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Der Schwimmtrainer Nr.108

Der

Der Schwimmtrainer 14 Oktober 2016 Psychotherapie im Dialog Zählt nur der Erfolg? Was aber, wenn uns die Gladiatoren enttäuschen, wenn sie ihre Gegner im Kampf um Medaillen nicht niederstrecken und das Ergebnis im Medaillenspiegel nicht unseren Erwartungen entspricht, wenn „wir“ nicht Weltmeister oder Olympiasieger geworden sind, sondern „nur“ eine persönliche Bestleistung, eine Endlaufteilnahme oder Blechmedaille erreicht wurde? Ab wann ist ein Wettkampf interessant? Wie viel mediales bzw. Zuschauerinteresse besteht dann, wenn es nicht um die Weltereignisse, sondern „nur“ um nationale oder regionale Wettkämpfe geht, und der, die uns den Respekt für Menschen in dieser „Berufsgruppe“ vermitteln? Bei den ich fast ausschließlich auf die Angehörigen der Sportler; und wenn es nicht um Qualifikationen für Weltereignisse geht, dann sind auch die Medien nicht präsent, sondern „beim Sport“, womit meist die Anwe senheit gleich mehrerer Kamerateams unterschiedlicher Sender beim Fußball gemeint ist. Welche Effeke hat das auf die Psyche des Sportlers? Einerseits können wir davon ausgehen, dass (Breiten-) Sport ein wissenschaftlich gesicherter Schutzfaktor gegen psychische Störungen ist (Ströhle et al. 2007) und ihm eine große Bedeutung bei der Rehabilitation einer Vielzahl körperlicher, neurologischer und psychischer Erkrankungen beizumessen ist (Brand & Schlicht 2008). Andererseits weist die (wenn auch insgesamt noch dürftige) Daten lage darauf hin, dass im Leistungs- bzw. Wettkampfsport mit nennenswerten Prävalenzraten u. a. Angststörungen (8,6 %), Essstörungen (4,9 %) und Depressionen (3,6 %) auftreten (Schaal et al. 2011). Letztere werden nicht selten mit verschleiert. Sie treten v. a. bei Karrierekrisen durch Verletzungen oder als Folgeschäden von Gehirnerschütterungen (Hoyer & Kleinert 2010) auf, können aber auch Ergebnis chronischer mentaler und physischer Belastungen sein. Bekannt geworden sind zum Beispiel Robert Enke, Sebastian Deisler oder Lindsey Vonn. Vorsichtig schlussfolgern Hoyer & Kleinert (2010) entsprechend, dass sich die Gesamtprävalenzraten psychischer Störungen bei Wettkampfsportlern und Nicht-Sportlern nicht unterscheiden, wohl schen gibt es auf Initiative der Bundesanstalt für Arbeits schutz und Arbeitsmedizin zu dieser Thematik eine Materialiensammlung, die explizit die Stressreduktion im wettkampforientierten Leistungssport in den Mittelpunkt stellt (Sulprizio & Kleinert 2015). Selbstkritische Fragen für Therapeuten Was denken wir Therapeuten in aller Regel über Menschen mit einer solchen Leistungs- und Verausgabungsbereitschaft? Sind wir bereit, deren Motivation zu verstehen und zu akzeptieren und sie in ihrem Beruf zu unterstützen? Auch wenn – oder gerade weil – die strukturellen Burnout-Rahmenbedingungen diese Menschen an die Grenze ihrer Verarbeitungsfähigkeit gebracht haben? Oder wenn nach einer erfolgreichen und damit erheblicher Verstärkerverlust droht – und sie dann an die Tür unserer Praxis klopfen? Welches konzeptuelle therapeutische Verständnis haben wir von diesem Arbeits platz und wieviel Kompetenz können wir diesen Menschen im Notfall einer psychischen Erkrankung zur Verfügung stellen? Fazit Brand R, Schlicht W. Sportpsychologische Interventionen in Hrsg. Anwendungen der Sportpsychologie (Enzyklopädie prevalence and incidence of mental disorders in adolescents Gesundheit im wettkampforientierten Leistungssport. - Intervention. Eine Expertise zu einem langfristigen sportpsychologischen Beratungs- und Betreuungskonzept für - Dr. phil. Hans-Ulrich Wilms, Dipl.-Psych. Humboldtstr. 2 04105 Leipzig Dr.Wilms@online.de Psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut, seit 2000 Dozent und Supervisor an staatlich anerkannten psychotherapeutische Praxis in Leipzig, Gesellschafter Burnout-Prophylaxe, sportpsychologische Beratung im und Belastungsmanagement. tungssportlern durch, auf der Basis von Werkvertägen mit dem Olympiastützpunkt Halle / Magdeburg. Heruntergeladen von: Thieme. Urheberrechtlich geschützt.

Der Schwimmtrainer 15 Oktober 2016