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Band41

26 sich, dass lediglich

26 sich, dass lediglich die Brustschwimmer (11,1%) über weniger Schulterprobleme berichten. Sowohl beim Rücken- (38,9%), Delphin- (44,4%) als auch Kraulschwimmen (55,6%) hatte ungefähr jeder zweite Teilnehmer Beschwerden. Dieses Ergebnis verweist teilweise auf eine zu hohe Spezialisierung in den Schwimmarten, die im Nachwuchsbereich erst zum Ende des Aufbautrainings zunehmen sollte (Rudolph, 2015, S. 36). Für den vorliegenden Beitrag maßgeblich ist das erstmalige Auftreten von Schulterbeschwerden. Hier wurde bei den Frauen ein maximaler Zuwachs im Mittelwert bei 13,1 Jahren und bei den Männern bei 14,7 Jahren beobachtet. Dies scheint zum Ende/während des pubertären Längenwachstums auch sinnvoll zu sein. Durch veränderte Längen- und Kraftverhältnisse entstehen ungewohnte Beanspruchungen für den Bewegungsapparat (Rudolph, 2015, S. 36). Wenn keine entsprechenden muskulär ausbalancierten Voraussetzungen geschaffen wurden, entstehen leicht Imbalancen, Überlastungen und Entzündungen. Ca. 84% der Verletzungen geschahen in einem Alter über 10,9 (♀) bzw. 12,8 (♂) Jahren. Um diesem vorzubeugen ist ein Reagieren auf erste Symptome des ersten Auftretens nicht ausreichend, sondern im Training muss dem bereits vorausschauend begegnet werden. So ist es z. B. erforderlich, dass für den o. g. Altersbereich bereits zur Vorbereitung des neuen Trainingsjahres spätestens im Sommer (während der Trainingspause) gezielt Übungen zur Stärkung der Schulterextensoren und -außenrotatoren in das Training aufgenommen werden und diese zum Standard des Trainingsprozesses werden. Der Zeitpunkt für Schwimmerinnen besteht mit den Sommerferien vor Klasse 5 und die Schwimmer spätestens vor Klasse 7, wobei das Beachten von individuellen Voraussetzungen der Sportler (z. B. bei Akzeleration) Bestandteil des Vorgehens ist, um eher zu agieren. Somit ist es auch für Vereinstrainer wichtig, dass sie in Vorbereitung einer Delegierung von Sportlern an sportbetonte Schulen präventiv wirksame Kräftigungsübungen in das Trainingsprogramm aufnehmen bzw. dass Nachwuchsschwimmer im Grundlagentraining präventive Übungen erlernen. In den Befragungsergebnissen zur Inanspruchnahme rehabilitativer Maßnahmen ist auffällig, dass lediglich ein Drittel der von Schulterbeschwerden betroffenen Sportler angeben, medizinische Hilfe wie Physiotherapie oder ärztlichen Rat zu nutzen. Um akute Verletzungserscheinungen zu kontrollieren, nahm knapp die Hälfte eine Pause, während die restlichen Sportler einfach weiter trainierten. Fast Dreiviertel der Sportler mit Schulterproblemen nutzten Übungen zur Kräftigung der Schultermuskulatur, um erneuten Verletzungen vorzubeugen. Dies ist jedoch nur erfolgsversprechend, wenn auch die nötige Ruhepause für die entzündeten Strukturen gegeben wird. Entzündungen müssen zuerst komplett abklingen, um dann gegen muskuläre Imbalancen vorgehen zu können. „Erfolgreiche“ präventive Maßnahmen umfassen in der Mehrheit Kräftigung und Dehnung der Schultermuskulatur. Inwieweit durchgehendes „Rückenschwimmen“ als vorbeugende Maßnahmen geeignet ist, ist zu prüfen. Da nahezu 40% der Schulterbeschwerden beim Rückenschwimmen angegeben werden und die Beanspruchungen der Schultermuskulatur (Innenrotation und Adduktion) denen des Kraulund Delphinschwimmens entsprechen, erscheint dies nicht als sinnvoll und erfolgsversprechend. Auffällig in den Befragungsergebnissen war auch, dass lediglich eine Person „saubere Technik“ als vorbeugend bei Schulterbeschwerden angab. Ansonsten wurde die „Technikverbesserung“ als

24 27 rehabilitative Maßnahme überhaupt nicht genannt. Außerdem gab nur Sportler mit Schulterproblemen seine mangelnde Schwimmtechnik als Ursache an. Technikfehler sind wie o. g. eine der Hauptursachen für Schulterbeschwerden. Hier besteht akuter Handlungsbedarf in der Aufklärung der Schwimmer und Trainer. Bedenklich erscheint die Anzahl der Schulterbeschwerden vor dem Hintergrund, dass die geschwommenen Kilometer im Aufbau- und Anschlusstraining deutlich unter den vom DSV geforderten Umfängen lagen. Hier scheinen also nicht die übermäßig hohen Umfänge Ursache für die Schulterbeschwerden zu sein. Mögliche Gründe könnten in fehlendem/ nicht in ausreichender Qualität durchgeführtem Athletiktraining oder in einer unzureichenden Technik liegen. Eine gemeinsame Betrachtung der Ergebnisse für weibliche und männliche Sportler erscheint als nicht sinnvoll, da die Wahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Verteilung bei lediglich 10,9% liegt. Somit muss hier auch im Trainingsprozess zwingend differenziert an der Prävention gearbeitet werden. 6. Fazit In der Hausarbeit wurde der Frage nachgegangen, ab wann eine gezielte Schulterkräftigung zur Vorbeugung von Schulterbeschwerden nötig ist, um weitere Verletzungen und Schädigungen zu vermeiden, damit der Weg in das Hochleistungstraining gegangen werden kann. Hierzu wurde analysiert, in welchem Alter die meisten Schulterprobleme zum ersten Mal auftreten und wann demnach schwerpunktmäßig dagegen vorgegangen werden muss. Mittels des Nachweises einer Normalverteilung konnte für die weiblichen Sportler 10,9 und die männlichen Sportler 12,8 Jahre als das Alter errechnet werden, ab dem die Häufigkeit des Auftretens von Schulterbeschwerden mit 84% beobachtet werden kann. Ausgehend von dem Wissen, dass sich die Schulterprobleme im Verlaufe einer Saison durch viele Mikrotraumen entwickeln und demnach schon vor Beginn der Saison die muskuläre Grundlage zur Schulterstabilisierung gelegt sein muss, empfiehlt es sich (für die Frauen) die Sommerferien vor der 5. Klasse bzw. (für die Männer) vor der 7. Klasse als Zeitpunkt zu wählen, ab dem ein gezieltes Kraftausdauertraining für die betroffene Muskulatur durchgeführt werden sollte und festgelegt wird. Das bedeutet, dass bereits in der 4. Klasse (♀) bzw. 6. Klasse (♂) an der allgemeinen Kräftigung in Richtung der schwimmspezifischen Schulterstabilisation gearbeitet werden muss. Ziel muss ein standardisiertes Kräftigungsprogramm für die Rotatorenmanschette und weitere Schultermuskulatur sein. Ein Beispiel ist das von Tovin (2006, S. 170ff.) entwickelte Programm. In Anbetracht der durch die DSV- Nachwuchskonzeption geforderten Umfangssteigerung in den nächsten Jahren gewinnt diese belastungssichernde Maßnahme zusätzlich an Bedeutung. Weiterhin wurden Defizite im Umgang mit Schulterbeschwerden erkannt. Diesem Problem sollte, da zum größten Teil durch das Schwimmen verursacht, größte Aufmerksamkeit von Anfang an zukommen, da sich Schulterbeschwerden sonst bis hin zur Zerstörung von Gewebestrukturen mit operativen Eingriffen ausweiten oder gar das vorzeitige Karriereende bedeuten kann. Interessant für weiterführende Untersuchungen wäre auch das Befragen von Sportlern, die wegen Schulterbeschwerden ihre leistungssportliche Karriere vorzeitig beenden mussten, hier konnten nur aktuelle Sportler am Landesleistungszentrum und Bundesstützpunkt Schwimmen Berlin befragt werden.