BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

thomas.kiessling

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Konjunktur in den Regionen

„Hier schlägt das Herz der

deutschen Wirtschaft“

Ins selbe Horn wie die IHK stößt auch

Professor Dr. Lars P. Feld von der Universität

Freiburg. Feld ist dort auch Direktor

des Walter Eucken Instituts und

seit März 2011 im Sachverständigenrat

zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung – sprich: er

ist einer der fünf „Wirtschaftsweisen“

und berät die Bundesregierung (wenn

wir bald wieder eine haben) in volkswirtschaftlichen

Fragen, oder liest ihr

in ihrem Jahresbericht die Leviten –

ganz wie man will. Bei einer IHK Ulm-

Veranstaltung dieses Jahr, die derzeit

nicht aktueller sein könnte, war Feld

vor rund 200 Zuhörern der regionalen

Wirtschaft und der Politik ebenfalls positiv

für das künftige Wirtschaftsjahr

gestimmt.

„Mit 1,9 % Wirtschaftswachstum war das

vergangene Jahr doch recht erfolgreich“,

sagt Prof. Feld gleich zu Anfang. In diesem

Jahr seien zwar nur 1,3 % prognostiziert

gewesen, aber 0,4 % davon schlucken

allein die in 2017 „ungünstig gelegenen

Feiertage mit den dazugehörenden Brückentagen.

„Und schon ist der Laden für

fünf Tage zu“, sagt dazu Feld lapidar zum

0,9-Prozentpunkte-Unterschied. Ähnlich

simpel schätzt er derzeit den nach vieler

Meinung größten Unsicherheitsfaktor

ein, nämlich den amerikanischen Präsidenten.

Doch Prof. Feld relativiert: „Mal

ganz ehrlich, wenn ich mich hier in Ulm

befinde, dann schlägt in dieser Region

doch das Herz der deutschen Wirtschaft“,

stellt er zur Freude der Zuhörer fest, „und

dann kann ein Donald Trump Protektionismus

betreiben wie er will, an der Zwischenproduktion

der Produkte und damit

am deutschen Maschinenbau kommt er

ganz einfach nicht vorbei.“

verlassen können, dann ist es doch das

demokratische System der USA, das das

Land seit fast 230 Jahren und damit am

längsten auf der Welt hat“, so Feld. „Die

Grundstruktur des Checks and Balances

funktioniert seit Generationen, das wird

auch einen inkompetenten und schlechten

Präsidenten einfangen können“, so

Feld, „denn im Senat sitzen noch Senatoren,

die haben Folter im Vietnamkrieg

überstanden, dann wohl auch einen Donald

Trump.“

Lars Feld sprach bei der Veranstaltung

unter der Überschrift „Zeit für Reformen“

und lieferte einen ganz konkreten

Vorschlag: die Schaffung einer Deregulierungsbehörde

für den Bürokratieabbau.

„Ein Gesetz oder Verordnung rein,

dafür zwei raus“, schlug er sinngemäß

vor. Staat und Unternehmen würden es

uns bei der künftigen Entwicklung danken,

„vor allem die Unternehmen“, so

Lars Feld.

Hintergrund

Die seit 2009 im Grundgesetz

verankerte Schuldenregel

ist so etwas wie

Prof. Lars Felds wissenschaftliches

Baby, denn

sie basiert auf Entwürfen,

die er gemeinsam mit

anderen Ökonomen im

wissenschaftlichen Beirat

des Finanzministeriums

erarbeitet hat. Außerdem

plädierte Feld bei der anhaltenden

Europäischen

Schuldenkrise auf die

Einführung einer Insolvenzordnung

für Staaten,

nicht auf viele weitere

Rettungspakete der anderen

EU-Mitglieder.

Weitere Reformen hätte

Lars Feld noch genug im

Laptop.

Feld rät vielmehr zu „mehr Gelassenheit“

im Umgang mit Trumps Aussagen und

auch dazu, dass die deutschen und insgesamt

die europäischen Interessen ruhig

offensiver gegenüber den USA vertreten

werden sollten. „Wenn wir uns auf eins

Professor Dr. Lars P. Feld

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