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Band41

112 110 Abb 5:

112 110 Abb 5: Entwicklung des Rhythmusindex über die Lern- und Testphasen nach Erfahrungsgruppen. Die violetten Markierungen zeigen mittlere Effektstärken in den Unterschieden zwischen den Gruppen (r=0,289 bis r=0,413). Wie schon beim Stoke Index zeigt die Gruppe, die Erfahrung nur im Spiel im Wasser berichtete, die höchsten Übereinstimmungen während der gesamten Lern- und Testphase, nur im Transfertest liegt die Gruppe derjenigen, die Erfahrungen nur mit rhythmusbasierten Fertigkeiten berichtete, etwa gleichauf. Jedoch liegen diese beiden Gruppen immer noch weit über den übrigen Gruppen, einschließlich der Gruppe, die Erfahrungen im Spiel im Wasser mit Schwimmunterricht vereint. Es verwundert nicht, dass die Gruppe, die von Erfahrungen nur in rhythmusbasierten Fertigkeiten berichtete, beim Rhythmusindex bessere Ergebnisse zeigt als die verbleibenden drei Gruppen. Auch wenn in diesem Leistungsparameter die Gruppen hinsichtlich der statistischen Signifikanz gleich waren, so deutet doch die mittlere Effektstärke des Unterschiedes darauf hin, dass die unterschiedlichen Vorerfahrungen eine gewisse praktische Relevanz besitzen. Angesichts der großen Unterschiede in den Verläufen der Kurven der drei Leistungsparameter stellte sich die Frage, ob und welche Korrelationen zwischen diesen Parametern bestehen. Die Literatur aus dem Bereich der Bewegungslehre deutet an, dass die rhythmische Konfiguration bei vielen Fertigkeiten einen entscheidenden Einfluss auf die objektiv messbare Leistung hat, beim Schwimmen also auf den Stroke Index, (MEINEL; SCHNABEL, 2007; SCHMIDT; WRISBERG, 2001; MAGILL, 2011). Andererseits beschäftigt sich die Fachliteratur Schwimmen hauptsächlich mit den räumlichen Parametern, wohingegen die rhythmischen Merkmale des Brustbeinschlages nur selten Erwähnung finden, und auch dann nur sehr kurz und oberflächlich (MAKARENKO, 1975; LEWIN, 1974; COUNSILMAN, 1978). Angesichts der von der Bewegungslehre unterstrichenen Relevanz der rhythmischen Konfiguration verwundert besonders, dass aktuellere Technikbeschreibungen sich vollends dieses Aspekts der Fertigkeit enthalten (MAGLISCHO, 1999; COLWIN, 2000). Auch in entsprechenden Lehrhinweisen (UNGERECHTS; VOLCK; FREITAG, 2002; BISSIG ET AL., 2004; WILKE, 2007) werden rhythmische Merkmale kaum angesprochen.

113 111 Aus der Betonung der räumlichen Eigenschaften der Fertigkeit und Vernachlässigung der rhythmischen Konfiguration in den o. g. Technikbeschreibungen und Lehrwerken könnte man die Annahme ableiten, dass ein enger Zusammenhang zwischen Stroke Index und Raumindex bestehen müsste. Es wurde jedoch keine solche Korrelation gefunden, desgleichen nicht zwischen Raumindex und Rhythmusindex. Allerdings ergaben sich interessante Korrelationen zwischen Rhythmusindex und Stroke Index, die auf einen engen Zusammenhang zwischen der rhythmischen Konfiguration des Beinschlages und seiner Wirkung, d.h. des erreichten Vorwärtsschubes, hindeuten (Tabelle 2). Tabelle 2: Korrelationen zwischen Stroke Index (SI) und Rhythmusindex (RHY) nach Erfahrungsgruppen im Laufe der Lern- und Testphasen. Mit * gekennzeichnete Werte sind statistisch signifikant, mit @ gekennzeichnete nahe der Signifikanzschwelle (p=0,05). Auch die Häufigkeit der Instruktionsanforderung (Gesamtzahl der abgespielten Instruktionssequenzen während der gesamten Lernphase) wies interessante Korrelationen mit den erreichten Leistungen auf, allerdings beschränkt auf die Vortriebserzeugung. Die Korrelationen zwischen Instruktionshäufigkeit und Raumindex sowie Rhythmusindex sind gestreut und nicht aussagekräftig, wohingegen die Korrelationen mit dem Stroke Index für die Gesamtstichprobe hochsignifikante negative Korrelationen zu allen Messzeitpunkten zeigten, d. h., je höher der Stroke Index, desto weniger häufig wurde die Instruktion angefordert (Tabelle 3). Nach Vorerfahrungen unterschieden, wiesen allerdings nur zwei der Einzelgruppen signifikante Korrelationen auf, d. h., die Gruppe, die Erfahrungen in allen drei Bereichen berichtete, zeigte die höchsten negativen Korrelationen mit dem Stroke index auf (in allen Lern- und Testphasen statistisch signifikant, im Retentionstest sogar hochsignifikant). Fast gleichauf lag die Gruppe, die Erfahrungen nur im Spiel im Wasser berichtete; hier kommen die Werte der statistischen Signifikanzschwelle in allen Messzeitpunkten außer im Transfertest sehr nahe. Dies deutet darauf hin, dass die Probanden mit diesem breiten bzw. auf Spiel im Wasser beschränkten Erfahrungsspektrum weniger Instruktion benötigten, um einen besseren Stroke Index zu erreichen.