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Sivananda_Das Buch der Gitas_Die Essenz des Advaita Vedanta

Geliebter Sucher, dieses Buch der Gitas ist der himmlische Schlüssel für dich, mit dessen Hilfe du den Eintritt in das Reich des Göttlichen Lebens und der Fülle erhälst. Diese Gitas enthalten lebensspendede Botschaften von erleuteten Sehern. Sie haben die Macht, dein Leben von Grund auf zu verwandeln . . .

7. Physische Leiden

7. Physische Leiden treten aufgrund von vier Gründen auf: Krankheit, Kontakt mit nicht wünschenswerten Objekten, Verblendung und Verlust lieber Besitztümer. 8. Physische und mentale Krankheiten werden geheilt, indem man diesen vier Quellen der Leiden ausweicht und ebenfalls nicht über ihnen brütet. Darin bestehen die zwei Arten des Umgangs damit, mit denen man sich selbst vom Leiden befreien kann. 9. Kluge Ärzte kurieren zuerst die mentalen Leiden, und zwar durch angenehme Rede, durch Anekdoten aus ihrer Praxis, durch Anbieten der Objekte, die sich der Verstand wünscht, und durch physische Vergnügen. 10. Der Körper leidet aufgrund der Sorgen des Verstandes, so wie in einem Topf aufbewahrtes Wasser im Kontakt mit einer erhitzten Eisenkugel zu kochen beginnt. 11. Die mentalen Krankheiten sollten durch Erkenntnis kuriert werden, so wie ein Feuer gelöscht wird, in welches man Wasser gießt. Sobald der Verstand ruhig geworden ist, wird auch der Körper wieder gesund. 12. Die Ursachen mentaler Krankheit sind Liebe und Anhänglichkeit 1 . Liebe und Anhänglichkeit lassen das Individuum anhaften, woraufhin es schon bald großen Sorgen begegnen wird. 13. Alle Sorgen haben Anhänglichkeit an etwas als ihre Wurzel. Auch alle Furcht wird aus der Anhänglichkeit geboren. Trauer, Heiterkeit, Ermüdung und alle Arten von Schmerzen entstehen aus der Anhänglichkeit. 14. Aus der Anhänglichkeit entsteht die inniglich empfundene Einbildungskraft, und aufgrund der Anhänglichkeit entwickelt sich dann wiederum tiefe Anhaftung an die Objekte der Welt. Beide stellen sich letztlich gegen das, was für den Menschen das Beste wäre. Der eigentliche Guru sämtlicher Probleme ist diese Anhänglichkeit. 15. So wie sogar ein winziges Feuer in der Höhlung eines Baumes zum Schluss den ganzen Baum verbrennt, so verbrennt auch nur ein wenig Anhänglichkeit für die Sinnesobjekte schließlich alle Tugenden und alles Gedeihen. 1 für die Welt 142

16. Wem die Sinnesobjekte nur entzogen worden sind, kann nicht als ein Mensch der Entsagung bezeichnet werden. Derjenige jedoch, der im Kontakt mit den Sinnesobjekten deren Makel erkennt und daraufhin echte Leidenschaftslosigkeit ihnen gegenüber entwickelt, ist der Mensch der wahren Entsagung. Er hasst nichts und er giert nach nichts. 17. Folglich sollte man für gar nichts eine Anhänglichkeit entwickeln – nicht einmal für Freunde und nicht für Reichtümer. Die im Innern bereits wohnende Anhänglichkeit sollte durch Erkenntnis beseitigt werden. 18. Die Anhänglichkeit entsteht nicht in denjenigen, die voller Weisheit und selbstbeherrscht sind, die die Kenntnis der heiligen Schriften besitzen, und die alle ihre Pflichten erfüllt haben – so wie Wasser von einem Lotosblatt abperlt. 19. Die Person voller Anhaftung wird nur von der Leidenschaft angetrieben. Sie entwickelt Wünsche, und daraufhin entsteht der Boden für das festverwurzelte Verlangen in ihr. Hinweis: Raga bedeutet das Anklammern an die Liebe. Kama ist der Wunsch nach Besitz, Ichha ist ein Wunsch nach dem Besitz des Objekts nach dem erfolgten Vergnügen, und Trishna ist Übersättigung nach wiederholten Vergnügen. 20. Das sündigste aller Dinge ist die Gier, das Verlangen. Das Verlangen verursacht ewiges Leiden. Das Verlangen ist die Gebärmutter des Lasters und der Motor der Sünde. 21. Das Verlangen ist für die Toren nur schwer zu überwinden – es altert nicht einmal dann, wenn die Person altert. Es ist die große Krankheit, die bis zum Ende des Lebens fortexistiert. Nur durch Entsagung des Verlangens kann einer hoffen, einst das Glück zu erlangen. 22. Das Verlangen kennt weder Anfang noch Ende. Verwurzelt ist es in geheimen Winkeln im Herzen aller Menschen. Es zerstört alle Wesen so schnell wie ein rasendes Feuer. 23. So wie das Holz sich selbst durch das in ihm entstehende Feuer verbrennt, so verdirbt der Dummkopf durch seine eigene Gier. 143

Sankaracharya_Atma Bodha