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Band41

116 114 spezifischeren

116 114 spezifischeren Bewegungsfertigkeiten fördert, und geht mit der Kritik an frühzeitiger Spezialisierung in einer Sportart oder Fertigkeit konform. Mit anderen Worten: die Effizienz des Brustbeinschlages wird viel mehr durch die Interaktion des Schwimmers mit dem Wasser und seine Wahrnehmung und die effektive, wenn auch unbewusste Nutzung dieser Interaktion bestimmt als von Instruktionen oder Vorerfahrungen auf anderen Gebieten einschließlich eines traditionellen Schwimmunterrichts. Zudem regt die Konzentration auf die Förderung des Wassergefühls bereits im Anfängerschwimmen die Nutzung propriozeptiver Feedbackmechanismen an, was der langfristigen autonomen Verbesserung der Fertigkeiten zuarbeitet. Mehrere Autoren (z.B. UNGERECHTS ET AL., 2000; BISSIG ET AL., 2004; FRANK, 2008; FREUDENHEIM; MADUREIRA, 2010) haben bereits für das Leistungssport-Training darauf hingewiesen, dass Kontrasttraining 7 das Wassergefühl fördert und damit direkt leistungssteigernd wirkt. Für den Anfängerbereich jedoch sind solche Hinweise nur vereinzelt anzutreffen, und empirisch fundierte Nachweise sind noch selten. Somit dürften die vorliegenden Ergebnisse dazu anregen, die Lehrmethoden des Brustschwimmens dahingehend zu überdenken, dass auch hier breitgefächerte Vorerfahrungen, möglichst in spielerischer Form, sowie eine stärkere Betonung des Bewegungsrhythmus in der Instruktion das Erlernen dieser schwierigen Fertigkeit wahrscheinlich mehr fördern können als ein Hervorheben der räumlichen Struktur der Bewegung. Zusammenfassung Vorerfahrungen können einen Lernprozess erleichtern oder stören, und nicht immer sind diese Zusammenhänge für den Lehrenden klar erkennbar. Die vorliegende Studie versucht, Tendenzen für mögliche Zusammenhänge zwischen Vorerfahrungen im freien Spiel im Wasser, mit Schwimmunterricht und rhythmusbetonten Fertigkeiten und dem Erlernen des Brustbeinschlages aufzuzeigen. In einem Lernversuch, bestehend aus zweitägiger Lernphase mit insgesamt 40 Durchgängen von je 10 Beinschlägen sowie einem Behaltens- und einem Transfertest wurden 39 Probanden visuelle und auditive Instruktionen dargeboten, die die Bewegung mit typischer oder alternativer Metrik darstellten. Diejenigen Probanden, die Erfahrungen nur im Spiel im Wasser berichteten, schnitten sowohl im Stroke Index als auch im Rhythmusindex besser ab, im Raumindex waren keine Unterschiede festzustellen. Negative Korrelationen zwischen Instruktionsanforderung und Stroke Index legen die Annahme nahe, dass besonders in dieser Gruppe sich ein effektiverer Beinschlag herausbildet, weil die Probanden auf vielgestaltige Erfahrungen in der Interaktion zwischen Körper und Wasser zurückgreifen können. Dies legt ein Überdenken der traditionell auf die räumlichen Merkmale fokussierten Lehrmethoden nahe, zugunsten einer größeren Betonung der rhythmischen Merkmale des Brustbeinschlages. 7 Gemeint ist hiermit das absichtliche Entstellen von Bewegungstechniken im Schwimmen durch Verändern der Körperhaltung oder des Einsatzes von Vortriebsmechanismen zur Ausweitung von Bewegungsrepertoire und Wassergefühl: z.B. Schwimmen mit geschlossenen Fäusten, „Rückwärtsschwimmen“, Schwimmen mit Vortrieb nur durch einen Arm und ein Bein mit gleichzeitigem Festhalten des anderen Fußes durch die andere Hand, usw. Frank (2008) nennt diese Übungen „Koordinative Übungen“.

117 115 Literatur BISSIG, M.; GROEBLI, C.; AMOS, L. & CSEREPY, S. (2004). Schwimmwelt - Schwimmen lernen, Schwimmtechnik optimieren. Bern: Schulverlag COLWIN, C. (2000). Nadando para o século XXI. Barueri: Manole. COUNSILMAN, J. E. (1978). Schwimmen. Bad Homburg: Limpert. FRANK, G. (2208). Koordinative Fähigkeiten im Schwimmen. Hofmann: Schorndorf. FREUDENHEIM, A. M. ; MADUREIRA, F. (2010). Natação: características e ensino das habilidades específicas. Em: COSTA, P.H.L.C. (Org.). Natação e habilidades aquáticas: subsídios para o ensino. Barueri: Manole, 89-110. HODGES, N.; FRANKS, I. (2004). Instructions, demonstrations and the learning process. In: WILLIAMS, M & HODGES, N. (ED.) Skill Acquisition in Sport: Research, Theory & Practice. New York: Routledge, 145-174. HONING, H. (2012). Without it no music: beat induction as a fundamental musical trait. Annals of the New York Academy of Sciences, n. 1252, 85-91. LANGENDORFER, S.J.; BRUYA, L.D. (1995). Aquatic Readiness. Champaign: Human Kinetics. LEWIN, K. (1974). Schwimmsport. Berlin: Sportverlag. MAGILL, R. Aprendizagem e Controle Motor (2011) Conceitos e Aplicações. São Paulo: Phorte. MAGLISCHO E. (1999). Nadar mais rápido. Barueri: Manole. MAKARENKO L.P. (2001). Natação (Übersetzung der russischen Ausgabe von 1975). Porto Alegre: Artmed. MEINEL, K.; SCHNABEL, G. (2007). Bewegungslehre Sportmotorik. Aachen: Meyer & Meyer. MANOEL, E.J. (1995). Aspectos desenvolvimentistas da habilidade nadar. In: FREUDENHEIM, A. (org.), O Nadar, uma habilidade motora revisitada. CEPEUSP: São Paulo, 11-22. RIEDER, H.; BALSCHBACH, R.; PAYER, B. (1991). Lernen durch Rhythmus: Aspekte eines musikalisch orientierten bewegungsrhythmischen Lehrkonzepts. Köln: Strauss ROSALIE, S.M.; MÜLLER, S. (2013). A model for the transfer of perceptual-motor skill learning in human behaviors. Research Quarterly for Exercise and Sport, v. 3, n. 83, 413-421. SANCHEZ, J.; ARELLANO, R. (20032). Stroke Index values according to level, gender, swimmings tyle and event race distance. In: GIANIKELLIS, K. (ed.). Proceedings of the XXth International Symposium on Biomechanics in Sports, Universidad de Extremadura, Cáceres, 56- 59 SCHMIDT, R.; WRISBERG, C. (2001). Aprendizagem e Performance Motora. Porto Alegre: Artmed. TANI, G.; BRUZI, A.; BASTOS, F.; CHIVIAKOWSKY, S. (2011). O estudo da demonstração em aprendizagem motora: estado da arte, desafios e perspectivas. Rev. Bras. Cineatropometria e Desempenho Humano, v. 5, n. 13, 392-403. UNGERECHTS, B., VOLCK, G., FREITAG, W. (2002). Lehrplan Schwimmsport. Schorndorf: Hofmann. WILKE, K. (2007). Schwimmenlernen fürr Kinder und Erwachsene. Meyer & Meyer, Aachen.