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Die Existenz des Spekulativen

3.1 Der subjektive Geist

3.1 Der subjektive Geist als prozedurale Vorwegnahme des Absoluten 145 Bestimmungdes Geistes als „Ich“ kennzeichnet all seine Entwicklungsschrittebis zur abschließenden Gotteserkenntnis als Selbsterkenntnis. Gerade diese sich fortentwickelnde Selbstbeziehungdes „Ich“ ist Ausdruck der Einheit des Subjektiven: Betrachten wir den Geist etwas näher,sofinden wir als die erste und einfachsteBestimmung desselben die, daß er Ichist.Ich ist ein vollkommen Einfaches, Allgemeines.[…]Ich setzt sich selbst sich gegenüber,macht sich zu seinem Gegenstandeund kehrt ausdiesem abstrakten, noch nicht konkreten Unterschiede zur Einheit mit sich zurück. Dies Beisichselbstsein des Ich inseiner Unterscheidung ist die Unendlichkeit oder Idealität desselben.³¹ Auch in der natürlichen Seele bleibt der Geist also bei sich, erist „Ich“ als das Andere der natürlichen Unmittelbarkeit. Gleichwohl besitzt er jedoch noch kein Bewusstsein der bloßen Äußerlichkeit aller Welterfahrung. Indem das Ich „sich selbst sich gegenüber“ setzt,das heißt sich thematisiert und damit in den Prozess der Vergeistigung eintritt, bezieht es sich in dieser Selbstunterscheidung doch zugleich auch auf seinen geistigen Grund und damit auf die Selbstidentität der absoluten Idee über alle Verschiedenheiten der einzelnen Bestimmungen hinweg. Das Subjektive weiß sich in seiner höchsten Vollendungsform genau indieser Selbstidentität; die Unterscheidung der Natur vom Ich und die Selbsthematisierung des Geistes werden von Hegel als konstitutive Momente der Erhebung des Geistes zum Selbstwissen beschrieben. Die Philosophie des subjektiven Geistes erscheint somit als das prozedurale Werden der geisthaften Selbstbeziehung, an dessen Ende Hegel schließlich die „Freiheit“ verortet. Die Freiheit ist die Überwindung des Ausgriffs des Geistes auf ein Anderes und damit einer der selbstbezüglichen Denktriadik widersprechenden Fremdbeziehung.³² Diese Beziehung kommen, als Produkt seiner selbst ist er, seine Wirklichkeit ist nicht von Anfang, er ist nur in seinem Resultat, daß er sich zu dem was er ist gemacht hat ist seine wahrhafte Wirklichkeit.“ Enz.³ § , Zus. Vgl. dazu zwei aussagekräftigeStellen in den religionsphilosophischen Vorlesungen: „Freiheit ist abstrakt das Verhaltenzueinem Gegenständlichen als nicht zu einem Fremden; es ist dieselbe Bestimmungwie die der Wahrheit,nur ist bei der Freiheit noch die Negation des Unterschiedes des Andersseins herausgehoben; so erscheint sie in der Form der Versöhnung.“ (TWA ,S.)und, wo „Freiheit“ besonders als wahrhafte Selbstbeziehung des Subjektiven erwiesen wird: „Die Subjektivität,die ihren unendlichen Wert erfaßt hat, hat damit alle Unterschiede der Herrschaft, der Gewalt, des Standes,selbst des Geschlechts aufgegeben: vorGott sind alle Menschen gleich. In der Negation des unendlichen Schmerzesder Liebe liegt auch erst die Möglichkeit und Wurzel des wahrhaft allgemeinen Rechts,der Verwirklichung der Freiheit.“ (a.a.O., S.) – Vgl. ferner auch GW ,, S. (belegt bei Stolzenberg): „Die Wissenschaft des Geistes stellt den Gang der befreiung des Geistes dar.Der Geist ist zuerst an sich, aber noch nicht frei; sich zu befrein sich vonder Natur los zu machen ist seine Aufgabe […].“ –Vgl. zur Freiheit als Ziel der Selbsterhebung des Subjektiven Seeberger: Hegel oder die Entwicklung des Geistes zur Freiheit. Vgl. dazu auch Rometsch: Hegels Theorie des erkennenden Subjekts,S.: „Viertens bleibt bemerkenswert,daß die

146 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ auf Anderes ist die Negation der Selbstbeziehung des Geistes, die von ihm auf einer höheren Erkenntnisstufe überwunden wird: Die Entwicklung des Geistes ist, daß er I. in der Form der Beziehung auf sich selbst ist, innerhalb seiner ihm die ideelle Totalität der Idee[wird], d. i. daß das,was sein Begriff ist,für ihn wird und ihm sein Sein dies ist, bei sich, d. i. frei zu sein – subjektiver Geist; […].³³ Diese im Prozess der Entwicklung des subjektiven Geistes zum Ausdruck kommende Aufhebung der Fremdreferentialität wird in einem Zusatz zum gleichen Paragraphen noch deutlicher expliziert: Solange der Geist in der Beziehung auf sich selbst als auf ein Anderes steht, ist er nur der subjektive,der vonder Natur herkommende Geist und zunächst selbst Naturgeist.[…]Hat er sich zum Fürsichsein gebracht,soist er nicht mehr bloß subjektiver, sondern objektiver Geist. Während der subjektive Geist wegen seiner Beziehungauf ein Anderes noch unfreioder,was dasselbe, nur an sich frei ist,kommt im objektivenGeist die Freiheit,das Wissen des Geistes von sich als freiem zum Dasein.³⁴ Der subjektive Geist geht also von der Entgegensetzung des Ich und seines nicht als sich selbst gewussten Wesens aus. Diese dialektische Spannung treibt den menschlichen Geist zur Selbsterkenntnis an, was verdeutlicht, dass die Philosophie des subjektiven Geistes als die Lehre vom Entwicklungsgang der Seele betrachtet werden muss und somit als die Lehre von einem Geist, der erst noch zu sich selbst finden muss. Die Seele als „vorläufiger Geist“³⁵ entäußert sich also der unmittelbaren Beziehung auf die Natur und aufihren Leib und damit ihrer Passivität. Indem sie in der hegelschen Anthropologie die Entwicklung von ihrer natürlichen Unmittelbarkeit hin zu „Empfindung“, „Gefühl“, „Selbstgefühl“ und „Gewohnheit“ beschreitet,wird sie „wirkliche Seele“,³⁶ das heißt sich ihres Wesens als Wirkinstanz Manifestation des Geistes Hegel zufolge als ein Prozeß der Befreiung zu denken ist (vgl. EPW § ). Andeutungsweise erklärt sich bereits aus diesem geistphilosophischen Kontext, warum das erkennende Subjekt, das in der Philosophie des subjektiven Geistes dargestellt werden soll, finaliter als ‚freier Geist‘ verstanden wird. Nicht nur hat Erkenntnis in ihrer Vollendung etwas Befreiendes, Freiheit ist überdies das absolute Konstituens aller dem Subjekt möglichen Erkenntnis.“ Enz.³ § . Enz.³ § , Zus. Schäfer: „Das prozedurale Leib-Seele-Konzept bei Hegel“, in: Düsing und Klein (Hg.): Geist und Psyche, S. . Vgl. zur Entwicklung bis zur „wirklichen Seele“ zusammenfassend auch Enz.³ § : „Die Seele ist zuerst a. in ihrerunmittelbaren Naturbestimmtheit, – die nur seiende, natürliche Seele; b.

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