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Die Existenz des Spekulativen

3.1 Der subjektive Geist

3.1 Der subjektive Geist als prozedurale Vorwegnahme des Absoluten 149 Wahrheit der Seele und des Bewußtseins bestimmt“.⁴⁴ Doch ist damit noch nicht die konkrete Totalität und höchste Bestimmungsfülle des Geistes erreicht.Vielmehr lässt sich die Entwicklung des subjektiven Geistes als Bewusstwerdungder Seele und Bestimmung ihres eigenen geisthaften Wesens verstehen: In der bewussten Selbstbeziehung und im vernünftigen Denken erkennt sich die Seele in ihrer Wahrheit,⁴⁵ die der Geist ist,oder umgekehrt: Hier wird sich der Geist seiner seelischenExistenzweise bewusst.Die Tatsache, dass Hegeldie „Seele“ innerhalb der Anthropologie behandelt und dieser noch eine Psychologie nachfolgenlässt, kann nicht darüberhinwegtäuschen, dass die Philosophie des subjektivenGeistes in ihrer Gesamtheit den Entwicklungsgangdes Geistes eben als Seele im weiteren Sinne nachzeichnet, nämlich als eines nach sich selbst suchenden, nochnicht in seiner Vollbestimmtheit angekommenen Geistes. In einemZusatz bestimmt Hegel die Philosophie des subjektiven Geistes ganz in diesem Sinne: „Entwicklung des Geistes ist nichts anderes als sein Sichselbsterheben zu seiner Wahrheit,und die sogenannten Seelenkräfte haben keinen anderen Sinn als den, Stufen dieser Erhebung zu sein.“⁴⁶ Indem Hegel also das Wirken der Seele durch ihre Akte schildert, bringt erderen Geistbeziehung als Selbstbeziehung zum Ausdruck. Die Seele tritt im Verlauf der Philosophie des subjektiven Geistes aus der Fremdreferentialität heraus und in die Selbstreferentialität ein und erreicht somit die triadische Struktur des Geistes inseiner reinen denkenden Selbstbeziehung. Be- Enz.³ § . – Vgl. hierzu bereits den ersten Paragraphen der Enzyklopädie, woauf die Selbstaufhebung des menschlichen Geistes, also der Seele, in seiner Wahrheit, das heißt im absoluten Geist,verwiesen wird: „[Die Philosophie] hat zwar ihre Gegenstände zunächst mit der Religion gemeinschaftlich. Beide haben die Wahrheit zu ihrem Gegenstande, und zwar im höchsten Sinne – in dem, daß Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist.Beide handeln dann ferner von dem Gebiete des Endlichen, von der Natur und dem menschlichen Geiste, deren Beziehung aufeinander und auf Gott als auf ihre Wahrheit.“ Zu „Hegels Ontologie der Wahrheit“ und ihren antiken Voraussetzungenvgl.eingehend Dangel: Hegel und die Geistmetaphysik des Aristoteles, S.–; zuHegels Wahrheitsbegriff im Allgemeinen vgl. Bubner: „Hegels Logik des Begriffs“, in: Ders.: Zur Sache der Dialektik, S.ff. – Zum programmatischenCharakter, dendas Strebennach „Wahrheit“ beiHegel einnimmt,vgl.die Vorrede zur zweiten Auflage der Enzyklopädie von : „Worauf ich überhauptinmeinen philosophischen Bemühungen hingearbeitet habe und hinarbeite, istdie wissenschaftliche Erkenntnis der Wahrheit. Sie ist der schwerste Weg, aberder allein Interesse undWert für den Geisthaben kann,wenn dieser einmal auf den Wegdes Gedankens sich begeben, auf demselben nicht in das Eitle verfallen ist, sondern den Willen und Mut der Wahrheit sich bewahrt hat […].“ (TWA ,S.) Enz.³ § , Zus. – Vgl. zu den „Seelenkräfte[n]“, die hier offenkundig Momente des Geistes selbst bezeichnen, auch VL , S. (belegt bei Meinel): „Wenn man sagt, die Psychologie betrachtet die Seelenkräfte als selbständige, soist dies eine falsche Vorstellung, weil man da die Kräftezueinzelnen macht,die doch zusammen Eines,ein System ausmachen, wobei keine ohne die anderen sein kann.“

150 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ kanntermaßen wird die wahrhafte Selbstbeziehung des Geistes frei von aller Abstraktheit und jedem Selbstwiderspruch erst im absoluten Geist erreicht –„Der subjektive und der objektive Geist sind noch endlich“⁴⁷ –,doch bezeichnet gerade die formale Übereinstimmung mitder triadischen Selbstbeziehung des Absoluten, die der subjektive Geist bereits am Ende seines Entwicklungsgangs erreicht, die momenthafteVorwegnahme der Seins- und Denkweise des Geistesinallen Stufen seiner dialektischenSelbsterkenntnis.⁴⁸ Unvollkommen stelltder subjektiveGeist bereits den Geist, sein Sein und sein Denken dar; er kann deshalb von Hegel platonisierend als „Abbild des Begriffs“⁴⁹ und „Abbild der ewigen Idee“⁵⁰ beschrieben werden. Genau diese Selbst-Thematisierung des menschlichen Geistes macht schließlich den Inhalt der Philosophie des subjektiven Geistes aus und damit zugleich den Standpunkt, den die Seele in ihrer Annäherung an den Geist und in der „Rückkehr in sich selbst“ erreicht. Hegel bemüht sich bei der Etablierung dieser Seelenlehre im Rahmen einer umfassenden Geistphilosophie deutlich um eine Abgrenzung von der „gewöhnlichen Psychologie“:⁵¹ Die psychologische, sonst gewöhnliche Betrachtungsweise gibt an, erzählungsweise,was der Geist oder die Seele ist,was ihr geschieht,was sie tut, sodaß die Seele als fertiges Subjekt vorausgesetzt ist, andem dergleichen Bestimmungen nur als Äußerungen zum Vorschein kommen, aus denen soll erkannt werden, was sie ist, – in sich für Vermögen und Kräfte besitzt; ohne Bewußtsein darüber, daß die Äußerungen dessen, was sie ist, imBegriffe dasselbe für sie setzt,wodurch sie eine höhere Bestimmung gewonnen hat.⁵² Während eine deskriptiv-empirische Psychologie nur von der Seele und ihren Äußerungen erzählen kann – was einer Art Inventarisierung der Seele anhand ihrer aufzählbaren Eigenschaften gleichkommt –,erhebt Hegel den Anspruch, die Seele im Hinblick auf ihre „höhere Bestimmung“ zu untersuchen, das heißt die Enz.³ § ,Zus. – Vgl. hierzu auch Enz.³ § ,Zus.: „Im endlichen Geistehat diese Rückkehr nur erst ihren Beginn, erst im absoluten Geist wird sie vollendet; denn erst in diesem erfaßt die Idee sich […] inihrer absoluten Wahrheit.“ Vgl. dazu auch GW ,,S. (belegt bei Hotho): „Der Wegzum Ziel, der selbst ein absolutes Moment des Geistes ist,dieser stellt sich am endlichen Geist dar,erist die Erfüllung des Geistes, der seine Gewißheit realisiren will, um sie nicht abstract zu lassen, da die Abstraction selbst eine Schranke ist.“ Enz.³ § ,Zus.: „Die Naturbestimmtheit der Seele ist aber als Totalität, als Abbild des Begriffs zu fassen.“ Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Anm.

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