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Band41

10 PFEIFFER, SEBASTIAN

10 PFEIFFER, SEBASTIAN Steigerung der Belastbarkeit der Schulter im Schwimmen durch langfristiges belastbarkeitssicherndes Konditionstraining Hausarbeit Ausbildung Lizenztrainer A Schwimmen 2015/16 1 Einleitung Einen der häufigsten Gründe, warum Schwimmer ihre Karriere vorzeitig beenden oder bei Saisonhöhepunkten ausfallen, stellen anhaltende Schulterprobleme dar. Mit prominenten Beispielen wie Ian Thorpe (spox.com, 2014), Tim Wallburger (Sport1, 2015), Eamon Sullivan (dpa, 2014) und Britta Steffen (Eurosport, 2010) sind hier nur einige genannt. Sehr viel zahlreicher wird die Drop-Out-Quote wegen Schulterproblemen im Bereich vom Anschlusstraining bzw. beim Übergang in das Hochleistungstraining sein. Dies scheint aufgrund der hohen Anzahl an Armbewegungen (Bak, 1996; Johnson, 1988) auch wenig überraschend. Darum stellt die Prävention im Allgemeinen und Schulterprophylaxe im Speziellen einen entscheidenden Anteil des langfristigen Leistungsaufbaus des Schwimmers dar (Wilke & Madsen, 2015, S. 189). Da im langfristigen Trainingsprozess zunächst ein allgemeines Athletiktraining auf der Tagesordnung steht (Wilke & Madsen, 2015, S. 188; Harre, 2008, S. 321; Grosser, Starischka, & Zimmermann, 2008, S. 183), stellt sich die Frage, ab welchem Alter eine schwimmspezifische Konditionierung zur Vermeidung von Schulterproblemen zu erfolgen hat. Diesem Problem wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Zunächst werden die häufigsten Schulterprobleme bei Leistungsschwimmern vorgestellt sowie die Ursachen dafür benannt. Es folgen präventive und rehabilitative Behandlungsmaßnahmen. Im Anschluss daran werden die Ergebnisse einer empirischen Befragung bei Sportlern des Landesleistungszentrums und des Bundesstützpunktes Schwimmen Berlin dargestellt und daraus Folgerungen zur Gestaltung des langfristigen Leistungsaufbaus abgeleitet. Um die aktuelle Misere bei den internationalen Wettkämpfen (wie zuletzt den olympischen Spielen in Rio de Janeiro) zu beenden, ist das o. g. Thema ein wichtiger Baustein des Trainings. Vor allem vor dem Hintergrund zu steigernder Belastungsumfänge im Aufbau- und Anschlusstrainings (Rudolph, 2015) muss ein noch größeres Augenmerk auf eine entsprechende Belastbarkeit gerichtet werden. Abbildung 1 (Abb.) zeigt, dass in dem Maße, wie die leistungsfördernde Belastung zunimmt, auch die belastbarkeitssichernden Maßnahmen gesteigert werden müssen, um am Ziel „individuell mögliche Leistungsausprägung bei Belastbarkeit“ ankommen zu können. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen weibliche und männliche Personen; alle sind damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen.

11 Abb. 1: Leistungsfördernde und belastbarkeitssichernde Maßnahmen im langfristigen Leistungsaufbau (Fröhner, 2008, S. 251) 2 Theoretische Ausgangspositionen Immer wieder geschieht es, dass Topschwimmer oder Nachwuchsathleten, die sich auf dem Weg zur Weltklasse befinden, durch verschiedene langfristige und immer wieder auftretende Verletzungen Saisonhöhepunkte absagen müssen, deren sportliche Entwicklung deutlich gebremst oder gar beendet wird (vgl. Abschnitt 1). Darum muss ein wichtiger Teil des langfristigen Leistungsaufbaus (vgl. Abb. 1), die Schaffung der notwendigen Belastbarkeit des Sportlers umfassen, um die Wahrscheinlichkeit belastungsbedingter Verletzungen zu minimieren. Leistungsschwimmen führt zu einer erheblichen Belastung von Muskeln und Sehnen im Bereich von Schulter-, Knie-, Ellenbogen-, Fuß-, Sprunggelenke sowie des Rückens weit über das natürliche Bewegungsausmaß hinaus (Fowler, 1997, S. 422). Somit sind Überlastungsschäden mit dem Leistungsschwimmen fast unausweichlich verbunden. In einem Vortrag im Rahmen der A-Lizenzausbildung stellte Borchert (2011, zitiert nach Pohl & Rudolph, 2014, S. 289) die in Abb. 2 gezeigten Anteile des Auftretens von Beschwerden am Knochen- und Bandapparat bei Schwimmern dar. Die mit Abstand häufigsten Verletzungen treten an den Knien, der Wirbelsäule und der Schulter auf. Bei jüngeren Sportlern scheinen die häufigsten Überlastungserscheinungen an der Schulter aufzutreten (Wolf et al., 2009). Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit den Schultern des Schwimmers, jedoch stellt das Thema Belastungssicherung auch für die Knie (vor allem bei Brustschwimmern) und für die Wirbelsäule einen wichtigen, wenn nicht den entscheidenden Teil des Aufbau- und Anschlusstrainings dar.