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Band41

96 94 Schwimmens. Sie

96 94 Schwimmens. Sie sollten vielfältig und freudbetont, spielerisch und komplex sowie vorzugsweise unter Tiefwasserbedingungen vermittelt werden. Aus methodischer Sicht wird weit verbreitet unterschätzt, dass die solide Beherrschung der Grundfertigkeiten des Schwimmens fundamental und komplex, lernpsychologisch, motorisch und zeitlich die Entwicklung zielgerichteter und vortriebswirksamer Bewegungen im Wasser wesentlich optimieren kann. Die Grundfertigkeiten des Schwimmens sollten deshalb mit hohem Anspruch charakterisiert, vermittelt und gelehrt werden: Atmen: Regelmäßiges und kurzzeitiges kräftiges Einatmen durch den Mund und andauerndes Ausatmen durch Mund und Nase ins Wasser; Verbindung des rhythmischen Atmens mit dem Fortbewegen Tauchen: Sicheres Untertauchen unter Wasser in Verbindung mit Abstoß-, Gleitoder Sprungübungen; Augen geöffnet und Orientierung unter Wasser Springen: Selbständiges und mutiges Springen fuß- und kopfwärts von einer erhöhten Absprungstelle in tiefes Wasser Gleiten: Selbständiges Gleiten in gestreckte(ste)r strömungsgünstiger und stabiler Körperposition in Brust- und Rückenlage nach kräftigem Abstoß vom Beckenrand Fortbewegen: Körperverhalten: Kontrollierte Einnahme und Änderung der Positionen des Körpers bzw. Koordination von Körperteilen (Kopf, Rumpf, Extremitäten) im Tiefwasser Kontrollierte Bewegungskoordination im (Tief-) Wasser durch Einsatz der Extremitäten und Kopfsteuerung Ausführung wechselseitiger Bein- und Armbewegungen in Brust- und Rückenlage in Verbindung mit dem rhythmischen Atmen Die Entwicklung des Wassergefühls als komplexe koordinative Fähigkeit im Wasser ist meines Erachtens nicht nur Ziel und Mittel bei der Entwicklung des Könnens im Schwimmen (von der Wassergewöhnung über die Beherrschung der Grundfertigkeiten bis zur Solidität des Schwimmens), sondern fester integrativer Bestandteil grundständiger und Fach vertiefender Lehre. Eigene empirische Untersuchungen (vgl. Abb. 7) haben u.a. gezeigt, dass – Sportstudierende ihr eigenes koordinatives Vermögen im Wasser überschätzen – Sportstudierende eine vermeintlich einfache koordinative Komplexübung nur mit Mühe und bei 0,3 m/s bzw. 0,7 m/s Gegenstrom nicht realisieren können – es keinen korrelativen Zusammenhang zwischen ausgeprägten koordinativen Fähigkeiten an Land und im Wasser gibt. Seite 94

97 95 Abb. 7 Koordinative Komplexübung Mit Hilfe einer selbst konzipierten Komplexübung zur Erfassung, Entwicklung und Bewertung des Ausprägungsgrades koordinativer Fähigkeiten im Wasser wurden folgende Zielgruppen untersucht: Behinderte (Apoplex, 8TN) Kinder (2. Klasse, Schwimmunterricht) Kinder (7/8 Jahre Schwimmtraining) Sportstudierende (29 TN) ITK-Teilnehmer (ca. 30 TN) Schwimmer (Grundlagentraining) Erwachsene (Fußballerinnen) Erwachsene (Sportlerinnen) Erwachsene (Nichtsportler) Jeweils unter abgestuften Gegenstrombedingungen ! Darüber hinaus wurden diesbezüglich Expertenbefragungen, Studierendenbefragungen, Empirische Ermittlungen der Qualität (+ Quantität) in der Ausführung, Berechnungen zur Validität/Reliabilität/Objektivität vorgenommen. Die praktische Erprobung vielfältiger, vor allem koordinativ ausgerichteter Übungen im Wasser, trägt sehr wesentlich zur eigenen Vervollkommnung des Wassergefühls und des Schwimmen-Könnens, aber auch zu einer ausgeprägten Vermittlungskompetenz bei …