202274_Wofuer_sind_die_Engel_da_Leseprobe

neuland.chrismon

Barmer Theologische Erklärung von 1934 grenzte sich gegen

Versuche ab, die nationalsozialistische Rassenlehre in

die christliche Theologie aufzunehmen. Der Ökumenische

Rat der Kirchen stellte sich in den 1970er Jahren offen gegen

die Rassentrennung in Südafrika – und dagegen, dass

dafrikanische Christen sie auch noch guthießen. Anfang

der 1980er Jahre erklärte der Reformierte Bund: Wer sich zu

Jesus Christus bekennt, muss die Stationierung von Massenvernichtungswaffen

ablehnen.

Immer wieder haben sich kirchliche Lehrsätze – Dogmen,

sagen die Theologen – als anfechtbar, diskutierbar erwiesen.

„Auch Konzilien können irren“, sagte der Reformator

Martin Luther 1519 während einer Disputation – und ver-​

ärgerte manchen Kirchenfürsten.

Religiöse Lehren zu kennen hat mit Glauben erst einmal

nichts zu tun. Sie ersetzen nicht das Festhalten an der Liebe

Christi. Sie schaffen auch kein Gottvertrauen, wenn es

darauf ankommt. „Wir sind allesamt zu dem Tod gefordert,

und keiner wird für den andern sterben, sondern jeder in

eigener Person für sich mit dem Tod kämpfen“, predigte

Luther einmal: „In die Ohren können wir wohl schreien,

aber ein jeder muss für sich selbst geschickt sein in der Zeit

des Todes.“

Dennoch ist es gut, wenn sich Gläubige in ihrer Glaubenstradition

auskennen. Will man über Traditionen streiten,

sich gar von ihnen befreien, hilft Klarheit darüber, wie und

warum sie überhaupt entstanden. Zum Beispiel Klarheit

über die Lehre, die Sünde werde seit Adam und Eva von

einer Generation auf die nächste im Geschlechtsakt vererbt.

10 Was muss man wissen, um zu glauben?

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