Aufrufe
vor 3 Wochen

Band41

40 WITTKY, STEPHAN Zum

40 WITTKY, STEPHAN Zum Einsatz von widerstandsorientierten Trainingsmitteln zur Entwicklung der Kraftfähigkeiten im Grundlagenausdauertraining Hausarbeit Ausbildung Lizenztrainer A Schwimmen 2015/16 Einleitung Im leistungssportorientierten Trainingsprozess werden die verschiedensten Trainingsmittel angewendet, wenn auch teilweise ohne fundierte sportwissenschaftliche Beweise für deren Wirksamkeit, dennoch vor einem bestimmten Hintergrundwissen. Im Rahmen dieser Ausarbeitung zur Trainer A-Lizenz im Deutschen Schwimmverband (DSV) soll ein Einblick in den bisherigen Forschungsstand zum Thema „widerstandsorientierte Trainingsmittel im Grundlagenausdauertraining“ gegeben werden. Da sich die Schwimmleistung nicht monokausal erklären lässt, sind mehrere, grundlegende und leistungsrelevante Faktoren einzubeziehen. Zunächst werden daher kurz die nötigen sportwissenschaftlichen Grundlagen dargestellt (vgl. Kap. 2). Ein Grundlagenausdauertraining bezieht sich zumeist auf aerobe Inhalte und somit auf die Ausdauerfähigkeiten. Widerstandsorientierte Trainingsmittel hingegen rücken die Kraftfähigkeiten in den Vordergrund. Denn die Anwendung von widerstandsorientierten Trainingsmitteln impliziert, dass ein Training mit erhöhten oder verringerten Widerständen stattfindet. Den Bezugspunkt stellt dabei der mittlere im Wettkampf zu erbringende Widerstand dar, wobei azyklische Anteile, wie sie beim Schwimmen insbesondere im Bereich der Starts und Wenden vorkommen, ausgenommen sind. Die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining stellt ein zentrales Thema in der Trainingssteuerung des Schwimmsports dar. Beide Fähigkeiten (Kraft und Ausdauer) werden zumeist parallel zueinander trainiert, unklar ist die optimale Trainingsmethodik sowie Trainingsperiodisierung (vgl. WITT, 2016). Es erscheint sinnvoll, im Folgenden die Leistungsfaktoren Kraft und Ausdauer jeweils näher zu betrachteten (vgl. Kap. 3). Konkrete Anwendungsbeispiele ausgewählter Trainingsmittel werden in Kapitel 4 überblicksartig vorgestellt. Eventuell können auf Basis der vorhandenen Literatur Trainingsempfehlungen für die Praxis ausgesprochen werden. Denn der Trainingsprozess soll keinem Selbstzweck dienen, sondern letztlich einen effizienten Weg zur Verbesserung der Wettkampfleistung darstellen. Trainingswissenschaftliche Grundlagen der komplexen schwimmerischen Leistung An dieser Stelle werden (kurz) die relevanten, trainingswissenschaftlichen Grundlagen vorgestellt, um Grundlagenausdauer- und Kraftfähigkeiten in einen Kontext zur schwimmerischen Wettkampfleistung zu setzen.

41 Leistungsstruktur Nach SCHNABEL 38 et al. (2014, S. 36) ist: „Sportliche Leistung … die „Einheit von Vollzug und Ergebnis einer sportlichen Handlung bzw. einer komplexen Handlungsfolge, gemessen bzw. bewertet an bestimmten sozial determinierten Normen“. Anhand von Strukturmodellen der sportlichen Leistung sollen die maßgeblichen Komponenten einer sportlichen Leistung identifiziert werden, Voraussetzungen zur Realisation bestimmter sportlicher Leistungen erkannt werden, sowie deren Beziehung zueinander beschrieben werden. Dabei ist eine Leistungsstruktur beschrieben als: „Der innere Aufbau (das Gefüge) der sportlichen Leistung aus bestimmenden Elementen und ihren Wechselbeziehungen (Kopplungen). Zu den bestimmenden Elementen gehören einerseits die Leistungskomponenten des aktuellen Leistungsvollzugs, das sind die Teilleistungen und Teilprozesse, ausgedrückt in Kennwerten, Kennlinien und Merkmalen, sowie bestimmte komplexere Charakteristika wie Inhalt, Komposition bzw. Choreografie, andererseits die Leistungsfaktoren und die konstituierenden Leistungsvoraussetzungen“ (SCHNABEL et al. 2014, S. 45). Das Schwimmen im Spitzenbereich ist bezüglich seiner Leistungsstrukturen als höchst komplex und anspruchsvoll einzustufen. Der Umgang mit dem Medium Wasser stellt u. a. durch seine besonderen physikalischen Eigenschaften wie Wasserdichte, Auftrieb, Wasserwiderstand, veränderte Sicht- und Hörverhältnisse, sowie der Wärmeleitfähigkeit eine Besonderheit dar (vgl. REISCHLE, 1988, S. 52ff; MAGLISCHO, 2003, S.5 ff; DeMAREES, 2003, S.603 ff). Zugleich zeigt sich die Vielfalt des Schwimmsports durch die Technik der vier Schwimmarten und die nötigen koordinativen Fähigkeiten (vgl. FRANK, 1996), wie auch durch diverse Streckenlängen vom 50 Meter-Sprint im Schwimmbecken, bis hin zu 10 Kilometern im Freiwasser. Dadurch wird ein breites Spektrum der Ausdauerfähigkeiten wie Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer gefordert (vgl. HOTTENROTT & NEUMANN, 2010, S. 28 f; ZINTL & EISENHUT, 2013, S. 34 ff). Des Weiteren werden die unterschiedlichsten Anforderungen, bestehend aus Anteilen zyklischer Bewegungen auf der Schwimmstrecke, sowie azyklischer Elemente im Bereich der Starts und der Wenden, an den Sportler gestellt. Ein generalisiertes Leistungsstrukturmodell für die sportliche Leistung im Schwimmen kann nicht vollständig erfasst werden, sofern nicht zumindest eine Zielperspektive in Form der zu absolvierenden Schwimmlage und Streckenlänge, unter Berücksichtigung von Umwelteinflüssen, hinzugezogen wird. Es zeigt sich, dass Ausdauer- und Kraftfähigkeiten die leistungsrelevanten Merkmale darstellen, deren alleinige Ausprägung jedoch nicht zwingend zu einer erfolgreichen, komplexen Gesamtleistung über eine Wettkampfstrecke führen muss (vgl. SCHRAMM, 1987, S.176). Diese Tatsache erschwert die Interpretation von vorliegenden Studienergebnissen (vgl. Kap. 4). Sportliches Training Ein sportliches Training zielt auf die Entwicklung der für einen sportlichen Erfolg relevanten Leistungsvoraussetzungen ab. Eine Ausprägung der Grundlagenausdauer- und Kraftfähigkeiten im Trainingsprozess scheint demnach sinnvoll. Der Begriff des Trainings wird von CARL (1989, S. 218) beschrieben: „…als komplexen Handlungsprozess mit dem Ziel der planmäßigen und sachorientierten Einwirkung auf den sportlichen Leistungszustand und auf die Fähigkeit zur bestmöglichen Leistungspräsentation in Bewährungssituationen“. WEINECK (2004, S.18) ergänzt 15 Jahre später dazu: „Je nach Trainingsziel soll durch Training der Leistungszustand des Sportlers erhöht, erhalten - man spricht von einem sogenannten Seite 39