BuV - Business und Vermarktung Dez/Jan 2017-2018

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Was

bringt der

Orange

Campus?

Von Thomas Kießling

Die Stadt Ulm und ein Kreditinstitut können sich noch nicht durchringen.

Eine Geschichte, die da anfängt, wo die Kostendiskussion aufhört.

Eigentlich waren am Anfang alle begeistert. Aber auch alle. Ein OrangeCampus direkt an der Donau inmitten der

Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm würde den Basketball in der Region in eine neue Dimension katapultieren. Und hierin

liegt schon das erste Problem. Da gibt es offenbar Neider und Platzhirsche, die das Katapult gerne zu einem Katapultchen

verkommen lassen würden. Man kommt dabei nicht umhin, zu vermuten, dass wieder einmal Breitensport

gegen Spitzensport ausgespielt werden soll und dass dabei die Gemeinderäte von Ulm (Neu-Ulm hat dem Zuschuss

von 1,5 Mio. Euro längst schon zugestimmt) sowie die Sparkasse etwas unter die Räder kommen, denn für sie ist

Sport eben Sport – und die dreimalige Pleite der Ulmer Kicker fest im Rechenschieber eingebrannt.

Die Fakten und die Story:

Von Martin Fünkele, Pressesprecher BBU '01

Während sich die öffentliche Debatte seit einigen Monaten

auf die Risiken versteift, wird oft vergessen, wer alles

von einem Sportzentrum im Herzen der Doppelstadt profitieren

kann. Der OrangeCampus der Ulmer Basketballer

– ein Novum und für viele derzeit ein No-Go.

Man muss sich das mal vorstellen: Da liegt ein Gelände,

das so groß ist wie zweieinhalb Fußballfelder im Herzen

der Doppelstadt seit knapp 20 Jahren brach. Einmal sollte

ein Kulturbiergarten dort entstehen, wo Neu-Ulm nur 70

Meter von Ulm entfernt ist, das andere Mal war ein Stellplatz

für Wohnmobile im Gespräch. Passiert ist nie etwas.

Seit der Schließung des alten Donaubades Ende der 1990er

Jahre dient das 16.180 Quadratmeter große Areal als Biotop

für Unkraut und Stechmücken.

Wie wäre es mit dieser Vorstellung? Dort, wo seit so langer

Zeit nichts passiert ist, geht auf einmal die Post ab. Menschen

beider Städte treffen sich, weil sie etwas erleben wollen.

Zum Beispiel in einer der drei Sporthallen – die größte

bietet Platz für 500 Zuschauer. Die meiste Zeit wird hier

allerdings gespielt und trainiert – 95 Prozent der Hallenzeiten

sind für Nachwuchs- und Breitensportler reserviert.

Oder im Fitnessstudio, das den Blick zur Donau freilässt.

Oder eben im Parkgelände, wo Spielplatzbesucher neben

Volleyball-Spielern und Basketballern ihren Platz finden.

Einen Biergarten gibt es übrigens auch, anstatt für Wohnmobile

ist der Stellplatz jedoch für rund 160 Fahrräder reserviert.

Eine Utopie? Nein. Ein realistisches Bauvorhaben, das

seit Herbst 2014 konkret geplant wird und im Ergebnis

2.032,72 Euro pro Quadratmeter kostet. Wer selbst einmal

gebaut hat weiß, dass das nicht teuer ist. Gebaut wird im

Übrigen gemäß „KfW Standard 55“, was für ein nachhaltiges

Energie-Konzept spricht und konkret heißt: Es

werden 45 Prozent weniger Primärenergie verbraucht als

bei einem vergleichbaren, nicht nachhaltig betrieben Neubau.

Den Steuerzahler – also die Bürger der Städte Ulms

und Neu-Ulms – kostet dieses Bauvorhaben 4,5 Millionen

Euro. „Ein Schnäppchen“, nennt Rainer Juchheim die 1,5

Millionen Euro Zuschuss, die der Neu-Ulmer Stadtrat am

26. Juli einstimmig gewährt hat. 1,5 Millionen Euro sind

„kein Schnäppchen“ und das Zitat macht auch nur dann

Sinn, wenn es komplett wiedergegeben wird. „1,5 Millionen

Euro sind für die Stadt Neu-Ulm ein Schnäppchen,

wenn man betrachtet, was damit erreicht wird“, so die

vollständige Aussage des Grünen-Politikers.

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