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Band41

64 HONDA ET AL. (2010)

64 HONDA ET AL. (2010) fanden anhand ihrer Untersuchung heraus, dass mit dem Kickstart im Vergleich zum Schrittstart eine signifikant höhere horizontale Kraft auf dem Block erreicht wird, welche eine signifikant kürzere Blockzeit sowie eine ebenso signifikant höhere Abfluggeschwindigkeit erlaubt. Vorteil beim OSB11 ist, dass durch die Fußstütze der hintere Fuß erhöht ist und dadurch die ausgeübte Kraft mehr in horizontale Richtung wirkt und den Körper somit direkt mit hoher horizontaler Geschwindigkeit in Vorwärtsrichtung bewegt. Diese Vorteile halten bis zur 5m- als auch zur 7,5m-Marke an, welche ebenso signifikant schneller sind als mit dem Schrittstart vom Standardblock. Allerdings betonen HONDA ET AL. (2010) auch, dass weitere Studien notwendig sind, die die Unterwasserarbeit und den Übergang zur Gesamtlage mit einbeziehen, um einen positiven Einfluss des Kickstarts bis zur 15m- Marke zu belegen. Auch FISCHER ET AL. (2010) weisen in ihrer Studie deutliche Leistungssteigerungen im Startabschnitt durch den OSB11 nach und empfehlen, dass die Schwimmer auf den Kickstart umgestellt werden sollten. Dabei muss die optimale Beinstellung sowie der optimale Justierabstand der Fußstütze individuell gewählt werden. In einer Studie von KIBELE ET AL. (2014) werden vier verschiedene Kombinationen in der Ausgangsstellung auf dem Block und deren Einfluss auf die Startleistung untersucht. Folgende Variationen sind möglich: Körperschwerpunkt hoch oder niedrig; Fußabstand eng oder weit; Gewichtsverlagerung nach vorne oder nach hinten. Eine Ausgangsstellung mit engem Fußabstand und einem Körperschwerpunkt nach oben-vorne erreicht die besten Ergebnisse. Mit dieser Kombination werden die kürzesten Blockzeiten erzielt. Mit einer durchschnittlichen besseren Zeit von 0,06 Sekunden sind die Unterschiede zwar nicht signifikant, wenn man aber beachtet, dass Rennen innerhalb von wenigen 100stel Sekunden gewonnen werden, lohnt es sich, die optimale Ausgangsposition für jeden Einzelnen zu finden. NOMURA ET AL. (2010) weisen folgende Einflüsse der Fußstütze im Wettkampfschwimmen nach: in der Ausgangsposition ist der Körperschwerpunkt weiter nach vorne verlagert, der Kniewinkel des hinteren Beins beträgt in der Ausgangsstellung ca. 90°, auf dem Block beschleunigt der Körper mehr in horizontaler Richtung und ebenso ist der Absprungwinkel fast horizontal. Keine signifikanten Unterschiede werden durch die Fußstütze in der Flugphase nachgewiesen. Während alle vorherigen Starttechniken keine eindeutige Präferenz zulassen, scheint es so, als hätte mit dem OSB11 eine neue Ära angefangen. Alle Untersuchungen mit dem neuen Startblock zeigen signifikant bessere Startleistungen als mit dem Standardblock. Trainern und Schwimmern ist zu empfehlen, das Startsprungtraining vom OSB11 in den Trainingsplan zu integrieren, um die Vorteile des Kickstarts auch im Wettkampf realisieren zu können (vgl. BEN SHLOMO, 2012). Für einen schnellen Schwimmstart sind Absprung, Eintauchen und Unterwasseraktion wichtig. Die Unterwassergeschwindigkeit hängt von der horizontalen Geschwindigkeit beim Eintauchen ab, diese ist wiederum von der horizontalen Geschwindigkeit beim Absprung abhängig. Von daher ist die Aktion auf dem Block ein wichtiger Faktor für eine schnelle Startzeit, da sie die nachfolgenden Phasen beeinflusst (vgl. NOMURA ET AL., 2010). Um eine möglichst schnelle Startzeit zu erreichen, können zusammenfassend folgende Anforderungen an die Aktion auf dem Block gestellt werden: Realisieren einer kurzen Blockzeit in Kombination mit einer hohen Absprunggeschwindigkeit in horizontaler Richtung. Welche Trainingsinhalte in der Literatur empfohlen werden, um einen positiven Einfluss auf die Faktoren Blockzeit und Absprunggeschwindigkeit zu erwirken, ist Inhalt des nächsten Kapitels.

Untersuchungen zum Startsprungtraining In der Literatur finden sich mehrere Studien, die versuchen, herauszufinden, ob sich und wenn ja, durch welche Art von Training die Startleistung verbessern lässt. Grundlegend wird für die Verbesserung der Startleistung eine systematische und kontrollierte Erhöhung der Anzahl von Startsprüngen während des Trainings empfohlen (vgl. FUENTE/ ARELLANO, 2010). HOHMANN ET AL. (2010) betonen, dass ein ganzjähriges und kontinuierliches Starttraining bereits im Jugendalter erforderlich ist, um später in der Weltspitze zu bestehen. BLANKSBY ET AL. (2002) konnten mit ihrer Untersuchung nachweisen, dass bereits ein 14-tägiges Startsprungtraining zu einer signifikanten Verbesserung der Startleistung (10m- Zeit) führt. Folgende Parameter führen zu dieser Verbesserung: die Reaktions- sowie die Blockzeit wurden verkürzt. Ebenfalls wurde die Flugzeit verkürzt bei gleichzeitiger Verlängerung der Flugweite – dies resultiert aus der erhöhten Absprunggeschwindigkeit. FUENTE/ ARELLANO (2010) fanden heraus, dass ein zusätzliches Feedback an den Sportler zu seinem Startverhalten nach jedem Versuch eine noch größere Verbesserung der Startzeit zulässt. Nach zehn Trainingseinheiten verbesserten alle untersuchten Sportler ihre Startzeit signifikant. Die Kontrollgruppe (ohne Feedback) um 2,2% und die Versuchsgruppe (mit Feedback) um 5,2%. Zum Thema Krafttraining und dessen Einfluss auf die Startleistung wurden ebenso einige Studien durchgeführt. HOHMANN ET AL. (2010) konnten nach einem 4-wöchigen Training bestehend aus Sprungkraft-, Maximalkraft- und Explosivkrafttraining keinen eindeutigen positiven Einfluss auf die leistungsrelevanten Parameter der Startsprungleistung nachweisen. Auch weitere Studien konnten nicht eindeutig bestätigen, dass eine ausgeprägte Sprungkraft an Land auch Ursache für eine bessere Startleistung im Wasser ist. Nach derzeitigem Forschungsstand kann keine eindeutige Aussage zugunsten eines sprungkraftorientierten Krafttrainings zur Erzielung einer besseren Startperformance gemacht werden (vgl. BEN SHLOMO, 2012). Dass es bei der Verbesserung der Startleistung vielmehr auf motorische und koordinative Fähigkeiten ankommt, zeigen u.a. Studien von HOHMANN ET AL. (2010) und FUENTE/ ARELLANO (2010). Diese Befunde geben Anlass dazu, ein gezieltes und funktionales Starttraining in den wöchentlichen Trainingsplan zu integrieren. Der Schwerpunkt sollte dabei auf dem Automatisieren des Bewegungsablaufes und der Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten liegen, indem überwiegend der Startsprung vom Block ins Wasser trainiert wird – am besten mit zusätzlichem Feedback zum Startablauf (vgl. BEN SHLOMO, 2012). Mit der Optimierung von Bewegungsabläufen während des Absprungvorgangs sowie der inhaltlichen Gestaltung beschäftigte sich HOFFMANN (1989). Er konnte nachweisen, dass ein akzentuiertes Techniktraining des Absprungs vom Block über sieben Monate zu einer Verkürzung der 7,5m-Zeit führt. Die durchgeführte Untersuchung von GRAUMNITZ (2011) zu dessen Dissertation, ist seit HOFFMANN (1989) die einzige, die sich mit dem Techniktraining zur Verbesserung der Startleistung befasst. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Herausarbeitung eines effektiven Techniktrainings, welches eine für die maximale Antriebsleistung beim Absprung vom Block optimale Bewegungsausführung zum Ziel hat. Nach GRAUMNITZ (2011) sollten folgende Schlussfolgerungen für ein effektives Starttraining berücksichtigt werden: 65