur einige weiterführende Fragen, die sich aus der Diskussion

ergaben.

Sicherlich hätte man viele dieser eingeschlagenen Pfade noch intensiver

beleuchten können, leider war dies aufgrund verschiedener Faktoren, vor

allem aufgrund der fehlenden Zeit, nicht möglich.

Doch erfüllte diese Diskussion auf jeden Fall den Zweck, Denkanstöße zu

geben und sich weitergehend mit diesem Thema zu beschäftigen, was auch

beim musikalisch begleiteten, kulinarischen Ausklang der Veranstaltung zur

Sprache kam.


„Beteiligungsmöglichkeiten: Feedbackbogen,

Stimmungsbarometer, Metaplanwände & Co.“

Zu Beginn der Veranstaltung bekam jeder Teilnehmer eine

„Konferenzmappe“ ausgehändigt, die neben Programm und Infos zur

Partnerschaft für Demokratie auch einen Feedbackfragebogen enthielt,

dessen Auswertung im Folgenden zusammengefasst dargestellt ist. Leider

reichte nur etwa die Hälfte der Besucher den Bogen wieder ein.

Ein Großteil bezeichnete die Veranstaltung insgesamt als sehr gelungen,

deren Inhalte als persönlich bereichernd, für die Arbeit allerdings nur

teilweise nutzbar. Vermisst wurden mehr Vertreter der Schulen,

Wohlfahrtsverbände und vor allem Unternehmen der Region.

Auf Metaplanwänden äußerten sich die Besucher wie folgt.

Aus Sicht der Teilnehmer stellt die fehlende gesellschaftliche

Sensibilisierung in Bezug auf rechtsextreme, antisemitische oder allgemein

rassistische Aktivitäten sowie andere demokratie- und

rechtsstaatsfeindliche Phänomene, das größte Problem im Saale-Orla-Kreis

dar.

Projekte, die am meisten im Landkreis fehlen und die von der Partnerschaft

unterstütz werden sollten, sind nach Meinung der Teilnehmer Workshops

und Seminare der politischen Bildung an den Schulen, hier vor allem mit

dem Thema der Demokratiestärkung im ländlichen Raum. Sowohl

Jugendliche als auch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer,

sowie andere pädagogische Fachkräfte wurden schlussfolgernd als

schwerpunktmäßige Zielgruppen genannt.


„Ausklang“

Direkt im Anschluss an die Podiumsdiskussion empfing die Besucher im

Foyer eine noch immer reich gedeckte Tafel, kühle und warme Getränke,

sowie die bes(ch)wingte Musik der Leipziger Band „Lizzy Mc Pretty“.

Sowohl im Foyer als auch im Gang zwischen diesem und dem Saal hatte

man, wie auch schon vor der Veranstaltung, die Möglichkeit, die Werke

von Ernst Niemand zu inspizieren. Anschauen oder betrachten wäre der

falsche Begriff für das vielschichtige Werk des Künstlers.

Bis weit in den Abend hinein wurden Ideen weitergeführt, neue geboren

und „genetzwerkt“. Alte Bekanntschaften wurden gepflegt, neue

geschlossen und „genetzwerkt“.

Der laue Sommerabend erlaubte, nach einem nachmittäglichen

Regenguss, noch lange zu stehen, zu gehen und zu sitzen, um Gespräche

zu vertiefen…und zu „netzwerken“ ;)

Die Partnerschaft für Demokratie des Saale-Orla-Kreises bedankt sich bei

den Besuchern, den Helfern und vor allem den Projektträgern mit ihrem

unermüdlichen Engagement für eine lebhafte Demokratie im

Saale-Orla-Kreis.

Bis zum nächsten Jahr!

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine