BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

thomas.kiessling

Das neue BuV - mehr Auflage, größeres Gebiet, spannende News und Stories.

- 15 -

Ulmer Köpfe

Führende Köpfe werfen einen

Blick hinter den Horizont

Von Thomas Kießling

Ein noch recht neues Veranstaltungskonzept kommt

auch in Ulm offenbar bestens an: Ulmer Köpfe heißt

es, im Seminar-Bereich des Ulmer Hotels Rad findet es

statt und das Konzept besagt, dass die Ulmer Köpfe Einblicke

geben in den einen bekannten Bürger der Stadt, in

diesem Fall in Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher.

Wer ihn fragt – wie in diesem Falle gekonnt Gerhard Maier

von einer der organisierenden Agenturen – der darf sich

immer aufs große Ganze einstellen, auf den Erhalt der

Welt, die Überbevölkerung, den drohen Untergang unser

Erdkugel und den Erhalt der selbigen. Für ein Mitglied des

legendären Club of Rome ist dies der Alltag.

Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher ist Vordenker

und Querdenker und seine Synapsen funktionieren so

schnell, rhetorisch aber meist so verzwirbelt, dass erst am

Satzende mit der Konklusion klar wird, wie eigentlich

die Ausgangslage war. Das hat Methode beim sympathischen

Prof, der neben Mathematik auch einen Doktortitel

in Wirtschaftswissenschaften besitzt. „Sonst rechne ich

den Menschen etwas vor, und sie werfen mir wiederum

vor: ‚Naja, er mag gut rechnen können, aber hat keine Ahnung

von Wirtschaft und wie alles bezahlt werden soll‘“,

schmunzelt Prof. Radermacher, „und die anderen würden

mir vorwerfen: ‚Naja, er stellt schöne globalwirtschaftliche

Modelle auf, kann die aber gar nicht ausrechnen‘. Da

halte ich eben jeweils mal den einen, mal den anderen

Doktor-Titel hoch, dann ist Ruhe“, hat Radermacher die

Lacher auf seiner Seite.

Aktuell beschäftigt er sich in seinem aktuellen Buch – wir

hatten es erwähnt – mit dem großen Ganzen: Der Mensch

ist ein Erfolgsmodell. Seit dem Abwandern der ersten Hominiden

aus Afrika hat er sich als Superorganismus über

den gesamten Globus ausgebreitet. Jetzt stößt er an seine

Existenzgrenzen. Die Erde ist unter Stress, der Druck auf

die Ökosysteme gewaltig. Durch eine exponentielle Bevölkerungszunahme

und die weltweite Verbreitung des westlichen

Wirtschafts- und Lebensmodells werden lebensnotwendige

Rohstoffe immer knapper. Zugleich hält die

Anpassungsgeschwindigkeit des menschlichen Gehirns

mit der steigenden Komplexität der Aufgaben nicht mehr

Schritt. Ein „Weiter so!“ führt unausweichlich zum Kollaps.

Die Autoren Franz-Josef Radermacher und Bert Beyers

stellen die Überlebensfrage. Sie bieten aber natürlich

auch die Lösung an: einen „Global Marshall Plan“.

Nur ein wichtiges Exzerpt daraus: „Die Welt braucht

endlich einen vernünftigen Gesellschaftsvertrag für diesen

Globus, einen Weltvertrag und damit die Basis für

eine Weltinnenpolitik. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um

diesen wichtigen Schritt zu tun. Deshalb gilt es zu handeln,

und zwar sofort.“ So gingen wir denn nachdenklich

aus den Ulmer Köpfen im schönen Hotel Rad heraus und

freuen uns auf die nächste Ausgabe am Freitag, 9. Februar

2018 mit Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer.

www.ulmer-koepfe.de

INFO

Prof. Franz-Josef Radermachers aktuelles Buch – Mitautor Bert Beyers:

„Welt mit Zukunft. Überleben im 21. Jahrhundert“, Murmann Verlag.

Franz-Josef Radermacher, geboren 1950 in Aachen, ist Professor für „Datenbanken

und Künstliche Intelligenz“ an der Universität Ulm, gleichzeitig

Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte

Wissensverarbeitung/n (FAW/n) Ulm, Präsident des Senats der Wirtschaft

e.V. Bonn, Vizepräsident des Ökosozialen Forum Europa in Wien sowie Mitglied

des Club of Rome. Ausgezeichnet wurde er u. a. durch den Planetary

Consciousness Award/Club of Budapest, den Preis für Zukunftsforschung

des Landes Salzburg (Robert-Jungk-Preis), den Karl-Werner-Kieffer-Preis,

den „Integrations-Preis” der Apfelbaum Stiftung und den Umweltpreis „Goldener

Baum“ der Stiftung für Ökologie und Demokratie. e.V.

Ähnliche Magazine