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Die Existenz des Spekulativen

3.1 Der subjektive Geist

3.1 Der subjektive Geist als prozedurale Vorwegnahme des Absoluten 153 sein: Die Entwicklung von der natürlichen Seele zur Vernunft und in den objektiven Geist kommt einer Metamorphose des passiven Geistes zum aktiven Geist gleich: Denn während die Seele nur der Möglichkeit nach auf die triadische Selbstreflexion des Geistes ausgreift und diese nicht actu ist, steht am Ende der Philosophie des subjektiven Geistes eine aktive Geistseele in noetischer Selbstbezüglichkeit als Verwirklichung aller bloß potentiell geisthaften Seelenakte. Indem Hegel in der Philosophie des subjektiven Geistes die aristotelische Lehre vom aktiven νοῦς aus De anima III, 4– 5produktiv aufnimmt und umdeutet,⁶¹ bestimmt erden absoluten Geist als Grundlage des seelischen Denkens, auf die sich die Seele in ihrer höchsten Entwicklungsstufe spekulativ bezieht.Wenn die Seele in das spekulative Denken eintritt und die Denkweise des absoluten Geistes selbst mitvollzieht,befindetsie sich in einer Einheit mit ihrem Prinzip.Allerdings erfolgt dieser UmschlaglautHegel ausder anfänglichen Seele selbst heraus; diese ist nicht einfach nur ein vomPrinzip unterschiedenes Prinzipiat.Wenn die Seele in den reinen Geist eintritt, folgt sie eben ihrem „eigene[n] absolute[n] Gesetz“. Sie ist,indemsie sich in der reinen Geistbeziehung erkennt,die Verwirklichung ihrer selbst und des ihr zugrundeliegenden vollkommenen Denkens. Ein ähnliches Konzept zeigtesich bei Plotin, wo die Seelenlehre in erster Linie die Bestimmung der Beziehung zwischen der Geistseele und dem reinen νοῦς darstelltund wo die bei Stolzenberg): „Wasnun noch zu bemerken wäre,wäre dieLitteratur abermit derwillich mich nicht aufhalten. § sind die bücher des Aristoteles über die Seele empfohlen, das Einzige was darüber noch gelesen zuwerdenverdient. Aristoteles hat,wie Alles, soauch die Seele wesentlich nach dem begriff speculativ gedacht. Inder neuren Zeit sind viele Werke über den Geist erschienen, die das Ganze systematisirenwollen; aber dieses herein nehmen des Mathematischen in die Philosophie ist unstatthaft.“ –Auf die grundlegende Übereinstimmung zwischen Hegel und Aristoteles, die darin besteht,dass eine wahrhafte Psychologiedie Seele in ihremBezugauf denreinenGeist deuten muss und nichtnur als rationale Seele und damitals eindiskursives Denk-Vermögen,verweist Dangel: Hegel und die Geistmetaphysik des Aristoteles,bes. S.–. Vgl. zu Hegels De anima-Deutung imGanzen Dangel: Hegel und die Geistmetaphysik des Aristoteles,S.– und zur Rezeption und Umdeutungder aristotelischen Lehre vomaktiven und passiven νοῦς im besonderen Kern: „Eine Übersetzung Hegels zu De Anima III, – “, in: Hegel-Studien ;Ders.: „Die AristotelesdeutungHegels.Die Aufhebung des aristotelischen ,Nous‘ in Hegels ,Geist‘“, in: Philosophisches Jahrbuch ; Seidl: „Bemerkungen zu G.W.F. Hegels Interpretationen von Aristoteles’ De anima III – und Metaphysica XII u. “, in: Perspektiven der Philosophie ,S.–;sowie Düsing: „Endliche und absolute Subjektivität“,in: Eley (Hg.): Hegels Theorie des subjektiven Geistes in der „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse“,bes. S. : „Aristoteles’ AndeutunginDe anima (III ), der Nous denkeimDenken der reinen stoffloser Ideen sich selbst,bezieht Hegelauf die göttliche Noesis Noeseos vonMetaphysik Λ; sowird ihm das Verhältnis des passivenzum aktivenNous zu einem Verhältnis des endlichen zum göttlichen Nous. […]Nicht eindeutig gelöst wird inHegels Deutung und Umdeutung das zentrale metaphysische Problem der Tradition, wie der göttliche Nous im endlichen, menschlichen Geist wirken kann und ob er dabei transzendent bleibt oder nicht.“

154 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ Pointe darin besteht, dass die Seele in ihrem Innersten selbst Geist ist und sich dieser Identität im Aufstieg bewusst wird. Während Plotins Argumentationsgang über die Seelenspitze als im Geist verharrenden Grund aller seelischen Akte erfolgt, manifestiert sich in der hegelschen Anthropologie der Geist in der Leib- Seelen-Einheit der natürlichen Seele bereits vonAnfang an in einem dialektischen Spannungsverhältnis, das der spekulativen Überwindung bedarf. Hegels leibfreundlicherer Ansatz⁶² dient also auch der Bestimmung des momenthaften Charakters,der die Seele als Entwicklungsschritt des Geistes auszeichnet,welcher trotz oder gerade wegen seiner Vorwegnahme der geistigen Bestimmtheit ein integraler Bestandteil einer prozeduralen Geistkonzeption ist. 3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 3.2.1 Das Erwachen der Seele Nachdem Hegels einleitende Ausführungen zum ontologischen Status des subjektivenGeistes untersucht worden sind, soll im Folgenden dargestelltwerden,wie die Beziehung der Seele zu ihrem ontologischen Prinzip in ihrem prozessualen Entwicklungsgang zur Geltung kommt und auf welche Weise die ursprüngliche Einheit von Seele und Geist wieder hergestellt wird. Hegel beginnt die enzyklopädische Anthropologie mit der allgemeinen Bestimmungder Seele, die er als Negation der Leiblichkeit des Menschen und seiner unmittelbaren Beziehung zur Sinnenwelt einführt: Der Geist ist als die Wahrheit der Natur geworden. […] Der gewordene Geist hat daher den Sinn, daß die Natur an ihr selbst als das Unwahresich aufhebt und der Geist so sich als diese nicht mehr in leiblicher Einzelheit außer sich seiende, sondern inihrer Konkretion und Totalität einfache Allgemeinheit voraussetzt, inwelcher er Seele, noch nicht Geist ist.⁶³ Die Seele wird in dieser für das Verständnis der hegelschen Psychologie bedeutsamen Passage mit Attributen gekennzeichnet, die für die weitere Entwicklungdes subjektivenGeisteszentral sein werden: Sie ist konkret, total, einfach und allgemein. Im Einzelnen sind diese Bestimmungen noch vorläufig und defizitär, doch verweisen sie als Attribute der Seele aufdas reine Denken, das sie zunächst Vgl. Schäfer: „Das prozedurale Leib-Seele-Konzept bei Hegel“, in: Düsing und Klein (Hg.): Geist und Psyche, S.–. Enz.³ § .

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