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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 161 der geistige Selbstvollzug vorweggenommen.⁸⁴ Das menschliche Individuum ist ganz Geist als dessen Verwirklichung und Realisierung im bestimmten Einzelnen;⁸⁵ die Seele ist mithin das „beharrende eine Subjekt“⁸⁶. ImIndividuum manifestiert sich die Seele als konkrete Entfaltungsstufe des Geistes: Indem die zuerst vollkommen allgemeine Seele auf die von uns angegebene Weise sich besondert und zuletzt zur Einzelheit, zur Individualität sich bestimmt, sotritt sie in den Gegensatz gegen ihre innere Allgemeinheit, gegen ihre Substanz. Dieser Widerspruch der unmittelbaren Einzelheit und der in derselben an sich vorhandenen substantiellen Allgemeinheit begründet den Lebensprozeß der individuellen Seele – einen Prozeß, durch welchen derenunmittelbareEinzelheit dem Allgemeinen entsprechend gemacht,dieses in jener verwirklicht und so die erste, einfache Einheit der Seele mit sich zu einer durch den Gegensatz vermittelten Einheit erhoben, die zuerst abstrakte Allgemeinheit der Seele zur konkreten Allgemeinheit entwickelt wird.⁸⁷ Das Leben der Seele – und das heißt ihre Entwicklung zum Geist als ihrem innersten Selbst – setzt also ihre Individuation voraus; der Widerspruch zwischen der ursprünglichen Allgemeinheit des Seelischen und dem bestimmten Dasein des Individuums⁸⁸ bedingt die Selbstbestimmung des menschlichenDenkens in einer Vgl. VL , S.: „[D]ie erste Wissenschaft ist die Anthropologie, die die Seele in ihrer Natürlichkeit zum Gegenstandehat.Bei jeder solchen Bestimmungist es aber der Fall, daß sie zwar Grundlage ist,ihreDialektik aber weiter eintritt; – das Ziel der natürlichen Seele ist die Freiheit von dieser Natürlichkeit,und da ist sie Ich,das freie Beisichsein des Geistes. Seele nenne ich den Geist als seiend, als unmittelbar, noch nicht als Geist, denn der Geist ist wesentlich, daß er seine Unmittelbarkeit, sein Sein, die Natürlichkeit negiert, idealisiert, zuder seinigen macht – Einheit mit sich durch Aufhebung der Unmittelbarkeit.“ Vgl. Enz.³ § : „An der Seele als Individuum bestimmt, sind die Unterschiede als Veränderungen an ihm, dem in ihnen beharrenden einen Subjekte, und als Entwicklungsmomente desselben.“ Enz.³ § und , Zus. Enz.³ § , Zus. – Vgl. hierzu auch Enz.³ § , Zus.: „Die Seele ist das Allesdurchdringende, nicht bloß in einem besonderen Individuum Existierende; denn wie wir bereits früher gesagt haben, muß dieselbe als die Wahrheit, als die Idealität alles Materiellen,als das ganz Allgemeine gefaßtwerden, in welchem alle Unterschiede nur als ideelle sind und welches nicht einseitig dem Anderen gegenübersteht, sondern über das Andere übergreift. Zugleich aber ist die Seele individuelle, besonders bestimmte Seele, sie hat daher mannigfache Bestimmungen oder Besonderungen in sich […]. Diese Bestimmungensind, obgleich voneinander unterschieden, dennoch für sich nur etwas Allgemeines. In mir als bestimmtem Individuum, erhalten dieselben erst einen bestimmten Inhalt.“ Vgl. hierzu Enz.³ § ,Zus.: „Die Notwendigkeit jenes Fortgangs liegt aber darin, daß die Seele schon an sich der Widerspruch ist, ein Individuelles, Einzelnes und doch zugleich mit der allgemeinen Naturseele, mit ihrer Substanz unmittelbar identisch zu sein. Diese in der ihr widerspre-

162 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ höheren Form von Allgemeinheit und verweist so direkt auf den konkreten Denkvollzug des Geistes. Daraus ergibt sich, dass die individuierte Seele nicht die Negation des allgemeinen geistigen Prinzips darstellt, sondern gerade das manifeste Sein des Geistes,dessenFortbestehen aufeiner niedrigeren metaphysischen Ebene, mithin dessen Existenz.⁸⁹ Auf dieser Ebene ist der Geist „auch Seele […] und [setzt] als Seele sich zu der Form eines Natürlichen, eines Unmittelbaren, eines Leidenden [herab].“⁹⁰ Gerade im einzelnen Individuum kommt die Seele zu ihrer Vollbestimmtheit als Seele, sie ist eine Manifestationsstufe des Geistes, der sich in ihr aktualisiert und als denkende Entwicklung zusich selbst überhaupt erst konstituiert.⁹¹ Der Gegensatz zwischen der ursprünglich geistigen Bestimmtheit der Seele und ihrer Manifestation im bestimmten Individuum treibt das Denken an, im Ausgriff des Ich auf sich selbst diesen Widerspruch zwischen Geisteinheit und Einzelheit zu überwinden.⁹² Die besondere Existenzweise des menschlichen Individuums, dessen „wirkliches Sein“ als systematischer Standpunkt der individuierten Seele, bedeutet einen unmittelbaren Zugang zur Bestimmungstotalität der von der Seele erfahrenen Welt.⁹³ Doch bedarf die Seele, um schließlich in die Selbstreflexion des chenden Form der Identität existierende Entgegensetzung muß als Entgegensetzung, als Widerspruch gesetzt werden.“ Der Gegensatz zwischen der allgemein-geistigen Seinsweise der Seele und ihrem einzelnen menschlichen Dasein motiviert die individuelle Entwicklung des menschlichen Subjekts. Diese beginnt in dem „entwickelten Gegensatz, [der] Spannung einer selbst noch subjektiven Allgemeinheit […] gegen die unmittelbare Einzelheit, d. i. gegen die vorhandene, denselben nicht angemessene Welt und die Stellung des auf der anderen Seite noch unselbständigen und in sich unfertigen Individuums in seinem Dasein zu denselben […].“ (Enz.³ § ) Enz.³ § , Zus. Vgl. Enz.³ § , Zus.: „Wie das Licht in eine unendliche Menge von Sternen zerspringt, so zerspringt auch die allgemeine Naturseeleineine unendliche Menge vonindividuellen Seelen, nur mit dem Unterschiede, daß, während das Licht den Schein eines von den Sternen unabhängigen Bestehens hat,die allgemeine Naturseelebloß in den einzelnen Seelen zur Wirklichkeit kommt.“ Die Bewusstwerdung dieses Gegensatzes ist das „Erwachen der Seele“,das heißtder Anfang des Ausgriffs des Ich aufsich selbst und damit der Beginn des geistigenSelbstvollzugs.Vgl. Enz.³ § ,Zus.: „Das Unterscheiden der Individualität als fürsich seiender gegensich als nur seiender, als unmittelbares Urteil, ist das Erwachen der Seele […]; es selbst ist das Urteil der individuellen Seele, deren Fürsichsein für sie die Beziehung dieser ihrer Bestimmung auf ihr Sein, das Unterscheiden ihrer selbst von ihrer noch ununterschiedenen Allgemeinheit ist“. Die Seele erwacht dabei ausdem „Schlaf“ natürlicher Unmittelbarkeit und erreicht einen Wachzustand,der letztlich in der Selbstunterscheidung des Denkens von den Objekten der Wahrnehmung besteht: „[D]as Fürsichsein der wachen Seele, konkret aufgefaßt, ist Bewußtsein und Verstand […].“ (ebd.) Vgl. hierzu Enz.³ § ,Zus.: „Vondieser meiner Wirklichkeit,von dieser meiner Welt weiß ich aber, insofern ich nur erst fühlende Seele, noch nicht waches, freies Selbstbewußtsein bin, auf

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