Aufrufe
vor 11 Monaten

Neue Szene Augsburg 2018-02

Stadtmagazin für Augsburg

46 CINERAMA DER SEIDENE

46 CINERAMA DER SEIDENE FADEN Regie: Paul Thomas Anderson Mit: Daniel Day-Lewis, Lesley Manville u.a. Kürzlich verkündete Robert Atzorn, dass er mit der Schauspielerei Schluss machen werde. Mein Held der Kindheit, der Lehrer Dr. Specht, geht also in Pension. Bereits zuvor verkündete ein anderer Star, nämlich Daniel Day-Lewis, dass er keine Filme mehr machen wird. Gut, vielleicht nicht ganz vergleichbar, aber die beiden prägten nun mal meine Jugend. Jetzt also kommt der letzte Streifen des dreifachen Oscar- Gewinners ins Kino. Er spielt einen Designer in den 50-ern und Frauenschwarm. Doch er fürchtet sich vor festen Beziehungen und flüchtet sich in Affären. Bis Alma in sein Leben tritt. Sie wird zur Inspiration und seine Geliebte, die aber mehr sein will, als nur schnödes Beiwerk eines Egomanen. Ein typischer Day-Lewis, großartig und intensiv gespielt. Doch 2 Stunden und 10 Minuten sind schon verdammt lang, um zu verfolgen, ob die beiden ein glückliches Paar werden. (etz) (Kinostart 01.02.) FREIHEIT Regie: Jan Speckenbach Mit Johanna Wokalek, Hans-Jochen Wagner, Georg Arms u.a. Plötzlich ist sie weg, ohne Abschied, scheinbar ohne Grund. Von einem Tag auf den anderen verlässt Nora ihren Mann und die beiden Kinder, um endlich wieder das Gefühl zu spüren, frei zu sein. Schon der Einstieg in den Film zieht den Zuschauer in seinen Bann. Eine Frau steigt in einen Bus, fährt bis zum Ende der Route, will nicht aussteigen und geht dann doch irgendwann wortlos fort. Ist es tatsächlich Freiheit, einfach mal seine Familie zu verlassen um sich neu zu finden? Oder ist es eine Flucht? Immer wieder wird der verlassene Ehemann gezeigt, der versucht das Familienleben aufrecht zu erhalten, während sich Nora in Affären stürzt und durch Europa reist. Johanna Wokalek als Nora spielt grandios, taumelt durch das neue Leben, welches sie Freiheit nennt. Doch dem Zuschauer vermittelt es dabei immer ein mulmiges Gefühl von Zweifel. Kopfkino! (etz) (Kinostart 08.02.) ALLES GELD DER WELT Regie: Ridley Scott Mit Mark Wahlberg, Michelle Williams, Christopher Plummer , u.a. Er war auf dem Heimweg von einem Discobesuch, als John Paul Getty III. am 10. Juli 1973 in Rom von Männern gepackt und entführt wurde. Kurz zuvor hatte Getty, von der Boulevardpresse als „goldener Hippie“ bezeichnet, in dem Nachtclub Tree Tops gefeiert. Nun befand er sich in der Hand der `Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Diese wahre Geschichte bringt Ridley Scott in einem mitreißenden Thriller auf die Leinwand. Hier wirkt alles überzeichnet: der Reichtum der Gettys, die Skrupellosigkeit der Mafia, der Mut der Ermittler und letztlich der Kampf um das Leben des Milliardärssohns. Doch dies muss so sein, denn nur so können die dramatischen fünf Monate Gefangenschaft erzählt werden, die eine Familie quasi zerstörte. Ein wonniges Happy- End gibt es hier nicht, schon gar nicht im realen Leben von John Paul Getty III. Trotz all des Geldes. (etz) (Kinostart 15.02.) AUSLÖSCHUNG Regie: Alex Garland Mit: Natalie Portman, Gina Rodriguez u.a. Ja, mal wieder werden Zukunftsängste auf die Leinwand gebracht: Southern Reach ist eine geheime Organisation, die Expeditionen in eine Region organisiert und sich Area X nennt. Seit vor 30 Jahren ein unbekanntes Ereignis den Landstrich erschütterte, überwuchert dort nun die Natur die letzten Überbleibsel menschlicher Zivilisation. Die ersten elf losgeschickten Forscherteams sind natürlich verschwunden, haben Selbstmord begangen oder wurden von Krebs, Psychoproblemen und anderen Grässlichkeiten heimgesucht. Nun tauchen dort vier Frauen auf und ihr Auftrag ist nicht einfach: Die Gruppe soll nicht nur das Areal erforschen, sondern auch die Ursachen für das mysteriöse Unglück aufdecken. Natürlich haben die Frauen ihre eigenen Geheimnisse und nichts scheint so, wie es zu sein hat. Zu philosophisch? Ja, werde auch nicht ganz warm damit. Daher, muss nicht sein. (etz) (Kinostart 22.02.) THE DESASTER ARTIST Regie: James Franco Mit James Franco, Dave Franco, Seth Rogen u.a Tommy und Greg werden in einer Schauspielschule zu Freunden. Greg bewundert Tommy für seine Furchtlosigkeit auf der Bühne, doch die beiden merken schnell, dass sie keine Chance auf eine Schauspielkarriere haben. Warum also nicht einen eigenen Film drehen? Tommy schreibt das Drehbuch, kauft von seinem eigenen Geld das nötige Equipment und legt los. Doch schnell stellt sich heraus, dass Tommy, der Hauptdarsteller, Produzent, Regisseur und Autor in einer Person ist, so gar keine Ahnung vom Filmemachen hat. Also lässt er sich von dem erfahrenen Script Supervisor Sandy beraten. Als Verfilmung des gleichnamigen Buches, in dem Greg Sestero über die Erfahrungen berichtet, die er am Set von „The Room“ gemacht hat, ist The Desaster Artist hingegen deutlich besser als die Vorlage geworden und James Franco erhielt sogar den Golden Globe als bester Darsteller 2018. (max) (Kinostart: 01.02.) HEILSTÄTTEN Regie. Michael David Pate Mit: Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz u.a. Ausgerüstet mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras machen sich sieben junge Youtuber auf zu den Ruinen einer ehemaligen Heilanstalt. Um den Ort des Geschehens ranken sich schlimme Legenden von Gewalttaten und übernatürlichen Phänomenen. Natürlich wollen die neugierigen Protagonisten den Gerüchten nachgehen und stellen sich einer makabren Challenge: 24 Stunden lang müssen sie sich auf dem Gelände aufhalten und gegenseitig gruslige Streiche spielen. Als aus dem Spaß schließlich blutiger Ernst wird, merken sie, dass es für einen Ausstieg längst zu spät ist. Vorbild und Inspiration für diesen Film sind die Beelitzer Heilstätten, ein verfallenes Klinikgelände nahe Berlin, das jahrelang von Abenteuerlustigen auf der Suche nach paranormalen Phänomenen aufgesucht wurde. Laut Regisseur Pate wurde der Film noch blutiger als geplant, also nichts für schwache Nerven! (ma) (Kinostart 22.02.)

CINERAMA 47 DAS LEBEN IST EIN FEST Regie: Olivier Nakache, Éric Toledano Mit: Jean-Pierre Bacri, Judith Chemla u.a. Die Liste der Hochzeitskomödien ist lang, aber die Regisseure von „Ziemlich beste Freunde“ liefern uns hier ein besonders amüsantes und leichtfüßiges Werk aus dem Genre. Der Hochzeitsplaner Max ist Profi auf seinem Gebiet und richtet professionell luxuriöse Hochzeiten aus. Bei seinem aktuellen Projekt jedoch, der pompösen Hochzeit von Pierre und Héléna, geht so nach und nach alles gründlich schief: Die Band sagt ab, das Essen verdirbt, die Gäste stecken im Stau und der Fotograf ist total daneben. Dazu kommen einige amouröse Verstrickungen, die für Chaos sorgen. In diesem Durcheinander versucht Max mit aller Kraft, das Fest am Laufen zu halten. Der Plot erscheint beizeiten etwas zu überladen, manche Szenen sind übertrieben albern, aber insgesamt eine nette Komödie mit spritzigen Dialogen, absurden Verstrickungen und einem sympathischen Protagonisten. (ma) (Kinostart: 01.02.) WIND RIVER Regie: Taylor Sheridan Mit Jeremy Renner, Elizabeth Olsen u.a. Im US-Bundesstaat Wyoming arbeitet Cory Lambert in einem Indianerreservat als Wildtierjäger. Er soll Raubtiere von den Viehbeständen fernhalten. Auf der Jagd nach Berglöwen entdeckt er die Leiche der jungen Ureinwohnerin Natalie. Sie war die beste Freundin seiner Tochter, die vor einigen Jahren unter ähnlichen Umständen getötet wurde. Der Mord konnte nie aufgeklärt werden. Die FBI-Agentin Jane Banner aus Las Vegas (!) wird auf den Fall angesetzt. Schnell merkt sie jedoch, dass sie in dieser einsamen, rauen und kalten Gegend, die noch dazu von Armut und Rassenspannungen geprägt ist, allein auf verlorenem Posten steht. Sie bittet Cory, sie bei ihrer Suche nach dem Mörder zu unterstützen. Der Film von Taylor Sheridan ist ein spannender Thriller ohne viele Worte, intensiv gespielt in einer eisigen und unwirklichen Gegend. Der Soundtrack kommt von Nick Cave und Warren Ellis. Klasse! (cs) (Kinostart 08.02.) LICHT Regie: Barbara Albert Mit: Maria-Victoria Dragus, Devid Striesow u.a. Im Wien des 18. Jahrhunderts beherrscht eine junge Pianistin ihr Instrument virtuos und wird als Wunderkind gefeiert. Das Besondere an der 18-jährigen Resi ist, dass sie seit ihrem dritten Lebensjahr erblindet ist. Das ist auch der Grund, warum sie quasi als Zirkusnummer durch die Salons der besseren Gesellschaft gereicht wird. „Ja mei, blind ist sie und spielt vielleicht gerade deswegen so wunderbar“, tuscheln die Leute amüsiert. Ihre Eltern sind mit dieser Situation zufrieden, es profitieren ja alle davon. Dennoch schicken sie Resi immer wieder zu Ärzten, um ihre Blindheit zu heilen. Nach vielen Misserfolgen finden sie den Wunderheiler Franz Anton Mesmer und es gibt erste Erfolge. Resi taucht langsam aus der Dunkelheit, doch ihr musikalisches Talent wird immer weniger. Der Film von Barbara Albert zeigt eindrucksvoll die Borniertheit der Gesellschaft von damals. Ist es heute anders? (cs) (Kinostart 01.02.) filmtipp des monats Die Verlegerin Regie: Steven Spielberg Mit: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie u.a. Was soll denn da schief gehen. Steven Spielberg, Tom Hanks und Meryl Streep zusammen auf der Leinwand. Die drei Hochkaräter erzählen die Story der Verlegerin Katharine „Kay“ Graham, die in den 70ern als erste Frau die Washington Post übernahm. Tom Hanks ist ein ehrgeiziger und selbstverständlich äußerst gewiefter Redakteur. Er stößt auf eine Story über vier US-Präsidenten und deren jeweiliges geheimes Wissen über Amerikas Rolle im Vietnam-Krieg. Ja, schon damals gab es sogenannte „Papers“, nicht aus Panama, sondern die „Pentagon Papers“. Diese zeigten, wie das US-Verteidigungsministerium zwischen 1945 und 1967 in Vietnam involviert war und unter Präsident Johnson darüber gelogen hatte, dass ein Krieg dort schon früh geplant worden war, um gegen den Kommunismus vorzugehen. Vollblutjournalist Bradley will die Informationen um jeden Preis veröffentlichen, selbst wenn er dafür ins Gefängnis gehen muss. Graham dagegen weiß um ihre Rolle als Verlagschefin, die auch der Politik und deren zweifelhafter Moral verpflichtet ist. Natürlich geht es um den Kampf um Presse- und Meinungsfreiheit und um eine Regierung, die sich einen Dreck darum schert, weil es ja angeblich um die Sicherheit des Landes geht. Tom Hanks spielt das, was er kann, nämlich einen charakterstarken, unbeeindruckten und eigensinnigen Reporter, der sich nicht darum kümmert, was die US-Regierung ihm so alles androht. Ihm geht es um die Wahrheit, gegen alle Widerstände. Meryl Streep dagegen ist von Zweifeln zerfressen. Schließlich hat sie die Verantwortung über tausende Mitarbeiter und ist die Chefin eines traditionsreichen Verlages, der nun auf der Kippe steht. Diese Zweifel bringt Streep derart überzeugend und eindrucksvoll auf die Leinwand, dass sie bereits als heißes Eisen im Rennen um den Oscar gilt. Was ist Patriotismus und wo hat er seine Grenzen? Diese Frage wird auch hier nicht einwandfrei beantwortet. Eines ist aber schnell klar: Auch vor den Zeiten eines Donald Trump waren ähnliche Typen an der Macht, die Moral nur als Produkt von Gutmenschen beschimpften. Dramatisch, kurzweilig und aufgeladen mit der Brisanz ethischer Fragen zur Wahrheit, zu Fake News und alternativen Fakten. Verdammt aktuell und spannend. (etz) (Kinostart 22.02.)

Neue Szene Augsburg 2018-01
Neue Szene Augsburg 2015-02
Neue Szene Augsburg 2018-10
Neue Szene Augsburg 2013-12
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2013-02
Neue Szene Augsburg 2014-11
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2012-02
Neue Szene 2017-12
Neue Szene Augsburg 2015-03
Neue Szene Augsburg 2013-11
Neue Szene Augsburg 2016-02
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2013-11
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2013-01
Neue Szene Augsburg 2017-09
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2012-03
Neue Szene Augsburg 2015-12
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2013-05
Neue Szene Augsburg_2017-03
Neue Szene 2018-03
Neue Szene Augsburg 2018-08
Neue Szene Augsburg 2014-08
Stadtmagazin Neue Szene Augsburg 2013-04