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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 171 Die Seele ist auf diese Weise nicht mehr unmittelbar inVerbindung mit dem Besonderen und tritt, indem sie ihre Denkobjekte indie Allgemeinheit des Geistes erhebt, indessen Reflexionsbewegung ein. Diese Erringung der Freiheit äußert sich auch darin, dass die Seele das Besondere „in Besitz“ nimmt, wie Hegel sagt, also denkend und frei über die Denkobjekte verfügt: Die Seele besitzt sie im Denken und unterscheidet sie vonihrer eigenen Subjektivität.Dennoch bezieht sie die Seele aufdie konkrete Allgemeinheit des Geistes und errichtet somitwiederum eine abstrakt-formelle Einheitvon Denkobjekt und -subjekt im seelischenDenken. Die einzelnen und besonderen Bestimmungen der Seele werden als Momente ihres Seins begriffen, sodass auch ihr individueller Kosmos auf die konkrete Allgemeinheitdes Geistes bezogen wird.¹²¹ In dieser Einheit der Abstraktionsbewegung „verhält sich [der Mensch] zu sich selber, zueiner seine Individualität ausmachenden,durch ihn selber gesetzten und ihm eigen gewordenen allgemeinen Weise des Tuns und erscheint eben deshalb als frei.“¹²² Die Seele nimmtalso aufeiner – wenn auch bloß abstrakten¹²³ – Ebene die Selbstbeziehung des Geistes und dessen absolute Reflexionsbewegung vorweg. ImZuge dieser seelischen Reflexionsbewegung ist die unmittelbare Subjektivität, die bewusstlose Individualität der Seele, dadurch überwunden, dass das seelische Denken die Welt abstrahiert und objektiviert hat und somit zur freien Individualität des auf die absolute Subjektivität ausgerichteten subjektiven Geistes gelangt ist. In der Entwicklungsstufe der „wirklichen Seele“ schließlich hat sich das Denken zu einemfreien Individuum fortbestimmt,das zwar noch eine Einheitmit seinem Körper bildet,aber über diesen als reflektiertes Geistwesen verfügt und ihn nicht mehr unmittelbar mit sich in eins denkt.¹²⁴ Der Körper¹²⁵ ist nur mehr ein Vgl. Enz.³ § ,Zus.: „[A]n sich ist die Seele die absoluteIdealität,das Übergreifende über all ihre Bestimmtheiten, und in ihrem Begriffe liegt es, daß sie sich durch Aufhebung der in ihr festgewordenen Besonderheiten als die unbeschränkte Macht über dieselben erweist, – daß sie das noch Unmittelbare, Seiende in ihr zu einer bloßen Eigenschaft, zueinem bloßen Momente herabsetzt,umdurch diese absolute Negation als freie Individualität für sich selber zu werden.“ Enz.³ § , Zus. Enz.³ § ,Zus.: „Das Allgemeine, aufwelches sich die Seele in der Gewohnheit bezieht,ist jedoch – im Unterschiede von dem erst für das reine Denken vorhandenen, sich selber bestimmenden, konkret Allgemeinen – nur die aus der Wiederholung vieler Einzelheiten durch Reflexion hervorgebrachte abstrakte Allgemeinheit.“ Enz.³ § : „Die Seele ist in ihrer durchgebildeten und sich zu eigengemachten Leiblichkeit als einzelnes Subjekt für sich, und die Leiblichkeit ist so die Äußerlichkeit als Prädikat,inwelchem das Subjekt sich nur aufsich bezieht.Diese Äußerlichkeit stellt nicht sich vor, sondern die Seele, und ist deren Zeichen. Die Seele ist als diese Identität des Inneren mit dem Äußeren, das jenem unterworfen ist, wirklich; sie hat an ihrer Leiblichkeit ihre freie Gestalt […].“ Zum Verhältnis von Körper und Seele in Hegels Philosophie des subjektiven Geistes vgl. Schäfer: „Das prozedurale Leib-Seele-Konzept bei Hegel“, in: Düsing und Klein (Hg.): Geist und

172 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ „Zeichen“ der Seele und „Zeichen für den Geist“,¹²⁶ das heißt Ausdruck ihrer Besonderheit und Individualität; das eigentliche und wirkliche Sein der Seele ist aber als ein geistiges Sein bestimmt worden. Diese geistige Verfassung der Seele kommt darin zum Vorschein, dass sie die in der fühlenden Seele von sich selbst unterschiedene Welt in ihrem Denken aufden Geist bezieht.Indieservermittelten Einheit ihres Denkens und im Ausgriff auf den Geist ist die Seele konkret.¹²⁷ Nachdem der subjektive Geist die Freiheit erringt,die Welt vonsich unterscheidet und sich denkend auf sie bezieht, gelangt er auf die Stufe des Bewusstseins. Der Eintritt in die bewusste Selbstreflexion ist zugleich ein entwicklungsgeschichtlich notwendiger Schrittfür die angestrebte Selbstaufhebungder Seele: „Die Seele, die ihr Sein sich entgegengesetzt, esaufgehoben und als das ihrige bestimmt hat, hat die Bedeutung der Seele, der Unmittelbarkeit des Geistes verloren.“¹²⁸ Als Manifestationsstufe des Geistes in seiner natürlichen Bestimmtheithat die Seele also ausgedient, wenn sie alles Natürliche, Materielleund Leiblicheals reines Objekt gefasst und somit im Denken aufgehoben hat.Das Sein des Denkobjektsist nun vermitteltund aufden Geistbezogen. Ausihrem unmittelbaren Ausgriff aufdie Welt ist die Seele endgültig erlöst worden; sietrittindie Reflexion in sich ein, die Hegelals Bewusstsein bestimmt und folgendermaßen beschreibt: Dies Fürsichsein der freien Allgemeinheit ist das höhere Erwachen der Seele zum Ich, der abstrakten Allgemeinheit, insofern sie für die abstrakte Allgemeinheit ist,welche so Denken und Subjekt für sich, und zwar bestimmt Subjekt seines Urteils ist, inwelchem das Ich die natürliche Totalität seiner Bestimmungen als ein Objekt, eine ihm äußere Welt, von sich ausschließtund sich darauf bezieht,sodaß es in derselben unmittelbar in sich reflektiert ist, – das Bewußtsein.¹²⁹ Psyche,S.–;Wolff: Das Körper-Seele-Problem;sowie Siep: „Leiblichkeit,Selbstgefühl und Personalität in Hegels Philosophie des Geistes“, in: Eley (Hg.): Hegels Theorie des subjektiven Geistes in der „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse“, S.–. Schäfer wendet sich zu Recht gegen Wolff, der, indem er nur einen einzigen Paragraphen der Enzyklopädie zum Ausgangspunkt nimmt, gerade den prozeduralen Charakter des Verhältnisses der Seele zu ihrem Körper übersieht, während Schäfer, mit dem Blick auf die Gesamtheit von Hegels spekulativerAnthropologie vordem Hintergrund des Voranschreitens der Seele zum Geist argumentieren kann. Enz.³ § , Anm. Vgl. Enz.³ § , Zus.: „[Wir] kommen jetzt im dritten Hauptabschnitt […] zuder aus jener Trennung zur vermittelten Einheit mit ihrerNatürlichkeit fortentwickelten, in ihrerLeiblichkeit auf konkrete Weise für sich seienden, somit wirklichen Seele.“ Enz.³ § . Enz.³ § .

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