Aufrufe
vor 4 Monaten

Band41

34 (Beweglichkeit) der

34 (Beweglichkeit) der Arme besonders während der Überwasserphase ein. Des Weiteren kann sich eine Fehlstellung des Schulterblattes ergeben und zum sogenannten „Engelsflügel“ führen. Die breite und gleichzeitige Rückführung der Arme über Wasser belastet den M. Trapezius im hohen Maße. Auf diese Aufgabe sollte er bestens vorbereitet werden. Diese ausgewählten Beispiele zeigen die absolute Notwendigkeit der Ausbildung der Rumpfmuskulatur. Zum einen wird die schwimmerische Leistung positiv beeinflusst, zum anderen können Dysbalancen vermieden und „gesundes“ Training gefördert werden. Schulterstabilität Wie oben auch beschrieben, kann das Schultergelenk nur auf eine rudimentäre knöcherne Führung zurückgreifen. Gehalten und stabilisiert wird es über mehrere „weiche“ Anteile, so durch den: - Schleimbeutel - Sehnen- Bandapparat - und die Muskulatur. Das hat den Vorteil einer guten Beweglichkeit, sowie einer großen Bewegungsamplitude und Reichweite der Bewegungen. Der Nachteil ist die hohe Verletzungsanfälligkeit bei unausgewogener Beanspruchung einzelner Strukturen. Bei „alleinigem“ Training im Wasser kommt es zwangsläufig zu einer unausgewogenen Belastung der beteiligten Muskelgruppen. Der Krafteinsatz während der Unterwasserphase der Arme ist wesentlich höher und die arbeitende Muskulatur entsprechend kräftiger als die Gegenspieler. Zudem werden insbesondere beim Delfinschwimmen die Arme über Wasser schwungvoll nach vorne gebracht. Daraus resultiert, dass auch die muskuläre Führung des Gelenkes in diesem Abschnitt verringert ist. Beim Herausstrecken der Arme und dem anschließendem „Wasserfassen“ ist das Gelenk einer hohen Belastung ausgesetzt. Genau in diesem Abschnitt sollte darum eine gute Stabilisation der Schulter stattfinden. Dazu gehören auf jeden Fall ein bewusstes Wahrnehmen der Bewegung von Seiten des Athleten, sowie die Möglichkeit einer langsamen Ausführung der Bewegung. Dieses ist im Wasser nur erschwert möglich. An Land jedoch kann die Überwasserphase des Delfinarmzuges sowohl bewusst verlangsamt, als auch gegen Widerstand (z.B. Theraband) ausgeführt werden. Treten Dysbalancen innerhalb des Gelenkes auf, so kann es zu hochgradigen Verschleißerscheinungen innerhalb des Gelenkes kommen. Bestens bekannt ist hier die sogenannte Schwimmerschulter – das Impingement Syndrom. Es wird deutlich, dass eine gezielte Stabilisation der Schulter für einen Schwimmer zwingend notwendig ist. Will er über einen langen Zeitraum kontinuierlich und beschwerdefrei trainieren können, sollte die Schulter mit all ihren Strukturen „gepflegt“ werden. Darüber hinaus sollte gesundheitsbewusst mit dem eigenen Körper umgegangen werden, damit auch nach der Schwimmkarriere beschwerdefreies Bewegen möglich ist. Methodische Anforderungen Die methodischen Anforderungen gestalten sich ebenso vielfältig, wie die Notwendigkeit Rumpfund Schulterstabilität auszubilden. Grundvoraussetzungen für die Arbeit in diesem Bereich sind a. Haltungsschulung b. Körperwahrnehmung. Seite 32

32 35 Wie bereits erwähnt, sind die optimale Gelenkstellung der einzelnen Gelenke zueinander und die ausreichende Dehnfähigkeit der Muskulatur verantwortlich für die Beweglichkeit. Kann darüber hinaus der Rumpf achsengerecht stabilisiert werden, fungiert er bei optimaler Wasserlage als Widerlager und Impulsgeber sowie -verteiler. Der Sportler muss in der Lage sein, eine achsengerechte Haltung einzunehmen. Darüber hinaus sollte er Abweichungen wahrnehmen, um die Haltung korrigieren zu können. Dazu benötigt er eine ausgeprägte Körperwahrnehmung. Ist dieses Ziel erreicht, sollte er bewusst seine Muskulatur ansteuern können. Ein Beispiel, viele Menschen sind in der Lage, ihren Bizeps anzuspannen – jedoch wenige Menschen sind in der Lage, ihre Beckenbodenmuskulatur zu aktivieren. Das Training der Haltungsschulung sollte in verschiedenen Ebenen stattfinden, so im Stand mit vorgebeugtem Oberkörper, Bauch-, Rücken- und Seitenlage sowie darauf aufbauend mit labilen Unterlagen oder einbeinig (Standwaage). Es gelten die bekannten didaktischen Prinzipien: - vom Leichtem zum Schweren - vom Bekannten zum Unbekannten. Der nächste Schritt der Haltungsschulung sollte dann im Wasser erfolgen. Die Ansteuerung der einzelnen Muskelgruppen fließt in diese Übungen mit ein. Am Beispiel der Delfinbewegung könnte eine methodische Reihe wie folgt aufgebaut werden: Eine achsengerechte Haltung im Stand - mit vorgebeugtem Oberkörper - in Bauchlage - in Bauchlage auf einer umgedrehten Bank - in der Standwaage Die gezielte Ansteuerung der Beckenbodenmuskulatur, der Bauch- und Rückenmuskulatur, der Rhomboideen, sowie der Muskulatur, die für die Unterwasserphase aktiviert werden muss, als auch der Muskulatur, die während der Überwasserphase der Arme arbeitet. Die Unterwasserphase wird vielschichtig trainiert, entweder im Wasser, oder auf der Zugbank. Die Rückholphase der Arme wird oftmals vernachlässigt. Doch auch hier kann gegen den Widerstand eines Therabandes in den verschiedenen Ebenen gezielt geschult werden (siehe Übungsfolgen Anhang) Im Wasser bieten sich Übungen in Zeitlupe an, um Bewegungsausführungen zu verinnerlichen. Je bewusster der Schwimmer die Bewegungsausführungen selbst wahrnimmt, desto gezielter kann er Schwächen bearbeiten und beheben. Sind die Haltung und die Ansteuerung der Muskulatur möglich, so erfolgt ihre Kräftigung nach dem Prinzip: von innen nach außen von klein zu groß Oftmals besteht eine Dysbalance zwischen der äußeren, größeren Muskulatur und der inneren, kleineren. Ein guter Ausgangspunkt zur Aufschulung der kleineren Muskeln bietet sich nach einer längeren Trainingspause. Die äußere, größere Muskelgruppe ist nicht mehr so stark – daher kann die tieferliegende Muskulatur besser angesteuert werden. Das Training der tieferen Muskulatur erfolgt am besten unter sogenannten labilen Bedingungen. Bekannt sind hier der Therapiekreisel, der Pezziball oder Ähnliches. Zur Schultergelenksstabilisierung findet das Flexibar seinen Einsatz, jedoch auch Kettleballs und TRX-Bänder sind sehr wirkungsvoll. Seite 33