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Die Existenz des Spekulativen

2.3 Der ontologische

2.3 Der ontologische Status der Seele 105 halb der angestrebte Selbst-Überstieg der Seele der Überwindung der Fremdheit zwischen dem apostasierten Seienden und dem jenseitigen Einen und damit der absoluten Unterscheidung der proklischen Metaphysik. Folglich ist der Aufstieg der Seele auch bei Proklos in die übergeordnete Bewegung des Geistes eingebunden, der den epistrophischen Transzendenzschritt zum übergeistigen und überseienden Einenanstrebt.⁸³ Geist und Seele sind vomtranszendenten Einen als Seiende geschieden, da das Eine das absolut Jenseitige auch der Geisteinheit darstellt. Die seelische Aufstiegsbewegung zum Geist ist somit bloß ein Moment der angestrebten Selbstaufhebung des Denkens in der Einheit mitdem Absoluten. Die durch die Seele zu leistende Erkenntnis besitzt als Denkbewegung einen immanenten Bezugauf das Eine, wobei diese Einheits-Beziehung auf das Hintersich-Lassen der als defizitär erkannten Seins- und Denkweise der Seele hinausläuft.Das Hinter-sich-Lassen des Seins als solchen bildet also den systematischen Hintergrund, vor dem sich auch der Aufstieg der Seele abspielt. Das seelische Denken in allen Verstandeskategorien bezieht sich durch die Vielheit der Denkbestimmungen hindurch aufdas Eine. Einheit in allem Seienden, also in der Vielzahl der hierarchisch geordneten Bestimmungen, ist Ausdruckder Erst-Begründung durch das Absolute. Auch die Seele richtet sich auf die vollkommene Selbstüberwindung inder Einheit mit dem Prinzip. Sie versucht, das Gegenüber von Denkakt und Denkobjekten aufzuheben, indem sie sich in ihrem Denken auf die einheitlichen Bestimmungen bezieht, die jedem einzelnen Sinnending und jedem einzelnen Objekt ihres rationalen Denkens zugrundeliegen. Die Ausrichtung aufdie Ideen ist ein Teil des Strebens zum Einen als Urgrunddes Denkens; imreinen Denken soll die Denkbarkeit an sich auf ihren Grund hin überstiegen werden. In dieser Denkfigur kommt die mystisch-ekstatische Selbstaufhebung zum Tragen, die die Theologie und Noologie des Proklos in weiten Teilen kennzeichnet.⁸⁴ Für die Frage nach dem ontologischen Status der Seele ergibt sich daraus, dass sie hinsichtlich ihrer Geisthaftigkeit bei Proklos anders bestimmt werden muss als bei Plotin, ohne dass natürlich die grundsätzliche (neu‐)platonische Bestimmung der Seele als Mittlerin zwischen den verschiedenen Seinsbereichen aufgehoben würde. Die strenghierarchische Seinsordnungdes Proklos räumtder Seele als einer privativenund vonder Sehnsucht nach der geeintenFülle der Ideen bestimmten Wesenheit einen niedrigeren Rang ein als die Weltschöpfungs-Psy- Zum Verhältnis der Seele zum Einen bei Proklos vgl. Trouillard: L’Une et l’âme selon Proclus. Einen Überblick über die proklische Mystik anhand der Platonischen Theologie bietet Bussanich: „Mystical Theology an Spiritual Experience inProclus’ Platonic Theology“, in: Segonds und Steel (Hg.): Proclus et la Theologie Platonicienne, S. –.

106 2Die proklische Seelenlehre chologie Plotins. Während bei Plotin alle Seelen produktiv sind und in ihren Denkakten die in der Einheit des Geistes eingefaltete Bestimmungsfülle der Ideen in die Vereinzelung ihres Denkens entfalten und in die Außenwelt projizieren, bringt die Seele bei Proklos die einzelnen Denkbestimmungen und die Welt als solche nicht selbst hervor.⁸⁵ Vielmehr ist sie als das Denken des Individuums selbst der Vereinzelung ausgesetzt und unternimmt dihairetisch-diskursiv den Aufstieg in den Geist, umdiese Vereinzelung zu überwinden. Das principium individuationis ist bei Plotin die Seele, bei Proklos jedoch muss es mit dem νοῦς νοηρῶν, also einem dem seelischen Denken direkt vorausgehenden Prinzip, identifiziert werden. Auf diese Weise ist bei Proklos die Individuierung die Grundlage der Entfaltung der Seelenhypostase. Die Rückkehr der Seele in den Geist ist dementsprechend ein Übersteigen ihrer selbst und stelltnicht etwa eine Rückkehr in ihr eigentliches und innerstesWesen dar wie bei Plotin, wo der Geist sich in allen Akten der Seele als Seelengrund durchhält. Das Denken der Seele zielt bei Proklos nicht auf ihr eigenes höchstes Moment,sondern es intendiert vielmehr die Aufhebung der Seele als solcher.Die Seele ist nicht bloß ihrem eigentlichen Wesen entfremdet, das heißt, sich des Geistes in ihr nicht bewusst,sondern sie ist selbst Fremdheit und Verschiedenheit vomwahren Seienden. Zwarhat die Seele am Geist teil (μετέχει),⁸⁶ doch nur dann, wenn und insofern sie denkt. Die Seele kann nur zur wahrhaften Erkenntnis gelangen, indem sie im Überstieg über sich selbst alles bloße Geist-Haben zurücklässt und wieder Geist ist.⁸⁷ Die Teilhabe der Seele am Geist ist bei Proklos ein Ausdruckder ontologischen Trennung zwischen beiden und der dieser Trennung zugrundeliegenden logischen Unterscheidung des Prinzips vom Prinzipiat. Das „insofern sie denkt“ als Attribut ihres Ausgriffs auf den Geist muss dabei zeitlich aufgefasst werden.⁸⁸ Hierin äußert sich erneut der geringere Seinsrang der Seele. Die seelischen Denkakte erfolgen auch im Ausgriff des Denkens auf den Geist für die Seele in Zeit und nicht in der Ewigkeit des Geistes. Der grundlegende Unterschied zu Plotin hinsichtlich des Verständnisses der Zeitlichkeit der Seele besteht also im Folgenden: Während die Zeit bei Plotin, so Werner Beierwaltes, die „Seinsverfassung“⁸⁹ der Seele ist, indem Sinne, dass die Seele sich selbst zeitigt und die Welt als Entfaltungsstufe und Projektion der geistigen Bestimmungen in ZurWeltenstehung bei Proklos vgl. Roth: „Der Anfangdes Immerwährenden“,in: Perkams und Piccione (Hg.): Proklos. Methode, Seelenlehre, Metaphysik, S.–. Vgl. etwa In Tim. II ,. Vgl. Elem. theol. propp. und . Vgl. hierzu etwa Elem. theol. prop. . Beierwaltes: Proklos, S..

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Arbeit schaffen, Existenzen sichern
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