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Der Schwimmtrainer Nr. 106

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DSTV / Der Schwimmtrainer 60 November 2014 Mehrere Korrelationsstudien, welche den Zusammenhang zwischen Starts oder Wenden zu Schwimmzeiten untersuchen, leiden an zu kleinen Stichprobengrößen. Um verlässliche Aussagen zu machen ansonsten wären > 100 Vpn nötig, wenn Anfänger mit Elite-Schwimmern verglichen werden. Es sei denn, die Zusammenhänge sind sehr stark und daher offensichtlich. Korrelations-Studien mit 10-20 Vpn sind nur dann nützlich, wenn die Variablen aus wiederholten Messungen stammen, bei denen die Probanden ihre Technik spontan ändern und die Effekte sich erheblich unterschieden, siehe z.B. zum Tapering (P-072). Noch besser ist es, wenn vielfältige Beobachtungen für jede Vpn vorliegen und eine t-test geprüfte Steigung ableiten, welche die Beziehung zwischen der Bewegung und Performance erfasst. Es ist also immer besser, wenn für jede Vpn multiple Beobachtungen vorliegen und Beziehungen dann mit einem einfachen T- Test geprüft werden. Schwimmarten L. Seifert stellte im einem Hauptvortrag und weiteren Vorträgen (O-044 und P-037) das Thema: Koordination der Extremitäten vor (KL-002) vor. Dabei führte er dynamische Systeme, komplexe Selbstorganisation, Systemtheorie und verschiedene Einschränkungen an, die aber nicht notwendig sind, um z.B. im Resultat herauszufinden: Kraulschwimmer zeigen beim Renntempo eine Überlappung der Antriebsphasen beider Hände, vermutlich durch Verkürzung der Überwasseraktion in jedem Zyklus. Wo ist hier der Kenntnisgewinn? Eine Reihe von Leuchtdioden entlang des Armes erleichtert die automatische Digitalisierung großer Vpn-Zahlen (P-127), um die Beziehung von Aktion und Hüft-Geschwindigkeit (u) pro Zyklus zu ermitteln; laut dieser Studie ist (u) dann maximal, wenn sich die Schulter über der Hand befindet und der Ellbogen um 130° gebeugt ist, was nicht mit der bisherigen Lehrmeinung übereinstimmt, die besagt, dass (u) dann maximal ist, wenn der Oberschenkel neben der Hand ist. Allerdings waren die Befunde hinsichtlich der Beziehung zur Wettkampfzeit nicht schlüssig. Weiter Analysen zum Kraulschwimmen siehe P-005, P-035. Analysen der Druck-Differenz zwischen Handfläche und –rückseite für 23 studentische Schmetterlingsschwimmer (O-111) führt zu folgenden Schlüssen: Interventionen können die Zeit für das Vorbringen der Hände verringern und die Aktionen der Hände können früher beginnen. Äußerst inspirierend war die Fallstudie eines Trainers (P-077) mit einem Asian-Rekord-Schwimmer, 100 m Schmett.); es waren zwei Jahre nötig, um eine gewünschte Verringerung des Kniewinkels zu erreichen. Es wurde vermittelt, die Knie in der Aufwärtsaktion gestreckt zu halten. Die Langzeitstudie war, bis auf den statistisch basierten Zusammenhang zur Zeitveränderung fast vorbildlich dokumentiert (aber der Effekt war so klar, dass es keine Rolle spielte). Training D. Costill, ein weltbekannter Physiologe, plädiert seit rd 20 Jahren für die Verringerung der Umfänge. In der Fortsetzung dieser langen Tradition berichtete eine Gruppe aus Dänemark (O-026, P-078) über die Wirkung der Halbierung der Trainingsumfang und Erhöhung der Trainingsintensität für 12 Wochen. Eine randomisierte kontrollierte Studie

DSTV / Der Schwimmtrainer 61 November 2014 von 16 + 15 Elite Schwimmern (20 männlich, 11 weiblich) zeigt, dass die VO2max signifikant um 3,8% sank, die Leistung in einem all-out 200-m- Test ebenfalls um etwa 1,5%, aber nicht signifikant. Jedoch waren die 100m-Zeiten signifikant kürzer, ohne dass hier Werte für die Vergleichsgruppe vorlägen. Es ist schon erstaunlich, dass Dänische Trainer den Mut hatten diese Veränderungen und Gruppenteilung 12 Wochen vor den NM vorzunehmen. Es ist zu hoffen, dass sie mitteilen, welche Vor- und Nachteile wirklich auftraten, wenn die kleinste Veränderungsgröße von 0,25 % zugrunde gelegt wird. Zum Übertraining / Burnout erzählte P N Lemyre in einem manchmal überwältigendem Festvortrag von einer der größten und besten Studien (KL-006), mit Tests der Psychometrie, Hormone und Stresstests von 53 Elite-Schwimmer in 6 Trainingsmonaten: Beginn (September), sehr harte Mitte (November) und Zuspitzung zum Ende (März). Im Resultat wurde die fehlende Motivation zu Saisonbeginn als bester Prädiktor für Burnout ermittelt (r = 0,52 zum Mittelteil und r = 0,55 zum Endteil). Als nützliche Prädiktoren für Burnout gelten: Veränderungen des Cortisols im Stresstest und mehrere andere Parameter konnten Burnout zu 65% aufklären. Jetzt werden Studien benötigt, in denen Interventionen auf der Grundlage der Prädiktoren erfolgen, mit dem Ziel die Gefahr von Burnout zu verringern und die Leistung zu verbessern – am besten mit denselben Schwimmern. Wer eine Wirkung auf die Wettkampfzeit durch zusätzliches Bilder-Training erhofft, den wird P-107 interessieren, obwohl hier keine signifikante Wirkung in einer kontrollierten Studie von 8 + 8 13-y alten Kinder nach 2 Wochen gezeigt werden. F. Rodriguez präsentiert in einem Hauptvortrag Effekte des Höhentrainings von Schwimmern (KL- 008), wobei er auf eine neue Meta-Analyse über Performance-Effekte von verschiedenen Arten von hypoxischen Expositionen von Bonettis und Hopkins (2009) Bezug nahm, ohne deren Schlussfolgerungen anzuführen. Dafür sprach er von der bevorstehende multizentrische Höhenstudie, siehe auch (O-052), die eine gute Gelegenheit wäre, den neuen Forschungsansatz von (O-073) anzuwenden. Das Tapern vor einem nationalen Wettbewerb mit 12-jährigen Schwimmern korreliert klar und deutlich (r = 0,63) mit Veränderungen in der Wettkampfzeit (P-072). Auf Nachfrage, meinte der Autor, die Korrelation hänge mehr mit der höheren Belastung vor Taperbeginn zusammen als mit der Reduktion zum Taperende, d.h. diejenigen, die in der härteren Trainingszeit höhere Belastungen aufwiesen, zeigten größere Gewinne. Ein 4 wöchiges Krafttraining verbessert die Startzeiten von fünf männlichen und zwei weiblichen Schwimmern (nationale Ebene) in 50-m-Rennen um durchschnittlich 0,07 s (P-075) oder etwa um 0,3%. Obwohl diese Änderung die kleinste ist, die statistisch relevant ist, wäre es wichtig, auch den Transfer auf die Wettkampfzeit anzugeben. Verschiedenes K Matsuuchi informierte in einem Hauptvortrag (KL- 005) über die farbige Darstellung der Umströmung einer Hand beim den vier Schwimmarten. Diese wegweisende Methode, PIV genannt, ermöglicht nicht nur die Darstellung der Umströmung, sondern auch die Berechnung der Impulsveränderung, die den Antrieb bewirkt. Neuste damit verbundene Erkenntnisse lauten: die Form der rotierenden Wassermassen ist für die Wirksamkeit entscheidend und Strömungen sind nicht-stationär, d.h. die Strömungsphysik für starre Körper, z.B. Schiffsbau, ist für das menschliche Schwimmen nicht aussagekräftig.