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Band41

78 Diskussion des

78 Diskussion des Forschungsstandes In der, für den Forschungsstand verwendeten Literatur, zeigen sich mehrere Probleme. Um die Leistung eines Startsprungs bewerten zu können, wird als Messwert die Startzeit herangezogen. Problematisch ist, dass die Autoren, die Startzeit an unterschiedlichen Punkten messen. Sinnvoll wäre es, eine einheitliche Distanz für den Startbereich festzulegen. Am besten eignet sich die 15m-Marke, denn spätestens an diesem Punkt muss der Schwimmer laut Wettkampfbestimmungen mit der zyklischen Schwimmbewegung beginnen (Ausnahme Brustschwimmen). Weiterhin ist zum Teil nicht ersichtlich, zu welchem Zeitpunkt die Startzeit gemessen wurde (Durchgang der Hände, des Kopfes oder der Hüfte). Von daher ist es schwierig, die Ergebnisse dieser Studien miteinander zu vergleichen. Weiterhin wurden nur in einer Untersuchung genaue Angaben bezüglich der Leistungsstärke der Schwimmer gemacht (Finalläufe der Olympischen Spiele 2000). Die anderen Studien untersuchen z.B. Collegeschwimmer, deutsche Kaderschwimmer (A-, B-, C-, D-Kader?) oder Wettkampfschwimmer – nur um eine kleine Auswahl zu nennen. Welches Leistungsniveau diese Schwimmer aber wirklich haben, wurde weder mit Hilfe von Punkten, noch durch Bestzeiten angegeben, was für die Einschätzung des Leistungsniveaus hilfreich gewesen wäre. Bezüglich des Vergleiches zwischen Parallelund Schrittstart kann laut Literatur keine eindeutige Empfehlung für eine dieser beiden Starttechniken gegeben werden. Durch die Einführung des OSB11 sollte sich das laut Hersteller Omega ändern. Dieser betont, dass mit dem neuen Startblockmodell bessere Startleistungen zu erzielen sind. Untersuchungsergebnisse bezüglich der Aktion auf dem Block zeigen eindeutige Vorteile für den Kickstart vom OSB11 im Vergleich zu den vorherigen Startvarianten. Diese Vorteile halten bis zur 7,5m-Marke an. Allerdings müssen die Phasen nach dem Verlassen des Startblocks optimiert werden, sowie weitere Studien durchgeführt werden, die die Unterwasserarbeit und den Übergang zur Gesamtlage mit einbeziehen, um von den Vorteilen des OSB11 profitieren zu können bzw. um den Einfluss des Kickstarts bis zur 15m-Marke belegen zu können. Die Befunde in der Literatur bezüglich des Trainings zur Verbesserung der Startleistung zeigen auf, dass es hier vielmehr auf motorische und koordinative Fähigkeiten ankommt als auf konditionelle. 1989 führte HOFFMANN eine Untersuchung zum Techniktraining des Absprungs vom Block durch. Die nächste Studie, die sich mit diesem Thema auseinander setzte, führte nach 22 Jahren GRAUMNITZ (2011) durch. Als Stichprobe dienten 14 Leistungsschwimmer aus dem Nachwuchsbereich. Aus den erlangten Ergebnissen wurde ein Übungskatalog zur Sensibilisierung von Teilbewegungen des Absprungs vom Startblock zusammengestellt. Dies ist die bisher einzige Übungssammlung, die zum Techniktraining für den Absprung vom Startblock veröffentlicht wurde. Allerdings wurde diese Studie auf einem Standardblock durchgeführt und auch die Übungen berücksichtigen nicht die Besonderheiten des neuen Startblockmodells OSB11. Das vorgestellte eigene methodische Vorgehen zur Verbesserung des Absprungs beim Schrittstart wird einmal jährlich als Lehrgang mit Nachwuchskaderathleten Hessens durchgeführt. In der Vergangenheit wurde das Training durch Fotos und Videoaufzeichnungen festgehalten und durch den „Trainerblick“ ausgewertet. Sinnvoll wäre eine Messung der Startzeit und der einzelnen Startparameter, um eine objektive Auswertung sicher zu stellen. Des Weiteren wäre es wichtig, den Lehrgang zu wiederholen, um eine positive Entwicklung der Startleistung zu

79 überprüfen bzw. nachzuweisen. Problematisch ist, obwohl bei nationalen und internationalen Meisterschaften vom OSB11 gestartet wird, dass ein Großteil der Schwimmhallen (noch) nicht mit diesem Startblockmodell ausgestattet ist und die Schwimmer nicht die Möglichkeit haben, regelmäßig mit ihm zu trainieren. Zusammenfassung Da Rennen im Schwimmen, gerade auf kurzen Distanzen, oftmals im 100stel-Bereich entschieden werden, spielt ein schneller Start eine bedeutende Rolle. Gezieltes Startsprungtraining kann helfen, die entscheidenden 100stel einzusparen. Für die Aktion auf dem Block sind eine kurze Blockzeit und eine hohe Absprunggeschwindigkeit (horizontale Komponente) die leistungsbestimmenden Parameter, um eine schnelle Startzeit zu realisieren. Mehrere Untersuchungen zum Absprung vom Startblock zeigen, dass es für die Verbesserung der leistungsrelevanten Startparameter eher auf motorische und koordinative Fähigkeiten ankommt, als auf konditionelle. GRAUMNITZ (2011) hat ein spezifisches Techniktraining zur Verbesserung des Absprungs vom Startblock mit Nachwuchssportlern aus dem Hochleistungsbereich über ein Trainingsjahr durchgeführt. Ziel der Trainingsintervention war es, den Bewegungsablauf des Absprungvorgangs so zu optimieren, dass die Blockzeit verkürzt und Absprunggeschwindigkeit (horizontale Komponente) erhöht wird. Beide Ziele wurden erreicht – und zwar mit höheren Entwicklungsraten als mit herkömmlichen Training. Für dieses spezielle Techniktraining hat GRAUMNITZ (2011) eine Übungssammlung zusammengestellt – den „Übungskatalog zur Sensibilisierung von Teilbewegungen des Absprungs vom Startblock“. Um eine Verbesserung des Absprungs zu erreichen, sollte das Training über mehrere Wochen durchgeführt werden und im Verlauf eines Trainingsjahres wiederholt werden. Es sollte einen Anteil von 3% der Gesamttrainingszeit nicht unterschreiten. Außerdem ist es nach einer Erwärmung zu Beginn einer Trainingseinheit mit einer Dauer von ca. 20 Minuten zu absolvieren. Eine Rückmeldung bezüglich der Bewegungsausführung nach jedem Versuch durch den Trainer wirkt sich zusätzlich positiv aus. Auch die theoretische Schulung des Sportlers hat positive Auswirkungen auf die Verbesserung der Antriebsleistungen beim Absprung. Wichtig ist es, vielfältige Bewegungserfahrungen durch variables Üben und Differentielles Lernen zu sammeln und koordinative Fähigkeiten in jeder Ausbildungsetappe zu schulen. Das Techniktraining zur Verbesserung des Absprungs vom Startblock, welches in Nachwuchslehrgängen des Hessischen Schwimmverbandes durchgeführt wird, beruht auf positiven Erfahrungen in den letzten Jahren. Das Training beginnt mit vorbereitenden Übungen zum Einsatz des Schwung- und Sprungbeines sowie ergänzenden Übungen zur Körperspannung an Land. Darauf folgen verschiedene vorbereitende Übungen vom Beckenrand, bevor es dann auf den Startblock geht. Die Anforderungen, die GRAUMNITZ (2011) an das Training zur Verbesserung des Absprungs vom Startblock stellt, werden bei dem methodischen Vorgehen in den Lehrgängen berücksichtigt. Somit ist davon auszugehen, dass dieses Techniktraining einen positiven Einfluss auf die Startleistung der Sportler hat. Um die Wirksamkeit allerdings nachzuweisen, ist es nötig die Startzeit sowie die startrelevanten Parameter zu erheben und auszuwerten.