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Band41

66 • Aufgrund des

66 • Aufgrund des festen Widerlagers in Form des Startblocks werden beim Absprung vom Block die höchsten Geschwindigkeiten im gesamten Wettkampfverlauf erzielt. • Die drei ersten Phasen des Starts besitzen damit hohe Relevanz für den gesamten Wettkampfverlauf. • Der Absprung vom Block ist eine zeitlich sehr kurze und azyklische Bewegung und gleicht einer technischen Schnellkraftdisziplin. • Sportler und Trainer müssen Kenntnisse über den Einfluss des Starts auf die komplexe Wettkampfleistung sowie über die beim Start wirkenden biomechanischen Besonderheiten besitzen. • Nach einer Analyse der die Absprungbewegung vom Block beeinflussenden individuellen Leistungsvoraussetzungen sind unter Bezug auf wissenschaftlich fundierte Leitbilder individuelle und messbare Zielstellungen festzulegen. • Bei der Planung des Techniktrainings müssen sich Inhalte, Mittel und Methoden an der Zielstellung orientieren. Es ist auf eine sinnvolle Einordnung in den Aufbau des Trainingsjahres zu achten, wobei individuelle sowie trainingsgruppenspezifische Voraussetzungen zu berücksichtigen sind. • Verbesserungen im Bewegungsablauf müssen stabil verfügbar sein. Das erfordert kontinuierliches Üben über das gesamte Trainingsjahr. • Durch die Anwendung von Vereinfachungsstrategien kann der Lernprozess effektiver gestaltet werden. Teilbewegungen werden separat und unter erleichterten Bedingungen geübt, um anschließend in die komplexe Absprungbewegung integriert zu werden. • Die Absprungbewegung vom Block wird in so kurzer Zeit ausgeführt, dass ein Sollwert-Istwert-Vergleich als Ausgangspunkt einer Regulation während der Bewegung praktisch unmöglich ist. • Neben den Eigeninformationen des Sportlers sollen objektive und subjektive Ergänzungsinformationen den Lernprozess unterstützen. Objektive Ergänzungsinformationen werden durch die Integration von Messplätzen in das Techniktraining realisiert. Subjektive Ergänzungsinformationen werden primär durch den Trainer gegeben und bestehen zur Unterstützung der Antizipation aus aufmerksamkeitslenkenden Informationen. Die Untersuchung, die GRAUMNITZ (2011) durchführte, lief über ein Jahr mit Hochleistungsschwimmern aus dem Nachwuchsbereich. Ziel der Trainingsintervention war es, den Bewegungsablauf des Absprungvorganges vom Einnehmen der Ausgangsposition bis zum Verlassen der Füße vom Block so zu optimieren, dass eine Verbesserung der Absprungparameter „Blockzeit“ und „Absprunggeschwindigkeit (horizontale Komponente)“ erreicht wird. Das spezielle Techniktrainingsprogramm wurde in dem Jahr zweimal über jeweils sechs Wochen absolviert. Pro Woche wurden jeweils zwei Trainingseinheiten Wasser- und Landtraining von je 20 Minuten Dauer an vier verschiedenen Tagen der Woche durchgeführt. Zwischen den einzelnen Startversuchen erhielten die Sportler Informationen zu ihrer Ausführung. Für die inhaltliche Gestaltung der Trainingseinheiten hat GRAUMNITZ (2011) einen Übungskatalog für die ersten drei Phasen des Starts (Ausgangsstellung, Auftakt und Absprung), entsprechend ihrer Merkmale und Kriterien erarbeitet (vgl. DIETZE/ SABOROWSKI, 2005). Der Übungskatalog ist nicht speziell auf eine der Startvarianten zugeschnitten. Diese Übungssammlung von GRAUMNITZ (2011), die zur Verbesserung der Bewegungsausführung des Absprungs beim Start vom Block verhelfen soll, ist unterteilt nach den drei verschiedenen Phasen. Das Ziel, das Merkmal, das Kriterium sowie die Wirkung jeder einzelnen Phase werden in der Übungssammlung beschrieben. Zu jeder Phase werden verschiedene

Übungen aufgeführt, für die jeweils Ausgangsstellung, Aufgabe, Belastung und Hinweise zur Ausführung beschrieben werden. Die Frage, welchen Einfluss diese Trainingsintervention auf die Entwicklung der Startleistungs-merkmale „Blockzeit“ und „Absprunggeschwindigkeit (horizontale Komponente)“ genommen hat, kann folgendermaßen beantwortet werden: Im Trainingsjahresverlauf können höhere Absprunggeschwindigkeiten (horizontale Komponente) und kürzere Blockzeiten erwartet werden. Mit dem speziellen Techniktrainingsprogramm ist mit höheren Entwicklungsraten zu rechnen als mit dem herkömmlichen Training. Nach Absolvieren des speziellen Techniktrainingsprogramms ist zunächst mit Verbesserungen bei dem Startleistungsmerkmal zu rechnen, bei welchem groß-motorische Bewegungen dominieren (horizontale Komponente der Absprunggeschwindigkeit) und erst verzögert bei dem Startleistungsmerkmal, bei welchen feinmotorische Bewegungen dominieren (Blockzeit). Eine Erhöhung der Absprunggeschwindigkeit (horizontale Komponente) ist durch das spezielle Techniktraining auch bei stagnierenden bzw. etwas verringerten Sprungkraftvoraussetzungen möglich. Die Durchführung des speziellen Techniktrainingsprogramms übt keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung weiterer relevanter Leistungsvoraussetzungen aus (vgl. GRAUMNITZ, 2011). GRAUMNITZ (2011) zieht aus seiner Studie folgende trainingsmethodische Schlussfolgerungen: Die Untersuchung ergibt, dass die Antriebsleistungen beim Absprung vom Block durch Techniktraining erhöht werden können, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: • Der Sportler muss über die Bedeutung des Starts für das Wettkampfergebnis aufgeklärt sein und muss den Einfluss der Blockzeit und der horizontalen Absprungeschwindigkeit auf die Startleistung nachvollziehen können. • Das Ausgangsniveau, das Ziel und die inhaltliche Gestaltung des Techniktrainings muss dem Sportler bekannt sein. • Für die Absprungbewegung vom Block eignet sich besonders die Ganz-Teil-Ganz- Methode sowie Elemente des Differentiellen Lernens (vgl. SCHÖLLHORN, 2010). • Der angestrebte Bewegungsablauf der komplexen Wettkampfübung muss geübt werden. • Techniktraining für die Optimierung von Bewegungsabläufen des Absprungs vom Block sollte kontinuierlich über mehrere Wochen durchgeführt und im Verlauf des Trainingsjahres wiederholt werden und dabei einen Anteil von drei Prozent der Gesamttrainingszeit im Trainingsjahr nicht unterschreiten (vgl. GRAUMNITZ, 2011). Des Weiteren lässt sich aus den Ergebnissen und den, während der Untersuchung gemachten Erfahrungen, ableiten, dass eine erfolgreiche Durchführung des Techniktrainingsprogramms folgendermaßen unterstützt werden kann: • Das Techniktraining sollte nach einer ausreichenden Erwärmung zu Beginn einer Trainingseinheit stattfinden. • Die Dauer einer Einheit zur Sensibilisierung von Teilbewegungen sollte ca. 20 Minuten betragen. • Prägnante, schlagwortartige, aufmerksamkeitslenkende Informationen unterstützen die Konzentration auf die Eigeninformation. • Ein Zusammenfassen von Ergebnissen und Setzen von Schwerpunkten für das selbstständige Üben führen zu höherer Identifikation des Sportlers mit dem angestrebten Bewegungsablauf (vgl. GRAUMNITZ, 2011). Zum Abschluss gibt GRAUMNITZ (2011) Hinweise, wie das Techniktraining zur Erhöhung der Antriebsleistungen beim Absprung vom Block im Anschluss- und Hochleistungstraining vorbereitet und erleichtert werden soll: 67