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Die Existenz des Spekulativen

3.2 Die

3.2 Die Seele als Moment der absoluten Selbstreflexion des Geistes 185 genstandes als sich selbst und sich selbst als an und für sich bestimmt anschaut“.¹⁷² Unmittelbarkeit und Abstraktheit als Weisen des seelischen Zugriffs auf die Welt und auf den Geist werden im absoluten Selbstwissen überwunden. Die bloß vorläufige Manifestation dieser Einheit stellt die Seele in ihrer noch defizitären Selbstbeziehung dar. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang,dass die Seele als Vorwegnahme der geistigen Selbstbeziehung in den selbstkonstitutiven Entwicklungsgang des Geistes eingebunden ist und ihr Denken in der von der Vernunft erkannten Geisteinheit nicht bloß negiert, sondern in einer höheren Weise von Selbstreflexivität aufgeboben wird. Erinnert sei hier noch einmal an Hegels die Denkbewegung der Seele in die zunehmende Selbstthematisierung des Geistes mit einbeziehende Formel: „Die ganze Entwicklung des Geistesist nichts anderes als sein Sichselbsterheben zu seiner Wahrheit, und die sogenannten Seelenkräfte haben keinen anderen Sinn als den, Stufen dieser Erhebung zu sein.“¹⁷³ Der Geist geht, indem die ursprüngliche Entfaltungder Geistgehalteumgekehrt wird und sich das Denken aufdas Absoluterichtet,eben nichtauf das Jenseitige,Transzendente, das heißt auf das undenkbare Überseiende im Sinne Plotins, sondern auf den Geist selbst, den Inbegriff von Sein und Denken. Trotz dieser grundlegenden Differenz gegenüber dem neuplatonischen Vorgänger lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass gerade die Wendung der Seele auf ihr innerstes Selbst und auf das ihrem Denken formal und strukturell vorbildliche Denken des reinen Geistes einen Hauptanknüpfungspunkt an die Seelenlehre des Plotin darstellt. Diese Rückführung des menschlichen Denkens aufden ontologischen Grund aller Denkakte macht bei Plotin wie bei Hegel die spekulative Selbsterhebung indie Vollzugsweise des reinen geistigen Denkens aus. Hegel erkennt, wie oben dargestellt wurde, die Selbstvergewisserung des subjektiven Geistes als geistmetaphysischen Grund des menschlichen Denkens. Somit erscheint die Geisterkenntnis den Denkakten der Seele zugleich als Anfangs- wie als Zielmoment inne zu wohnen. Diese systematische Fundierung des dialektischen Strebens des subjektiven Geistes, eine noetische Einheit von Denkobjekt und -subjekt zu erreichen, steckt den entwicklungsgeschichtlichen Horizont ab,vor dem sich der Aufstieg des menschlichenDenkens in eine höhere Form von Selbsterkenntnis und Selbstwissen vollzieht. In ihrer zunehmenden Selbsterkenntnis gelangt die Seele zum „Sichanschauen“¹⁷⁴ in der höheren geistigen Einsicht. Der menschliche Geist macht sich folglich Enz.³ § . Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus.

186 3 „Das erkennende Begreifen des Ewigen“ selbst thematisch in einem doppelten Sinne: Die Seele begreift sich erstens als vorläufige Erscheinungsform des Geistes, die in dessen reinem Geist-Denken gründet, und das menschliche Denken erkennt sich zweitens als dieser ursprüngliche Geist, der in der seelischen Existenz sein besonderes und bestimmtes Sein besitzt. Indem sich dasDenken durchdie Ausrichtungauf denreinen Geist zunehmend alsTotalität der geistigen Bestimmungen erkennt, gewinnt dieses Selbstverhältnis der Seele die Gestaltdes triadischen Selbstvollzugs des Geistes. Imabsoluten Geist schließlich ist die Objektivierung des Geistes, das Denken des Ideenkosmos durch die Seele, so überwunden, dass der Geist sich nicht mehr – wie die „wirkliche“, die in die Welt hinein wirkende und sich auf diese beziehende Seele – in einem anderen selbst schauen muss, sondern dass sich das Denken selbst in sich selbst als den ewigen Ausgriff auf sich selbst begreift. Selbst-Finden und Selbstangleichung münden also am Ende des hegelschenSystems in der absoluten Selbst-Schau. Doch ist diese Weise der Selbstreflexivität,wie zu sehen war,schon im subjektivenGeistangelegt und stellt das zentrale entwicklungsgeschichtliche Motiv bei der Schilderung der Aufstiegsbewegung der Seele dar. Indemdie Seele den Ursprung ihrer Aktivität in sich selbst vorfindet,erfülltsie die Bestimmung des geistigen Lebens, nämlich der zum Absoluten hin fortstrebende Selbstvollzug zu sein.Hegel hebt diese zunehmende Selbstbeziehung des subjektiven Geistes durch eineInnerlichkeits-Metaphorik hervor,die deutlich an Plotin erinnert: So „kehrt [die Seele] in dem schauenden Wissen vonihrem eigenenInneren,von ihrem Seelen- und Körperzustande, ausjener Beziehungauf ein Äußerliches zu sich selber zurück“¹⁷⁵ undes„schaut die in ihreInnerlichkeit versunkene Seele ihre individuelle Welt nicht außersich,sondern in sich selber an.“ Es geht Hegelbei der Beschreibung des seelischen Selbstdenkens mithin um „[d]ies Versinken der Seele in ihre Innerlichkeit“.¹⁷⁶ In sich selbst,inihrem eigenen Denkenfindet die Seele, wenn sie sich auf die Intelligibilia bezieht und diese noetischbegreift,den Ursprungihres Denkens.Die immerwährende Gegenwart¹⁷⁷ des geistigen Prinzips ist folglich die Grundlage der Selbstbeziehung und des Selbstbewusstseins der Seele: Auf einer vorläufigen Stufe der Selbstangleichungdes Geistesvollzieht die Seeledessen Selbstdenken mit, indem sie sich als Denken auf die geistigen Bestimmungen bezieht, die sie in sich selbst vorfindet.Der Geistist in den seelischenDenkakten immer gegenwärtig. Dabei finden die Überwindung der Außenwelt und die Hinwendung auf den geistigen Grund „in dem zeitlosen indifferenten Inneren der Seele“¹⁷⁸ statt, dasder Aktivität,dem Denken Enz.³ § , Zus. Enz.³ § , Zus. Vgl. wiederum Enz.³ § , Zus.: Das „Ewige“ ist das sich in der Seele „erhaltende absolut Gegenwärtige“. Enz.³ § , Zus.

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