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Ein halbes Jahr Auszeit

Ein halbes Jahr Auszeit Vietnamesin Matsumoto, Japan Eine Reise um die halbe Welt von Hartmut Meuter Teil 3 Vietnam-Dschunke Halong-Bay Vietnam Am 1. Dezember starteten wir nach Hanoi, die Hauptstadt von Vietnam. Nach unseren Erfahrungen in Japan war das ein Kulturschock. Hanoi hat rund 6,5 Millionen Einwohner, allerdings ist das Stadtgebiet auch sehr groß. Es gibt dort aber genauso viele Motorroller, sodass auf den Straßen ein ununterbrochener Strom von Mopeds fließt, die zum Teil hoch beladen sind mit bis zu 20 Bierkästen oder 10 Reissäcken. Das Moped transportiert mitunter auch ganze Familien; man sieht Eltern, mit zwei kleinen Kindern und noch die Oma hintendrauf. Der Verkehrsfluss funktioniert nach einer undurchschaubaren Anarchie, an die man sich erst gewöhnen muss. Das Überqueren der Straße ist nach dieser Eingewöhnung nicht schwer: Einfach losgehen und auf Gott vertrauen. Nicht zögern oder ängstlich ausweichen, sondern zielsicher und damit auch gut kalkulierbar losmarschieren. Die Ernährung findet auf der Straße statt. Wo tagsüber die breiten Bürgersteige mit den Mopeds vollgestellt sind, werden abends kleine Garküchen aufgestellt. Die Mopeds stehen dann auf der Straße oder im Haus. Am besten hat uns der Hotpod geschmeckt, bei dem man selber kocht. Ein Camping-Gaskocher wird auf den Tisch gestellt, auf dem schon in einem großen Topf die Brühe brodelt. Dann Gemüse, Salat, Nudeln und die Einlage aus Huhn oder Rind aufgetischt. Damit endet der Service, denn kochen muss man selber! Man wirft das Huhn, das übrigens ohne irgendeine Kenntnis der Anatomie von Geflügel zerhackt wurde, in den Topf, gibt zum richtigen Zeitpunkt Gemüse hinzu und zuletzt die Nudeln, die nur 3 Minuten brauchen. Die normale Sitzgarnitur besteht aus kleinen Kindergarten-Stühlchen aus Plastik, die es in ganz Vietnam gibt. Für einen Europäer mit 180 cm Körpergröße ist das manchmal etwas anstrengend. Aber es schmeckt herrlich und wir denken schon über die Anschaffung eines Camping-Gaskochers nach. Aber wir waren auch auf dem Lande in Yen Duc, ein Ort, der sich dem sanften Tourismus verschrieben hat. Bevor wir uns zum Essen niedersetzen durften, mussten wir dafür erst „arbeiten“. Wir lernten, wie mühsam es ist, Reis zu schälen und wie trickreich es ist, im Dorftümpel Fische zu fangen. Die Vietnamesen haben sich köstlich über uns amüsiert, ließen sich aber höflicherweise nichts anmerken. Der Reis wurde gekocht, die Fische gebraten und wir hatten ein sehr schmackhaftes Abendessen. Von unserem Fang alleine wären wir aber nicht satt geworden. Unsere Gastgeber hatten noch etwas dazu getan. Der Höhepunkt unserer Reise war eine dreitägige Fahrt auf der Halong-Bucht in einer Dschunke. Wir waren nur 13 Passagiere aus aller Herren Länder, ein junges, indisches Paar auf Hochzeitsreise, Nik und Anne aus Südafrika, etwa in unserem Alter und einige Australier. Dann war da noch Fernando, ein Brasilianer, der mit dem Motorrad um die Welt reiste. Wir wurden bald eine Gruppe, die sich gut verstand. Die Mannschaft der Dschunke war mit Begeisterung bei der Sache und zeigte uns die Fischerdörfer, schwimmend auf dem Wasser, in denen Fischer und Perlentaucher leben. Mit dem Kanu paddelten wir um die bizarren Felsen, die für das Bild der Halong-Bucht typisch sind. Mittags und Abends lernten wir vietnamesische Küche auf höchstem Niveau kennen, machmal als Ergebnis eines Kochkurses, den der Koch an Bord anbot. Die Vietnamesen auf unserem Schiff waren – so wie häufig im Lande – der Ansicht, dass wir Europäer ihre Namen weder aussprechen noch behalten können. Aus diesem Grund geben sie sich neue Namen für die Touristen. Eine nannte sich Tip-Top, ein anderer Batman, ein dritter nur Jack. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Fotos: (und Text): Hartmut Meuter 86

Australien Nach drei Wochen und Aufenthalten in der alten Kaiserstadt Hue und in Saigon bestiegen wir wieder den Flieger, um nach Australien zu reisen. Am 18.Dezember landeten wir in Melbourne. Städte am Wasser haben immer ihren Reiz. Die alten Hafenanlagen sind zu Plätzen für die Öffentlichkeit umgebaut. Restaurants, Shopping-Malls und Museumsneubauten sind die Magneten, die das Publikum anziehen. Wir haben das in Melbourne und auch in Sydney genossen. In Sydney steht die weltberühmte Oper unmittelbar am Wasser, gleich neben den Hafenanlagen für Wassertaxis, Fähren in die Außenbezirke, wie Rose Bay, wo wir vom 23. Dezember bis zum 3. Januar wohnten. Weihnachten in Australien ist allerdings weniger romantisch als in Deutschland. Unser großes Erlebnis war der Jahreswechsel in der Oper. Dazu hatten wir bereits ein halbes Jahr vor unserer Abreise die Karten besorgt, denn diese Feierlichkeit ist in kurzer Zeit ausgebucht. So konnten wir die Opern-Gala genießen mit einem Dinner vorher und Party danach. Zur Gala wurden Arien von Verdi, Puccini und Rossini geschmettert, was das Publikum so liebt. Die Sängerinnen und Sänger waren große Klasse und das Publikum tobte vor Begeisterung. Während dieser Vorstellung gibt es zwei Feuerwerke. Das erste findet in der Pause um ca. 21:00 Uhr statt, es ist für die Kinder. Die müssen dann ins Bett und die Operngala geht weiter bis kurz nach 23:00 Uhr. Dann kommt das „richtige“ Feuerwerk, obwohl das erste hierzulande auch schon den landläufigen Ansprüchen genügt hätte. Aber das zweite Feuerwerk ging über eine halbe Stunde. Es beleuchtete sowohl die Oper wie auch die Harbour-Bridge in Sichtweite der Oper. Um die Oper herum waren zehntausende Leute versammelt, die Stimmung hätte nicht besser sein können und wir wurden als „Couple from Germany“ bestaunt und in vielen Gruppen willkommen geheißen. Der Start in das Jahr 2017 hätte nicht freundlicher sein können. Die Ostküste von Australien bietet viele Möglichkeiten für Wassersport. Wir aber wollten das Great Barrier Reef sehen und erleben. Es ging weiter mit dem Zug und dem Greyhound-Bus. Mancher schöne Strand und manches Hafenrestaurant am Wege musste leider ohne uns zurecht kommen. In Port Douglas angekommen, bezogen wir unser Airbnb-Heim, eine nette Wohnung mit Pool nahe am Hafen. Über dem Pool spendeten Palmen erholsamen Schatten. In den Palmen wohnten einige „Flying Foxes“ eine Flughund-Art, die durch Ihr orangenes Bauchfell auffällt. Von denen gab es viele in Port Douglas. Sie leben in den Palmen des Festlandes und fliegen jeden Abend in der Dämmerung an einen entfernten Ort, wo sie die Nacht über Party feiern. Abends saßen wir im Hemingway zum Diner. Der Himmel war bedeckt von Flying Foxes, über ein halbe Stunde lang, es müssen Tausende gewesen sein. Jeden Abend ein beeindruckendes Schauspiel. Zum Schnorcheln und Tauchen bietet Port Douglas viele Alternativen. Wir haben zwei völlig gegensätzliche Touren gemacht. Quick Silver ist ein Unternehmen, das einen hyper-modernen Katamaran Kreuzer für zirka 150 Teilnehmer betreibt, sowie eine Tauch- und Schnorchel-Basis, die im Outer Reef verankert ist. Dort ist auch eine Unterwasser-Plattform, die man, ausgestattet mit einem Taucherhelm, zum Beobachten der Fische betritt. Die Fische wissen natürlich, dass es hier Futter gibt und sind entsprechend zahlreich anwesend und kommen nahe heran. Dagegen ist Sail Away ein kleines Unternehmen von ein paar Leuten, die einen Segel-Katamaran betreiben, der für etwa 15 Leute Platz bietet. Die Chefin ist Meeresbiologin und führt uns in die Welt der Symbiosen unter Wasser, Fische und Meeres-Schildkröten sowie Auswirkungen des Klimawandels auf das Riff ein. Wir schwammen durch Korallengärten mit ihren Bewohnern, sahen riesige Meeres-Schildkröten und beobachteten Nemo- Fische, wie sie zwischen den See-Anemonen umher schwammen. Über eine Woche hatten wir Gelegenheit, das Great Barrier Reef kennen zu lernen. Wir wussten, dass der Klimawandel dem Riff zusetzt und Teile der Korallen absterben. Obwohl der Teil des Riffs, in dem wir schwammen, noch nicht gravierend betroffen war, konnten wir auch hier erste Anzeichen beobachten. Fortsetzung in unserer nächsten Ausgabe Nr.44 (April-Mai 2018) In den ersten beiden Teilen erschien Skandinavien, Russland und Japan 87