BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

thomas.kiessling

Das neue BuV - mehr Auflage, größeres Gebiet, spannende News und Stories.

Gesamtausgabe Ulm/Neu-Ulm, Biberach bis

zum Bodensee, Memmingen, Günzburg,

Heidenheim, Reutlingen, Göppingen – 2,80 €

Business und Vermarktung

Die Welt entdecken,

die Welt verändern

Ministerpräsidenten-Gattin in Indien –

und welche Rückschlüsse können

wir daraus ziehen?

TITELTHEMA

#2+3

DEZ/JAN

2017/18

Tendenz weiter positiv

Wirtschaftliche Entwicklung

der Region im Aufwind

01

4 148860 702804

Sport ist Standortmarketing

Was bringt der OrangeCampus

der Ulmer Basketballer?

Netzwerke

Davon profitieren, aber richtig


- 3 -

Editorial

Viel Vergnügen beim Lesen von BuV

Ja, wir haben uns mit der neuen Ausgabe wieder etwas

Zeit gelassen. Es ist aber auch wieder so verdammt viel

passiert, dass wir unbedingt auf die neuesten Entwicklungen

eingehen wollten. Gut, eine neue Regierung wird

noch etwas auf sich warten lassen, wenngleich zwei der

beteiligten Parteien richtig Bock aufs Regieren haben.

Die andere beschäftigt sich lieber mit sich selbst und

kommt erst über Umwege zu den Ministerposten. Früher

waren die noch erstrebenswert. Heutzutage reicht

das Parteisoldaten-Gehalt offenbar auch so.

Alles wächst und gedeiht, als wären wir schon im Frühling.

Gemeint sind aber eher der Bundestag (709 Abgeordnete)

und weiterhin das Bruttosozialprodukt. Wobei

hier wiederum zu sagen ist, dass die Störfeuer für die

exportabhängige Wirtschaft am Horizont deutlich erkennbar

werden. Stichworte sind unter anderem der Brexit

und die Trump-eritis, zwei grassierende Krankheiten.

Regional sehen wir den Nuxit als eine große Herausforderung,

der – man beachte – vollkommen selbst kreiert

wird, oder selbst verschuldet, ganz wie man will. Früher

hatte man bei den Verwaltungen noch Probleme, heute

muss man sie sich schon selber machen. Es wird einem

eben nichts mehr geschenkt.

Da freuen wir uns auf die Dauerbaustellen in vielen

Städten der Region. Der Investitionsstau der vergangenen

30 Jahre gehört endgültig der Vergangenheit an. Da

würde auch der OrangeCampus der Ulmer Basketballer

gut ins Szenario passen.

„Bis zur nächsten Heftausgabe hab ich ihn eingeholt.“

Passend waren in 2017 wieder Männerbärte. Früher ging

in manchen Berufen ein Vollbart gar nicht, jetzt haben

sogar viele Banker einen. Hat aber nur den Grund, den

Schaum vor dem Mund zu verdecken. Aufgrund der Null-

Zinsphase und der Überregulierung droht Deutschlands

Banken- und Versicherungssystem zu destabilisieren.

Herzlichst und ein gesundes und erfolgreiches 2018

Ihr Thomas Kießling

Das nächste BuVBusiness und Vermarktung

ist in 2017 noch größer und stärker geworden. Zu den

Gebieten Ulm/Neu-Ulm, Biberach, Memmingen,

Günzburg, Heidenheim und Geislingen haben sich

Göppingen, Reutlingen und der Ostalbkreis dazugesellt.

Auch den neu Hinzugekommenen viel Vergnügen beim

Lesen der neuen BuV-Ausgabe. Schreiben Sie uns gerne

Ihre Meinung.

Das nächste BuV erscheint am 27. April 2018,

Anzeigenschluss ist der 22. März 2018.

Bitte an den K-media & PR-Verlag

Tel.: 0731 / 98 0 99 420

Mails: info@kmediaundpr.de

Auch auf Facebook, etc.:

BuVBusiness und Vermarktung

IMPRESSUM BuVBusiness und Vermarktung © Idee, Herausgeber und Verlag: Thomas Kießling, K-media & PR-Verlag, Am Illerkanal

12, 89231 Neu-Ulm, Tel: 0731 / 98 0 99 420, Fax: 0731 / 98 0 99 422, thk@kmediaundpr.de Gestaltung: 'pyrus Werbeagentur Ulm, www.

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dittrich@kmediaundpr.de Raum Göppingen und Ostalbkreis: Helmut Gärtner, Tel: 07161/651557-3, Mobil: 0176 41359039, h.gaertner@

maitis-media.de Fotonachweis: Titel: ©gstockstudio – Fotolia.com, Rainer Lang, Michael Dittrich, Thomas Kießling, press´n`relations,

Zürserhof, Hochschule Kempten, IHK Ulm, SLT Lichtsysteme: ©donvictori0 – Fotolia.com, Ralf Steisslingen, Agentur 5 (Ulmer Köpfe),

Mybe GmbH, 1. FC Heidenheim, Anni Gallus (Wieland-Preis), BBU`01 Autoren: Rainer Lang, Karl Michael Dittrich, Rüdiger Gramsch,

Gastbeitrag Martin Fünkele, Thomas Kießling (verantw.) Auflage: 17.050 Exemplare Nächste Print-Ausgabe: Freitag, 27. April 2017

Anzeigenschluss: Donnerstag, 22. März 2017 Online-Ausgabe: im Internet und u.a. auf Facebook


- 4 -

IMPRESSIONEN AUS

deN RegionEN

Von Thomas Kießling

Diesmal mit dem Blick von oben vom Zeppelin aus. Seit 20 Jahren

starten nun die Zeppeline NT von Friedrichshafen, und die Aussicht ist

echt…, ja, man muss es einfach so sagen: famos. Der Bodensee, die Städte,

die Region Vorarlberg und der Kanton St. Gallen sind einfach von

oben wunderschön, vor allem natürlich bei unserem herrlichen Flugwetter.

Mit gemütlichen 65 km/h fliegt der Zeppelin in rund 300 Metern

Höhe über die Schauplätze. Da lässt sich durch die riesigen Panoramafenster

alles genau bestaunen, in dieser 75 Meter langen „Zigarre“,

befüllt mit 8.425 Kubikmeter Helium.

Rund 21.000 Passagiere in zwei Luftschiffen genießen die Flüge pro Jahr,

14 Personen je Flug. In der Jubiläums-Saison zum 100. Todestag des

Grafen Zeppelin gab es einige Highlights, unter anderem Feuerwerksflüge

zum Konstanzer Seenachtsfest oder Fallschirmsprünge vom Zeppelin

aus (darüber berichten wir das nächste Mal und dann wahrscheinlich

nie mehr). Wäre schade, denn auch auf dem Boden hat man in ein

Restaurant als top-stylische Abflughalle investiert und in ein Dry-Age-

Steakhouse. Da kann man sich die Flugerlebnisse nochmals bestens auf

der Zunge zergehen lassen.

www.zeppelinflug.de


- 5 -


Inhalt

- 6 -

Inhalt der Print-Ausgabe

Seite 07

Seite 08

Seite 10

Seite 12

Ideen aus dem Labor – Kann man gute Ideen

zu haben lernen?

Die Outlet-Center und ihr Ruf nach der

Kundschaft

Tendenz weiter positiv – Wirtschaftliche

Entwicklung der Region im Aufwind

Spezialthema Unternehmenspräsentation:

Plug & Light – Moderne LED-Technik

made in Germany

Interview mit Peck Pawelleck, Geschäftsführer

der SLT Lichttechnik, Markdorf.

Von Michael Dittrich

Seite 16

Seite 18

Seite 24

Seite 28

Internationales Marketing – Experte Mark

Peters aus Johannesburg an der Hochschule

Kempten zu den Vorzügen von Emerging

Markets

Titelthema: Die Welt entdecken, die Welt

verändern Ministerpräsidenten-Gattin in

Indien – und welche Rückschlüsse können

wir daraus ziehen? Von Rainer Lang

Sport ist Standortmarketing – Was bringt

der OrangeCampus den Ulmer Basketballern?

Mit einem Gastbeitrag von Martin

Fünkele

Netzwerke – davon profitieren, aber richtig

Seite 15

Neue Veranstaltungsreihe – Ulmer Köpfe

mit Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher

Seite 30

Reisetipps: Wohin nur? Zum Beispiel in ein

ganz tolles Hotel nach Zürs/Lech.

Rubriken

Seite 03

Editorial und Impressum

Seite 20

News aus den Regionen

Seite 04

Impressionen aus der Region

Seite 30

Reisetipps


- 7 -

Ideen-Werkstatt

Ideen aus dem Labor – Kann man gute Ideen zu haben lernen?

Club der Industrie im Rahmen von BayernKreativ bei Harder Logistics

Von Thomas Kießling

Emotional und mit Professionalität in seinem Bereich

top zu sein, das sind Botschaften des Unternehmers

und Speakers Mike Fischer. Im Rahmen einer

gemeinsamen Veranstaltung von BayernKreativ, einer

Initiative des Bayerischen Staatministeriums für

Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, der

Bayern Innovativ GmbH, der IHK Schwaben, der IHK

Ulm, dem Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu Ulm

und mit dem Club der Industrie Ulm/Neu Ulm war

dazu ein Abendempfang organisiert. Schauplatz war

das erfolgreiche Logistik-Unternehmen HARDER Logistics

in der Neu-Ulmer Max-Eyth-Straße.

Gesellschaftliche Veränderungen, denn in den Städten

streben Jugendliche kaum noch einen Führerschein an,

und gesetzliche Einschränkungen, stellten Mike Fischer

und sein 25-Mann starkes Team immer wieder vor enorme

Herausforderungen. „Wenn aber das Leuchten der

Begeisterung in den Augen der Mitarbeiter zu sehen ist,

dann lassen sich auf alle Probleme kreative Lösungen

finden, die den Betrieb noch stärker machen“, unterstrich

Mike Fischer in seiner gewinnenden Art.

In einem ganz mit Firmen-Umzugskartons und in den

HARDER Logistics-Farben grauanthrazit-orange

gehaltenen Hochregallager referierte der gebürtige

Geraer Mike Fischer schwungvoll aus seiner ereignisreichen

Unternehmerzeit. Mit seinem Credo „Erfolgreich

ist, wer Regeln bricht“ hat er nach der Wende als

Fahrschulbetrieb in seiner thüringischen Heimatstadt

angefangen und alsbald aufgrund großer Konkurrenz

eine Fahrschul-Akademie gegründet. Dort können sich

Fahrschüler aus ganz Deutschland einquartieren, um

in fünf Tagen den Motorrad-, nach sieben Tagen den

Auto- und nach zehn Tagen den LKW-Führerschein zu

machen. Die bei der Ausstellung von Führerscheinen obligatorische

Wohnpflicht hat er mit einem kurzfristigen

Zweitwohnsitzrecht und einer dazugehörigen Briefkasten-Residenz

kreativ umschifft. Damit hatte er nun auch

einen Wohnbetrieb aufgebaut und sorgte im nächsten

Schritt für die Verköstigung der Fahrschüler. Dazu hat

er – nun in seinem dafür gekauften Häuserkomplex in

Gera – eine Pizza Gastronomie aufgemacht, die alsbald

auch von der Bevölkerung so rege angenommen wurde,

dass sie zu einer der größten Pizzerien und Lieferdienste

in Deutschland avancierte.

Freuten sich über die kreativen Ergebnisse des Ideenlabors „Zukunft

Papier“ und über den Anlass zum Netzwerken mit knapp 200 Vertretern

aus Wirtschaft, Kreativwirtschaft und Verwaltung (v.l.n.r.):

Dirk Kiefer, Leiter von BayernKreativ, Dr. Andrea Niedzela-Schmutte,

Leiterin des Referats für Kultur- und Kreativwirtschaft und Design

im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Mike Fischer, Unternehmer

und Speaker, Dr. Rainer Seßner, Geschäftsführer der Bayern Innovativ

GmbH, Marcello Danieli, Geschäftsführer HARDER Logistics,

Gerold Noerenberg, Oberbürgermeister von Neu-Ulm und Gerd Stiefel,

Vorsitzender des Clubs der Industrie Ulm/Neu-Ulm e.V..

Hintergrund

Im Vorfeld des Abends hatte das Netzwerk BayernKreativ

zum Ideenlabor „ZUKUNFTPA-

PIER bei HARDER Logistics“ aufgerufen, und

zahlreiche Teilnehmer, Technologieexperten und

kreative Innovatoren sowie Player aus traditionellen

Branchen hatten teilgenommen, denn

Harder Logistics ist ein Zukunftsbetrieb für die

Papierindustrie (wg. Umzugskartons).

Unternehmer und Speaker: Mike Fischer


www.harder-logistics.com und www.baypapier.com


Handel wird zum Tourismusmarketing

- 8 -

Die Outlet-Center und ihr

Ruf nach der Kundschaft

Von Thomas Kießling

Seit Jahren mahnen Experten den Handel, dass das

mit dem Online-Geschäft nicht gut ausgeht – wenigstens

für den Einzelhändler vor Ort nicht. Aha! Andererseits

boomen zum Beispiel Outlet-Center ohne

Ende. Da gibt es doch auch nur die Produkte, die man

auch online kaufen könnte. Wir haben uns in den beiden

größten Outlet-Centern der Region, in Metzingen

und in Geislingen, umgeschaut, warum die beiden

Anachronisten dem modernen Konsumverhalten nicht

nur trotzen, sondern entgegenkommen.

Wenn früher ein Besucher

– meist ein Stau-Umfahrer

der A8 – durch Geislingen

fuhr, dann hat er sich

gedacht: ein schönes Städtchen,

aber ein bisschen arg

ruhig vielleicht. „Oh, da

fahren wir ja an der WMF

vorbei, da haben wir doch

auch eine Bratpfanne zuhause,

nicht wahr Schatz?“

fragte dann der Fahrer

seine Beifahrerin. Und

schon waren beide vorbeigebraust

und das Geld fuhr

ebenfalls weiter, ohne in

der Stadt unter der Burgruine

Helfenstein ausgegeben

worden zu sein.

Mehr war da nicht. Und

tatsächlich. Als die Heidelberger

Druckmaschinen

AG – die damalige MAG

– Maschinenfabrik Geislingen

– 1991 aus dem Tal

in die luftigen Höhen der

Albhochfläche nach Amstetten

zog, war es mit dem Reichtum der Stadt Geislingen

vorbei. Auch weil fast parallel die WMF (Württembergische

Metallwarenfabrik) zu schwächeln anfing und

sich asiatischen Nachahmerprodukten immer weniger

entziehen konnte. Und auch, weil sich die WMF um die

Jahrtausendwende dem Online-Handel entzog. Das Credo

damals: „Wir können unseren 250 Einzelhandelsfilialen

doch nicht das Wasser abgraben.“ Dafür taten es

Tchibo und Co., denn die sahen das doch glatt anders,

moderner und von den Waren her viel günstiger als die

gute alte WMF, die bereits 1853 gegründet wurde und

aktuell rund 5.700 Mitarbeiter hat. Seit den 2000ern gehört

das Unternehmen wechselnden internationalen Kapitalgesellschaften.

Die Gewerbeeinkünfte gingen in Geislingen nun gänzlich

in den Keller. Die traurige Mangelverwaltung hat

seitdem zwei Oberbürgermeister-Karrieren an die Wand

gefahren. Bis vor nicht allzu langer Zeit war der Stadtetat

sogar direkt unter der rigiden Obhut des Regierungspräsidiums,

auf dass ja keinen

roten Heller zu viel auszugeben

werde, was aber

nach Meinung vieler in der

Stadt etwa die Stadtwerke

mit ihrem unheiligen Konstrukt

aus rentabler Gas-

Versorgungsgesellschaft

auf der einen Seite und den

verlustreichen Bädern auf

der anderen Seite gerne torpedieren

würden. Kurzum:

Geislingen war mega-pleite

und kam nicht mehr vom

Fleck.

Aber in den vergangenen

drei bis fünf Jahren (ganz

offiziell gibt es das schon

seit 2008) fahren ganze Buslandungen

von Besuchern

extra nach Geislingen, um

in der so genannten Fischhalle

ihr WMF-Besteck

sowie Töpfe und Pfannen

(bei denen sprechen wir‘s in

Klammern aus, weil davon

auch schon Vielesin Fernost rohgefertigt wird) und sich

drumherum im so genannten City Outlet Geislingen

einzudecken, von Gartengeräten der Marken Husquarna

und Gardena bis hin zu Gummibärchen und Dessous.

Zu den beiden letzteren nennen wir die Markennamen

gerne auf Anfrage. Die Besucher lassen richtig Geld

liegen und damit die Stadtspitze wieder einigermaßen

strahlen. Geislingen wird von den Besuchern auch ohne

Stau auf der A8 angesteuert.


- 9 -

Handel wird zum Tourismusmarketing

Hintergrund: Die WMF-Fischhalle ist im Frühjahr

2015 an die Ulmer Mutschler Gruppe verkauft und für

15 Jahre von der WMF für ihren seit den 1920er Jahren

bestehenden traditionellen Fabrikverkauf – in der Fischhalle,

wo früher tatsächlich einmal Fisch verkauft wurde

– zurückgemietet worden. Heute firmiert die Fischhalle

gemeinsam mit den beiden angrenzenden Baukörpern

mit derzeit 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche als Fabrikverkäufe

Geislingen.

Das Zielpublikum ist bunt gemischt, wenngleich die Vertreter

der Busladungen eher zu den älteren Semestern gezählt

werden können. Ersparnisse bis zu angedeuteten

70 Prozent auf Waren locken jedenfalls gewaltig.

Die Outletcity in Metzingen mit jährlich

4 Millionen Besuchern

Noch nicht allzu lange her, auf einer Tagung in Ulm:

Einer der Referenten ist ein renommierter Professor aus

Nordrhein-Westfalen, der am Morgen seinen Vortrag

hält und dann erst wieder am späten Nachmittag in einer

Podiumsdiskussion auftreten wird. Und was macht

der Prof die vier Stunden dazwischen? Nimmt sich ein

Mietauto und düst mal schnell nach Metzigen, um sich

in der Outletcity mit neuen Boss-Anzügen einzudecken.

Kann man machen, ruft aber bei den Ulm-Einheimischen

dann doch leichtes Erstaunen hervor.

Die Outletcity Metzingen sieht sich vor allem als spannende

Verbindung vermeintlicher Gegensätze mit einem

grandiosen Shopping-Erlebnis. Inmitten preisgekrönter

Architektur tauchen die Besucher in exklusive Markenwelten

ein und können nach Herzenslust einkaufen

und auch hier werden ganzjährige Preisnachlässe von

bis zu 70 Prozent in Aussicht gestellt. Die Auswahl aus

70 zahlreichen Premium- und Luxusmarken macht es einem

allerdings nicht ganz leicht, sofort das Richtige zu

finden. Aber, wer länger bleibt, kauft auch mehr. Hier in

Metzingen sieht man sich ebenfalls als Tourismus-Magnet

und kann dies auch mit Zahlen belegen: Mit jährlich

über vier Millionen Besuchern aus 185 Nationen ist die

Outletcity in Metzingen ein beliebter Anziehungspunkt

und eines der beliebtesten Outlets Europas.

Zielpublikum in Metzingen seien zwar auch Familien,

wie es heißt, es sind aber eher die Gutbetuchten, die Luxus

gerne für günstig Geld bekommen wollen – und auch

kriegen, und ab und an auch diejenigen, die gerne zu den

Gutbetuchten dazugehören würden und sich für günstig

Geld schon mal ein entsprechendes Outfit besorgen. Warum

auch nicht.

Fazit: Wenn das Einkaufserlebnis stimmt, außerdem der

Preis und die Qualität der Waren, dann ist der Kunde

sehr wohl bereit, noch Strecken auf sich zu nehmen und

im Handel einzulaufen und einzukaufen, ganz egal ob

im Outletcenter oder beim Einzelhandel in der Innenstadt.

Wenn aber das Internet zum eigentlichen Erlebnis

wird, dann wird‘s eng. Nachkommende Generationen

werden dies immer mehr goutieren, vor allem wenn

der Versand weiterhin so wenig kostet wie bisher. Aber

Obacht: Auch die nächsten Generationen gehen irgendwann

unter die Leute und wollen Spaß haben – komisch

eigentlich. Nur, sie werden das eine machen, ohne das

andere zu lassen, darauf muss sich der Handel einstellen.

Die WMF hat dies um das Jahr 2005 gemacht. Der

Online-Handel wurde massiv nach oben gefahren, die

WMF-Stores aber beibehalten und in ein helleres und

freundlicheres Ambiente getaucht. Und bei großen Möbelhausketten

ist die Marke mit den drei Buchstaben

ebenfalls sehr präsent. Außerdem sorgen die Geislinger

mit ihren Kaffee-Maschinen in der Gastronomie dafür,

dass die Leute gerne in die belebten Innenstädte kommen,

um einen leckeren Kaffee zu trinken. Einen großen

Teil des Umsatzes macht die WMF übrigens mit dem so

genannten Objektgeschäft mit großen Kaffeeautomaten

in Zügen oder auf Kreuzfahrtschiffen. Da können wir

ja das nächste Mal mitfahren. Selten gehen Geschichten

also so schön aus, oder? Und wie Marketing-Profis es

sagen: „Wenn der Wow-Faktor stimmt, dann kommen

auch die Leute.“

www.cityoutletgeislingen.com

www.outletcity.com


Konjunktur in den Regionen

- 10 -

Konjunktur und Zufriedenheit in

den Regionen – es bleibt erfreulich

Die Stimmung war selten so gut, das kann ja nur heiter werden

Von Thomas Kießling

Das ist ja mal ein Ding: Verbraucher, Wirtschaft

und Volkswirtschaftler blicken gleichermaßen optimistisch

in die Zukunft, obwohl es politisch drunter

und drüber geht. Wäre ja noch schöner, wenn wir uns

von der Politik die guten Geschäfte kaputt machen

lassen. 2018 kann kommen, und womöglich kommt es

ganz dicke.

Deutsche Verbraucher sind so zuversichtlich wie lange

nicht mehr. Trotz Terrorängsten und Trump-Turbulenzen

blicken die Deutschen laut einer Nielsen-Umfrage,

die die Deutsche Presse Agentur veröffentlich hat, derzeit

so zuversichtlich in die Zukunft wie seit vielen

Jahren nicht mehr. Das Verbrauchervertrauen in der

Bundesrepublik habe einen Rekordwert erreicht, unterstreicht

die Nielsen-Umfrage. Seit Beginn der Umfragen

2005 seien die Verbraucher „noch nie mit einer so guten

Stimmung in ein neues Jahr gestartet“. Das kann regional

nur noch betont werden, hat die IHK Ulm in ihrer

Herbstkonjunktur-Umfrage festgestellt: Die regionale

Wirtschaft hat 2017 erneut sehr gut abgeschnitten. Die

Geschäfte laufen so rund wie selten zuvor. „Trotz einiger

Unsicherheitsfaktoren sind die Betriebe zudem recht

zuversichtlich. Und bei der Beschäftigung zeichnen sich

neue Höchststände ab“, kommentierte IHK-Präsident

Dr. Peter Kulitz das Ergebnis.

Sechs von zehn Unternehmen berichten demnach von

gut laufenden Geschäften. Weitere 36 Prozent vermelden

zumindest eine befriedigende Situation. Die Lageeinschätzungen

sind damit so gut wie selten zuvor.

Ursachen dafür sind ordentliche Umsatzzahlen und

künftigen Aufträge. Zudem hat sich die Ertragslage auf

einem ohnehin hohen Niveau sogar noch einmal leicht

verbessert, nicht bei allen, aber beim Großteil der Unternehmen

fast quer durch alle Branchen.

Gleichzeitig hält die Zuversicht unter den Betrieben an.

Unbeirrt von einer ungewissen internationalen Wirtschaftspolitik

bleiben die Erwartungen für die kommenden

zwölf Monate von Optimismus geprägt. Das

Gros der Unternehmen sieht eine weitere Entwicklung

auf dem erreichten, guten Niveau. Mehr als jedes vierte

Unternehmen erwartet im kommenden Jahr sogar eine

Verbesserung. Eine stabile Tendenz bei den Auftragseingängen

untermauert diese Einschätzungen dabei.

Wie sind die Unternehmen dabei derzeit mit ihrem

Standort zufrieden, auch das haben IHK-Untersuchungen

herausgefunden. Die Unternehmen – speziell in der

IHK-Region Ulm – bewerten wie schon bei der letzten

gleichnamigen Untersuchung 2012 den Wirtschaftsstandort

auf der Skala von 1-6 mit einer ausgezeichneten

Note von 2,0.

„Die Gesamtnote „Gut“ und die im Regionenvergleich

bessere Bewertung ist aber wie bei den letzten Umfragen

kein Anlass, untätig zu werden. Denn die Umfrage zeigt

neben Stärken der Region auch klare Handlungsfelder“,

so IHK Ulm-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Daher

legt die IHK besonderes Augenmerk bei der Auswertung

der Umfrage auf die Standortfaktoren, die bei den Mitgliedsunternehmen

eine hohe Priorität („Wichtigkeit“)

haben und bei denen gleichzeitig eine große Zufriedenheit

(Stärke) oder Unzufriedenheit (Schwäche bzw.

Handlungsfeld) besteht.

Fachkräfte, Breitband, Wohnraum, wirtschaftsfreundliche

Verwaltung und Kosten für Gewerbeimmobilien

werden als Schwäche ausgemacht. Als größtes Problem

und wichtigstes Handlungsfeld wird aber der Mangel

an beruflich qualifizierten Fachkräften genannt. „Seit

Jahren weisen wir auf die besorgniserregende Entwicklung

hin. Was wir über unseren Fachkräftemonitor und

die Konjunkturumfragen zur Fachkräfteproblematik

wissen, spiegelt sich nun deutlich in der Umfrage wieder.

Daher ist das Ergebnis für uns nicht überraschend“,

kommentiert Sälzle das Ergebnis und ergänzt: „Sorge

bereitet unseren Unternehmen der Mangel an beruflich

ausgebildeten Fachkräften und nicht an Akademikern.

Politik und Wirtschaft müssen weiter gemeinsam an

verschiedenen Stellschrauben drehen, um die duale Ausbildung

zu stärken und Weiterbildung zu intensivieren.“

Dies zeigt sich auch im Vergleich zu 2012, da die Bedeutung

akademisch Qualifizierter für die Betriebe deutlich

zurückgegangen ist: in der aktuellen Umfrage befindet

sich dieser Standortfaktor nur noch auf dem viertletzten

Rang der wichtigsten Faktoren für die Firmen. Nach

dem IHK-Fachkräftemonitor fehlen in der IHK-Region

Ulm zwischen 2017 und 2030 jährlich mehr als 14 000

Fachkräfte, darunter zu 90 Prozent beruflich qualifizierte,

nicht akademische Fachkräfte. Kein Grund also, die

Hände in den Schoß zu legen. www.ihk-ulm.de


- 11 -

Konjunktur in den Regionen

„Hier schlägt das Herz der

deutschen Wirtschaft“

Ins selbe Horn wie die IHK stößt auch

Professor Dr. Lars P. Feld von der Universität

Freiburg. Feld ist dort auch Direktor

des Walter Eucken Instituts und

seit März 2011 im Sachverständigenrat

zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung – sprich: er

ist einer der fünf „Wirtschaftsweisen“

und berät die Bundesregierung (wenn

wir bald wieder eine haben) in volkswirtschaftlichen

Fragen, oder liest ihr

in ihrem Jahresbericht die Leviten –

ganz wie man will. Bei einer IHK Ulm-

Veranstaltung dieses Jahr, die derzeit

nicht aktueller sein könnte, war Feld

vor rund 200 Zuhörern der regionalen

Wirtschaft und der Politik ebenfalls positiv

für das künftige Wirtschaftsjahr

gestimmt.

„Mit 1,9 % Wirtschaftswachstum war das

vergangene Jahr doch recht erfolgreich“,

sagt Prof. Feld gleich zu Anfang. In diesem

Jahr seien zwar nur 1,3 % prognostiziert

gewesen, aber 0,4 % davon schlucken

allein die in 2017 „ungünstig gelegenen

Feiertage mit den dazugehörenden Brückentagen.

„Und schon ist der Laden für

fünf Tage zu“, sagt dazu Feld lapidar zum

0,9-Prozentpunkte-Unterschied. Ähnlich

simpel schätzt er derzeit den nach vieler

Meinung größten Unsicherheitsfaktor

ein, nämlich den amerikanischen Präsidenten.

Doch Prof. Feld relativiert: „Mal

ganz ehrlich, wenn ich mich hier in Ulm

befinde, dann schlägt in dieser Region

doch das Herz der deutschen Wirtschaft“,

stellt er zur Freude der Zuhörer fest, „und

dann kann ein Donald Trump Protektionismus

betreiben wie er will, an der Zwischenproduktion

der Produkte und damit

am deutschen Maschinenbau kommt er

ganz einfach nicht vorbei.“

verlassen können, dann ist es doch das

demokratische System der USA, das das

Land seit fast 230 Jahren und damit am

längsten auf der Welt hat“, so Feld. „Die

Grundstruktur des Checks and Balances

funktioniert seit Generationen, das wird

auch einen inkompetenten und schlechten

Präsidenten einfangen können“, so

Feld, „denn im Senat sitzen noch Senatoren,

die haben Folter im Vietnamkrieg

überstanden, dann wohl auch einen Donald

Trump.“

Lars Feld sprach bei der Veranstaltung

unter der Überschrift „Zeit für Reformen“

und lieferte einen ganz konkreten

Vorschlag: die Schaffung einer Deregulierungsbehörde

für den Bürokratieabbau.

„Ein Gesetz oder Verordnung rein,

dafür zwei raus“, schlug er sinngemäß

vor. Staat und Unternehmen würden es

uns bei der künftigen Entwicklung danken,

„vor allem die Unternehmen“, so

Lars Feld.

Hintergrund

Die seit 2009 im Grundgesetz

verankerte Schuldenregel

ist so etwas wie

Prof. Lars Felds wissenschaftliches

Baby, denn

sie basiert auf Entwürfen,

die er gemeinsam mit

anderen Ökonomen im

wissenschaftlichen Beirat

des Finanzministeriums

erarbeitet hat. Außerdem

plädierte Feld bei der anhaltenden

Europäischen

Schuldenkrise auf die

Einführung einer Insolvenzordnung

für Staaten,

nicht auf viele weitere

Rettungspakete der anderen

EU-Mitglieder.

Weitere Reformen hätte

Lars Feld noch genug im

Laptop.

Feld rät vielmehr zu „mehr Gelassenheit“

im Umgang mit Trumps Aussagen und

auch dazu, dass die deutschen und insgesamt

die europäischen Interessen ruhig

offensiver gegenüber den USA vertreten

werden sollten. „Wenn wir uns auf eins

Professor Dr. Lars P. Feld


Spezialthema

- 12 -

SLT Lichtsysteme in

Markdorf – Innovationen

für den Weltmarkt

Plug & Light – Moderne LED-Technik made in Germany

Von Michael Dittrich

Alles spricht für die LED: Die kleine lichtemittierende

Diode revolutioniert gerade die Lichttechnik!

Hohe Ausbeute, geringe Kosten – fast wöchentlich

werden Kunden sogar beim Mode-Discounter neue

Spielformen des kleinen Lichtknopfs angeboten. Meistens

aus Fernost und spottbillig. Was der Glühbirne

im Verbrauchersegment schon den Rang abgelaufen

hat, tut sich bei der kommerziellen Nutzung schwer –

der Wechsel auf LED-Licht im öffentlichen Raum, in

Produktions- oder Lagerhallen, oder auch großflächigen

Arealen geht langsamer vonstatten, als es die Einsparungspotenziale

vermuten lassen.

„Licht ist so selbstverständlich, dass sich kaum einer

darüber ernsthaft Gedanken macht“, weiß Peck Pawelleck,

Geschäftsführer der SLT Lichttechnik in Markdorf,

„Licht als Element der Produktionskette wird nicht wahrgenommen,

für den Menschen ist Licht einfach da – oder

nicht.“ Dabei hat gutes Licht durchaus weitere Auswirkungen

auf den Betrieb als nur die Energiekosten zu

senken, mindert es doch die Fehlerquote und die damit

verbundenen Folgekosten.

Pawelleck ist einer der Pioniere in einem Markt, der

gerade seine nächste Evolutionsstufe durchläuft: „Wir

erleben gerade einen Paradigmenwechsel, der mit der

Automobilbranche vergleichbar ist“, stellt er fest, „dort

spricht alles vom E-Auto. Die Vorteile liegen auf der

Hand, dennoch fällt der Umstieg offensichtlich schwer,

sowohl bei den Herstellern wie bei den Kunden. So ähnlich

ist es im LED-Markt auch.“

Seit 2007 ist Peck Pawelleck dabei und damit einer der

ersten, die sich mit den Potenzialen der LED intensiv

beschäftigten. An sich ist er Luft- und Raumfahrttechniker,

war auch schon im Maschinenbau, bis er in einer

Garage in Kluftern bei einem Bekannten einen der

ersten Prototypen einer LED-Lampe für den Außenbereich

vorgesetzt bekam. Es lag auf der Hand: Allein in

deutschen Städten und Gemeinden werden 9 Millionen

Leuchtpunkte unterhalten, damals weitgehend noch

auf der Basis quecksilberhaltiger Gasentladungslampen.

Untersuchungen zeigen, dass LED-Leuchten mittlerweile

bis zu 80 Prozent Einsparungen ermöglichen. Ein

verlockender Markt – mit Tücken, wie Macher der SLT

Lichtsysteme erkannten.

Erst einmal galt es, eigenes Know-how aufzubauen.

Also waren die ersten Jahre geprägt von Entwicklung,

Forschung und Geduld. Schaltkreise, Lichtlenkung,

Betriebstemperaturen, Steuersoftware, Treiberentwicklungen

– alles Tüfteln galt einem stabilen System, das

weitestgehend wartungsfrei funktioniert, Energie und

Material einspart und dazu noch die gefühlte Leuchtkraft

für den Menschen auffallend verbessert, der sich

im LED-Lichtschein einer SLT-Leuchte bewegt. Der Anspruch

war klar definiert: Wo SLT draufsteht, da muss

auch SLT drin sein. Die meisten Komponenten werden

zwar zugeliefert, jedoch erfolgt die Produktion in Oberschwaben

und die Technik ist ausschließlich Made in

Germany. „Wir wollten unser Produkt komplett verstehen,

um es auch optimal an die Bedürfnisse der Kunden

anpassen zu können, deshalb entwickeln wir unsere Pro-


- 13 -

Spezialthema

dukte auch komplett selbst“, unterstreicht

der Geschäftsführer.

Damit allein lässt sich allerdings noch

kein Geld verdienen. Auf der Suche nach

Investoren wurde die junge Markdorfer

Lichtschmiede quasi in der Nachbarschaft

fündig: Die RAFI GmbH aus Berg

bei Ravensburg war als einer der Markführer

für Lösungen in der Kommunikation

zwischen Mensch und Maschine von

den Ideen und den Potenzialen überzeugt,

stieg als Mitgesellschafter in die SLT

Lichttechnik ein und engagiert sich bis

heute: „Das war ein echter Ritterschlag

für uns“, berichtet Peck Pawelleck, „wir

hatten und haben stets ein hervorragendes

Verhältnis miteinander.“

2012 kamen die ersten Aufträge, das ursprüngliche

Modell „Friedrichshafen“

war eine Reminiszenz an den ersten Kunden:

Die damaligen Technischen Werke

Friedrichshafen statteten einige Straßenzüge

mit moderner SLT-Technik aus.

Mittlerweile hat die SLT an die 25.000

Lichtpunkte in ganz Deutschland umgerüstet

oder ausgestattet, unter anderem

Karlsruhe, Erbach, der Schlosspark in

Schwerin, „wir hängen auch bei Thyssen

Krupp und weiteren Produktions- und

Lagerhallen großer Unternehmen“, zitiert

Peck Pawelleck aus den Auftragsbüchern.

Der Schwerpunkt liegt bei

Anwendungen, die mit LED-Technik bislang

schwer realisierbar waren wie etwa

Hochtemperatur-Umgebungen.

Die nächste Evolutionsstufe der SLT

Technik soll es auch Mittelständlern erleichtern,

ihre Lichtanlagen zu modernisieren:

Die Stromkabel sind ja schon verlegt,

die Steuerung erfolgt dann via Funk,

so dass keine aufwändigen Zusatzinstallationen

notwendig werden. „Wir wollen

es dem Kunden so einfach wie möglich

machen“, unterstreicht Pawelleck, „so

einfach, dass sogar der Haustechniker

die neue Anlage installieren kann.“ Nach

nur einem Gespräch wissen die SLT

Techniker meist, welches Licht der Kunde

braucht – die Forschung und Entwicklung

der Gründerzeit macht sich jetzt bezahlt,

für den Kunden wie für SLT. Denn

SLT kann seine Produkte optimal auf die

Bedürfnisse der Kunden einstellen. Die

durchgängige Betreuung vor, während

und nach der Projektumsetzung ist ein

wesentliches Leistungsmerkmal der SLT

Lichtsysteme, wobei nach der Installation

kaum noch Service-Leistungen in Anspruch

genommen werden müssten, denn

ständige Lampenwechsel sind schließlich

passé: LED-Lichtmodule haben je nach

Einsatz eine Lebenserwartung von mindestens

6 Jahren, meist liegt sie bei 10 bis

15 Jahren, bestätigt der SLT-Geschäftsführer

.

„Plug & Light“ – so wird auch die komplexe

LED in der Handhabung leicht wie

vormals eine Glühbirne, nur wesentlich

energie- und ressourcenschonender.

SLT Lichtsysteme GmbH

Dornierstr. 4

D-88677 Markdorf

Tel.: +49 (0) 7544 95779 - 0

Fax: +49 (0) 7544 95779 - 69

contact@slt-lichtsysteme.de

www.slt-lichtsysteme.de

INFO

Eine Leuchtdiode (kurz LED, von englisch „lightemitting

diode“ also „lichtemittierende Diode“, auch

Lumineszenz-Diode) ist ein lichtemittierendes Halbleiter-Bauelement,

dessen elektrische Eigenschaften einer

Diode entsprechen. Fließt durch die Diode elektrischer

Strom in Durchlassrichtung, so strahlt sie Licht, Infrarotstrahlung

oder auch Ultraviolettstrahlung mit einer

vom Halbleitermaterial und der Dotierung abhängigen

Wellenlänge ab. Die rund ersten drei Jahrzehnte

seit ihrer Erfindung 1962 diente die LED zunächst als

Leuchtanzeige und zur Signalübertragung, durch technologische

Verbesserungen wurde die Lichtausbeute

immer größer. Heute hat sich die Lichtausbeute gegenüber

den ersten LEDs mehr als um den Faktor 3000

verbessert.


Spezialthema

- 14 -

Interview mit Peck Pawelleck,

Geschäftsführer der SLT

Lichttechnik, Markdorf

Eins der größten Probleme, mit denen die SLT Lichttechnik zu kämpfen hat, sind

Plagiate aus Fernost. Deutsche Innovationen werden somit von Billiganbietern

nachgeahmt und auf den Markt gebracht.

HINTERGRUND

Der vom Ulmer Professor

Rido Busse ins Leben

gerufene „Plagiarius“

wird jedes Jahr auf der

Frankfurter Messe Ambiente

an die schamlosesten

Nachahmer vergeben und

damit diese bloß gestellt.

Das heißt, beim Kauf

der Produkte unbedingt

auf die Gütesiegel und

EU-Zertifikate achten

und das Original kaufen,

denn nur das garantiert

die Qualität und die lange

Laufleistung.

Herr Pawelleck, wie stark haben Sie mit

Plagiaten zu kämpfen?

Peck Pawelleck: Der Gedanke liegt nahe,

dass wir sehr stark nachgeahmt werden,

denn wir stellen LED-Leuchten her, bei

denen Komponenten erforderlich sind,

die auch aus China stammen. Allerdings

bedienen wir nicht einen Massenmarkt,

es ist also weniger interessant, unsere

Produkte oder unsere Technik zu kopieren.

Zumal wir für unsere Produkte klare

Qualitätsbedingungen erfüllen müssen,

wenn wir zum Zuge kommen wollen. Die

bekommt man nicht einfach beim Discounter.

Dann haben Sie mit den Produkt-Piraten

ja keine Probleme…

Peck Pawelleck: So einfach ist es auch

wieder nicht: Viel schwerer wiegt für uns,

dass durch die LED-Schwemme mit einer

schier unermesslichen Produktvielfalt –

egal ob Original oder Kopie – der allgemeine

Eindruck entsteht, LED-Leuchten

müssen billig sein. Die Technik ist ja

scheinbar einfach, das Angebot erfreulich

groß – da kann es ja nicht so problematisch

sein, etwas Vernünftiges günstig

zu bekommen. Diese Haltung spielt auch

bei Geschäftsführern oder Abteilungsleitern

mit, wenn Sie sich mit den Einsparpotenzialen

der LED beschäftigen:

Einfach ist nicht gut, gut ist kompliziert

und teuer… warten wir halt noch, bislang

hat’s ja auch gereicht. Das sind keine

Einzelfälle, das weiß ich aus Gesprächen

mit Kunden. Viele Leuchten-Anbieter,

auch so manches große Unternehmen,

lassen sich also beeindrucken und gehen

selbst bei Qualitätsprodukten im Preis

runter, und müssen das an anderer Stelle

wieder hereinholen. Meist werden hier

Zusatzprodukte oder Services angeboten,

die tatsächlich nicht wirklich notwendig

sind, um große Einsparungen zu erreichen.

Denn der große Vorteil der LED

selbst ist ja bereits, dass sie langlebig und

wartungsarm ist, wenn man richtig mit

ihr umgeht. Zudem wird der Verbraucher

mit einer Fülle an Kennzahlen und Einheiten

konfrontiert, mit denen er eigentlich

nichts anfangen kann…oder wissen

Sie auf Anhieb, was CRI, Candelar, Lux

oder Lumen bedeuten?

Ist das also gar nicht so wichtig?

Peck Pawelleck: Der Markt ist groß, irgendwie

müssen sich die Anbieter ja

positionieren – möglichst komplex und

technisch zu wirken, ist sicherlich eine

Strategie, um Kompetenz anzudeuten.

Zudem sind technische Daten allein ja

für den Einzelnen kaum überprüfbar

und ein bewährtes Mittel, auf den ersten

Blick besser als der Mitbewerber zu

erscheinen. Sich mit dem kolportierten

Halbwissen an Lösungen heranzuwagen,

weil sie einfach erscheinen, ist gefährlich.

Eine LED-Leuchte funktioniert nicht

wie eine Glühlampe. Schlussendlich ist

es das intelligente Zusammenspiel der

verschiedenen Komponenten, die das Potenzial

einer LED-Leuchte ausreizt und

die angestrebten Einsparungen realisiert.

Und dafür braucht es eben eine gehörige

Portion technische Kompetenz. Wie in

anderen Branchen auch ist das allein die

Grundlage für gute Qualität.


Mehr unter: www.plagiarius.com


- 15 -

Ulmer Köpfe

Führende Köpfe werfen einen

Blick hinter den Horizont

Von Thomas Kießling

Ein noch recht neues Veranstaltungskonzept kommt

auch in Ulm offenbar bestens an: Ulmer Köpfe heißt

es, im Seminar-Bereich des Ulmer Hotels Rad findet es

statt und das Konzept besagt, dass die Ulmer Köpfe Einblicke

geben in den einen bekannten Bürger der Stadt, in

diesem Fall in Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher.

Wer ihn fragt – wie in diesem Falle gekonnt Gerhard Maier

von einer der organisierenden Agenturen – der darf sich

immer aufs große Ganze einstellen, auf den Erhalt der

Welt, die Überbevölkerung, den drohen Untergang unser

Erdkugel und den Erhalt der selbigen. Für ein Mitglied des

legendären Club of Rome ist dies der Alltag.

Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher ist Vordenker

und Querdenker und seine Synapsen funktionieren so

schnell, rhetorisch aber meist so verzwirbelt, dass erst am

Satzende mit der Konklusion klar wird, wie eigentlich

die Ausgangslage war. Das hat Methode beim sympathischen

Prof, der neben Mathematik auch einen Doktortitel

in Wirtschaftswissenschaften besitzt. „Sonst rechne ich

den Menschen etwas vor, und sie werfen mir wiederum

vor: ‚Naja, er mag gut rechnen können, aber hat keine Ahnung

von Wirtschaft und wie alles bezahlt werden soll‘“,

schmunzelt Prof. Radermacher, „und die anderen würden

mir vorwerfen: ‚Naja, er stellt schöne globalwirtschaftliche

Modelle auf, kann die aber gar nicht ausrechnen‘. Da

halte ich eben jeweils mal den einen, mal den anderen

Doktor-Titel hoch, dann ist Ruhe“, hat Radermacher die

Lacher auf seiner Seite.

Aktuell beschäftigt er sich in seinem aktuellen Buch – wir

hatten es erwähnt – mit dem großen Ganzen: Der Mensch

ist ein Erfolgsmodell. Seit dem Abwandern der ersten Hominiden

aus Afrika hat er sich als Superorganismus über

den gesamten Globus ausgebreitet. Jetzt stößt er an seine

Existenzgrenzen. Die Erde ist unter Stress, der Druck auf

die Ökosysteme gewaltig. Durch eine exponentielle Bevölkerungszunahme

und die weltweite Verbreitung des westlichen

Wirtschafts- und Lebensmodells werden lebensnotwendige

Rohstoffe immer knapper. Zugleich hält die

Anpassungsgeschwindigkeit des menschlichen Gehirns

mit der steigenden Komplexität der Aufgaben nicht mehr

Schritt. Ein „Weiter so!“ führt unausweichlich zum Kollaps.

Die Autoren Franz-Josef Radermacher und Bert Beyers

stellen die Überlebensfrage. Sie bieten aber natürlich

auch die Lösung an: einen „Global Marshall Plan“.

Nur ein wichtiges Exzerpt daraus: „Die Welt braucht

endlich einen vernünftigen Gesellschaftsvertrag für diesen

Globus, einen Weltvertrag und damit die Basis für

eine Weltinnenpolitik. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um

diesen wichtigen Schritt zu tun. Deshalb gilt es zu handeln,

und zwar sofort.“ So gingen wir denn nachdenklich

aus den Ulmer Köpfen im schönen Hotel Rad heraus und

freuen uns auf die nächste Ausgabe am Freitag, 9. Februar

2018 mit Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer.

www.ulmer-koepfe.de

INFO

Prof. Franz-Josef Radermachers aktuelles Buch – Mitautor Bert Beyers:

„Welt mit Zukunft. Überleben im 21. Jahrhundert“, Murmann Verlag.

Franz-Josef Radermacher, geboren 1950 in Aachen, ist Professor für „Datenbanken

und Künstliche Intelligenz“ an der Universität Ulm, gleichzeitig

Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte

Wissensverarbeitung/n (FAW/n) Ulm, Präsident des Senats der Wirtschaft

e.V. Bonn, Vizepräsident des Ökosozialen Forum Europa in Wien sowie Mitglied

des Club of Rome. Ausgezeichnet wurde er u. a. durch den Planetary

Consciousness Award/Club of Budapest, den Preis für Zukunftsforschung

des Landes Salzburg (Robert-Jungk-Preis), den Karl-Werner-Kieffer-Preis,

den „Integrations-Preis” der Apfelbaum Stiftung und den Umweltpreis „Goldener

Baum“ der Stiftung für Ökologie und Demokratie. e.V.


Die Welt entdecken, die Welt verändern - Internationales Marketing

- 16 -

Internationales Marketing –

Experte Mark Peters aus Johannesburg

an der Hochschule Kempten

Influencer bestimmen immer mehr unsere Entscheidungen

Wenn der das hat, dann will ich das auch. Hinter dieser typisch deutschen Einstellung steckt international eine

Strategie: Influencer bestimmen immer mehr unsere Kaufentscheidungen. Und dahinter wiederum steckt eine gezielte

Strategie, die vor allem im jugendlichen Käuferbereich immer mehr für Furore sorgt. Oft in Sozialen Medien

zu beobachten, aber nicht nur da, sondern auch in Wachstumsmärkten, so genannten Emerging Markets. Zu diesem

und weiteren Themen haben wir Mark Peters befragt. Der gebürtige Ire ist Professor für Unternehmensstrategie

mit der Fokussierung auf eben Emerging Markets mit Sitz in Johannesburg und doziert auch an der Hochschule in

Kempten.

Prof. Peters, gibt es für Sie als Spezialist für Emerging

Markets auffällige Merkmale für Influencer?

Prof. Peters, as specialist for Emerging Markets what do you see

as important influencers?

Prof. Peters: Da gibt es viele Schlüssel-Influenzer in

aufstrebenden Märkten. Aber ich unterstelle, dass der

große Treiber für die Wirtschaft das Wachstum ist.

Verbindliche Rahmenbedingungen, die unterstützen

statt zu verhindern, sind Schlüsselelemente. Dabei sind

Unternehmensführung, Integrität und Kommunikation

sehr wichtig.

There are many key influencers in Emerging Markets but I

suppose the big driver is always the growth rate of the economy.

Policy frameworks that support rather than hinder development

are key. Leadership of companies, integrity and communication

are very important.

Worin zeichnen Sie das für den Kunden aus, was hat

er davon?

What are the features of your clients and what is the value and

advantage for them?

Prof. Peters: Aufstrebende Märkte haben theoretisch

eine geringere Kostenbasis und sollten in der Lage sein,

diesen Vorteil an den Kunden weitergeben zu können –

in Anlehnung an den Autor Michael Porter, der dies eine

Kosten-Führungsposition nannte.

Wir sehen ebenfalls eine große Innovation von diesen

neueren Märkten, die von Entscheidern, oder Unterscheidern

aufgebaut werden müssen.

Emerging markets in theory have a lower cost base and should

be able to pass that advantage on to the consumer - in the work

of Michael Porter he called that a cost leadership position.

We are also seeing a lot more innovation coming out of newer

markets as they have to find some differentiators.


- 17 -

Die Welt entdecken, die Welt verändern - Internationales Marketing

HIS LONGER VITA

Senior lecturer, marketing and strategy, UCT‘s Graduate School of Business Mark Peters

was born and educated in Ireland - after school he became a commercial banker with

Allied Irish Bank plc, Dublin in 1979. In 1985 he obtained a grant scholarship with the

Ford Foundation in the US to research the financing of small business and community

development, based in South Africa. This research involved working directly with Social

Investment Banks in 12 countries over 30 months.

In 1996 Mark was appointed Program Director of Educor´s Graduate Institut of Management

and Technology. He was appointed their Managing Director in 1997 and the

Director of Henley Management College in 2000. He was a main board member of the

JSE listed Educor. He was Henley Management College´s Lead Tutor in Marketing from

1998 - 2001. In 2002 he was appointed Director: Marketing at Wits Business School as

well as a Senior Lecturer in Maketing and Strategy. Mark joined the GSB at UCT in

2012 as a senior Faculty member in Marketing and Strategy and represents the GSB in

Johannesburg.

Was ist das Besondere an Ihrem Spezialgebiet

Emerging Markets? Worum kümmern

Sie sich speziell?

What is your special expertise in Emerging

Markets. What do you touch?

Prof. Peters: Mein Hauptaugenmerk als

teh AG Institut ist es, sich auf das Unterstützen

von Organisationen undihrer

strategischen Entscheidungen - eher

durch Entwicklung einer besseren Strategie

oder Verbesserung der Verkaufsprozesse

zu fokussieren.

My main focus as teh AG Institute is to focus

on assisting organisations meet their strategic

objectives either through developing a better

strategy or improving their sales process.

Was können wir aus deutscher Sicht

draus lernen, was können deutsche Firmen

davon mitnehmen?

What can German companies learn from your

experience?

Prof. Peters: Deutsche Unternehmen

haben eine lange und erfolgreiche Geschichte

in aufstrebenden Märkten. Jedoch

haben sich vielleicht diese Erfolge

der Vergangenheit zu einer gewissen Arroganz

entwickelt, und das AG Institut

kann dabei helfen und Unternehmen dabei

zu unterstützen, anfangs besser zuzuhören,

sich besser vorzubereiten und bessere

Strategie-Planungen zu entwickeln

- gezielt auf verschiedene Bausteine der

aufstrebenden Märkte als ein lukrativer

Baustein im Weltmarkt.

German companies have a long and successful

history in emerging markets. However maybe

this past success means that a little arrogance

has crept in and the AG Institute can assist

organisations listen better, prepare better and

develop better strategic plans to address the different

features of emerging markets as profitable

step in first world markets.

Zu Ihren Deutschland-Aufenthalten

in Kempten: Welche Seminare an der

Hochschule in Kempten bieten Sie an

und was sind dabei Ihre Inhalte?

You are teaching in Kempten. Which courses

exactly and what are the contents?

Prof. Peters: Ich bin bereits seit fünf Jahren

in die MBA-Kursprogramme an der

Hochschule integriert und unterstütze

die Fachrichtung Strategieprinzipien und

Internationale Strategie.

First, I am involved in the MBA programme

in Kempten for the last five years. I facilitate

two modules – Principles of Strategy and later

– International Strategy.

Prof. Peters,

herzlichen Dank für das Gespräch.

thk

INFOS

Der gebürtige Ire Mark

Peters kam 1985 nach South

Afrika, Johannesburg,

und ist seitdem dort Professor

für Emerging Markets

an der Wits Business

School und hat in seinem

angegliederten Institut

78 Unternehmens-Engagements

in Wachstumsmärkten

durchgeführt.

Mehr dazu:

www.hochschule-kempten.de/

weiterbildung/

mba-international-businessmanagement-leadership


Titelgeschichte – Die Welt entdecken, die Welt verändern - 18 -

Indien: Ökologische

Landwirtschaft

Mit Gerlinde Kretschmann in Indien, eine eindrucksvolle

Reportage jenseits von direktem Geschäft und Marketing

Von Rainer Lang

Entwicklungshilfe einmal anders: Ökologische Landwirtschaft

hilft Leben sichern – Bio lohnt und rechnet

sich – auch in Indien

Nicht nur bei Wirtschaft, Kultur und Politik soll der

Austausch zwischen Indien und Baden-Württemberg

künftig intensiver werden, sondern auch in Sachen

Ökoanbau. Dieser erlebt nämlich in Indien einen

Aufschwung. Davon hat sich in diesem Jahr Gerlinde

Kretschmann überzeugen können. Die Frau des

baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried

Kretschmann (Grüne) traf sich in Bangalore mit

Vertretern der Organisation ICRA, die den Ökolandbau

vorantreibt. Unser Autor war dabei. Er kennt

ICRA und ist überzeugt, dass deutsche und indische

Bauern von einem Austausch profitieren würden.

Vor dem prächtigen Palast der südindischen Stadt Mysore

haben sich schon kurz nach Sonnenaufgang die

ersten Besucher eingefunden. Sie wollen den prächtigen

Umzug zum Abschluss des traditionellen Dasara-Festivals

verfolgen. Auch Shenkar Sandhya ist früh angereist.

Doch seine Stimmung ist gedrückt. Ein Freund hat sich

wenige Tag vor dem großen Fest erhängt. Er war wie

Shenkar Kleinbauer, aber total überschuldet. „Als die

Ernte erneut ausgefallen ist wegen Dürre hat der Familienvater

keinen Ausweg mehr gesehen“, erklärt Shenkar.

Allein 2015 hatten sich im Bundesstaat Karnataka, zu

dem Mysore gehört, rund 600 Kleinbauern das Leben

genommen. Angesichts der Suizid-Welle hatte die Regierung

angekündigt, dass das Festival nicht so pompös

wie sonst gefeiert wird. Fragt man nach den Gründen

für die verzweifelten Taten, erhält man immer wieder

die gleichen Antworten. Die Bauern haben den Versprechungen

der Saatgutkonzerne geglaubt und in der

Hoffnung auf gute Erträge, Kredite aufgenommen, um

sich Saatgut und den entsprechenden Dünger zu kaufen.

Doch diese Hybridpflanzen sind äußerst anfällig, wenn

der Regen ausbleibt. Monokulturen sind noch empfindlicher.

Lange Dürreperioden, die Experten auf den Klimawandel

zurückführen, haben dramatische Ernteausfälle

zur Folge.

Dennoch setzen die Bauern mehrheitlich weiter auf

Hybridpflanzen. „Die Menschen auf dem Land haben

nicht die entsprechende Bildung“, sagt Prasanna Kumar.

Der 22-Jährige ist Lehrer und beklagt die bittere

Armut auf dem Land. Er sieht, dass die Bauern nicht

mehr von ihrem Land leben können. Und bei 25 Prozent

Zinsen für Kredite, stecken viele in der Schuldenspirale.

Shenkar Gowda will dies ändern. Als Mitarbeiter der

Organisation ICRA setzt er sich für den Öko-Landbau

ein. Das Institut mit Sitz in Bangalore, der Hauptstadt

von Karnataka, startete seine Öko-Initiative vor rund

zehn Jahren in der Provinz Kottur, wo die Erfolge unverkennbar

sind. Heute umfasst diese Kooperative rund

600 Mitglieder.

In der gesamten Region herrscht Dürre und viele konventionell

wirtschaftende Bauern klagen über Ernteeibußen.

Solche Probleme plagen Goneppa Kunder nicht.

Auf seinem Feld gedeiht die Hirse prächtig. Auch auf

den benachbarten Feldern ist alles grün. „Der Boden

hält beim ökologischen Landbau die Feuchtigkeit lange“,

erklärt er, während er von ihm selbst hergestellten

Flüssigdünger auf das Feld verteilt. „Wir können trotz

ausbleibenden Regens ernten“, erläutert er.


- 19 -

Titelgeschichte – Die Welt entdecken, die Welt verändern

Die im konventionellen Landbau eingesetzten Hybridpflanzen

sind dagegen auf ausreichend Regen angewiesen.

Sieben Jahre zuvor stand Kunder selbst fast

vor dem Ruin. Der Boden sei durch den Einsatz chemischen

Düngers total ausgelaugt gewesen, berichtet er.

Nach der Umstellung auf Ökoanbau seien seine Felder

wieder fruchtbar. Mit seinem eigenen Saatgut erzielt er

sogar höhere Erträge als beim konventionellen Anbau.

Die Erfolge sind unbestreitbar. Unter der Anleitung von

ICRA haben die Bauern traditionelles Saatgut wiederentdeckt.

So gedeihen alte Getreidesorten auf den Feldern.

Es gibt keine Monokulturen mehr, sondern es werden

bis zu 15 verschiedene Pflanzensorten auf einem

Feld angebaut: von Mais und Hirse über Sonnenblumen,

Kichererbsen und Bohnen bis zu Erdnüssen und Okra.

Öko-Anbau erfordert einigen Einsatz von den Bauern.

Es ist eine systematische Herangehensweise nötig, die

ICRA in Kursen und Workshops vermittelt. Von der

Produktion des Saatguts über die Herstellung von Kompost

und Dünger bis zum Nährstoffmanagement für den

Boden. Diejenigen, die sich darauf eingelassen haben,

wollen nicht mehr zurück.

Auch die umtriebige Bäuerin Kurubanahalli, die Mais

und Bohnen anbaut, ist begeisterte Ökobäuerin. „Ich

habe immer genügend zu essen und ein Einkommen

durch den Verkauf der Überschüsse“, freut sie sich. Inzwischen

werden von ICRA-Bauern rund zwei Dutzend

Ökoläden und Händler beliefert. Der Löwenanteil der

Ernte, rund 90 Prozent, wird jedoch auf den traditionellen

Märkten vertrieben, wo es keinen höheren Preis gibt.

Aber das soll anders werden. In Mysore ist es ICRA

gelungen, Ökobauern mit eigenen Ständen auf den Wochenmarkt

zu bringen.

„Organische Landwirtschaft liegt in Indien im Trend“,

freut sich ICRA-Leiter Peethambaran Babu. Als Beleg

dafür sieht er den Boom der Ökoläden. Mehr als 40 solcher

Geschäfte seien in jüngster Zeit in Bangalore eröffnet

worden, betont er. Seiner Ansicht nach ist es höchste

Zeit für eine Kehrtwende. Die Versprechen auf hohe Erträge

könne die industrialisierte Landwirtschaft nicht

einlösen. Katastrophale Ernteausfälle, kaputte Böden

und ruinierte Landwirte sind die Folge. Die Landwirtschaft

in Indien würde zugrunde gerichtet, klagt Babu.

ICRA zielt auf die Wiederbelebung bäuerlicher Kultur.

Darauf weist schon der Name hin: Institute of Cultural

Research and Action. Im Mittelpunkt stehen Weiterbildung

und Training der Bauern, begleitet Beratungsarbeit

bei der Regierung. Die Bauern will ICRA aus der

Abhängigkeit von Saatgutkonzernen befreien und aus

der Schuldenfalle holen. Ist die Ernährung gesichert,

hört auch die Landflucht auf“, ist Babu überzeugt.

Als Beispiel dafür, wie grundlegend der Ökoanbau das

Leben verändern kann, verweist Babu auf ein von Dalits

bewohntes Dorf. Die gesellschaftlich geächteten

Bewohner mussten in Eisenerzminen unter menschenunwürdigen

Bedingungen schuften. „Wir haben den Bewohnern

gezeigt, wie sie Brachland um ihr Dorf ökologisch

bewirtschaften können“, sagt er. Heute muss sich

keiner der Dorfbewohner mehr in einer Mine verdingen.

Als „sehr beeindruckend“ bezeichnete Gerlinde

Kretschmann die Erfolge. Die „First Lady“ von Baden-

Württemberg hatte bei einer von Ministerpräsident

Winfried Kretschmann geleiteten Reise mit einer rund

120-köpfigen Delegation 2017 soziale Projekte besucht,

darunter auch die Organisation ICRA in Bangalore, die

vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt gefördert

wird.

Der pensionierten Lehrerin liegt der ökologische Anbau

am Herzen. Sie erfuhr, dass die Ökobauern trotz

monatelanger Dürre eine Ernte erzielen konnten, wenn

diese auch kleiner ausfiel. Im Gegensatz dazu sei bei

konventionell wirtschaftenden Bauern die Ernte total

ausgefallen.

Info

www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/indien-bio-boom

Unser Autor und lieber Kollege Rainer Lang war

für die Berichterstattung über ökologische Landwirtschaft

in Indien, die er für die Organisation

„Brot für die Welt“ geschrieben hat, und mit der

er Ende 2017 für den renommierten Salus Medienpreis

nominiert wurde. „Arbeiten des WDR

und von GEO haben gewonnen, da war die Nominierung

schon eine feine Sache“, war unser

Autor zur Recht zufrieden.


News aus den Regionen

- 20 -

Auch auSSerhalb des Platzes höchste Ansprüche

Mit Unterstützung des Neu-Ulmer Systemhauses SIG

IT mit IQ mbH erneuert der Fußball-Zweitligist 1. FC

Heidenheim 1846 derzeit seine komplette IT-Infrastruktur.

„Durch den sportlichen Erfolg sind wir in den vergangenen

Jahren in allen Bereichen gewachsen, sowohl

beim Personal als auch ganz allgemein bei den Anforderungen

an unsere IT“, erklärt Petra Saretz, Bereichsleiterin

Organisation beim 1. FC Heidenheim, die Gründe

für die Entscheidung. Mit SIG arbeitet der Verein schon

seit 2012 zusammen. Aufgrund der positiven Erfahrungen

erhielt der Neu-Ulmer IT-Dienstleister auch dieses

Mal wieder den Zuschlag. „Die Mitarbeiter der SIG haben

sich sehr schnell auf unsere speziellen Anforderungen

eingestellt und verstanden, was wir benötigen. Und

sie sind für uns auch mal außerhalb der üblichen Zeiten

erreichbar“ erzählt Petra Saretz.

In der vierten Zweitligasaison beschäftigt der 1. FC Heidenheim

1846 inzwischen rund 180 Mitarbeiter. Auch

netzwerktechnisch hat der Fußballverein ausgesprochen

hohe Anforderungen. Während eines Heimspiels steigt

beispielsweise die Netzlast abrupt an, wenn sich allein

im Sparkassen Business Club etwa 2.000 Besucher tummeln

und das dortige WLAN nutzen.

www.sig-ulm.de

www.fc-heidenheim.de

www.press-n-relations.de

Ein Ermutiger in der Geislinger Jahnhalle

„Des hau I no selta erlebt – Geislinga an dr Steige, was

isch los, Standing Ovations, ihr seid doch au Schwoaba,

oder?“ Auch Motivator und Speakers-Profi Johannes

Warth war in der Geislinger Jahn-Halle „von den

Socken“. Sein Vortrag vor 400 Besuchern war in diesem

Jahr so begeisternd, dass die Leute mitsangen, mitklatschten

und sich fast noch gegenseitig in die Arme gefallen

wären. Klingt sektenartig, ist es aber ganz und gar

nicht. Der Oberschwabe Johannes Warth ist nur einer,

der „Change“ als Herausforderung und Entwicklung verbreiten

kann, und nicht als Gefahr. Deswegen wird er bei

seinen rund 200 Auftritten pro Jahr in Firmen eingeladen

oder – wie in Geislingen – auch einmal von Schulen

wie dem Förderkreis der Emil-von-Behring-Schule auf

Initiative von Tausendsassa Karl-Otto Kaiser. Johannes

Warth packt in seinem Erlebnisvortrag mal seine Percussions

aus (ein großer Karton mit Base-Drum-Fußpedal),

sein kleines Akkordeon (dann geht’s im Publikum noch

mehr ab) oder einen Langbogen, mit dem er entweder

störende Gäste umnietet (die gab es ja an diesem Abend

nicht) oder eine Kerze aus rund zehn Metern Entfernung

ausschießt. Gepaart mit viel Sprachwitz und Wortspielereien

heißt das dann „7 Schritte zum Erfolg oder wie

überlebe ich das 21. Jahrhundert?“ 400 Geislinger wissen

seitdem darauf eine Antwort.

www.johannes-warth.de


- 21 -

News aus den Regionen

„Der kostenlose

Erfolg auf Facebook

ist vorbei“

Es war wieder äußerst spannend, der letzte Termin

2017 des Medienforums Kreis Göppingen: drei Expertinnen

zum heißen Thema Social Media. Ausrichter

war ebenfalls eine Dame, Christine Kumpf, Wirtschaftsförderin

der Stadt Göppingen und Mitinitiatorin

des Medienforums.

In der großen Welt des digitalen Zeitalters bewegt sich

eminent viel. Für die Resonanz des Einzelnen wiederum

aber ziemlich wenig, weil das Angebot unüberschaubar

geworden ist und deshalb viele vergeblich um die Aufmerksamkeit

der User buhlen. „Der kostenlose Erfolg

auf Facebook ist vorbei“, unterstrich denn auch Daniela

Vey, Informationsdesignerin aus Stuttgart, die bereits

viele Unternehmen und auch die Stadt Göppingen bei

der Anwendung der sozialen Medien unterstützt, „nach

Silke Matthaei, Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart

GmbH (WRS), Christine Kumpf, Wirtschaftsförderin der Stadt

Göppingen, Daniela Vey, Informationsdesignerin aus Stuttgart,

Ester Petri von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-

Württemberg, Moderator Thomas Kießling, K - media & PR.

13 Jahren Facebook gehören die sogenannten Gratis-

Reichweiten, wo jeder „Likes“ und Freunde empfiehlt

oder anklickt und sich dadurch der geschäftliche Erfolg

einstellt, eindeutig der Vergangenheit an.“ Das Ende der

Revolution sei aber längst noch nicht in Sicht.

Die ganze Geschichte gibt es auf medienforum-gp.de und

den ersten Medienforum-Termin 2018 bereits am Mittwoch,

17. Januar 2018, 19.30 Uhr – oder die traditionelle

Medien-Party in der Kunsthalle Göppingen zur Picasso-

Ausstellung mit einer wieder kenntnisreichen und eloquenten

Führung von Kunsthallenleiter Werner Meyer.

Anmelden auf kontakt@medienforum-gp.de.

Jürgen Mollenkopf von maybe in Geislingen

Wer braucht sie, und

wem fehlt sie? Die Zeit

Chefs, Entscheider, Vorbilder, der Arbeitstag beginnt

morgens um 6 Uhr und endet um 20 Uhr, oder auch

nie. Jeder ist stolz darauf, am frühen Morgen der Erste

zu sein und abends immer der Letzte. Wow! Und wer

achtet darauf, was dabei alles verloren geht? Die Mitarbeiter

wollen endlich ein Gespräch, die Frau zuhause

nach langem mal ein schönes Wochenende oder einen

tollen Abend, ihre Kinder wollen, dass Sie mehr Zeit für

sie haben, doch: wo ist die Zeit dafür?

Eine der häufigsten Krankheiten unserer Zeit ist „Burn

out“, ausgebrannt sein, warum? Eine Ursache dafür ist

sicherlich die fehlende Zeit. Es entsteht ein ungeheurer

Druck um alles, was erledigt werden sollte. „Muss das

sein?“ fragt Softwareentwickler Jürgen Mollenkopf,

oder muss man nicht dagegen steuern? „Schreiben Sie

einmal auf, was Sie den ganzen Tag machen und dann

fragen Sie sich, muss das alles unbedingt sein, muss

ich das machen, oder kann es auch jemand anderes für

mich tun?“ fragt Mollenkopf weiter.

Der Geislinger hat sich 1998 selbständig gemacht und

sein Unternehmen stetig weiter entwickelt. Heute hat er

es geschafft und eine hervorragende Softwarelösung für

mittelständische Unternehmen entwickelt. Motto: Zeit

schaffen.

www.mybe.eu


News aus den Regionen

- 22 -

10 Millionen

Tagesgäste

pro Jahr

im Kreis

Reutlingen

Blick von der Achalm bei Reutlingen,

ein beliebtes Ausflugsziel

im Kreis Reutlingen.

Der Wirtschaftsfaktor Tourismus gewinnt

im Kreis Reutlingen zunehmend

an Gewicht. Nach einer Erhebung des

Branchenverbands Mythos Schwäbische

Alb lag der Umsatz im Jahr 2016 bei 569,3

Millionen Euro. Gegenüber den letzten

Daten aus dem Jahr 2011 entspricht dies

einem Zuwachs von rund zehn Prozent.

Laut einer Studie besuchen jährlich rund

10 Millionen Tagesreisende den Landkreis

Reutlingen und – wer auf Seite 8

und 9 dieser Ausgabe genau liest – stammen

vier Millionen davon vom Outletcity

Metzingen. Die Tagesgäste allein sorgten

im vergangenen Jahr für einen Anteil

von 62,4 Prozent am Gesamtumsatz. Ein

weiteres Viertel des Umsatzes kommt von

Übernachtungsgästen in gewerblichen

Betrieben. 2,4 Prozent verteilen sich auf

Gäste bei Privatvermietern sowie Touristik-

und Dauercamper. Erstmals hat

Mythos Schwäbische Alb die Zahl der

Verwandten- und Bekanntenbesuche berechnet:

Rund 1,61 Millionen Gäste mit

persönlichen Verbindungen generierten

10 Prozent des Gesamtumsatzes. Mit

dem IHK-Tourismusausschuss hat die

IHK Reutlingen das wichtigste Gremium

für die regionalen Tourismusinteressen

etabliert.

www.mythos-schwaebische-alb.de

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- 23 -

News aus den Regionen

Christoph-Martin-

Wieland-Übersetzerpreis

2017

Der Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis geht in diesem Jahr an

Andreas Jandl und Frank Sievers und damit an zwei bedeutende Übersetzer

unserer Zeit, die gemeinsam das Werk des englischen Schriftstellers John

Alec Baker „The Peregrine“ - „Der Wanderfalke“ übersetzt hatten. Die Auszeichnung

ist einer der ersten Übersetzerpreise, die in Deutschland verliehen

wurden. Baden-Württemberg ist damit – wie auch mit Arbeits- und Reisestipendien

– bundesweit Vorreiter bei der Förderung von Literaturübersetzerinnen

und -übersetzern. Da der Preis in Biberach verliehen wird, ist er

fürs Renommee der großen Kreisstadt im Literaturbetrieb besonders wichtig,

sind sich Kenner einig. „Literarische Übersetzungen spielen eine wichtige

Rolle für den interkulturellen Austausch. Übersetzerinnen und Übersetzer

sind Kulturbotschafter, die uns fremde Denkweisen und Gefühlswelten nahe

bringen. Verständigung zu schaffen zwischen verschiedenen Sprachen und

Kulturen ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“, sagte

Kunststaatssekretärin Petra Olschowski bei der Verleihung.

Wir machen mehr aus

Ihrem Auftritt:

Christoph Martin Wieland (1733 bis 1813), der Übersetzer der Shakespeare-

Dramen, ist Namensgeber des Übersetzerpreises, der mit 12.000 Euro dotiert

ist und alle zwei Jahre vergeben wird. Der Preis wird vom Ministerium für

Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg finanziert.

www.wieland-museum.de

Von links: Prof. Dr. Dieter Martin (Universität Freiburg), Preisträger Andreas Jandl, Laudatorin

Karin Uttendörfer, Preisträger Frank Sievers, Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler,

Staatssekretärin Petra Olschowski (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-

Württemberg), Jurymitglied Elsbeth Ranke, Helga Pfetsch (Präsidentin des Freundeskreis zur

Förderung wissenschaftlicher und literarischer Übersetzungen e. V.), Kerstin Bönsch (Geschäftsführerin

der Wieland-Stiftung). Bild: Anni Gallus


Sport ist Standortmarketing

- 24 -

Was

bringt der

Orange

Campus?

Von Thomas Kießling

Die Stadt Ulm und ein Kreditinstitut können sich noch nicht durchringen.

Eine Geschichte, die da anfängt, wo die Kostendiskussion aufhört.

Eigentlich waren am Anfang alle begeistert. Aber auch alle. Ein OrangeCampus direkt an der Donau inmitten der

Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm würde den Basketball in der Region in eine neue Dimension katapultieren. Und hierin

liegt schon das erste Problem. Da gibt es offenbar Neider und Platzhirsche, die das Katapult gerne zu einem Katapultchen

verkommen lassen würden. Man kommt dabei nicht umhin, zu vermuten, dass wieder einmal Breitensport

gegen Spitzensport ausgespielt werden soll und dass dabei die Gemeinderäte von Ulm (Neu-Ulm hat dem Zuschuss

von 1,5 Mio. Euro längst schon zugestimmt) sowie die Sparkasse etwas unter die Räder kommen, denn für sie ist

Sport eben Sport – und die dreimalige Pleite der Ulmer Kicker fest im Rechenschieber eingebrannt.

Die Fakten und die Story:

Von Martin Fünkele, Pressesprecher BBU '01

Während sich die öffentliche Debatte seit einigen Monaten

auf die Risiken versteift, wird oft vergessen, wer alles

von einem Sportzentrum im Herzen der Doppelstadt profitieren

kann. Der OrangeCampus der Ulmer Basketballer

– ein Novum und für viele derzeit ein No-Go.

Man muss sich das mal vorstellen: Da liegt ein Gelände,

das so groß ist wie zweieinhalb Fußballfelder im Herzen

der Doppelstadt seit knapp 20 Jahren brach. Einmal sollte

ein Kulturbiergarten dort entstehen, wo Neu-Ulm nur 70

Meter von Ulm entfernt ist, das andere Mal war ein Stellplatz

für Wohnmobile im Gespräch. Passiert ist nie etwas.

Seit der Schließung des alten Donaubades Ende der 1990er

Jahre dient das 16.180 Quadratmeter große Areal als Biotop

für Unkraut und Stechmücken.

Wie wäre es mit dieser Vorstellung? Dort, wo seit so langer

Zeit nichts passiert ist, geht auf einmal die Post ab. Menschen

beider Städte treffen sich, weil sie etwas erleben wollen.

Zum Beispiel in einer der drei Sporthallen – die größte

bietet Platz für 500 Zuschauer. Die meiste Zeit wird hier

allerdings gespielt und trainiert – 95 Prozent der Hallenzeiten

sind für Nachwuchs- und Breitensportler reserviert.

Oder im Fitnessstudio, das den Blick zur Donau freilässt.

Oder eben im Parkgelände, wo Spielplatzbesucher neben

Volleyball-Spielern und Basketballern ihren Platz finden.

Einen Biergarten gibt es übrigens auch, anstatt für Wohnmobile

ist der Stellplatz jedoch für rund 160 Fahrräder reserviert.

Eine Utopie? Nein. Ein realistisches Bauvorhaben, das

seit Herbst 2014 konkret geplant wird und im Ergebnis

2.032,72 Euro pro Quadratmeter kostet. Wer selbst einmal

gebaut hat weiß, dass das nicht teuer ist. Gebaut wird im

Übrigen gemäß „KfW Standard 55“, was für ein nachhaltiges

Energie-Konzept spricht und konkret heißt: Es

werden 45 Prozent weniger Primärenergie verbraucht als

bei einem vergleichbaren, nicht nachhaltig betrieben Neubau.

Den Steuerzahler – also die Bürger der Städte Ulms

und Neu-Ulms – kostet dieses Bauvorhaben 4,5 Millionen

Euro. „Ein Schnäppchen“, nennt Rainer Juchheim die 1,5

Millionen Euro Zuschuss, die der Neu-Ulmer Stadtrat am

26. Juli einstimmig gewährt hat. 1,5 Millionen Euro sind

„kein Schnäppchen“ und das Zitat macht auch nur dann

Sinn, wenn es komplett wiedergegeben wird. „1,5 Millionen

Euro sind für die Stadt Neu-Ulm ein Schnäppchen,

wenn man betrachtet, was damit erreicht wird“, so die

vollständige Aussage des Grünen-Politikers.


- 25 -

Sport ist Standortmarketing

Risiken vs. Chancen & Finanzen vs. Fantasie

Formal geht es um einen Gebäudekomplex. OrangeCampus,

so der Name des Sportzentrums, das BBU ’01 auf dem

alten Donaubadgelände errichten möchte. Ein Teil davon

wird „ideeller Teil“ genannt. Gemeint ist der Teil, in dem

Sport getrieben wird – der ist 6.980 Quadratmeter groß und

kostet 12.200.000 Euro (davon sind 10.450.000 Euro bezuschussungsfähig).

Der andere Teil ist dafür da, Einnahmen

zu generieren, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten

und dafür keine weiteren Steuergelder beanspruchen zu

müssen. Dieser Teil – also das Fitnesszentrum, ein Bürogebäude,

sowie der Gastro- und Shop-Bereich – kostet

10.600.000 Euro. In der öffentlichen Wahrnehmung endet

die Diskussion über den OrangeCampus meist genau hier.

Dass nur der „ideelle Teil“, also der in dem zumeist junge

Menschen ausgebildet werden, gefördert wird – der Rest

aber nicht – geht meist unter. Es geht um Zuschüsse, Darlehen

und den Unterschied zwischen Eigenmitteln und

Eigenkapital. Es geht nicht darum, was erreicht wird. Es

geht nur darum, was es kostet.

Um sich vorzustellen, was der OrangeCampus bringt,

braucht es etwas Fantasie. Etwas Vergleichbares gab es

in der Region ja noch nie. Ein Sportzentrum in unmittelbarer

Nähe der Stadtzentren Ulms und Neu-Ulms. Keine

Shopping Mall, kein Kino, kein Elektronik-Discounter,

oder was den Menschen sonst noch gerne zum Zeitvertreib

angeboten wird. Stattdessen ein Gelände, das aktiven

Basketballern optimale Trainingsbedingungen bietet

– in Halle eins ist eine 160 Meter lange Laufbahn rund um

das Spielfeld geplant – und Sportinteressierte Bürger gleichermaßen

anspricht. „Sport ist gut für Herz, Kreislauf,

Muskeln. Und nicht zuletzt ist Sport gut für das Gehirn!

Krankenkassen müssten sich beteiligen, denn das ist echte

Prävention“, urteilt Prof. Dr. Manfred Spitzer in seiner

Funktion als Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik

Ulm.

Ohne Breite keine Spitze

Martina Haas sagt: „Ein vergleichbares Projekt kenne ich

nur vom VfB Stuttgart.“ Haas ist als Geschäftsführerin

des Württembergischen Landesverbandes (WLSB) für

Sportentwicklung zuständig. Ihr Verband hat einen Zuschuss

für den OrangeCampus in Höhe von knapp 700.000

Euro in Aussicht gestellt. Haas sagt auch: „Ohne Breite

keine Spitze. Was BBU ’01 hier macht, ist ein beispielhaftes

Zusammenspiel zwischen Breiten- und Leistungssport

und Schule und Verein.“

In Köln haben unlängst drei Wissenschaftler der Sporthochschule

in einer Studie festgestellt, „dass öffentliche

Ausgaben für Sportanlagen und Schwimmbäder einen

signifikanten positiven Effekt auf die Sportaktivität der

Menschen“ haben.

Was BBU ’01 mit dem OrangeCampus im ersten Schritt

also erreicht, ist Menschen in Bewegung zu bringen. „Die

Menschen zum Sporttreiben zu bewegen, ist nicht nur von

Bedeutung für die Volksgesundheit, sondern forciert auch

die Entwicklung von sozialer Kompetenz und schafft Arbeitsplätze,

ist also ein wichtiges Ziel jeder Gesellschaft“,

schreiben Sören Dallmeyer, Dr. Pamela Wicker und Prof.

Dr. Christoph Breuer in ihrer Arbeit „Public expenditure

and sport participation: An examination of direct, spillover,

and substitution effects”. Für Kommunen sollte dieses

Ziel also gleichermaßen gelten.

Bewegung ist ein Ziel jeder Gesellschaft

Und Kommunen leben von ihren Vorzeigeobjekten. Zum

Beispiel das Ulmer Münster oder Albert Einstein – wer

von ihnen spricht, spricht von der Stadt, aus der sie stammen.

ratiopharm ulm, das Team, das in der Basketball

Bundesliga seit Dezember 2011 bei jedem seiner Heimspiele

ausverkauft meldet, bringt die beiden Städte ins Ge-


Sport ist Standortmarketing - 26 -

spräch und verschaffte ihnen bares Geld. Man kann das

messen. Das Marktforschungsunternehmen ValuMedia

hat das getan und einen Werbewert von 14 Millionen

Euro ermittelt. 555 Werbespots bei RTL zur Prime Time

müsste die Doppelstadt schalten, um eine vergleichbare

Reichweite für sich zu bekommen. Außerdem sorgen

die Profis für ein Plus von 7,4 Millionen Euro im kommunalen

Säckel – ermittelt aus direkten und indirekten

Steuereffekten.

Auch die Profis sollen vom OrangeCampus profitieren.

Kurze Wege sind im Leistungssport enorm wichtig. Die

Erstversorgung nach einer Verletzung spielt hier eine

Rolle, genauso wie die Zeitersparnis, die eine längere

Regeneration ermöglicht. „Alles auf einem Grundstück

– das wäre ein Riesenschritt für Ulm und den deutschen

Basketball“, sagt Basketball-Bundestrainer Chris Flemming.

Noch wichtiger als die unmittelbaren Effekte sind

die langfristigen Auswirkungen. Ein Club, der in den

letzten sechs Jahren fünf Mal im Halbfinale und zweimal

im Finale stand, aber trotzdem nicht zu den finanziellen

Alphatieren der Bundesliga gehört, muss sich etwas

einfallen lassen, um langfristig konkurrenzfähig zu

bleiben. Er muss eine Nische finden, die ihn auszeichnet.

NBA-Spieler aus Ulm? Wieso nicht!

„Im Basketball war in Europa Treviso lange Jahre das

Nonplusultra. Zahlreiche NBA- und europäische Topspieler

wurden dort entwickelt“, sagt Dr. Thomas Stoll.

In Treviso, der norditalienischen Stadt 30 Kilometer

entfernt von Venedig, wurde Andrea Bargnani ausgebildet.

Bargnani ist bis heute der einzige Europäer, der

im NBA-Draft an Nummer eins gezogen wurde. „Langfristig

traue ich uns zu, dass wir in Ulm NBA-Spieler

ausbilden“, sagt Manager Stoll. Mittelfristig soll auf

dem Campus eine Generation von Spielern heranreifen,

die ratiopharm ulm eine Alternative im Feilschen

um die Topsstars bietet. Denn längst operiert die Konkurrenz

mit Spieler-Etats, die viermal höher sind als das

der Ulmer. Was in der 16-jährigen Geschichte von BBU

’01 noch Seltenheitswert hatte, soll zukünftig zu Regel

werden – nämlich gebürtige „Uuulmer“ im Trikot von

ratiopharm ulm.

All das ist keine Utopie – kein Luftschloss, das sich Menschen

ausgedacht haben, die nichts von Sportentwicklung

verstehen. Die Idee des OrangeCampus basiert auf

belastbaren Zahlen, die ein renommierter Wirtschaftsprüfer

erstellt hat und die Andreas Burkhardt „eine solide

und auch im Detail überzeugenden Finanzplanung“

nennt. Burkhardt ist bei Teva Finanzgeschäftsführer und

vertritt dabei ein Unternehmen, das 2016 weltweit einen

Jahres-Umsatz von knapp 22 Milliarden Dollar auswies.

Der OrangeCampus entspringt der Idee zweier Männer,

die den Ulmer Basketball in den vergangenen eineinhalb

Jahrzehnten nachhaltiger prägten, als jeder Spieler.

„Hier arbeiten echte Profis mit Herz und dem festen

Glauben an ihre Vision“, sagt der Mathematiker und Pokerweltmeister

Stephan Kalhamer. „Mit dem nüchtern

kalkulierten Risiko, dem Campus seine verdiente Chance

zu geben, kann und wird das Ulmer Team um Andreas

Oettel und Dr. Thomas Stoll auch langfristig im Konzert

der Großen überraschen, ja glänzen“, so Kalhamer.

Info

Mit Deiner Hilfe in die Zukunft!

Weiterhin kann bei der Spenden-Aktion (Fundraising)

Gutes getan werden. Es gilt, mindestens

555.555 Euro einzusammeln, eine vom Ulmer

Gemeinderat geforderte Summe an Eigenmittel

der BBU '01. Auf der Plattform www.orangecampus.one

können Bürger und Fans zwischen 11 und

1.111 Euro einreichen. Ab 111 Euro erhalten die

Unterstützer eine Namensplakette, die im Foyer

des Gebäudes verewigt wird. Das Besondere:

Wird das Spendenziel erreicht – kommen also

555.555 Euro zusammen – wird jeder öffentlich

gespendete Euro von den Partnern von BBU ’01

verdoppelt. Sollte der OrangeCampus nicht gebaut

werden, erhalten die Spender ihr Geld zurück.

#butterbeidiefische


- 27 -

Sport ist Standortmarketing

Ein Kommentar

Der OrangeCampus:

Eine Chance für die Region

Von Thomas Kießling

Campus-Zahlen

Green Campus Mit Hilfe eines Wärmepumpensystems wird

dem Boden Grundwasser entnommen, das zur Energiegewinnung

der Niedertemperaturbereiche genutzt wird und

anschließend dem Boden wieder zugeführt wird. In Kombination

mit einer Photovoltaik-Anlage ist die Erreichung eines

„KfW55 Standards“ gegeben. Auf dem Gelände werden

155 Fahrradständer installiert und 11 neue Bäume gepflanzt.

Hallennutzung Um zu ermitteln, welche Teile des Komplexes

durch die Kommunen und den WLSB förderungswürdig

sind, wurde detailliert festgelegt, wie die drei Sporthallen

genutzt werden. Das Ergebnis: Halle 2 + 3 stehen zu 100

Prozent dem Nachwuchs- und Breitensport zur Verfügung;

in Halle 1 sind es 90 Prozent. Insgesamt nimmt die Nachwuchsforderung

also 95 Prozent des Belegungsplans ein.

Finanzierung Für 2/3 der 22,8 Millionen Euro (brutto) ist

BBU ’01 verantwortlich. 14,5 Millionen Euro stellt der Club

über Eigenmittel (5,5 Mio. Cash + 9 Mio. Bank-Darlehen).

Zuschüsse: 4,5 Mio. städtisch, 700.000 Euro (WLSB), 3,1

Mio. Euro sollen über ein städtisches Darlehen abgedeckt

werden. Bau-Details Die für den Sport vorgesehene Fläche

– inklusive Fitnessbereich – beträgt 6.980 m²; insgesamt

hat der Campus eine Glasfassadenfläche von 2.170 m² – ein

Großteil im Fitnessbereich. Die Haupthalle ist 12 Meter

hoch und bietet nicht nur Platz für 500 Zuschauer, sondern

auch einen Rundlauf (160 Meter) für Konditionstraining.

Ein als Sportpark an der Donau deklariertes Gelände

mit Biergarten ist zudem zugänglich und ermöglicht einen

barrierefreien Zugang zum Beach-Volleyball-Feld, dem

Spielplatz und dem Basketball-Freiplatz. Und die BBU `01

garantiert, dass auch bei Spielbetrieb, etc. die Parkplatzmöglichkeiten

für die Besucher ausreichen werden.

Ein OrangeCampus im Herzen der Doppelstadt

direkt an der Donau bildet das Herz der Ulmer

Basketballer. Sie sind neben Ulmer Münster (wissen

in Deutschland nicht viele) und Einsteins

Geburt (weiß echt kaum jemand) die permanente

Visitenkarte für das Standortmarketing der

Region. Oder wann kommt Ulm im Laufe eines

Jahres sonst noch in den bundesdeutschen Medien

vor? Ja wann, und vor allem mit welchem

Thema? Bitte einmal nachdenken und dann nach

dem Schulterzucken einfach zugeben: „Keine

Ahnung.“ Früher hatten wir wenigstens den November-Nebel,

der uns unter bedauerlichen Worten

ins Jörg-Kachelmann-Wetter brachte. Ab und

an kommt noch die ratiopharm arena auf SWR 1,

wenn etwa Bob Dylan spielt.

Wenn aber niemand nie von der Region Ulm

hört, dann sieht es mit neuen Fachkräften für

die Wirtschaft echt problematisch aus. Dann

müssten es die propren Unternehmen der Region

ganz alleine richten. Diese würden sich beim

Recruiting aber wesentlich einfacher tun, wenn

der Bekanntheitsgrad von Ulm größer wäre. Wer

sorgt dafür? Ach, Sie meinen, wir drehen uns im

Kreis. Ja tun wir. Also, liebe Städte: Geldbeutel

auf (also Ulm, Neu-Ulm ging ja schon in Vorleistung)

und eine tolle Initiative unterstützen. Das

machen die Unternehmen übrigens schon vor, in

dem sie den OrangeCampus und vor allem die

Mannschaft (Jahresetat rd. 7.5 Mio Euro) kräftig

unterstützen.

Und damit wäre auch nichts, aber auch gar

nichts gegen eine städtische Unterstützung des

SSV Ulm 1846 (Gesamtverein) und der TSG Söflingen

gesagt. Hier gibt es noch mehr Mitglieder

als bei den Basketballern, damit viel mehr Breitensport,

aber vereinzelt auch Spitzenleistungen.

Unbenommen. Wenn wir heutzutage bei den gefüllten

Stadtkassen nicht in die Zukunft investieren,

wann dann? Unsere Unternehmen (und wir

alle über die Gewerbesteuern), unsere Kinder

und ganz geschweige unsere eigene Gesundheit

(wir müssen das größere Angebot nur nutzen)

werden es uns danken. Das ist doch eine richtige

Win-Win-Win-Win-…Situation. Geht doch, ist

alles ganz einfach.


Netzwerke

- 28 -

Netzwerke:

Die Zukunft liegt

im Empfehlen

Von Thomas Kießling

Info

Die Mitgliedsbeiträge bei

den Netzwerken sind unterschiedlich

hoch.

Ein Netzwerk, das keinen

Beitrag kostet, ist das

medienforum Kreis Göppingen.

Mehr dazu auf Seite 21

dieser Ausgabe.

Sie treffen sich morgens um 6.30 Uhr

und netzwerken in einer Fröhlichkeit,

die man um diese Uhrzeit erst einmal

erreichen muss. Manche Zirkel sind regional

aufgestellt, manche geben dem

Mittelstand im Land eine Stimme, manche

sind weltweit so erfolgreich, dass

sie jährlich einen Umsatz von zehn Milliarden

Euro generieren, indem sie sich

einfach gegenseitig Aufträge mit einem

sehr strukturierten Empfehlungsmanagement

zuschanzen. Professionelle

Netzwerke: Die Zukunft liegt im Empfehlen,

empfehlen wir Ihnen heute.

Die Präsentation der eigenen Firma darf

genau 50 Sekunden dauern, nicht länger,

sonst kommt nicht jeder dran von den

anwesenden 60 Personen, die sich in einem

bis auf den letzten Platz gefüllten

Nebenzimmer des Hotels Seligweiler bei

Ulm, direkt an der Autobahn A8 gelegen,

versammelt haben. Hier trifft sich das

Netzwerk BNI Chapter „Galaxy“ jeden

Donnerstagmorgen, nein, jeden Donnerstagfrüh,

denn los geht es pünktlich

um 7.00 Uhr. Es wird aber gerne gesehen,

wenn man bereits um 6.30 Uhr da ist,

denn „wir haben ja immer so viel Gäste,

die wir einladen“, raunt mir mein Begleiter

zu. Ich nicke meinen verschlafen Kopf.

„Nee, is‘ klar“, antworte ich nur. Es wird

nicht der einzige Widerspruch sein, in

den ich mich verwickeln werde an diesem

Morgen. Gäste müssen also sein und werden

gezielt eingeladen und mitgebracht,

denn das Chapter braucht Kontakte und

gerne auch neue Mitglieder. Wenn es zu

viele werden, wird das Chapter einfach

geteilt und ein neues entsteht. Galaxy ist

übrigens aus der Sonne entstanden, astronomisch

auch ein Widerspruch, aber der

Zweck heiligt die Mittel, und die können

sich auch wirklich sehen lassen: Über

1000 Empfehlungen pro Jahr mit einem

Umsatzvolumen von 750.000 Euro – ist

doch galaktisch, oder? Die Empfehlungen,

die die Mitglieder ausgesprochen

haben, werden peinlich genau registriert.

In einer separaten Präsentationsrunde

bedankt sich dabei jeder Empfohlene vor

der ganzen Mannschaft bei seinem Auftragsvermittler.

Es wird geklatscht, viel

geklatscht an diesem Morgen. Klingt verlockend,

aber man muss nun bedenken,

ob das eigene Geschäftsmodell wirklich

zum Netzwerk passt. Für einen Schreiner,

Gärtnereibetrieb, Steuerberater oder Anwalt

gibt es immer Bedarf, denke ich mir.

Das Netzwerk ist wahrscheinlich deshalb

vor allem für kleinere Unternehmen und

Start-ups von Vorteil.

Ernst Steuerle, netterweise von Berufs

wegen tatsächlich Steuerberater, stellt

sich gerade vor. Er ist gerade in Schwung

gekommen, da wird ein Schild hochgehalten:

noch 15 Sekunden. Er wird pünktlich

fertig sein und hat dann Werbung in

eigener Sache gemacht und um Empfehlungen

gebeten. Nach 50 Sekunden steht

auf einem anderen Schild: „Vielen Dank,

bitte setzen.“ Danke.

Zurück wieder beim Arbeiten am Schreibtisch.

Ich schau auf die Uhr und muss

gähnen. Dauert auch fast 50 Sekunden.


www.bni.de


- 29 -

Netzwerke

Ein starke Netzwerk, das BNI-Chapter Galaxy in Ulm.

Empfehlungen nebenbei, denn Wissen und

Infos stehen im Vordergrund

Ein Netzwerk ganz anderer Art ist der BVMW – Bundesverband

Mittelständischer Unternehmer. Das Netzwerken

läuft eher nebenbei, denn die Kreisverbände

laden ihre Mitglieder mindestens einmal pro Monat zu

Wissensveranstaltungen ein. Und als ob wir es uns gebacken

hätten: Erst letztens haben wir uns in der Redaktion

die Köpfe über die Kryptowährung Bitcoin heiß geredet,

da veranstaltet der BVMW Göppingen doch glatt

einen höchst interessanten Abend über Bitcoin.

Ist die Internetwährung Bitcoin auf dem Weg ins reale

Leben? Eine Frage, die sich nicht nur Lothar Lehner

stellt. Der Kreisvorsitzende des Bundesverbandes mittelständische

Wirtschaft (BVMW) aus Geislingen wird

in diesen Tagen von Firmenchefs oft auf das virtuelle

Zahlungsmittel angesprochen. „Vor dem Hintergrund

der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank

sieht mancher in der Internetwährung mit ihrer enormen

Kurs-Explosion eine Alternative“, so Lehner. Für

Klaus Meissner, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse

Göppingen, macht die Kryptowährung weder als Geldanlage

noch als Zahlungsmittel Sinn.

Unternehmer horchen auf: Die Internetwährung Bitcoin

macht gewaltige Kurssprünge. Kostete ein Bitcoin vor

Wochen noch weniger als 100 Euro, liegt sein Wert derzeit

bei 15.000 Euro. Lockt die virtuelle Welt mit dem

schnellen Geld? Für Lothar Lehner vom BVMW-Kreisverband

Göppingen eine Frage, mit der ihn einige Verbandsmitglieder

schon konfrontiert haben, wenngleich

Experten die Entwicklung als völlig unrealistisch ansehen.

Die Ulmer Finanzanlageberaterin und Dozentin

Sylvia Heim, ebenfalls Mitglied im BVMW, hält einen

internationalen Handel, der sich ausschließlich auf Bitcoin

stützt, für nahezu unmöglich. „Eine Währung hat

das Ziel, Wirtschaft zu ermöglichen. Sie muss stabil sein,

aber auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren können.

Eine Währung muss atmen können“, so die Expertin.

Genau das könne die so genannte Kryptowährung

nicht. Bitcoin sei eine feste Größe. Unternehmer, die

Löhne in Bitcoin auszahlen, Waren in der Internetwährung

ein- und verkaufen, hätten keine Planungssicherheit

mehr und bräuchten womöglich noch ein Team zur

Absicherung der Währung, um Verluste zu verhindern.

Auch Klaus Meissner, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse

Göppingen, hält von der Kryptowährung zum

jetzigen Zeitpunkt nichts. „Das Hauptproblem ist, dass

es derzeit weder eine Aufsicht über die Handelsplattformen,

noch eine Regulierung der Währung an sich gibt.

Die Qualität ähnelt derzeit daher eher Haifischzähnen,

als einer echten Währung. Daher sind diese Währungen

weder zur Geldanlage sinnvoll noch sind sie ein verlässliches

Zahlungsverkehrsmittel. Das muss aber nicht für

immer so bleiben. Kryptowährungen können in der Zukunft

sehr wohl eine wichtige Rolle im Wirtschaftssystem

spielen, da sie gegenüber den klassischen Währungen

Vorteil bieten können.“

www.bvmw.de


Reise-Tipps

- 30 -

Einfach Ab- und Eintauchen

Von Thomas Kießling

In der letzten BuV-Ausgabe haben wir Ihnen zwei

Reise-Tipps gegeben, einen für Berlin und einen für

Weimar. Diesmal haben wir einen ganz speziellen

Tipp zum Ein- und Abtauchen.

Denn unbedingt eintauchen sollten ambitionierte Skifahrer

wie Wellness-Freunde in die Winterwelt des Arlbergs,

mittlerweile das größte zusammenhängende Skigebiet

Österreichs. Hier oben ist das Hotel Zürserhof in

Zürs eine Institution. Seit über 60 Jahren – mittlerweile

in der dritten Generation – steckt Familie Skardarasy

ihr Herzblut in das Hotel, um ein Urlaubsambiente zu

schaffen, in das bei allen Annehmlichkeiten auch die

Herzlichkeit der Mitarbeiter dominiert. Dieser betont

persönliche Verwöhnservice sorgt neben dem edlen Ambiente

auch dafür, dass sich der Gast königlich fühlen

darf, auch wenn er nicht gleich in der Royal-Suite mit

eigenem Butler logiert. „Wir haben über Weihnachten/

Neujahr 18 Nationen zu Gast, diese Internationalität

macht neben unserem großen Spa ‚Aureus‘ ebenfalls

einen schönen Pluspunkt aus, den viele unserer Gäste

sehr schätzen“, sagen Hannes und Laura Skardarasy und

schenken beim Cocktail-Plausch vor dem Abendessen

nochmal nach.

Hier von der Lounge aus kann der Besucher auf die neue

Trittkopfbahn und Flexenbahn schauen, die seit letztem

Jahr die Skigebiete Zürs mit St. Anton verbinden. Die

Skischaukel nach Lech gibt es schon seit vielen Jahren,

der Trip nach Warth ist ebenfalls schon Wirklichkeit –

welch eine skifahrerische Wucht. Nach dem Skitag lässt

es sich im Zürserhof herrlich entspannen und wieder

Energie tanken – der Aureus-Spa-Bereich lässt für Kinder

wie Erwachsene keine Wünsche offen. Wenn dazu

Info

Der Aufenthalt im Zürserhof ist im Rahmen einer

hervorragend organisierten Pressefahrt zustande

gekommen. Der Inhalt ist davon nicht beeinträchtigt.

auch ein sehr gutes Essen gehören sollte, dann ist das

Hotel ebenfalls die richtige Adresse: Einer der besten Küchenchefs

Österreichs bekocht die Gäste und präsentiert

als Schmankerl schon einmal ein Dessert-Buffet mit 50

Spezialitäten. Wenn aber der Nachtisch „Normalform“

einnimmt, dann wird der Gast mit sagenhaften über 200

exquisiten und internationalen Spezialitäten auf dem

Käsebuffet verwöhnt – alle fein säuberlich bezeichnet

und vom Käse-Sommelier erklärt: eine Sensation.

Skifahrer haben dann am nächsten Tag das Gefühl,

noch schneller den Berg hinunter zu wedeln. Liegt entweder

am täglich besseren Carving-Vermögen oder eben

an etwas mehr Körper-Gewicht.

www.zuerserhof.at


- 31 -

Reise-Tipps

Abtauchen mit Kultur

Noch ein Reisetipp, der die kulturellen Herzen höher schlagen lässt.

Von Thomas Kießling

Bestens geeignet für einen Zwischenstopp

auf der Italien-Hinoder

Heimreise oder einen Halb-

Tagesausflug vom Ski-Urlaub aus

ist das Südtiroler Archäologiemuseum

Bozen. Aha, denken jetzt viele,

Archäologie, sehr spannend. Aber

Moment, denn dort im Bozener

Museum liegt in einem Kühlraum

mit Guck-Fenster kein Geringerer

als die Mumie Ötzi. Arrrg - sehr

gespenstisch. Das Museum ist echt

der Hammer. Ötzis Geschichte und

die Umstände seines Lebens vor

rund 5000 Jahren in der Bronzezeit

werden denkbar spannend erzählt.

Welche Kleidung hatte er an und

welche Waffen dabei? Warum kam

er damals in den Höhen des Schnalstaler

Gletschers zu Tode, wie

konnte er 1991 gefunden und geborgen

werden? Im multimedialen

Museum mit einer Download-App

als Audio-Guide gibt es dazu viele

spielerische Infos für den Besucher,

der wunderbar in die damalige Zeit

eintauchen kann – jung wie alt. Unbedingt

einmal hingehen: Infos unter

www.iceman.it.

Und schön, dass letztens auch der

Ötzi-Film „Der Mann aus dem Eis“

mit Hauptdarsteller Jürgen Vogel

im Kino gelaufen ist. Kein gesprochenes

Wort ist in verständlicher

Sprache, aber die Fantasie um das

Leben des Ötzis lebt weiter. Unbedingt

reingehen, wo er noch läuft,

ansonsten DVD besorgen.

Info

Die Geschichte „Ötzi“ ist mit einer

Presseeintrittskarte des Museums

unterstützt worden. Der Inhalt

ist davon nicht beeinträchtigt.

Über 15 Jahre

Werbekompetenz.

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In unserem Netzwerk befi nden sich mehr als 200 Partner aus den unterschiedlichsten Branchen

der Region Ulm/Neu-Ulm. Zahlreiche Partner-Netzwerkveranstaltungen bieten die Möglichkeit

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