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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 175 Das Ich betrachtet sein eigenes Sein in natürlich-seelischer Bestimmtheit und entwickelt durch die Unterscheidung des Denkens von dieser vorläufigen Existenzweise eine negative Selbstbeziehung: „Ichals diese absolute Negativität ist an sich die Identität mit dem Anderssein“.¹³⁷ Das seelische Sein wird objekthaft gedacht und ist somit vom subjektiven Bewusstsein unterschieden. Diese Selbstidentität in der noch nicht selbstbewussten Selbstunterscheidung bewahrt letztlich auch auf der Stufe des Bewusstseins den in der Seele bestehenden Widerspruch zwischen einer höheren geistigen Allgemeinheit und der individuellen Besonderung.¹³⁸ Der Geist unterscheidet sich also hier in sich selbst, ohne dabei die Identität von Denkobjekt und -subjekt in dieser Unterscheidung mitzudenken und damit die Einheit des subjektiven Geistes mit sich selbst zu verwirklichen. Diesen grundsätzlichen Mangel der seelischen Selbstbeziehung verdeutlicht auch der folgende Paragraph: Die Identität des Geistes mit sich,wie sie zunächst als Ich gesetzt ist, ist nur seine abstrakte, formelle Identität. Als Seele in der Form substantieller Allgemeinheit ist er nun die subjektive Reflexion-in-sich, auf diese Substantialität als auf das Negative seiner, ihm Jenseitiges und Dunkles bezogen. DasBewußtseinist daher, wiedas Verhältnisüberhaupt,der Widerspruch der Selbständigkeit beider Seiten und ihrerIdentität,inwelcher sie aufgehobensind. DerGeist istals Ich Wesen;aberindem die Realität in der Sphäredes Wesens als unmittelbarseiend undzugleich als ideell gesetzt ist, ist er als das Bewußtsein nur das Erscheinen des Geistes.¹³⁹ An dieser Stelle wird eine ganze Reihe von Gegensätzen aufgelistet, die die seelische Existenzweiseoder das Sein des subjektiven Geistes als Vorwegnahme des wahrhaften Seins des Geistes kennzeichnen: Der Widerspruch des besonderenIch und der substantiellen Allgemeinheit des Seelischen ist gleichbedeutend mit demjenigen zwischen dem unmittelbaren Sein der natürlichen Seele und ihrer höheren geistigen, ideellen Bestimmung,sowie mit der Unterscheidung zwischen Objekt und Subjekt, das heißt ihrer „Selbständigkeit“ und ihrer im Geist ge- Enz.³ § . Vgl. Enz.³ § ,Zus.: „[D]as Ich[muß] als das individuell bestimmte, in seiner Bestimmtheit, in seinem Unterschiede, sich nur auf sich selber beziehende Allgemeine gefaßt werden. Hierin liegt bereits,daß das Ichunmittelbar negative Beziehungauf sich selbst,folglich das unvermittelte Gegenteil seiner von aller Bestimmtheit abstrahierten Allgemeinheit, also die ebenso abstrakte, einfache Einzelheit ist. Nicht bloß wir, die Betrachtenden, unterscheiden so das Ich inseine entgegengesetzten Momente, sondern kraft seiner in sich allgemeinen, somit von sich selbst unterschiedenen Einzelheit ist das Ich selber dieses Sich-von-sich-Unterscheiden, denn als sich auf sich beziehend schließt seine ausschließende Einzelheit sich von sich selber, also von der Einzelheit aus und setzt sich dadurch als das mit ihr unmittelbar zusammengeschlossene Gegenteil ihrer selbst, als Allgemeinheit.“ Enz.³ § .

176 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ wussten „Identität“.¹⁴⁰ Dieser dem seelischen Denken immanente Widerspruch zwischen dem Ich und dem vom Ich Gedachten bedarf der Aufhebung in der Selbstbewusstwerdung; erst die selbstbewusste Seele weiß sich selbst als Identität der geistigen Allgemeinheit und des bestimmten Individuums. Hegel bringt den in der höheren Selbstbeziehung des Geistes aufzuhebenden Widerspruch in einem mündlichen Zusatz auf den Punkt: „Ich und mein Sein sind daher untrennbar miteinander verbunden; der Unterschied meinesSeins vonmir ist ein Unterschied, der keiner ist.“¹⁴¹ Die Selbstunterscheidung des Bewusstseins wird als Selbst- Differenzierung gewusst und auf diesem Wege überwunden. So kann auch die Reflexionsbewegung des subjektiven Geistes amEnde in der absoluten Selbstreflexion des Absoluten aufgehoben werden. Der Ausgriff aufsichselbstbegründetdie Selbsterkenntnis des Ichund istsomit die systematische Grundlage für die angestrebte Selbstidentität des Geistes. Die Einheit von Bewusstsein und Selbstbewusstsein in der höchsten Entwicklungsstufe des subjektivenGeistes,der Vernunft,schließtdiese Selbstidentifizierungschließlich ab. Die Aufgabe des Denkens ist esdabei, die Denkbewegung des sinnlichen Bewusstseins, das sich auf ein Anderes richtet, mit der Selbstreflexion des Ich zuvermitteln und deren Identität zu erweisen: „[D]er Gegenstand [wird] somit aus dem Widerspruch seiner Reflexion-in-sich und seiner Reflexion-in-Anderes zum wesentlichen Verhältnis seiner zu sich selber fortentwickelt[…]“,jedochwird „[d]iese Einheit […]erst vondem spekulativen Denken der Vernunft begriffen“.¹⁴² Aber bereits aufder Ebene des Selbstbewusstseins hat die Seele sich von ihrem Außenweltbezug sobefreit, dass sie sich im Denken ihrer seelischen Existenz nur noch auf ein Inneres bezieht und sich selbst als dieses Innere weiß. Das von der bewussten Seele außer- Vgl. auch Enz.³ § ,Zus.: „Daher entsteht aufdiesem Standpunkt der Widerspruch, daß der Gegenstand einerseits in mir ist und andererseits außer mir ein ebenso selbständiges Bestehen hat wie das Dunkle außer dem Licht. Dem Bewußtsein erscheint der Gegenstand nicht als ein durch das Ich gesetzter, sondern als ein unmittelbarer, seiender, gegebener; denn dasselbe weiß noch nicht,daß der Gegenstand an sich mit dem Geisteidentisch und nur durch eine Selbstteilung des Geistes zu scheinbar vollkommener Unabhängigkeit entlassen ist.Daß dem so ist,wissen nur wir, die wir zur Idee des Geistes vorgedrungensind und somit über die abstrakte, formelleIdentität des Ich uns erhoben haben.“ Enz.³ § ,Zus.: „Einerseits mußzwar das Sein als das absolut Unmittelbare, Unbestimmte, Ununterschiedene von dem sich selbst unterscheidenden und durch Aufhebung des Unterschieds sich mit sich vermittelnden Denken,vom Ich unterschieden werden;andererseits ist jedoch das Sein mit dem Denken identisch, weildieses ausaller Vermittlungzur Unmittelbarkeit,aus aller seiner Selbstunterscheidung zur ungetrübten Einheit mit sich zurückkehrt. Das Ich ist daher Sein oder hat dasselbe als Moment in sich. Indem ich dies Sein als ein gegenmich Anderes und zugleich mit mir Identisches setze, bin ich Wissen und habe die absolute Gewißheit meines Seins.“ Enz.³ § , Zus.

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