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Das Koerperschema

38 Die Autotopagnosie

38 Die Autotopagnosie und ihre Beziehung zur Praxie. streckt seine Hand vor und greift mit ihr nach Gegenständen. So scheint es nun sicher zu sein, daß der Pat. apraktische Störungen hat, und daß die Störung der Praxie am deutlichsten hervortritt, wenn er bei der Praxie das Bild des eigenen Körpers verwenden soll. So bürstet auch der Pat. sehr wohl den Referenten ab, nicht aber sich selber. Auch hier scheint eine apraktische Störung vorzuliegen, wenn auch bei der Kompliziertheit des Falles nicht ausgeschlossen werden kann, daß eine autotopagnostische Komponente mit hineinspielt. Vielleicht ist diese sogar von Bedeutung. Immerhin scheint mir auch das Bestehen einer praktischen Störung in bezug auf den eigenen Körper gesichert zu sein, welche damit in Zusammenhang steht, daß ein vorhandenes Körperbild nicht im Handeln verwertet werden kann. Eine besondere Schwierigkeit bot die Untersuchung dieses Falles wegen des psychischen Verhaltens, der Benommenheit und der Störung des Sprachmechanismus. Aber ich verfüge über ein größeres Material von Beobachtungen, welche meiner überzeugung nach nur als Mangel der Verwertung des Körperbildes im Handeln gedeutet werden können. Sie beziehen sich auf die Rechts- nnd Linksorientierung des Körpers. Schon der Rekrut ist sehr häufig nicht imstande, sein Wissen von rechts und links in die Handlung umzusetzen und es auf den eigenen Körper zu übertragen. Wenn er auch weiß, wo rechts und links ist, ist er sehr häufig außerstande, eine gesonderte Bewegung mit der rechten oder linken Körperseite durchzuführen. Wäre es denkbar, daß er zwar die geforderten Begriffe hat, daß aber die Begriffe nicht genügend sicher sitzen? Die kleine Komplikation der Aufgabe, gleichzeitig den Begriff rechts und links zu denken und auch zu handeln würde bereits genügen, um das Wissen unwirksam zu machen. Derartiges ist gewiß denkbar. HEAD (2) hat bei seinen Aphasieuntersuchungen folgende Probe verwendet. Die Pat. erhalten die Aufgabe, bald mit der rechten, bald mit der linken Hand das rechte oder linke Auge und Ohr zu zeigen. Sehr viele Pat. machen hierbei mehr oder minder grobe Fehler. Nach HEAD ist zur Durchführung ein gutes Wortverständnis notwendig. Merkwürdigerweise wird der gleiche Fehler aber auch begangen. wenn man sich dem Pat. gegenüber setzt und selbst diese Bewegungen ausführt und den Auftrag gibt, der Pat. solle das, was der Untersucher mit seiner rechten Hand macht, gleich-

Die Autotopagnosie und ihre Beziehung zur Praxie. 39 falls mit der rechten Hand ausführen usw. Stellt man sich jedoch hinter die Pat. und sieht der Pat. die Bewegungen, welche der lintersucher macht in einem vorgehaltenen Spiegel, so ist er sehr gut imstande. die Bewegungen einwandfrei nachzuahmen. HEAl> führt diesen Unterschied darauf zurück, daß die Pat. das zur Durchführung beim Gegenübersitzen auch ein "In-Worte-fassen, eine Verbalisation" notwendig sei. Diese Notwendigkeit falle bei den anderen Bewegungen ebenso bei der Nachahmung der Bewegungen im Spiegel weg. Hier habe der Pat. nur einfach nachzuahmen. HEAD hebt auch die besondere Schwierigkeit hervor, welche diese Pat. haben, gekreuzte Bewegungen durchzuführen. Wenn auch nicht bestritten werden kann, daß. in den Fällen von HEAD die Störungen bei diesen Versuchen Störungen des "symbolischen Denkens" gewesen sein können, so scheint es mir doch fraglich zu sein, ob nicht in einer Reihe der HEADschen Fälle Störungen des Raumbildes des eigenen Körpers und der Verwendung dieser Raumbilder bestehen. Allerdings ist hierüber kein sicheres Urteil zu gewinnen, da HEAD ausführliche Krankengeschichten nicht mitteilt. In einer Diskussion über Aphasie hat man HEAD mit Recht vorgeworfen, es sei nicht verwunderlich, daß die Pat. eine rechts vorgemachte Bewegung nicht ohne weiteres mit einer Bewegung ihrer rechten Extremität nachmachen könnten, denn die unmittelbare Tendenz ginge ja dahin, die Bewegung der unmittelbar gegenüberstehenden Körperhälfte nachzumachen. Eine Angabe, die ich bestätigen muß und die vielleicht für oie Psychologie des Körperschemas und seines Verhältnisses zur Wahrnehmung fremder Körper nicht unwichtig ist. Ich erinnere an meine Beobachtung (5), daß ein Pat. mit verkrüppeltem Arm ari allen Personen, die ihm entgegenkamen, Verkrüppelungen der unmittelbar gegenüberliegenden KörpersteIle wahrnahm, drehten sie sich um, so war die Verkrüppelung nun auf der anderen Seite des Fremden, aber wiederum unmittelbar gegenüber dem verkrüppelten Arm des Pat. Hier spielt also das Körperschema mit hinein und dieses wird gleichsam auf dem kürzesten Wege nach außen projiziert. Die Psychologie der gekreuzten Reaktionen scheint gleichfalls von dieser Seite her einer Ergänzung zu bedürfen. Es handelt sich nicht oder nicht nur um verbale Schwierigkeiten. Sondern die Praxie jeder Körperhälfte steht offenbar zu dem gleichseitigen