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Das Koerperschema

68 Die Verwertung des

68 Die Verwertung des Körperschemas in der Praxie. wir von den Pat. verlangen, ohne daß in ihnen der entsprechende Affekt vorhanden ist. Es ist anzunehmen, daß bei den letzteren das Körperraumbild viel bedeutsamer sein muß. So zeigte unser Fall V schwerste Störungen beim Nachahmen von Ausdrucksbewegungen für die er sein eigenes Körperbild nicht verwerten konnte, während seine Gesten lebendig sind und keine Auffälligkeiten aufweisen. IV. Man findet freilich in jedem unserer Apraxiefälle noch eine weitere Störung; nicht nur das Raumbild des eigenen Körpers kann nicht entsprechend verwendet werden, sondern die motorische Inszenierung als solche, die Exekutive im engsten Sinne, ist beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung stellt sich in vielen Fällen als Bewegungsverwechslung dar, als Bewegungsentgleisung, welche trotz intakter Sensibilität erfolgt. Hier sind die Elemente, welche wie bei der innervatorischen Apraxie isoliert antreffen. Wenn auch diese Innervationsentgleisung Verwandtschaft zeigt zu den Entgleisungen bei striopallidärer Erkrankung, Beziehungen, die vor kurzem auch KLEIST (3) hervorgehoben hat, so erfolgt doch die Entgleisung zum Teil wohl in einem höheren cercbralen Niveau. Sie entspricht einer Nichtverwertung der an sich möglichen Innervationsabsicht und ist in ihrer Art vergleichbar den Entgleisungen innerhalb des Körperraumbildes. Die Störungen der Bewegungen, welche wir als Folge cerebraler Sensibilitätsstörungen sehen, gehören nicht hierher. Sie seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Es scheint mir verfrüht, wenn man die Mitwirkung der subcorticalen Faktoren am Gesamtbilde der Apraxie schon jetzt endgültig festlegen wollte und sie etwa auf die Innervationsentgleisung der hier erwähnten Art beschränken wollte. Ich halte es durchaus nicht für ausg'eschlossen, daß das subcorticale Läsionen etwa des striopallidären Systems an den Fehlern in bezug auf das Raumnetz und in bezug auf das Körperbild auch mitbeteiligt sind. Ich verfüge über eine Beobachtung einer Pat., welche mit dem linken Arm sowohl im Außenraum als auch in bezug auf den eigenen Körper in beträchtlicher Weise das Ziel verfehlte. Rechts war die gleiche Störung, wenn auch in viel geringerem Ausmaße. Die Pat. zeigte Spannungen (vom Paralysis agitans-Typus) mäßigen Grades in beiden Armen. Bei der Obduktion fanden sich in beiden Putamen ausgedehnte arteriosklerotische Konsnmtionsherde; allerdings fanden sich schon

Die Verwertung des Körperschemas in der Praxie. 69 makroskopisch auch sonst im Großhirn kleine arteriosklerotische Verödungsherde, so daß die Beobachtung nicht sicher verwertbar ist. Doch mahnen solche Fälle immerhin zur Vorsicht, \venn man annehmen wollte, die apraktischen Greiffehler, die unter I und II erwähnt wurden, gingen nur auf die Störung corticaler Strukturen zurück. V. Schließlich wäre es denkbar, daß das Objekt als solches zwar erkannt wird. daß aber diese Erkenntnis nicht im Handeln verwertet werden könnte. Ich weiß nicht, ob es einigermaßen isolierte Störungen dieser Art gibt. Die Objektapraxien, die ich gesehen habe, waren ebenso wie die der Literatur, stets auch mit schweren anderen apraktischen Störungen vergesellschaftet. Jedenfalls ergibt schon die einfache klinische Beobachtung, daß die ausgesprochenen Objektapraxien ungleich seltener sind als die anderen Apraxieformen, was letzten Endes damit zusammenhängt, daß ja das Handeln als solches seine ureigenste Richtung gegen die Außenwelt hat und daß diese Funktion offenbar nicht so leicht einer Störung erliegt. Es ist bemerkenswert, daß auch bei der sog. sympathischen Apraxie die Objekthantierungen meist relativ gut sind und daß die Hantierungen an vorgestellten Objekten schlechter gehen als an wirklichen. Eine genauere Analyse dieser Apraxieformen ist nicht die Aufgabe dieser Abhandlung. Einige Bemerkungen sind jedoch wohl am Platze. Sieht man, wie ein Aprak.tischer trotz guten Erkennungsvermögens etwa mit der Längsseite eines Streichholzes die Kante oder die Breitseite oder eine der Querflächen bearbeitet, so kommt man unwillkürlich zu der Anschauung, er beherrsche die dem Objekt zugehörigen Handgriffe nicht. Jedes Objekt fordert eine Summe von Bewegungskombinationen, wenn man an ihm eine Handlung vornehmen soll. Natürlich besteht hier eine enge Beziehung zum Wissen vom Gegenstand zur Praxie. Gleichwohl ist das "motorische" Wissen etwas Besonderes. Die Verbindung zwischen diesen Bewegungskombinationen und dem Objekt ist gelöst oder anders ausgedrückt, das Wissen vom Objekt kann im Handeln nicht verwertet werden. Der Apraktiker entgleist in einem anderen Objekt zugehörige Bewegungskombinationen. Diese objektapraktische Störung ist meines Erachtens von der unter IV genannten Störung zu sondern, welche eine einfache Bewegungsentgleisung darstellt, wenn auch alle diese Teilkomponenten zu-