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20180121_Widerspruch_Privat

5.9 Falsch gewähltes

5.9 Falsch gewähltes Analyseverfahren Prof. Henninger schreibt in Kapitel 2 seiner Analyse: „Das Verfahren zur Landschaftsbildbewertung orientiert sich an dem von NOHL entwickelten Verfahren „Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch mastenartige Eingriffe“. Dieses Verfahren bietet sich für das vorliegende Untersuchungsgebiet an, da bei NOHL im Vergleich zu anderen Verfahren eine sehr große beein-trächtigte Fläche berücksichtigt werden kann. Konstruktionsmerkmale wie „Leistung“ und „Typ“ werden zwar bei NOHL nicht mit in die Betrachtung einbezogen, nehmen jedoch in ihren Auswirkungen auf das Landschaftsbild nur eine untergeordnete Rolle ein. Wir konnten uns selbst in einer öffentlichen Informationsveranstaltung mit 300 Zuhörern davon überzeugen, dass die gesamte Aussage falsch ist. Dort hielt Prof. Dr. Werner Nohl einen Vortrag zum Thema „Windkraft und Landschaft“ und stellte explizit zur vorgelegten Analyse klar, dass sein Verfahren weder für die hier gestellte Aufgabe ent - wickelt wurde, noch dafür geeignet sei; unter Anderem genau we - gen der Tatsache, dass eine so exorbitante Zunahme von Größe und Anzahl der Windkraftanlagen vor 25 Jahren gar nicht absehbar war, und Leistung und Typ nur deswegen keine Berücksichtigung im Verfahren finden. Diese Klarstellungen von Prof. Dr. Werner Nohl sind schon seit über 10 Jahren allgemein bekannt x . Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass Prof. Nohl in eigener Sache ausdrücklich diejenigen Län - der kritisiert hat, die sein Verfahren gegen besseres Wissen immer noch zur Beurteilung zulassen, und er schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis: „…dass dieses veraltete Verfahren heute noch – wie hier für die Windkonzentrationszone K6 im Hügelland südlich von Alzey - zur Anwendung kommen kann, ist eigentlich untragbar. Die Verbands - gemeinde Alzey-Land wäre gut beraten, wenn sie diese Landschaftsbildanalyse in ihrer Entscheidungsfindung nicht berücksichtigen würde.“ Soviel zur Eignung des Verfahrens aus Sicht dessen, der es selbst entwickelt hat. Unabhängig davon kommt Prof. Dr. Werner Konold von der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg in der Bewertung unterschiedlicher Verfahren bei jenem von Dr. Nohl unter Anderem zur Erkenntnis, dass das Verfahren für heutige Aufgabenstellungen inhaltlich und formal nicht nachvollziehbar ist xi . In Rheinland-Pfalz wird das Verfahren nicht als „Allgemein anerkannte technische Baubestimmung“ geführt. Auch dies zeigt, dass die Landschaftsbildanalyse von Prof. Henninger insgesamt und zur Abwägung unbrauchbar und ungeeignet ist. Die „Landschaftsbildanalyse“ ist als Grundlage für eine Abwägung des Schutzgutes „Landschaft“ nicht zu verwenden, weil der Ersteller nachweislich ein veraltetes, ungeeignetes und für völlig andere Aufgabenstellungen entwickeltes Verfahren verwendet hat, was vom Verfasser des Verfahrens eingehend erläutert und bestätigt wurde. Seite 10 von 17

5.10 Fehlende Abwägung zum Thema „Unverbaute Landschaft“ Prof. Henninger beschreibt die Landschaft willkürlich nur aus der Sicht eines auf dem Plateau stehenden Betrachters und stellt fest, dass man von hier aus im Rundblick schon über 100 Windräder zählen kann (siehe 1.4 und Beschreibungen der Wirkzonen II und III in 1.6). Allerdings wurden Sie von der Stadt Alzey in deren ablehnenden Stellungnahme vom 27.09.2016 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „…einer der letzten unverbauten Bereiche im Süden bzw. Südwesten von Alzey ganzheitlich gestört und von WEA beherrscht …“ würde. Mit dem Sachverhalt, dass aus Alzeyer und Weinheimer Perspektive bisher nicht ein einziges Windrad in Südrichtung zu sehen ist, geht die Analyse mit keinem Wort ein. Zu den von der Stadt Alzey diesbezüglich angemeldeten Bedenken gibt es keinerlei Abwägung; die ohnehin nicht brauchbare Analyse macht zu diesem Thema keinerlei Aussage. Wir schließen uns den dargestellten Bedenken vollinhaltlich an . Mit dem Schließen der letzten offenen Flanke im Süden würden die Bewohner des Stadtteils Weinheim zusammen mit der Talbrücke im Osten, den Erbes-Büdesheimer Windrädern im Norden und den Bechenheimern im Westen zukünftig in jeder Himmelsrichtung Mas - ten, Pfeiler, Windräder und Blinklichter sehen. Das widerspricht nach unserer Ansicht dem Gebot der Rücksichtnahme, welches „ … über die Immissionsbelastungen im Sinne von § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BauGB hinaus auch solche Fälle erfasst, in denen sonstige nachteilige Wirkungen des Bauvorhabens in Rede stehen. Die bedrängende optische Wirkung, die eine Windenergieanlage auf bewohnte Nachbargrundstücke im Außenbereich ausübt, kann im Einzelfall mit dem Gebot der Rücksichtnahme nicht zu vereinbaren sein.“ xii Bürger und Widerspruchsführer dürfen erwarten, dass sich die Abwägung mit diesem Thema spezifisch und ernsthaft, nicht in floskelhafter Form unter Hinweis auf eine unvollständige Analyse auseinandersetzt. Die „Landschaftsbildanalyse“ ist somit als Grundlage für eine Abwägung des Schutzgutes „Landschaft“ völlig unbrauchbar, weil ganz wesentliche Aspekte und Kriterien der Bewertung und Wichtung vollständig ignoriert und missachtet wurden. 5.11 Fehlende Abwägung zum Thema „Tourismus und Naherholung“ Unter 2.4.3.1 wird die Eigenart der Landschaft willkürlich mit dem Stand der Flurbereinigung in den 1960er und 1970er Jahre beschrieben, ohne die daran anschließenden Maßnahmen ab den 1980er Jahren auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Die gesamten Umweltschutzmaßnahmen, beispielsweise Renaturierung von Gewässern, Schaffung von Retentionsflächen, Streuobstwiesen, Aufforstungen, Ausgleichsmaßnahmen oder anderweitige Nutzung von Stilllegungsflächen zur Aufwertung der Landschaft am südlichen Hang des Selztales, welches ja am meisten von den Anlagen überformt würde und bislang völlig ungestört ist, bleiben in den Betrachtungen außen vor. Kein Wort findet sich zu den tourismusfördernden, bewusst durchgeführten Maßnahmen zur Landschaftsbildaufwertung im Zusammenhang mit der Schaffung von Wander- und Radwegenetzen und zur deutlich verbesserten Eignung des Selztales für die wohn - standortnahe Freizeit und Erholung. Seite 11 von 17