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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 179 Selbstbewusstsein eine Weise von Selbstbeziehung dar, inder sich das Ich frei gegenüber dem Anderen verhält,¹⁵² da es beides, sich und das Denkobjekt,inder höheren Identität und Allgemeinheit des Geistes aufgehoben weiß. Diese Identifizierung von Objekt und Subjekt stellt einen spekulativen Akt dar, nämlich die Einsicht in die höhere Bestimmung des inneren Selbsts und des eigenen Denkens. Hegel expliziert dies in einem mündlichen Zusatz: Dies Verhältnis ist durchaus spekulativer Art; und wenn man meint,das Spekulative sei etwas Fernes und Unfaßbares,sobraucht man nur den Inhaltjenes Verhältnisses zu betrachten, um sich vonder Grundlosigkeit jener Meinungzuüberzeugen. Das Spekulative oder Vernünftige und Wahre besteht in der Einheit des Begriffs oder des Subjektiven und der Objektivität.¹⁵³ Die Verwirklichung dieser Einheit und das spekulative Erfassen der Beziehung des Selbstbewusstseins zur höheren Wahrheit des Geistes bezeichnen den Übergang vom Selbstbewusstsein in die Vernunft und damit vom Systemabschnitt der Phänomenologie in denjenigen der Psychologie: „Die an und für sich seiende Wahrheit,welche die Vernunft ist, ist die einfache Identität der Subjektivität des Begriffsund seiner Objektivität und Allgemeinheit.“¹⁵⁴ Der Geist bestimmt sich zur Vernunft fort, indem er das Ich als reines Denkobjekt und als das Denken selbst begreift und somit die selbstreflexive Triadik des Absoluten vorwegnimmt.¹⁵⁵ Der Unterschied und der Widerspruch zwischen Denkobjekt und -subjekt werden in dieser spekulativen Bewegung des Denkens aufgehoben¹⁵⁶ und die Subjektivität entwickelt sich zum „reinen Ich, der über das Objekt übergreifenden und es in sich Vgl. Enz.³ § , Zus.: „In dem Zustande dieser allgemeinen Freiheit bin ich, indem ich in mich reflektiert bin, unmittelbar in den anderen reflektiert, und umgekehrt beziehe ich mich, indem ich mich auf den anderen beziehe, unmittelbar auf mich selber.“ Enz.³ § , Zus. Enz.³ § . – Vgl. auch Enz.³ § : „Diese Einheit des Bewußtseins und des Selbstbewußtseins enthält zunächst die Einzelnen als ineinander scheinende. Aber ihr Unterschied ist in dieser Identität die ganz unbestimmte Verschiedenheit oder vielmehr ein Unterschied, der keiner ist. Ihre Wahrheit ist daher die an und für sich seiende Allgemeinheit und Objektivität des Selbstbewußtseins, – die Vernunft.“ Vgl. Enz.³ § : „ Die Stufen dieser Erhebung der Gewißheit zur Wahrheit sind, daß er a. Bewußtsein überhaupt ist, welches einen Gegenstand als solchen hat, b.Selbstbewußtsein, für welches Ich der Gegenstand ist,c.Einheit des Bewußtseins und Selbstbewußtseins,daß der Geist den Inhaltdes Gegenstandes als sich selbst und sich selbst als an und für sich bestimmt anschaut; – Vernunft, der Begriff des Geistes.“ Vgl. Enz.³ § , Zus.: „Diese Identität der Subjektivität und der Objektivität macht eben die jetzt vom Selbstbewußtsein erreichte Allgemeinheit aus, welche über jene beiden Seiten oder Besonderheiten übergreift und in welche diese sich auflösen.“

180 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ befassenden reinen Form.“¹⁵⁷ Während im Selbstbewusstsein zwar schon das bewusste Ich thematisch ist und somit die Bewegung des Geistes als seelisches Denken selbstreflexiv geworden ist, stellt doch erst der vernünftig und begrifflich dem Geist entsprechende Selbstausgriff, wie ihn die Psychologie schildert, die reine Selbstbeziehung des Denkens dar.¹⁵⁸Indem die Vernunft das Objektive in ihrer eigenen Subjektivität erkennt,bestimmt sie sich als „absoluteSubstanz“ und als „Wahrheit als Wissen“,¹⁵⁹ das heißt – über die seelische Existenzweisedes Ich hinweg – als allgemeiner und jede Besonderung in sich aufhebender Geist: „Denn [die Vernunft] hat hier zur eigentümlichen Bestimmtheit, zur immanenten Form den für sich selbst existierenden reinen Begriff, Ich, die Gewißheit seiner selbstals unendliche Allgemeinheit. – Diese wissende Wahrheit ist der Geist.“¹⁶⁰ Durch diese Selbstbestimmung der Vernunft erreicht die Philosophie des subjektiven Geistes ihren abschließenden Höhepunkt. Der Geist erweist sich an dieser Stelle als der ontologische Grund, der sich in allen vorangegangenen Manifestationen des subjektiven Geistes durchgehalten hat: Der Geist hat sich zur Wahrheit der Seele und des Bewußtseins bestimmt, jener einfachen unmittelbaren Totalität und dieses Wissens, welches nun als unendliche Form von jenem Inhalte nicht beschränkt,nicht im Verhältnisse zu ihm als Gegenstand steht,sondern Wissen der substantiellen, weder subjektivennoch objektivenTotalitätist.Der Geist fängtdaher nur von seinem eigenen Sein an und verhält sich nur zu seinen eigenen Bestimmungen. Die Psychologie betrachtet deshalb die Vermögenoder allgemeinen Tätigkeitsweisen des Geistes als solchen […].¹⁶¹ Die Schilderung des Geistes innerhalb der Psychologie ist vor allem im Hinblick aufdas Verhältnis der Seele zum Geist vonBelang.Als „Wahrheit der Seele“ erhebt sich der Geist über ihre unmittelbare Welterfahrung inder konkret-totalen Vollbestimmtheit der idealen Denkobjekte. In einem mündlichen Zusatz stellt Hegel dieses Verhältnis zwischen dem Geist und der Seele bzw. dem Bewusstsein sehr Enz.³ § . Vgl. Enz.³ § , Zus.: „Das Selbstbewußtsein hat das Bewußtsein zu seinem Gegenstande, stellt sich somit demselben gegenüber. Zugleich ist aber das Bewußtsein auch als ein Moment im Selbstbewußtsein selber erhalten. […] Wird [das unmittelbare,einzelne Ich] aber von der ihm so noch anhaftenden Form der einseitigen Subjektivität befreit und als eine vonder Subjektivität des Begriffs durchdrungene Realität, folglich als Idee gefaßt, so schreitet das Selbstbewußtsein aus seinem Gegensatze gegen das Bewußtsein zur vermittelten Einheit mit demselben fort und wird dadurch zum konkreten Fürsichsein des Ich, zu der in der objektiven Welt sich selbst erkennenden, absolut freien Vernunft.“ Enz.³ § . Enz.³ § . Enz.³ § .

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