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Zur Gesundheit 2018-01 Süd

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ONKOLOGIE ANZEIGE IMMUN-ONKOLOGISCHES ZENTRUM KÖLN Sehr geehrter Herr Dr. Stücker, seit wann gibt es das IOZK und mit welcher Thematik beschäftigt sich das Zentrum? Die Arbeitsgruppe des heutigen immun-onkologischen Zentrums Köln gründete sich 1985. Zu Beginn konzentrierte sich die Arbeit auf die Behandlung von Infektionskrankheiten bei immunsupprimierten Patienten. 1996 wechselte der Schwerpunkt auf die Krebspatienten, da sich vermehrt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Tumorwachstum und der Funktion des Immunsystems ergaben. Heute ist diese Tatsache bekannt – damals war das nicht so selbstverständlich. Erst 2011 wurde der Medizin-Nobelpreis für den immunologischen Wirkmechanismus verliehen, den wir hier am IOZK nutzen. Dadurch haben diese Grundlagen auch außerhalb der Wissenschaft weltweit ihre berechtigte Anerkennung erfahren. Woraus besteht der von Ihnen entwickelte Impfstoff? Unser Impfstoff besteht aus Patienten-eigenen Immunzellen und aus Patienten-eigenen Tumorbestandteilen, die mit einem Virus kombiniert werden (Virales Onkolysat). Die Immunzellen gewinnen wir über die Blutentnahme, sie werden im Labor so aufgearbeitet, dass schließlich nur noch spezialisierte Zellen für die Information des Immunsystems übrig bleiben, die sogenannten Dendritischen Zellen. Während ihres Wachstums gibt ein kleines Zeitfenster, in dem sie sich „informieren“ lassen. Wir nutzen es, um die Zellen mit Bestandteilen der Tumorzellen zu versorgen und zusätzlich mit einem Virus zu beladen. Die Dendritischen Zellen sind nun über den Tumor informiert und werden dem Patienten später durch die Impfung zurückgeführt. Was ist die Grundlage für ihre Forschung? Die Grundlagen unserer Forschung und Entwicklungen stammen aus der Tumorimmunologie, ein Teilgebiet der Immunologie, das sich vorwiegend mit der Entstehung von Tumorzellen und der Reaktion des Immunsystems beschäftigt. Der wissenschaftliche Leiter unserer Tumorbiologischen Abteilung ist Prof. Dr. Volker Schirrmacher, er leitete über 30 Jahren die Abteilung zelluläre Immunologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Lässt sich Ihre Entwicklung mit anderen Therapien kombinieren? Selbstverständlich kann und sollte unsere immunologische Therapie mit anderen Therapiemöglichkeiten kombiniert werden. Bisher haben Monotherapien 38

ANZEIGE ONKOLOGIE bei der Behandlung bösartiger solider Tumoren nur sehr selten einen Effekt gezeigt, daher kommen bei vielen Chemotherapie-Protokollen immer mehrere Chemotherapeutika kombiniert zur Anwendung – gegebenenfalls unterstützt durch Bestrahlungen, Antikörper- und/oder Hormontherapien. Unsere Therapie wird zum Beispiel bereits in einem Therapiesetting mit unterschiedlichen Hyperthermieverfahren und neuen Antikörpertherapien (PD-1- Check-Point-Inhibitoren) oder immunmodulierenden niedrig dosierten Chemotherapeutika kombiniert. Diese Kombinationen müssen sich selbstverständlich immer den individuellen Verhältnissen des Patienten anpassen – gemäß einer personalisierten Therapie! Was bewirkt ihre Therapie konkret beim Patienten? Unsere spezifische Immuntherapie aktiviert das Immunsystem gegen ein weiteres Tumorwachstum. Es werden spezielle Immunzellen ausgebildet, die die „Lizenz zum Töten“ erhalten, sogenannte tumorspezifische zytotoxische T-Zellen. Diese spezialisierten Zellen können sofort nach ihrer Information aktiv werden. Ein kleiner Teil diese Zellen bildet ein immunologisches Gedächtnis, das heißt, der Effekt dieser Zellen bleibt über längere Zeit erhalten, selbst wenn keine Behandlung mehr durchgeführt wird. Alle anderen Therapien wirken im besten Fall während der Anwendung, doch wenn das Medikament nicht mehr verabreicht wird, ist keine Wirksamkeit zu erwarten. Daher kommt es nach Abschluss einer Chemotherapie in vielen Fällen zum erneuten Tumorwachstum. Würde man sie fortführen, ergäben sich zwei Varianten: die Tumorzellen werden resistent gegen die Chemotherapie oder der Patient verträgt die Chemotherapie nicht mehr. Demgegenüber setzt unsere Immuntherapie – die übrigens fast keine Nebenwirkungen hervorruft – auch auf den nachhaltigen Effekt der Gedächtniszellen, um den Patienten mehr Lebensqualität und eine längere Lebensdauer zu schenken. Herr Dr. Stücker, wir danken Ihnen für das Interview. Kontakt IOZK Klinik AG Immun-Onkologisches Zentrum Köln Hohenstaufenring 30-32, 50674 Köln Tel.: +49 (0)221- 42 03 99 25 Fax: +49 (0)221- 42 03 99 26 E-Mail: info@iozk.de Internet: www.iozk.de 39