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Der Schwimmtrainer Nr. 107

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DSTV / Der Schwimmtrainer 24 Oktober 2015 Abb.2 : Mittlere 100m-Zeit (sek) von 1991 zu 2014 der Altersklassen Die Leistungen, gemessen am Mittel der zehn Besten, haben sich im Zeitraum von 1991 bis 2014 in allen Gruppen um 3-4% entwickelt. Allerdings in den Disziplinen differenziert. Schwachpunkte in unserem Nachwuchs bleiben dabei die langen Freistilstrecken und besonders die 200m Schmetterling der Mädchen (s. Abb.3). Wobei dieser Vergleich maßgeblich vom Niveau der Ausgangsleistung bestimmt wird. So liegt z.B. das Mittel der 15jährigen Schwimmerinnen 2014 über 200S bei 2:22,94 min und 400F bei 9:13,03 min. 1991 waren es 2:21,70 min und 9:13,00 min. Also war früher doch alles besser? Nein, zwischenzeitlich schwammen die Mädchen zwar besser, aber letztlich bleibt die Entwicklung in diesen Disziplinen unbefriedigend. Abb.3: Entwicklungsraten in den einzelnen Disziplinen im Vergleich 2014 zu 1991 bei den AK 12-17 Will man aber nicht nur die aktuelle Situation darstellen, sondern die Daten zur Einschätzung der Leistung mittels Punkttabellen nutzen, dann ist die unstete aktuelle Bestenliste eine ungünstige Basis. Die Gefahr „nach hinten“ zu orientieren ist zu groß. Deshalb basiert die Punkttabelle zur altersgerechten Leistungsbewertung („Rudolph-Tabelle“) auf ewigen Bestenlisten, die zumeist Progression, vielleicht noch Stagnation, aber nie Leistungsabfall generieren. Zudem sind sie statistisch stärker gesichert (s. R 2 in Abb.4).

DSTV / Der Schwimmtrainer 25 Oktober 2015 Abb.4: Vergleich der Entwicklung über 200S der Damen im DSV am Beispiel der ewigen und aktuellen Bestenliste von 1991 bis 2014 und aktuelle Bestenliste der AK 15 weiblich Auf dieser Basis wurde die „Rudolph-Tabelle“ für 2015 aktualisiert und bereits im Januar auf die Website des DSV gestellt (www.dsv.de/fileadmin/dsv/documents/schwimmen/amtliches/150126_Punkttabelle_2015-pdf.pdf). Die Berechnungen fußen auf den Abständen der Mittelwerte der ewigen Bestenlisten der einzelnen Altersklassen zum „Weltniveau“ (Mittel Platz 1-10 der ewigen Weltbestenliste). So wurden charakteristische Entwicklungsverläufe im Schwimmen ermittelt, die eine altersgemäße Einschätzung der Leistung im Schwimmen erlauben (s. Abb.5). Die Analysen zeigen trotz der Einbrüche in der Spitze eine kontinuierliche Entwicklung im Nachwuchsbereich. Das beste Zehnermittel in der aktuellen Bestenliste erreichen zwei Drittel der AK 12-17 in den letzten beiden Jahren, das andere Drittel (nur Mädchen) 2010 und 2012. Wenn auch die aktuellen Hindernisse (Geburtenzahl, Schwimmhallenschließungen usw.) nicht unterschätzt werden sollten, unser Nachwuchs entwickelt sich. Wir haben keinen Anlass, eine angeblich so gute alte Zeit zu verklären. Nur für den Ewiggestrigen ist in Anlehnung an Valentin, selbst die Zukunft früher besser. Gute Trainingsbedingungen sind im langfristigen Aufbau wichtig, sind aber nicht alles. Bowman, der die eigenen Trainingsbedingungen als mittelmäßig einschätzt, betont, dass die Leistung von innen, aus der Persönlichkeit des Athleten kommt. Niederlagen gehören zum langfristigen Lernprozess (Bowman 2012 7 ). In dem Sinne hatten wir in den letzten Jahren die Chance viel zu lernen. Wir brauchen ein klares Trainingskonzept sowohl für die Spitze als auch für den Nachwuchs. Diese Konzepte liegen nun vor und wir sollten sie mit Leben erfüllen, denn „das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden“ (Søren Aabye Kierkegaard, 1813, dänischer Philosoph). 7 Pfaff, E.: Interview mit Bob Bowman, Leistungssport 2/2012, S.57-62