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SchlossMagazin Fünfseenland Februar 2018

12 | region | Manuela

12 | region | Manuela Hartel Das menschliche Wesen in seiner Vielfalt hinterfragen Die Performance-Künstlerin Manuela Hartel Am Starnberger See verzauberte sie ihr Publikum mit ihren Performances zum Echolot- Festival für Neue Musik. Jetzt zeigt die im Schloss Kempfenhausen arbeitende Videokünstlerin Manuela Hartel ihre faszinierende Arbeit im Münchner Theater HochX. Viel Beifall hatte sie mit dem Programm bereits im vergangenen Jahr in Athen geerntet. Text Maren Martel · fotos Domniki Mitropoulou, Saba Bussmann Absolute Stille. Dann ein Flüstern, ein metallener Klang. Echos, Widerhall. Eine Frau auf einer Schaukel, regungslos. Der Kopf nach vorn gebeugt, die langen Haare vor dem Gesicht. Gezeichnete, schwarze Figuren bewegen sich als Videoprojektion über die Frau, die selbst zur Leinwand wird. Ein Vorhang weht. Wie in Zeitlupe bewegt sich der Kopf der Frau zur Seite. Dazu elektronische Klänge, Wellen, Sounds. Die Bilder der Video-Musik-Performance von Manuela Hartel gehen tief. In ihrer aktuellen Arbeit hinterfragt die am Starnberger See arbeitende Künstlerin gemeinsam mit der griechischen Malerin Christina Calbari und dem ebenfalls aus Athen stammenden Musiker und Live-Elektroniker Stavros Gasparatos das menschliche Wesen in seiner mentalen, emotionalen und physischen Vielfalt. Hartel konfrontiert den Betrachter durch Bilder, Projektionen und Klänge mit seiner eigenen inneren Welt. Erstmals präsentiert wurde die Video-Musik-Performance BELOVED! im vergangenen Jahr während der Documenta 14 in Athen. Mitte März ist die 45-minütige Video-Musik-Performance nun in München, im Theater HochX zu sehen. Ursprünglich stammt Manuela Hartel aus dem Allgäu. In jungen Jahren fand sie zur Musik, spielte in Bands. „Aber irgendwann kam mir das zu eindimensional vor.“ In Wien,

| region | 13 Mailand und München ließ sie sich ausbilden. Videoinstallationen und Videoarbeiten installiert sie seitdem für Theater- und Opernbühnen, so für die Bayerische Staatsoper, das ETA Hoffmann Theater Bamberg oder die Junge Oper Stuttgart. Auf internationaler Bühne präsentierte sie ihre Arbeiten nicht nur in Athen. Die Liste der Aufführungsorte ist lang: Shanghai, Guangzhou, Palermo, Skopje, Zürich, Salzburg, Venedig. In diesem Frühjahr ist sie bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. In der Fünfseenregion hat sie sich mit ihren Arbeiten zum Echolot-Festival für Neue Musik einen Namen gemacht. Im vergangenen Jahr begeisterte sie das Publikum am Starnberger See mit „Nach(t)klang“, einer Video-Musik-Performance zwischen den Bäumen unter freiem Himmel. Im Schloss Kempfenhausen ist sie seit 2016 mit ihrem Atelier. Was Manuela Hartel mit ihren Videos, ihrer Stimme und ihrer Darstellung schafft, ist virtuos: Sie erweckt Calbaris Zeichnungen durch Computeranimation zum Leben. Als Performerin ist sie dabei selbst auf der Bühne, integriert in ihr Bühnenbild und in die Bilder der Videoprojektion. Ihre Bewegungen bleiben stets minimal. Dazu passend ertönt der sphärische Gesang der Künstlerin, den Gasparatos elektronisch vervielfacht und sampelt. Die Audio-Loops unterstützen, erweitern und intensivieren die visuelle Darstellung. Calbaris Mädchen, zunächst brav und fröhlich mit langen, geflochtenen Zöpfen, bewegen sich langsam über die Leinwand. Dann fallen sie in Endlosschleife durchs Bild ins Nichts. Bei näherem Hinsehen sind die Köpfe der Mädchen gebeugt, die Gesichter leer, die Zöpfe ineinander verknotet. Es sind die eigenen, inneren Kinder, oft vernachlässigt, abgelehnt. Was zunächst wie harte Kost wirkt, findet in der Performance von Hartel seine heilsame Auflösung. Ein Einblick in ihre eigene Seele? Manuela Hartel wiegelt ab: „Bestimmt hat die Performance ein Stück weit mit meiner inneren Welt zu tun. Aber Jeder hat seine eigene innere Welt, daher ist die Bedeutung für Jeden anders.“ Und: „Mein Hauptinteresse gilt der menschlichen Existenz. Der Vielfalt von Kulturen und Mentalitäten. Ich bin eine Beobachterin und ein Seismograph.“ Sie sei immer neugierig. Außerdem reise sie gerne, auch „um andere Kulturen zu erleben.“ Ansonsten ist sie viel in der Natur, am liebsten am Meer. Gerne auch am Starnberger See. # Vita Manuela Hartels Performances und Videoarbeiten waren seit 2003 u. a. in vielen europäischen Metropolen, aber auch in Fernost zu sehen. Nach ihrer vielschichtigen Ausbildung in Gesang und Performance am American Institute of Music in Wien und am Centro Professione Musica in Mailand wurde sie als erste Studierende am neu gegründeten Lehrstuhl für Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München aufgenommen. Seitdem kreiert Manuela Hartel Videoinstallationen und Videoarbeiten für Theater- und Opernbühnen, u. a. mehrfach in München, Stuttgart und Bamberg sowie in Zusammenarbeit mit der freien Tanz- und Theaterszene. Sie inszeniert in Eigenregie Video-Musik-Performances in Räumen, die sie durch ihre Projektionen erweitert und verändert. Sie arbeitet mit Stimme und Text und wird dabei von Musikern und Komponisten der Neuen und elektronischen Musik unterstützt. Aufgewachsen ist sie im Allgäu. Einem streng katholischen Elternhaus verdankt sie eine früh entdeckte Neigung zu ritueller Zeremonie. Seit vielen Jahren lebt sie in München und arbeitet seit 2016 im Schloss Kempfenhausen am Starnberger See. internet www.manuelahartel.de www.theater-hochx.de Vorschau auf die Video-Musik-Performance https://vimeo.com/246973350 BELOVED! On the Concept of Inner Vision and Sound Video/Sound Installation und Live Performance von Manuela im HochX Theater, Entenbachstr.37, München 16. März bis 18. März 2018 Tickets info@theaterhochx.de Ticketpreise: 18 Euro, ermäßigt 10 Euro Parallel zur Video-Musik-Performance sind in der Galerie Françoise Heitsch aktuelle Arbeiten von Christina Calbari zu sehen. Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, 15. März um 19 Uhr (Galerie Françoise Heitsch, Amalienstr. 19, 80333 München).