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Die Existenz des Spekulativen

3.1 Der subjektive Geist

3.1 Der subjektive Geist als prozedurale Vorwegnahme des Absoluten 151 Seele selbst als Äußerungsform des Geistes zu begreifen.⁵³ Die Seele ist eben kein „fertiges Subjekt“, sondern eine momenthafte Manifestation des sich zu sich selbst entwickelnden Geistes und damit der absoluten Subjektivität. Folglich ist die Seele durch eine unvollkommene Weise geistiger Selbstbeziehung bestimmt, die erst in der Erkenntnis ihres wahrhaften Wesens überwunden wird. Über die „gewöhnliche Betrachtungsweise“⁵⁴ geht Hegel also bei der Behandlung des subjektiven Geistes im Sinne des „begreifenden Erkennen[s] der spekulativen Philosophie“⁵⁵ hinaus, indem er die Seele spekulativ in ihrer Selbst- und damit Geistbeziehung deutet. Nimmt man diesen Anspruch ernst, sostellt Hegels Seelenlehre in erster Linie einen konstitutiven Abschnitt der das System beherrschenden Noologie dar: Auch der endliche oder subjektive Geist – nicht bloß der absolute – muß als eine Verwirklichung der Idee gefaßt werden. Die Betrachtung des Geistes ist nur dann in Wahrheit philosophisch, wenn sie den Begriff desselben in seiner lebendigen Entwicklung und Verwirklichungerkennt,d.h.eben, wenn sie den Geist als ein Abbild der ewigen Idee begreift.⁵⁶ Zudem sind alle „Bestimmungen und Stufen des Geistes […] wesentlich nur als Momente, Zustände, Bestimmungen an den höheren Entwicklungsstufen“:⁵⁷ Die Seele ist ihrem Wesen nach eine momenthafte Bestimmung des sich zu sich entwickelnden Geistes und sie ist dadurch in all ihren Äußerungsformen zunächst auch geisthaft. Eine Psychologie, die den Anspruch erhebt, wahrhaft philosophisch zu sein, bestimmt darum die Seele und den subjektiven Geist in seinem Entwicklungsgang zum absoluten Geist. Der subjektive Geist ist die „Verwirklichung der Idee“ in einem prozeduralen Sinne, ein „Abbild“ der triadischen Ganz in diesem Sinne auch GW ,, S.(belegt bei Hotho): „Die te endliche Betrachtungsweise ist die, welche man gewöhnlich empirische Psychologie nennt, die nicht so bei dem Partikulären stehn bleibt sondern den Uebergang von etwas Zufälligem zum Allgemeinen des Geistes macht. Sie giebt die Beobachtungen an, die man über die allgemeine Thätigkeit des menschlichen Geistes gemacht hat.Eine solche empirischePsychologie hat ein Jeder schon durch die allgemeine Bildung des Lebens.Dieß ist auch eine endliche Betrachtungsweise, die nicht kann zum philosophischen gerechnet werden. Der Geist wird hier vorgestellt als ein Aggregat von Kräften und Vermögen, und darin liegt das Endliche indem jede dieser Kräfte als für sich bewegend, sich antreibend dargestellt wird.“ Vgl. zur der „gewöhnliche[n] Betrachtungsweise“ entgegengesetzten „vernünftige[n] Betrachtungsweise“ der sich in den reinen Geist erhebenden Seele Lugarini: „Die ‚vernünftige Betrachtungsweise‘ des Geistes in der Hegelschen Psychologie“, in: Henrich (Hg.): Hegels philosophische Psychologie, S.–. Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus. Enz.³ § .

152 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ Selbstbeziehung des absoluten Geistes und damit der Einheit von Denken, Denkendem und Gedachtem. Hierbei ist die Seele trotz ihres Abbildcharakters und damit trotz ihrer ontologischen Defizienz selbst schon der Geist,indem sie sich als Geist thematisch macht: Seinen Begriff zu erkennen gehört aber zur Natur des Geistes. Die vomdelphischenApollo an die Griechen ergangene Aufforderung zur Selbsterkenntnis hat daher nicht den Sinn eines von einer fremden Macht äußerlich anden menschlichen Geist gerichteten Gebots; der zur Selbsterkenntnis treibende Gott ist vielmehr nichts anderes als das eigene absolute Gesetz des Geistes.⁵⁸ Der „menschlich[e] Geist“ –die Seele – folgt also seinem „eigene[n] absolute[n] Gesetz“,wenn er aufseininnerstes Selbst ausgreift und sich dadurch in Beziehung zum Geist setzt. Vonihrer natürlichenUnmittelbarkeit ausstrebt die Seele des Menschennach der Erkenntnisihrer selbst und ihres Begriffs. In neuplatonischem Sprachgewand könnte man sagen, Hegel entwirft einen Aufstieg der Seele zum Geist, welcher selbst Wesen und Bestimmung dieser Seele ist.⁵⁹ Eine wahrhafteSeelenlehre muss folglich Psychologie im aristotelischen Sinne⁶⁰ und somit vor allem Geistlehre Enz.³ § ,Zus. – Vgl. hierzu GW ,,S.(belegt bei Hotho): „Diese Richtungauf sich selbst ist jenes Gebot des delphischen Apolls, ‚Erkenne dich selbst!‘ es ist das Gebot des wissenden Gottes, dem die Weisheit zugeschriebenist.Der Standpunkt des griechischen Lebens ist überhaupt der,daß es sich eben aufden menschlichenGeist gerichtethat,imGegensatz des Orientalischen, das ins Unendliche, Leere geht,dadas Griechische hingegendas Selbstumfassen festhält, in sich selbst zurückgeht.“ Dieser Aufstieg des seelischen Denkens zu sich selbst lässt sich vorallem einigen mündlichen Zusätzen der einschlägigen Paragraphen aus der Enzyklopädie entnehmen. Beispielhaft soll hier ein Zusatz herangezogenwerden, in dem sehr stark die Selbstunterscheidungdes Denkens und die Rückkehr in eine höhere Form von geistiger Einheit und Identität des Denkens mit sich betont werden. Das Argument läuft hier über die postulierte Einheit von seelischem Ich und geistigem Sein: „Einerseits muß zwar das Sein als das absolut Unmittelbare, Unbestimmte, Ununterschiedene von dem sich selbst unterscheidenden und durch Aufhebung des Unterschieds sich mit sich vermittelnden Denken, vom Ich unterschieden werden; andererseits ist jedoch das Sein mit dem Denken identisch, weil dieses aus aller Vermittlung zur Unmittelbarkeit, aus aller seiner Selbstunterscheidung zur ungetrübten Einheit mit sich zurückkehrt. Das Ich ist daher Sein oder hat dasselbe als Moment in sich. Indem ich dies Sein als ein gegenmich Anderes und zugleich mit mir Identisches setze, bin ich Wissen und habe die absolute Gewißheit meines Seins.“ (Enz.³ § , Zus.) Vgl. damit auch Enz.³ § , Zus.und § , Zus. Vgl. Enz.³ § : „Die Bücher des Aristoteles über die Seele mit seinen Abhandlungen über besondere Seiten und Zustände derselben sind deswegen noch immer das vorzüglichste oder einzige Werk von spekulativemInteresse überdiesen Gegenstand. Derwesentliche Zweck einer Philosophie des Geistes kann nur der sein, den Begriff in die Erkenntnis des Geistes wieder einzuführen, damit auch denSinnjenerAristotelischen Bücherwieder aufzuschließen.“;sowieGW,,S.f. (belegt

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