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Businessmonat_Ausgabe 2018-01

Landesrat Johann

Landesrat Johann Seitinger. GRÜNE ZUKUNFT Holz ist mehr als nur Baustoff, sagt Landesrat Johann Seitinger. Er ist Wirtschaftsfaktor und ökologisch wie sozial wichtig für die Steiermark. Das solle letztlich bei der Kostenfrage „Holzbau oder Massivbau?“ mitbestimmend sein. TEXT: DANIELA MÜLLER, FOTO: OLIVER WOLF Es gibt den Spruch, wonach man drei Häuser bauen muss, bis man ein perfektes bekommt. Sie wohnen selbst in einem Holzhaus – trifft das auch auf Ihres zu? Bei meinem Haus am Frauenberg habe ich mich bewusst für den Holzbau in einer Zeit entschieden, als man mich noch diesbezüglich belächelt hat. Doch diese Entscheidung bereue ich auch heute nicht, im Gegenteil. Ich habe bei der Renovierung und bei der Erweiterung meines Hauses sogar erneut auf den nachhaltigen Baustoff gesetzt – und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit Holz zu bauen bedeutet in diesem Sinne für mich behagliches Wohnen in einem lebendigen und urgemütlichen Umfeld. In welchen Bereichen der Öffentlichen Hand sehen Sie Potenzial für Holzbauten? Die Steiermark ist nicht nur als Waldland weit über die Grenzen hinaus bekannt, sondern baut ihren guten Ruf auch auf dem Holzbausektor immer weiter aus. So wurde der steirische Holzbau in den letzten zehn Jahren von 5 auf 30 Prozent angehoben. Dazu leisten nicht nur die technische Universität den sich ständig weiterentwickelnden Input, sondern auch die heimischen Holzbaubetriebe, die von ihren Kunden mit Höchstnoten bewertet werden, einen wichtigen Beitrag. Daher hat der Holzbau ein enormes Potenzial in allen Bereichen, in denen gebaut wird. Besonders stolz sind wir vor allem auf den Mehrgeschoßbau, wo der innovative Baustoff erfolgreich Einzug gehalten hat und wir inzwischen sechsgeschoßige Wohngebäude errichten. Als Beispiel hierfür kann die Hummelkaserne genannt werden, wo vier Gebäude mit 92 Wohneinheiten bis zum sechsten Stockwerk in Holzmassiv-Bauweise ausgeführt sind. Der Werkstoff Holz ist nachhaltig, aber in der Regel teurer. Kann sich das Land, können sich Kommunen leisten, das Thema Nachhaltigkeit über die Kosten zu stellen? Wenn man von Nachhaltigkeit spricht, so muss man bedenken, dass der Holzbau in der Steiermark von drei wichtigen Säulen getragen wird: von dem Faktor Wirtschaft, einem nachhaltigen ökologischen Denken und einer starken sozialen Komponente. Bauen mit Holz ist zwar derzeit etwas teurer als der Massivbau und auch projektabhängig, doch es trägt wesentlich dazu bei, dass die Wertschöpfung, die durch die Investitionen geschaffen wird, auch in den Regionen verbleibt – das schafft unzählige Arbeitsplätze und sichert das Einkommen vieler Familien. Zudem ist Holz ein hervorragender CO 2 - Speicher, der einen wichtigen Beitrag für die Klimapolitik leistet. Nur zum Vergleich: Ein modernes Einfamilien-Holzhaus bindet die Menge CO 2 , die 40 Fahrzeuge in einem Jahr verursachen, und verringert somit unseren CO 2 -Footprint wesentlich. Demnach sollte das Interesse des Landes Steiermark und seiner Bevölkerung über der Kostenfrage stehen. Könnte man im kommunalen Wohnbau mit Förderungen für jene, die mit Holz bauen, ansetzen? Was die Förderung des Holzbaus anbelangt, so wurde die Kostengrenze für den Holzbau auf etwa 2.100 Euro pro Quadratmeter angehoben. Für den Massivbau beträgt sie rund 1.900 Euro. Gibt es Pläne, gemeinsam mit der TU/ Stiftungsprofessur Kaden den Holzbau in der Steiermark zu forcieren? Die Steiermark ist bereits das Holzland Nummer eins in Österreich. Daher war es mir auch ein besonderes Anliegen, die Stiftungsprofessur Holzbau und Architektur an der Technischen Universität Graz tatkräftig zu unterstützen, damit eine Weiterentwicklung des Holzbaus in der Steiermark weiterhin möglich ist. Denn Aktivitäten im Sinne der Umwelt und der Wirtschaft, von denen auch zukünftige Generationen profitieren, können nur auf Basis profunder wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass unser langjähriges Engagement etwa dazu geführt hat, dass man im Bereich des Holzbaus eine besonders gefragte Expertise entwickeln konnte, die sich auch im Ausland regen Interesses erfreut. Nicht umsonst reisen hochrangige Wirtschaftsdelegationen aus Ländern mit Erdbebengebieten, wie dem Iran oder Japan, in die Steiermark, um sich über das steirische Holz-Know-how für die Sicherheit der Bevölkerung in den jeweiligen Ländern zu informieren. 14 BUSINESS Monat

proHolz- Steiermark-Obmann Franz Titschenbacher. HIGHTECH BIS ZUR FASER Der steirische Wald ist die Existenzgrundlage für viele Betriebe. Potenzial für eine intensivere Nutzung ist da, betont proHolz- Steiermark-Obmann Franz Titschenbacher. Er will das Bewusstsein für eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung noch schärfen. TEXT: ELKE JAUK-OFFNER, FOTO: THOMAS LUEF Die Erfolgsgeschichte der steirischen Erfindung Brettsperrholz mit seiner außergewöhnlichen Statik bei geringem Gewicht, Holzfasern und Zellulose als Basis für Textilien, Kunststoffe und sogar Glas: Holz dringt als High-tech-Werkstoff in immer neue Bereiche vor und die Steirer mischen hier kräftig mit, wie Landwirtschaftskammer-Präsident und proHolz-Steiermark- Obmann Franz Titschenbacher berichten kann. Im Kompetenzzentrum WoodC.A.R werden derzeit die Möglichkeiten von Holz als Strukturkomponente in der Fahrzeugindustrie ausgelotet, Materialverhalten und Produktionstechnologien erforscht. Verstärktes Interesse zeigt auch die Pharmaindustrie. Cellulose kann als Verdickungs-, Trenn- oder Überzugsmittel verwendet werden. STARKES WACHSTUM Da trifft es sich gut, dass die Steiermark mit einer Waldfläche von mehr als einer Million Hektar im Bundesland-Ranking führt. 61,4 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Und: Der Rohstoff wächst und wächst. In der Steiermark kommt alle vier Sekunden ein Kubikmeter Holz dazu. Jährlich macht das eine Fläche von 5.500 Fußballfeldern aus, in Summe rund 8,2 Millionen Kubikmeter. Aktive Waldbewirtschaftung heißt das Zauberwort, um die Ressource entsprechend zu nutzen. Sie muss, so steht es im Forstgesetz geschrieben, nachhaltig sein. „Jährlich wächst wesentlich mehr Holz nach, als dem Wald entnommen wird“, betont Titschenbacher. Die heimischen Waldbesitzer ernten pro Jahr rund fünf Millionen Festmeter an Sägerund-, Industrie- und Energieholz. „Hier ist durchaus Potenzial nach oben gegeben“, sagt Titschenbacher, „das mittelfristige Ziel liegt bei Einschlagsmengen von 6,5 Millionen Kubikmetern.“ Dafür müssen aber nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, damit das Holz auf dem Markt entsprechende Abnehmer findet, es gilt auch, Bewusstseinsbildung zu betreiben. Mehr als die Hälfte des heimischen Waldes gehört Familienbetrieben und Kleinwaldbesitzern. „Ein Strukturwandel ist spürbar, die Anzahl der hoffernen Waldbesitzer nimmt zu. Als Erben sind sie oftmals beruflich in anderen Bereichen und auch nicht vor Ort tätig, da ist das Bewusstsein für eine aktive Waldbewirtschaftung nicht immer gegeben. Mit unserer Beratungstätigkeit forcieren wir das.“ BIOÖKONOMIE Den Wald sich selbst zu überlassen, findet Titschenbacher nicht zielführend, von einer Außernutzungsstellung für spezielle Flächen hält er wenig. „Die CO 2 -Bindung durch den Wald ist enorm wichtig. Die Verarbeitung von Holz zu Bau- und Werkstoff entzieht der Atmosphäre dauerhaft Treibgas.“ Das Konzept der Bioökonomie beschreibt den Wandel hin zu einer Wirtschaft, in der fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. „Die Verwendung von Holz hat dabei einen zentralen Stellenwert.“ Zu den Herausforderungen der Zukunft zählen aber auch Extremwetterereignisse mit Stürmen, hohen Niederschlagsmengen, aber auch großer Trockenheit und Borkenkäferbefall. „In den letzten beiden Jahren war vor allem der Norden Österreichs, punktuell die Steiermark betroffen. Die Auswirkungen haben wir auch insofern gespürt, als der Preis durch viel Schadholz unter Druck geraten ist“, sagt Titschenbacher. GENERATIONENAUFGABE Um sich für die Zukunft zu wappnen, werden trockenheitsresistente Arten wie Tanne, Lärche und Fichte auf Basis der Klimaanpassungsstrategie gefördert. „Dabei darf man nicht vergessen: Im Ackerbau sind es einjährige Kulturen, in der Forstwirtschaft geht es um 80 bis 100 Jahre. Der Wald ist eine generationenübergreifende Aufgabe.“ Seine Multifunktionalität, die Schutz und Wohlfahrt beinhaltet, gelte es zu wahren, „das Bewusstsein für die aktive Waldbewirtschaftung muss dennoch geschärft werden, damit eine Wertschöpfung für bäuerliche, gewerbliche und industrielle Betriebe gewährleistet bleibt und Jobs gesichert werden können“. 55.000 Menschen gibt die Holz- und Forstwirtschaft in der Steiermark Arbeit. In schulischen Schwerpunkten werden kommende Generationen an das Thema herangeführt. Auch für die bauliche Nutzung müssen, so Titschenbacher, rechtliche Rahmenbedingungen und Wohnbauförderungen kontinuierlich weiterentwickelt werden, „die Steiermark hat da durchaus eine Vorreiterrolle“. BUSINESS Monat 15