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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 165 solcher noch fehlt –, erst also nach Erreichung dieses Zieles kommt die Seele aus ihrem subjektiven Fühlen zum wahrhaft objektiven Bewußtsein […].⁹⁶ Das „sich selbst gegenständlich[e] Ich“ ist die reine Selbstreflexion, die der subjektive Geist in der „Vernunft“ und damit im Übergang zum objektiven Geist erreicht haben wird. Die Entwicklung zudiesem Ziel stellt laut Hegel den „Befreiungskampf“ dar, welchen die Seele gegendie Unmittelbarkeit ihressubstantiellen Inhalts durchzufechten hat, um ihrer selbst vollkommen mächtigund ihrem Begriff entsprechend zu werden, – um sich zu dem zu machen, was sie an sich oder ihrem Begriffe nach ist, nämlich zu der im Ich existierenden sich auf sich beziehenden einfachen Subjektivität.⁹⁷ An dieser Stelle wird deutlich, dass die Ausrichtung auf das innerste Selbst des Ich undsomitauf den Geistder Seelestets immanent ist,sodassauchimdefizitären Welt- Denken der Ausgriff auf den geistigen Grund gewahrt bleibt. Diese Beziehung zum reinen Geist macht letztlich die Ich-Beziehungder Seele und somit die Struktur der Subjektivität als solcher aus, sie ist der Grund der seelischen Aufstiegsbewegung. Bereits in der hier geschilderten vorbewussten Selbstbeziehung „wirken“ somit die „Tätigkeiten des Geistes […]durch die fühlende Seele [hindurch]“.⁹⁸ Die Ausrichtung der Seele auf ihr innerstes Selbst stellt die erste Bewegung dar, die die voll entwickelte seelische Individualität über die Einzelheit der natürlichen Bestimmungen erhebt: „Die Seele ist als fühlende nicht mehr bloß natürliche, sondern innerliche Individualität“.⁹⁹ In diesem Zustand eines Bei-sich- Seins hat die Seele die „einfache Idealität, Subjektivität des Empfindens“¹⁰⁰ erreicht,das heißt dass in ihrem subjektiven Denken die ihr entgegengesetzte Welt aufgehoben und in ideelle Bestimmungen überführt worden ist.¹⁰¹ In dieser die Natur und die Außenwelt imAusgriff auf das innerste Selbst überwindenden Entwicklungsstufe des subjektiven Geistes, der „fühlenden Seele“ als voll entwickelterIndividualität,erkennt Hegel das ursprüngliche Moment der Aneignung des Geistes durch das menschliche Denken. Hier kommt die Seinsweiseder Seele Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus. Enz.³ § . Enz.³ § . Vgl. Enz.³ § ,Anm.: „Nirgend so sehr als bei der Seele und noch mehr beim Geisteist es die Bestimmung der Idealität, die für das Verständnis am wesentlichen festzuhalten ist, daß die Idealität Negation des Reellen, dieses aber zugleich aufbewahrt, virtualiter erhalten ist, obes gleich nicht existiert.“

166 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ als Manifestationsstufe des Geistes zum Tragen, die aufdiesen in der spekulativen Denkbewegung auszugreifen vermag: Sowenigdie Mannigfaltigkeit der vielen Vorstellungenein Außereinander und reale Vielheit in dem Ich begründet,sowenighat das reale Auseinander der Leiblichkeit eine Wahrheit für die fühlende Seele. Empfindend ist sie unmittelbar bestimmt, also natürlich und leiblich, aber das Außereinander und die sinnliche Mannigfaltigkeit dieses Leiblichen gilt der Seele ebensowenig als dem Begriffe als etwas Reales und darum nicht für eine Schranke;die Seele ist der existierende Begriff, die Existenz des Spekulativen. Sie ist darum in dem Leiblichen einfache allgegenwärtige Einheit […].¹⁰² Hegels Bestimmung der Seele als „existierende[r] Begriff“ und „Existenz des Spekulativen“ ist zentral für ein angemessenens Verständnis seiner spekulativen Seelenlehre.¹⁰³ Die Seele ist die sich selbst vorwegnehmende Manifestation des reinen Geistes und seiner vollkommen selbstreflexiven Struktur. Als „allgegenwärtige Einheit“ in der Sinnenwelt kommt ihr eine ontologische Prinzipfunktion für die erfahrbare Welt zu, die sehr deutlich an die entsprechenden Ausführungen von Plotin und Proklos erinnert. Die Seele ist das Verharren der höheren Wirklichkeit des Geistes auch in der relativen Bestimmungslosigkeit der Welt, als „Existenz“ seiner reinen noetischen Seinsweise Abbild des Geistlebens und zugleich Moment des Geistes selbst,indem sie sich in ihrem abbildhaften Denken auf diesen bezieht. Die Vielheit der nicht aufeinander bezogenen und unmittelbaren Vorstellungen des auf die Welt gerichteten unentwickelten Denkens ist in der einfachen,auf den einen Geist ausgerichteten Seinsweise der Seele aufgehoben.¹⁰⁴ Enz.³ § , Anm. Auch Schäfer bezieht sich im Anschluss an die im Folgenden zitierte Passage auf diese wichtige Stelle, um den Charakter der Seele als prozedurale Vorwegnahme des Geistes zu kennzeichnen: „Die Entfaltung der Seele zum Geist bedeutet, daß sich durch dialektische Vermittlung die Passivität und äußerliche Naturalität des anfänglichen Geistes […] ineine immer klarere und deutlicherethematische Selbstbezüglichkeit verwandelt. Die Seele ist im Unterschied zum Geist im engeren Sinne eine noch natürliche und damit bloß rudimentäre Leistungsinstanz, die noch selbstvergessen ist und die eigenen leiblichen Bedingungenals naturale Gegebenheiten unmittelbar in sich vorfindet […].“ („Das prozedurale Leib-Seele-Konzept bei Hegel“, in: Düsing und Klein [Hg.]: Geist und Psyche, S..) Vgl. zu den „Schranken“,die der Geist im Zuge seiner Selbstangleichungüberwindet,auch GW ,,S. (belegtbei Hotho): „Das Endliche gilt nundem Geist nichtals einBleibendes, sondern nur als einVorübergehendes,das inihm nicht kann Wurzelschlagen. Die Schrankeist keine Qualität,die zu unserm Sein gehört. Sowie eine Beschränkung für einSubject ist, liegtdarinschon, daßesüberdie Schranke hinaus ist. Die natürlichen Dinge, die an sich beschränkt sind, wissen von Beschränkung nichts, fürsie istdie Bestimmtheit keine Schranke,sie haben ihr Sein darin. Etwasalsomacht sich erst etwas zur Schranke,wennesdarüberhinaus. Dieß isteinewichtige Bemerkung. Damit ist das Gerede von der Vernunft, die Schranken haben soll, ein bloßes Gerede.“

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