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Band41

42 Erhaltungstraining -

42 Erhaltungstraining - oder auch gezielt gemindert werden - man spricht von einem sogenannten Abtraining“. Im Schwimmen vollzieht sich dieser Prozess in verschiedenen Stufen, die einen langfristigen Leistungsaufbau strukturieren. Schon SCHNABEL & THIEß (1993) verstanden unter den Merkmalen des langfristigen Leistungsaufbaus „einen zielbestimmt gesteuerten Entwicklungsprozess der sportlichen Leistungsfähigkeit und der Leistungsbereitschaft vom Beginn des leistungssportlichen Trainings bis zum Erreichen sportlicher Höchstleistungen im Hochleistungsalter, der als einheitlicher Prozess in inhaltlich akzentuierte und systematisch aufeinander aufbauende Ausbildungsetappen sportartspezifisch konzipiert und realisiert wird“ (aus: RUDOLPH et al., 2009, S.5). Aus der Expertise-Forschung, dem Modell der deliberate practice, stammt die Annahme, dass etwa 10 Jahre Training mit ca. 1000 intensiven Übungsstunden im Jahr nötig sind, um Experte auf einem Gebiet zu werden (vgl. dazu SIMON & CHASE 1973; BLOOM, 1985; ERICSSON et al., 1993). Erfahrungen aus dem langfristigen Leistungsaufbau von Schwimmern scheinen sich mit dieser Annahme zu decken, man kann die Empfehlungen so interpretieren, dass etwa 50 Trainingswochen mit jeweils durchschnittlich 20 Trainingsstunden im Jahr nötig sind, um Spitzenleistungen im Schwimmsport zu erzielen (vgl. SWEETENHAM & ATKINSON, 2003, S.9; DSV, 2015, S.6 ff; WILKE & MADSEN, 2015, S.27f). Ein langfristiger Leistungsaufbau von Leistungsschwimmern ist idealer Weise durch verschiedene Ausbildungsetappen gekennzeichnet, bestehend aus Grundausbildung, Grundlagen-, Aufbau-, Anschluss- und Hochleistungstraining (vgl. WILKE & MADSEN, 1988, S.28 ff; SCHNABEL et al., 2014, 409 ff; DSV, 2015, S.17 ff). Leistungsfaktoren Ausdauer und Kraft Ausdauer- sowie Kraftfähigkeiten sind Faktoren des übergeordneten Leistungsfaktors der Kondition eines Sportlers. Dieser Leistungskomplex wird durch Schnelligkeit und Beweglichkeit/ Koordination komplettiert (vgl. auch Kap. 2.2). Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit sind energetische Komponenten und nehmen entscheidenden Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Um die bereits in Kapitel 2 angeführten Grundlagen zu vertiefen, sollen im Folgenden Begriffsbestimmungen für die motorischen Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer und Kraft erfolgen, sowie deren Struktur vorgestellt werden. Wie Abbildung 1 verdeutlicht, bestehen Wechselbeziehungen der Ausdauer- und Kraftfähigkeiten zu anderen konditionellen sowie koordinativen Fähigkeiten. Gewisse Überschneidungen werden dabei deutlich (vgl. auch HOTTENROTT & NEUMANN, 2010, S. 22 ff; WEINECK, 2010, S. 318). Abb. 1: Systematik der Kondition und Koordination unter besonderer Berücksichtigung der Wechselbezüge bei der Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit (modifiziert nach HOHMANN et al., 2014, S. 49) Seite 40

40 43 Ausdauer Der Begriff Ausdauer kann im sportwissenschaftlichen Sinne sehr weit gefasst und unterschiedlich strukturiert werden. So sind in der Literatur zahlreiche Definitionen der Ausdauer vorhanden, allesamt beschäftigen sich mit der Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung, bzw. der psychophysischen Ermüdungswiderstandsfähigkeit eines Sportlers (vgl. WEINECK, 2010, S. 319). Eine der umfassendsten Beschreibungen liefert HOHMANN (2014, S.50): „Ausdauer wird im Allgemeinen als Ermüdungswiderstandsfähigkeit definiert. In diesem Sinne ermöglicht sie - Eine gewählte Intensität möglichst lange aufrecht erhalten zu können, - Die Verluste an Intensität so gering wie möglich halten zu können, - Die sportliche Technik und das taktische Verhalten über längere Zeit stabilisieren zu können. Die Ausdauer ist direkt und indirekt leistungsbedeutsam, sie ist leistungs- und trainingsbegrenzend zugleich. Ein umfangreiches und intensives Training ist nur auf Basis einer guten Ausdauer möglich. Deshalb muss zusätzlich die zentrale Funktion der Ausdauer als Regenerationsfähigkeit berücksichtigt werden. Die (aerobe) Ausdauer bewirkt also auch, dass man Sich nach einer Belastung schnell(er) erholen kann.“ Um die Fähigkeit Ausdauer näher zu charakterisieren und trainingsmethodische Interdependenzen zu verdeutlichen, nehmen HOTTENROTT & NEUMANN (2010, S. 23 ff) die in Tabelle 1 aufgeführte Strukturierung vor: Tab. 1: Strukturierung der Ausdauer (nach HOTTENROTT & NEUMANN, 2010) 1. Nach der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur (Statische Ausdauer und dynamische Ausdauer) 2. Nach der vorrangigen Energiebereitstellung (Aerobe Ausdauer und Anaerobe Ausdauer) 3. Nach dem Anteil der beanspruchten Muskulatur (Allgemeine Ausdauer und Lokale Ausdauer) 4. Nach der Zeitdauer der Belastung (Kurz-, Mittel-, Langzeitausdauer) 5. Nach den Wechselbezügen zu den konditionellen Fähigkeiten (Kraft-, Schnellkraft-, Schnelligkeits-, Sprintausdauer) 6. Nach der Bedeutung für die sportartspezifische Leistungsfähigkeit (Allgemeine Ausdauer und spezielle Ausdauer) 7. Nach der Einteilung der Belastungsbereiche Schwimmspezifische Ausdauer Wie bereits oben erwähnt, ist Anforderungsprofil orientiertes Schwimmtraining abhängig von der Zielperspektive. Verschiedene Erscheinungsformen der Ausdauer sind dabei wie folgt den Wettkampfstrecken im Schwimmen zuzuordnen (vgl. Tab. 2). Betrachtet man die in Tabelle 2 dargestellte Form der Energiegewinnung, fällt auf, dass Schnelligkeits- (SA) (80-90%) und Kurzzeitausdauer (KZA) (53-60%) zu einem Großteil (jeweils über 50%) vom anaeroben Metabolismus abhängig sind. Alle Schwimmstrecken von 50-200 Metern sind (in allen 4 Lagen und dem Lagenschwimmen) in diesem Bereich anzusiedeln, somit Seite 41