Aufrufe
vor 7 Monaten

Sankaracharya_Atma Bodha

Sankara (788-820), der Kodifikator des Advaita Vedanta, Verfasser vieler grundlegender Schriften des Hinduismus und Begründer zahlreicher Klöster des alten Indien, erläuter in dieser Schrift in 68 Sutras die Praxis der Erkenntnis des Selbst. Die klaren, umfangreichen und für das Verständnis des Texten ungemein erhellenden Erläuterungen stammen vermutlich von Swami Nikhilananda.

den Unendlichen

den Unendlichen Atman, der der Eine ohne Zweites ist. Der Eine usw.: Dies bedeutet, dass der Herr und die Essenz von allem, was existiert, das Selbst ist. Der Atman bzw. das Selbst ist das wandellose Bewusstsein als der Zeuge der groben Sinneserfahrungen während des Wachzustands, der subtilen Erfahrungen des Verstandes während des Traumzustands und der seligen Erfahrungen während des Tiefschlafs in Abwesenheit der Subjekt-Objekt-Beziehung. * * * Die vedantischen Meister empfehlen zur Erlangung der Selbsterkenntnis die Yoga-Disziplinen. Das bloße Studium und die Diskussion allein können auf die Existenz des Atman lediglich hinweisen. Wie ist die Meditation über die Einheit des jiva mit Brahman möglich, wenn man rund um sich herum die Vielfalt der Phänomene beobachtet? 39 Der Weise muss durch kluges Verstehen die gesamte objektive Welt in den Atman allein eintauchen und dabei beständig an diesen Atman als den fleckenlosen Himmel denken. Kluges Verstehen: Mit intelligenter Unterscheidungskraft. Eintauchen: Die gesamte durch die Sinnesorgane wahrgenommene Welt ist eine fälschliche Überlagerung des Atman. Sie ist in Wahrheit eins mit ihrem Substrat, wie die Schlange mit dem Seil während der Täuschung des als Schlange wahrgenommenen Seils. Nur das Substrat ist wirklich, während die durch Überlagerung als Namen und Formen wahrgenommenen Dinge essenziell nicht unterschieden von diesem Substrat sind. Mit Hilfe 56

vernünftiger Überlegung muss der Aspirant, der unterscheidet, erkennen, dass die Welt nicht im absoluten Sinne getrennt vom Atman existiert, und so das gesamte Universum in den Atman, der dasselbe wie Brahman ist, eintauchen. Fleckenloser Himmel: Wie es im Falle des Herbsthimmels ist, in dem die verschiedenen fantastischen Wolkengebilde der feuchten Jahreszeit verschwunden sind. * * * Wie lebt der Kenner der Höchsten Wirklichkeit? 40 Wer das höchste Ziel erreicht hat, verwirft alle Namen und Formen und verbleibt als die Verkörperung von Bewusstsein und unendlicher Seligkeit. Verwerfen: Bedeutet, sämtliche illusorische Überlagerungen im Substrat des Brahman einzutauchen. Alles Existierende ist in Wahrheit nur Brahman. Dies trifft ohne Zweifel für den Erleuchteten als auch den Unwissenden wahrheitsgemäß zu. Der Unwissende jedoch glaubt aufgrund einer Illusion an die Wirklichkeit der Namen und Formen und nimmt daher anstelle des Brahman nur die relative Welt wahr. Die vedantische Lehre macht deutlich, dass diese illusorische Wahrnehmung der Vielfalt verworfen werden muss. Verbleibt: Dies wird mit folgenden Bild beschrieben: „Gleich einer Flamme, die an windgeschütztem Ort nicht flackert, ist der Yogi, der den Verstand beherrscht und sich mit dem Selbst vereinigt hat.” (Bhagavadgita, 6.19) * * * Man könnte einwenden, dass trotz des 57

Aparoksha Anubhuti_Die direkte Verwirklichung des Selbst_Übersetzung von Clemens Vargas Ramos
Sivananda_Das Buch der Gitas_Die Essenz des Advaita Vedanta