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ANOGAST Bericht Nr 39

ANOGAST Bericht Nr 39 „Koza“ Langgasse 18 | 67454 Haßloch Telefon: 06324 - 911 79 50 besucht am 24.09.2017 Modernes Asia-Fusion-Restaurant mit dem wohl besten Sushi-Angebot der Pfalz Dass sich die pfälzische Gemeinde Haßloch zu einem angesagten Hot-Spot asiatischer Rohfischkulinarik entwickeln würde, war so nicht abzusehen. Doch mit den beiden Deutsch- Vietnamesen Hai Nguyen Vu und Duc Van Pham sind zwei experimentierfreudige Gastronomen von Berlin in die Pfalz gekommen, um ihre Vision eines zeitgemäßen Sushi-Lokals mit viel Hingabe und Leidenschaft auszuleben. Seit Anfang August hat das Koza im Haßlocher Ortskern seine Pforten geöffnet. Freunde außergewöhnlicher Sushi- Kreationen, die gerne in lässig-urbaner Atmosphäre genießen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Die beiden Betreiber haben die Werbewirksamkeit der sozialen Medien verstanden. Knapp zwei Monate nach dem „Grand-Opening“ konnten sie schon an die 4000 Follower mit nach oben ausgestrecktem Daumen beim weltweit größten sozialen Netzwerk verbuchen. In dieser kurzen Zeit eine beeindruckende Zahl. Und beeindrucken wollen sie ihre Gäste in der Tat. Da werden Sushi-Platten wie kleine Kunstwerke angerichtet und mit waberndem Trockeneis-Nebel in mystisch anmutende Rohfisch-Landschaften verwandelt. Die abgefahrene Art, ihre Gerichte zu präsentieren, passte ganz hervorragend zum trendig-legeren Interieur des Gastraums. Wir trafen auf klare Linien, die zusammen mit der warmen Beleuchtung den idealen Rahmen für ein stimmungsvolles Essvergnügen abgaben. Die rustikalen Holztische, über denen klobige Industrieleuchten baumelten, sowie die dezent in Grau gehaltenen Wände kündeten von nordisch beeinflusstem Design, wie man es eher in hippen Großstadtläden vermuten würde. Die Atmosphäre war lebhaft, was bei dem Hochbetrieb leider zu einer etwas anstrengenden Akustik führte. Fotos: Marco Rieder 40

Fotos: Archiv Kirrweiler Man merkte den Räumlichkeiten gleich an, dass sie mit viel Liebe zum Detail renoviert wurden. Holzregale als raumteilende Elemente und eingezogene Wände unterteilten den „großen Platz“ (deutsche Bedeutung des Wortes „Koza“) sinnvoll. Ein Blickfang stellte zweifellos die in dunklem Holz gehaltene Sushi-Theke dar. Hinter ihr waren meist zwei Köche gleichzeitig am Werk, um mit stoischer Gelassenheit die Preziosen aus rohem Fisch zu kreieren. Das außergewöhnliche Speisenangebot kam als lose Blattsammlung, die auf einem Klemmbrett befestigt war. Vietnamesische Nudelsuppen, einfallsreiche Salate, eine gute Handvoll gedämpfter, gegrillter oder gebackener Vorspeisen panasiatischer Provenienz, bemerkenswerte Nudel- und Reiskompositionen sowie ein respektables Angebot an hausgemachten Sushi-Rolls (inside-out, crunchy) erschwerten uns die Auswahl. Zusätzlich wurden noch diverse Mixed-Platten mit Tempura, Sashimi & Co. zum Teilen angeboten. Und das alles zu Preisen, die Spaß machten und die vornehmlich junge Gästeklientel nicht abschreckte, sich einmal „quer“ durchzuprobieren. Wir nahmen uns an ihnen ein Beispiel und bestellten munter drauflos. Den Anfang machte eine Auswahl an Vorspeisen, die unter dem Namen „Koza’s Tapas Selection“ (13,50 Euro) firmierte und verschiedene kalte und warme Starter beinhaltete. Perfekt, um sich einen kulinarischen Überblick zu verschaffen. Frische, mit gegrilltem Hähnchen, Wildkräutersalat und Reisnudeln gefüllte Sommerrollen tauchten wir in leichte Chili-Limetten-Vinaigrette und genossen sie als aromatisches Fingerfood. Gedämpfte, mit Garnelen gefüllte Reisdumplings und knusprige Teigtaschen klemmten wir zwischen unsere Ess-Stäbchen und schwelgten im siebten Asia-Himmel. Dezent gesalzene Edamame (gedämpfte japanische Sojabohnen) und krosse Süßkartoffelpommes komplettierten den Reigen delikater Vorspeisen. Was für ein grandioser Auftakt! Wir waren gespannt, wie die zum Hauptgang bestellte gemischte Sushi-Platte namens „The Invader“ (56 Euro) wohl ausfallen würde. Den passenden Weißwein hatten wir mit dem trockenen Kilo Riesling vom Meckenheimer Nachwuchswinzer Ralf Haertel schon gefunden. Für 21 Euro war das feinste Literware, die ganz ausgezeichnet zur nahenden Rohfischplatte passte. Mit dampfendem Trockeneis landete der „Eindringling“ auf unserem Tisch. Ein beeindruckendes Fischbollwerk, bestehend aus ca. 50 filigran zubereiteten Häppchen, türmte sich vor uns auf. Als der Rauch verflogen war, machten wir uns ans Werk. Das zart schmelzende Sashimi von Lachs und Thunfisch zerging förmlich auf der Zunge. Beides lag auf delikatem Wakame-Salat mit herzhaftem Soja-Dressing. Für etwas mehr Crunch sorgten die mit Guacamole servierten Scheiben von der knusprig gebackenen Tuna Tempura Roll. Die abwechslungsreiche Sushi-Reise führte uns von schlichten, mit Gurke gefüllten Maki-Rollen über wagemutige Insideout-Varianten, in deren Reismantel schottischer Lachs, geräucherter Aal (Unagi), Frischkäse und Avocado versteckt lag. Auffallend farbenfroh war das Gesamtkunstwerk dekoriert. Mit Flugfischrogen (Tobiko), Chili-Stroh und einer liebevoll aufgeschichteten Sushi-Mauer, aus deren obersten „Bausteinen“ frittierte Garnelenschwänze sowie Gurken- und Surimi-Streifen ragten, war das sowohl optisch als auch geschmacklich ein absolutes Highlight. Fazit: Nach diesem beeindruckenden Frischfischfeuerwerk ließen wir den Abend mit zweimal Mousse au Chocolat und einem Cheesecake (jeweils 5,60 Euro) süß ausklingen. Beim netten Plausch mit den beiden Betreibern Hai und Duc erfuhren wir von ihrer Vorliebe für Riesling, den sie für den perfekten Fischbegleiter hielten und der sicherlich mit einer der Gründe war, warum es sie von Berlin in unsere Weinregion zog. Mit ihrem innovativen Konzept haben uns die beiden eindrucksvoll gezeigt, dass asiatische Küche weit mehr sein kann als gebratene Nudeln oder Ente süß-sauer. Und ganz nebenbei wertet das Koza die Haßlocher Gastrolandschaft erheblich auf. Skala 6 5 4 3 2 1 nicht zu empfehlen — empfehlenswert — sehr zu empfehlen f 41

pm 0945 JUN 2018
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