BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

thomas.kiessling

Das neue BuV - mehr Auflage, größeres Gebiet, spannende News und Stories.

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Titelgeschichte – Die Welt entdecken, die Welt verändern

Die im konventionellen Landbau eingesetzten Hybridpflanzen

sind dagegen auf ausreichend Regen angewiesen.

Sieben Jahre zuvor stand Kunder selbst fast

vor dem Ruin. Der Boden sei durch den Einsatz chemischen

Düngers total ausgelaugt gewesen, berichtet er.

Nach der Umstellung auf Ökoanbau seien seine Felder

wieder fruchtbar. Mit seinem eigenen Saatgut erzielt er

sogar höhere Erträge als beim konventionellen Anbau.

Die Erfolge sind unbestreitbar. Unter der Anleitung von

ICRA haben die Bauern traditionelles Saatgut wiederentdeckt.

So gedeihen alte Getreidesorten auf den Feldern.

Es gibt keine Monokulturen mehr, sondern es werden

bis zu 15 verschiedene Pflanzensorten auf einem

Feld angebaut: von Mais und Hirse über Sonnenblumen,

Kichererbsen und Bohnen bis zu Erdnüssen und Okra.

Öko-Anbau erfordert einigen Einsatz von den Bauern.

Es ist eine systematische Herangehensweise nötig, die

ICRA in Kursen und Workshops vermittelt. Von der

Produktion des Saatguts über die Herstellung von Kompost

und Dünger bis zum Nährstoffmanagement für den

Boden. Diejenigen, die sich darauf eingelassen haben,

wollen nicht mehr zurück.

Auch die umtriebige Bäuerin Kurubanahalli, die Mais

und Bohnen anbaut, ist begeisterte Ökobäuerin. „Ich

habe immer genügend zu essen und ein Einkommen

durch den Verkauf der Überschüsse“, freut sie sich. Inzwischen

werden von ICRA-Bauern rund zwei Dutzend

Ökoläden und Händler beliefert. Der Löwenanteil der

Ernte, rund 90 Prozent, wird jedoch auf den traditionellen

Märkten vertrieben, wo es keinen höheren Preis gibt.

Aber das soll anders werden. In Mysore ist es ICRA

gelungen, Ökobauern mit eigenen Ständen auf den Wochenmarkt

zu bringen.

„Organische Landwirtschaft liegt in Indien im Trend“,

freut sich ICRA-Leiter Peethambaran Babu. Als Beleg

dafür sieht er den Boom der Ökoläden. Mehr als 40 solcher

Geschäfte seien in jüngster Zeit in Bangalore eröffnet

worden, betont er. Seiner Ansicht nach ist es höchste

Zeit für eine Kehrtwende. Die Versprechen auf hohe Erträge

könne die industrialisierte Landwirtschaft nicht

einlösen. Katastrophale Ernteausfälle, kaputte Böden

und ruinierte Landwirte sind die Folge. Die Landwirtschaft

in Indien würde zugrunde gerichtet, klagt Babu.

ICRA zielt auf die Wiederbelebung bäuerlicher Kultur.

Darauf weist schon der Name hin: Institute of Cultural

Research and Action. Im Mittelpunkt stehen Weiterbildung

und Training der Bauern, begleitet Beratungsarbeit

bei der Regierung. Die Bauern will ICRA aus der

Abhängigkeit von Saatgutkonzernen befreien und aus

der Schuldenfalle holen. Ist die Ernährung gesichert,

hört auch die Landflucht auf“, ist Babu überzeugt.

Als Beispiel dafür, wie grundlegend der Ökoanbau das

Leben verändern kann, verweist Babu auf ein von Dalits

bewohntes Dorf. Die gesellschaftlich geächteten

Bewohner mussten in Eisenerzminen unter menschenunwürdigen

Bedingungen schuften. „Wir haben den Bewohnern

gezeigt, wie sie Brachland um ihr Dorf ökologisch

bewirtschaften können“, sagt er. Heute muss sich

keiner der Dorfbewohner mehr in einer Mine verdingen.

Als „sehr beeindruckend“ bezeichnete Gerlinde

Kretschmann die Erfolge. Die „First Lady“ von Baden-

Württemberg hatte bei einer von Ministerpräsident

Winfried Kretschmann geleiteten Reise mit einer rund

120-köpfigen Delegation 2017 soziale Projekte besucht,

darunter auch die Organisation ICRA in Bangalore, die

vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt gefördert

wird.

Der pensionierten Lehrerin liegt der ökologische Anbau

am Herzen. Sie erfuhr, dass die Ökobauern trotz

monatelanger Dürre eine Ernte erzielen konnten, wenn

diese auch kleiner ausfiel. Im Gegensatz dazu sei bei

konventionell wirtschaftenden Bauern die Ernte total

ausgefallen.

Info

www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/indien-bio-boom

Unser Autor und lieber Kollege Rainer Lang war

für die Berichterstattung über ökologische Landwirtschaft

in Indien, die er für die Organisation

„Brot für die Welt“ geschrieben hat, und mit der

er Ende 2017 für den renommierten Salus Medienpreis

nominiert wurde. „Arbeiten des WDR

und von GEO haben gewonnen, da war die Nominierung

schon eine feine Sache“, war unser

Autor zur Recht zufrieden.

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