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Sankaracharya_Atma Bodha

Sankara (788-820), der Kodifikator des Advaita Vedanta, Verfasser vieler grundlegender Schriften des Hinduismus und Begründer zahlreicher Klöster des alten Indien, erläuter in dieser Schrift in 68 Sutras die Praxis der Erkenntnis des Selbst. Die klaren, umfangreichen und für das Verständnis des Texten ungemein erhellenden Erläuterungen stammen vermutlich von Swami Nikhilananda.

Der Tod bzw. die

Der Tod bzw. die Höchste Befreiung eines jivan mukta: 53 Zum Zeitpunkt der Zerstörung der upadhis wird er, der Verstehende, vollständig in Vishnu, das Allesdurchdringende Selbst, absorbiert; auf dieselbe Weise, wie Wasser in Wasser, Raum in Raum und Licht in Licht absorbiert wird. Zerstörung usw.: Nachdem der Antrieb seines vergangenen karmas sich erschöpft hat, gibt der jivan mukta seinen Körper auf. Vollständig: Ohne das die geringste Spur von Individualität zurückbleibt. Wasser usw.: Wenn eine mit Wasser gefüllte Tasse in Wasser getaucht wird und zerbricht, wird das Wasser in der Tasse eins mit dem Wasser außerhalb. Raum usw.: Wenn eine leere Tasse zerbricht, vereint sich der Raum in der Tasse mit dem allesdurchdringenden Raum. Licht usw.: Wenn ein Licht ausgelöscht wird, sagt man, dass es sich mit dem Großen Feuer vereint, welches eins mit den fünf Elementen des groben Universums ist. Oder wenn eine brennende Lampe vor dem Tageslicht verblasst, dann vereint sich jenes Licht mit dem allgegenwärtigen Licht der Sonne. * * * Der Vedanta beschreibt die Arten von mukti bzw. Befreiung: Jivan mukta bzw. Befreiung, während man noch den Körper bewohnt; videha mukti oder Befreiung, nachdem der Körper aufgegeben wurde. Es gibt Vedanta-Kenner, die dafür halten, dass jivan mukta die Höchste Befreiung ist. Nach ihren Aussagen ist die Erlangung der Erkenntnis des Atman zu Lebzeiten die einzige Bedingung der Befreiung. Ein 68

Befreiter, der den Körper bewohnt, der den Wirkungen seines vergangenen karmas unterworfen ist, verbleibt trotzdem stets unberührt von den Wirkungen seiner Tätigkeiten. Er schweift niemals von der Erkenntnis des Atman ab. Obwohl er die relative Welt wahrnehmen kann, ist er sich stets ihrer Unwirklichkeit bewusst. Laut einer anderen Lehre behält der jivan mukta eine Spur von Unwissenheit zurück, die seiner Verbindung mit dem Körper entspringt. Die Tatsache allein, dass er in der relativen Welt lebe, zeige, dass er von der Erkenntnis des Brahman abgekommen sei. Die vollständige Absorption im Brahman sei nur dann möglich, wenn der Erkenner des Brahman frei vom Körper sei. Zur Unterstützung dieses Gesichtspunkts werden die folgenden Passagen der Schriften angeführt: „Auch bei ihm dauert die Heimkehr so lange, wie er noch nicht befreit ist (von den Wirkungen des vergangenen karma, welches seinen Körper erscheinen ließen). Danach (d.h. nach dem Tode) erlangt er die Vollkommenheit.“ (Chandogya Upanishad, 6.14.2). „Für ihn gibt es schließlich (nach der Auflösung des Körpers) ein Aufhören aller maya und ihrer Wirkungen.“ (Shvetashvatara Upanishad, 1.10) „Wie Ströme rinnen und im Ozean, aufgebend Name und Gestalt, verschwinden, so geht, erlöst von Name und Gestalt, der Weise ein zum göttlich höchsten Geiste.” (Mundaka Upanishad, 3.2.8) Zwischen den verschiedenen Gesichtspunkten gibt es jedoch keine echten Unterschiede, weil der Erkenner des Brahman die Seligkeit, die Freiheit und den Allerhöchsten Frieden sowohl vor wie nach dem Tode schmeckt. Im Folgenden wird die Natur des Brahman beschrieben, in die der Erkenner des Selbst nach seinem Tode absorbiert wird. 69

Aparoksha Anubhuti_Die direkte Verwirklichung des Selbst_Übersetzung von Clemens Vargas Ramos
Sivananda_Das Buch der Gitas_Die Essenz des Advaita Vedanta