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Kicker der Ortenau Sommer 2017/2018

Heißes Jubiläum in

Heißes Jubiläum in Schwarzwald-Sibirien Der Ex-Dauerletzte der Kellerliga, SC Kaltbrunn, feiert seinen 50. Geburtstag in der Kreisliga A Machen Sie sich nix draus, wenn Sie Kaltbrunn noch nicht kennen. Kaltbrunn ist ein Vorort der Gemeinde Schenkenzell (rund 350 Einwohner) im Kreis Rottweil. Der Kaltbrunner Fußball-Verein SC ist ein wahrer Paradiesvogel unter den kickenden Clubs der Gegend. Ende Juli hat der „kleine KSC“ seinen 50. mit einem rauschenden Fest gefeiert – der Neunte der Kreisliga A (nördlicher Schwarzwald) im Württembergischen hatte eine ganze Menge zu feiern. Blicken wir kurz zurück Der „kleine KSC“ hatte es wahrlich nicht leicht. 1967 gegründet, blieb den KSC- Kickern im hoch gelegenen „Schwarzwald Sibirien“ (Sportplatz über 500 Meter) wenig erspart. Bei Regen schwamm der schräg gelegene Kick-Acker (1,5 m Gefälle) regelrecht weg. Bei Kälte war die eine Hälfte vereist, die andere unter Schnee. Sportlich hatte der „kleine KSC“ lange eine feste Rolle in der Kreisliga B Kinzigtal im Badischen – er war, wie die Schweizer liebevoll sagen, der „Schwanzclub“ der Klasse. Das erforderte viel Tapferkeit von den KSC-Fußballern. Davon hatten sie zum Glück eine ganze Menge – und zudem waren sie clever. 1999 wechselte der KSC nämlich die Seiten, vom südbadischen ging es zum württembergischen Fußball-Verband. Von da an ging es auch sportlich bergauf. Die trübe Dauer-Laterne in der Kellerliga gehörte von nun an der Vergangenheit an. Seit dem bahnbrechenden Verbandswechsel spielte Kaltbrunn inzwischen insgesamt neun Jahre in der Fußball-Kreisliga A und weitere neun in der Kreisliga B. Dabei erlebte der „kleine KSC“ ungeahnte Höhenflüge – der Hit war die Runde 11/12 in der Kreisliga A. Die lange Zeit unerreichbare Bezirksliga war damals nämlich zum Greifen nah. Am 3. Juni 2012, das hält die KSC-Vereinschronik stolz wie in Stein gemeißelt fest, führte Kaltbrunn im letzten Saisonspiel zuhause bis in die Nachspielzeit gegen Herzogsweiler-Durrweiler mit 2:1. „Der KSC wäre mit einem Sieg direkt in die Bezirksliga aufgestiegen“, heißt es. „Der Staffelleiter war schon auf dem Weg nach Kaltbrunn, um die Ehrung vorzunehmen, ehe dem Gast durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang – und Klosterreichenbach Meister wurde“. Es gab noch eine zweite Chance: Der SC Kaltbrunn ging in die Relegation. In zwei hochklassigen Aufstiegsspielen gegen Gündringen und Hallwangen vor jeweils über 1000 Zuschauern war Kaltbrunn in zwei Hitzeschlachten einmal Sieger (6:5 n. E. gegen Gündringen) und einmal Verlierer (3:5 gegen Hallwangen n. E.) – jeweils nach dramatischen Spielen. Hauchdünn verpassten die KSC-Kämpfer den Aufstieg in die Bezirksliga – aber sie machten auch so den größten Erfolg in der Geschichte des „Kleinen KSC“ aktenkundig. Wie die Kaltbrunner Fußballer in den frühen Jahren die Kickerei erlebten, hält die Vereins- Chronik des KSC fest. Es wäre ein journalistisches Foulspiel, einige Schmankerll davon den Fußball-Freunden vorzuenthalten. KSC-Fans an der Bande – mit blau-weißem Schal KSC-Urgestein Manfred Schoch (jetzt Schapbacher Trainer), mit Zigarette und Schnurrbart Ex-AH-Kicker Achim Schneidereit. Zum Beispiel: „Der Bau des Sportplatzes in Kaltbrunn machte mächtig Sorgen. Der Untergrund war nass und morastig, so dass kräftig eingeschottert werden musste. Im August 1970 wurde der neue Sportplatz mit einem Pokalturnier ordentlich gefeiert. Auch konnte man die Umkleidemöglichkeit im Roßbergerhof nutzen. Zu dieser Zeit war eine komfortable Dusche nicht überall anzufinden.“ Ein Zeitzeuge erzählt: „Da hast du in Mühlenbach ein Spiel auf dem Hartplatz und in der Mitte steht ein Strommasten im Feld. Nach dem Spiel möchte man sich im Zuber sauber machen, jedoch stieg der erste Spieler samt Schuhe ins klare Wasser und die anderen Sportkameraden hatten braunes Wasser zur Reinigung der geschundenen Beine. Noch duschen die KSC-Kicker im 150 Meter entfernten Roßberger Hof. Doch seit 2006 spielen sie auf gepflegtem Kunstrasen. Und Ende dieses Jahres seifen sie sich sogar unter neuen, modernen Duschen direkt neben dem KSC-Gelände ein. KSC-Steckbrief: Name: SC Kaltbrunn („Kleiner KSC“) Mitglieder: Rund 500 Mannschaften: A/B/C-Jugend als SG mit der Spvgg. Schiltach, eigenständige D/E/F-Jugend-Teams, Kreisliga-Damen (alle im südbadischen Fußball-Verband), Erste und Zweite der Männer (Kreisliga A nördlicher Schwarzwald im Württembergischen Fußball-Verband) Trainer der Ersten: Dirk Flaig KSC-Chef: Thomas Hauer Der Kleine KSC 2012 beim Einlauf zur Relegation zur Bezirksliga, in der er knapp scheiterte. 116

Vom Entzaubern zum Bezaubern Die unterschiedlichen Facetten von Alfred Metzler Ehrgeiz, sich aufs Wesentliche konzentrieren und „sein Ding durchziehen“: das waren und sind die Eigenschaften, die Alfred Metzlers Wirken bis heute ein Leben lang begleiten. Sei es im früheren Beruf als Lehrer, als Fußballer und Trainer auf dem grünen Rasen, als Maler, Zauberkünstler oder als Kolumnist mit spitzer Feder – eine bezaubernde Geschichte. Seine fußballerische Laufbahn begann er beim FC Wolfach und wurde beim FC 08 Villingen einer der ersten Vertragsspieler der Region in der damaligen Regionalliga Süd. Er war kein „Fußball-Rastelli“. Vor allem seine Bissigkeit, sein Geschick in den Zweikämpfen, seine Schnelligkeit, seine Cleverness und eine hervorragende Kondition zeichneten Metzler aus. Entdeckt wurde er bei einem Spiel einer Kreisauswahl in Zell a. H. Gegner war der FC 08 Villingen. Metzler war derjenige Spieler, der die Spielgestalter des Gegners „entzauberte“. Dies blieb auch dem Freiburger FC nicht verborgen und der Weg führte den Kinzigtäler in den Breisgau. Drei Jahre war er Profi in der zweiten Liga. Beinahe wäre seine Karriere weiter nach oben gegangen. Der VFB Stuttgart hatte seine Fühler nach ihm ausgestreckt, entschied sich jedoch für den zehn Zentimeter größeren Karl-Heinz Förster. Ganz sicher – so sieht es auch Alfred Metzler neidlos – die richtige Entscheidung des VFB. Auch als Trainer machte sich der Wolfacher in der Ortenau einen Namen. Unvergesslich war der Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft im Jahr 1984 mit dem Offenburger FV. 1982 unternahm Metzler die ersten „Gehversuche“ in der Malerei. Er war fasziniert von diesem tollen Hobby. Nun packte ihn auch hier der Ehrgeiz und nach einiger Zeit folgten schon die ersten erfolgreichen Ausstellungen. Zur Zauberei kam Alfred Metzler vor 17 Jahren. „Ich habe einen Zauberer gesehen und wollte wissen, wie so was geht.“ Und wieder machte sich der Wolfacher daran, aus einer „Idee“ was „Handfestes“ zu machen. Genau wie beim Fußball und der Malerei war sein Ehrgeiz die Triebfeder und es entwickelte sich eine Dynamik, die ihn vielgefragt zu einem professionellen Zauberer werden ließ. Mit seinem „Zauberhaften Intermetzo“ wird Metzler inzwischen im ganzen Süddeutschen Raum und im angrenzenden Ausland gebucht. Dass er als Lehrer schreiben kann, ist nicht verwunderlich. Doch der Wolfacher, der in Gutach lebt, weiß auch wie man mit der „spitzen Feder“ umgeht. Seit Jahren schreibt er Kolumnen für den Heimatteil „Schönes Wochenende“ in der Tageszeitung und aktuell im Sportteil des Offenburger Tageblatts. Zusammen mit dem Kulturwissenschaftler Thomas Hafen wurden bereits zwei Bücher veröffentlicht. „ZWEISTIMMIG“ ist bereits ausverkauft. „ZWEIWEITER“ heißt das aktuelle Buch. Derzeit sind sie mit Lesungen, die musikalisch begleitet werden, auf Tour. „Insgesamt gesehen bin ich mit meinem Leben topzufrieden. Ich bin glücklich, das alles so erlebt zu haben und weiter so erleben zu dürfen“, so Alfred Metzler – der bissige Fußballer und kreative Künstler. 117

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