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Band41

32 Anatomie und Funktion

32 Anatomie und Funktion der beteiligten Knochen und der Muskulatur Der Rumpf Die knöchernen Bausteine des Rumpfes sind: - dorsal die Wirbelsäule als zentrales Stützkorsett mit der Verbindung zum Becken nach unten und den Schulterblättern, welche die Verbindung zu den Armen herstellen. - ventral das Brustbein mit dem angegliederten Schlüsselbein, welches wiederum die Verbindung zu den Armen herstellt, die angegliederten Rippen vervollständigen das Stützkorsett der Wirbelsäule und schützen Herz und Lunge. Die muskulären Bausteine des Rumpfes sind: - dorsal die Rückenmuskeln (M. Erector spinae, M.Trapezius, M.Deltoideus, M.Latissimus dorsi, M. Rhomboideus major und minor, M.Supraspinatus, M.Infraspinatus, sowie die Muskeln zwischen den Dornfortsätzen, den Querfortsätzen und solche, die von den Dornfortsätzen zu den Querfortsätzen ziehen. Die tieferliegenden Muskeln bezeichnet man als autochthone Rückenmuskulatur. - ventral die Beckenbodenmuskulatur von unten, die gesamte Bauchmuskulatur von vorne, der M.Quadratus lumborum als seitliche Stütze, die intercostale Muskulatur, der M. Pectoralis und der M. Sterno - cleideo - mastoideus Die hohe Anzahl der gelenkigen Verbindungen der einzelnen Knochen des Rumpfes ist der Grundstein für seine Beweglichkeit. So können Bewegungsimpulse übertragen und weitergeleitet werden. Ausschlaggebend ist der Impuls des Beinschlags beim Delfinschwimmen. Er wird über die Beine auf das Becken übertragen und läuft nun wellenförmig nach oben zum Schultergürtel und Kopf. Der Schultergürtel überträgt ihn auf die Arme, welche sowohl in der Unterwasser-, als auch in der Überwasserphase den Vortrieb forcieren. Das intermuskuläre Zusammenspiel ermöglicht koordinierte und rhythmische Bewegungen, die besonders bei der Delfintechnik erforderlich sind. Im unteren Rumpfbereich stabilisieren die Beckenboden – und die Bauchmuskulatur, im oberen Rumpfbereich der Subscapularis und die Rhomboideen. Für die Armbewegungen und den damit verbundenem Vortrieb sind während der Überwasserphase der Trapezius und der Deltoideus, während der Unterwasserphase der Pectoralis und der Trizeps hauptverantwortlich. Die Schulter Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers und setzt sich aus folgenden knöchernen Anteilen zusammen: Von dorsal gesehen bildet das Schulterblatt die Gelenkpfanne, welche von oben gesehen von der sogenannten Schulterblatthöhe und dem Schlüsselbein begrenzt wird. Der Oberarm geht am Ende (körpernah) eine halbkugelige Verdickung ein und bildet so den Gelenkkopf. Dieser wiederum ist größer als die Gelenkpfanne und ermöglicht dem Arm so einen großen Spielraum. Ein umgebender Schleimbeutel schützt und unterstützt den Gelenkkopf. Die Schultermuskulatur ist einerseits mit dem Rücken und andererseits mit der Brust verbunden. Seite 30

30 33 Die Muskeln des Rückens für das Schultergelenk sind: - M. trapezius - M. serratus anterior - M. levator scapulae - M. latissimus dorsi - M. rhomboideus major und minor Die Muskeln des Brustkorbes für das Schultergelenk sind: - M. pectoralis major/ minor - M. teres minor - M. subclavius - M. teres major - M. supraspinatus - M. subscapularis - M. infraspinatus - M. deltoideus Von besonderer Bedeutung für das Schwimmen ist im Bereich der Schulter die sogenannte Rotatorenmannschette. Sie setzt sich aus den Muskeln M. supraspinatus, M. infraspinatus, subscapularis und M. teres minor zusammen. Diese sollen den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentrieren, um alle Bewegungen „reibungsfrei“ durchführen zu können. Wie beim Rumpf setzt sich das Schultergelenk aus mehreren Knochen zusammen. Diese wiederum werden von einer Vielzahl von Sehnen und Muskeln gehalten und bewegt. Das Ausmaß der Beweglichkeit ist sehr gut und ermöglicht den Armen eine entsprechende Reichweite. Je nach Armlänge entsteht eine unterschiedliche Hebelwirkung. Notwendigkeit der Ausbildung von Rumpf- und Schulterstabilität Rumpfstabilität Wie bereits beschrieben, umfasst der Rumpfbereich eine hohe Anzahl an Knochen und eine Vielzahl an Muskulatur. Beim Schwimmen trägt der Rumpf: - maßgeblich zur Wasserlage bei, - bildet die Aufhängung und damit das Widerlager der Extremitäten, - gibt Impulse und leitet diese weiter. Damit er diesen Funktionen nachkommen und sie bestmöglich erfüllen kann, benötigt er eine gute und umfassende Ausbildung. Werden einzelne Strukturen vernachlässigt oder „übergangen“, kommt es zu Dysbalancen. Diese wirken sich auf das gesamte Gefüge und Zusammenspiel aus – die kinetische Kette wird teilweise unterbrochen und damit das Optimum verlassen. Beispiele: Ist die Beckenbodenmuskulatur nicht unzureichend gekräftigt, kann der Impuls des Beinschlages nicht optimal auf das nächst höher gelegene Segment übertragen werden. Die Tatsache, dass mit „miederartiger“ Schwimmbekleidung eine Leistungssteigerung einhergeht, verdeutlicht dieses Problem. Im Bereich der Brustwirbelsäule ist der Grad der Ausbildung und Funktionstüchtigkeit der M. Rhomboideen und des M. Supscspularis von großer Bedeutung. Sie richten die BWS auf und fixieren das Schulterblatt am Rumpf. Dieses wirkt sich auf die Gelenkstellung des Schultergelenkes aus. Oftmals ist jedoch der Gegenspieler (M. Pectoralis) wesentlich stärker ausgebildet. Er zieht die Schulter nach vorn, ein sogenannter Rundrücken entsteht. Dieser schränkt u. a. die Freiheitsgrade Seite 31