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Die Existenz des Spekulativen

4.1 Der Neuplatonismus

4.1 Der Neuplatonismus in den Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie 201 zierten Einheit und Bestimmungstotalität ausbildet.⁶⁰ Gegenüber den hellenistischen und kaiserzeitlichen Philosophenschulen zeichnet sich der Neuplatonismus also dadurch aus, dass im selbstbewussten Ausgriff des Denkens auf den Geist die Momente der Subjektivität,der Endlichkeit und der „Differenz gegenein nichtiges äußeres Objekt“,⁶¹ also die Fremdbezüglichkeit des Denkens, überwunden werden. Alle drei Momente bezeichnen Bestimmungen des Geistes und des Verhältnisses des Ich zu ihm, wie sie auch in der Entwicklungdes subjektiven Geistes der Enzyklopädie sukzessive aufgehoben werden. Doch erfolgt diese Aufhebung prozesshaft, sodass die Entwicklung des Geistes noch nicht abgeschlossen und der Geist noch nicht absolute Subjektivität, wahrhafte Unendlichkeit und reine triadische Selbstbeziehung ist.Der Geist „erfaßt“ im Neuplatonismus „in sich selbst den Unterschied“,⁶² das heißt, inder Ausbildung des κόσμος νοητός besteht kein Gegensatz mehr zwischen dem Subjektiven zudem abstrakten Außen, sondern der Gegensatz ist in ihm selbst gesetzt als Unterschied zwischendem reinen Bewusstsein und dem Objekt dieses Bewusstseins. Indemder menschliche Geist diesen Unterschied im selbstbewussten Wissen der eigenen Geistigkeit aufhebt, gelangt er zu einer formalen Übereinstimmung mit der reinen Selbstbezüglichkeit des absoluten Geistes. Allgemeiner formuliert geht es dem Neuplatonismus,lautHegel, um die Bestimmung der „Einheit des Selbstbewußtseins und Seins“,⁶³ das heißt darum, zu zeigen, dass der in der eigenen Innerlichkeit des Subjekts gewusste Ideenkosmos die Wahrheit des Denkens des Subjektivenist.In diesem Sinne teilt der Neuplatonismus mit Aristoteles und Hegel die Einsicht in die νόησις νοήσεως und bildet diese in der von Hegel hochgeschätzten Triadik⁶⁴ zur „Grundidee“ aus:⁶⁵ Hegelscheint sich mit dieser Ausdeutung der „Welt der Geistigkeit“ aufProklos und aufdessen klassische Vorwegnahme der hegelschen konkreten Totalität bei der Bestimmung des Verhältnisses zwischen den Ideen in der intelligiblen Welt zu beziehen:Vgl. TWA ,S. mit Proklos: Elem. theol. prop. : Πάντα ἐνπᾶσιν, οἰκείως δὲἐνἑκάστῳ. – In dieser Bestimmung des Geistes teilt Hegel die neuplatonische Bestimmung des wahrhaften Seienden im Sinne der zweiten Hypothesis des platonischen Parmenides. Die ursprüngliche Einheit des Seins ist die in sich selbst entfaltete vollkommene Fülle der Bestimmungen imModus konkreter Totalität. Vgl. zu dieser besonderen Nähe Hegels zu den Neuplatonikern und deren Parmenides-Deutung Beierwaltes: Denken des Einen, S.–. TWA , S.. TWA , S.. TWA , S.. TrotzHegels emphatischer Rezeption der proklischen Triadik erkennt er diese als bedeutendes Strukturmoment sehr richtig schon in Plotins Geistlehre: „Er [sc. Plotin] unterscheidet im νοῦς das Denken (den νοῦς), das Gedachte(νοητόν)und den Gedanken (νόησις), so daß der νοῦς Eins und zugleich Alles ist; die νόησις ist aber die Einheit der Unterschiedenen.“ (TWA , S.) Vgl.

202 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre Die Grundideedieser neupythagoreischen – auch neuplatonischen oder alexandrinischen – Philosophie war: das Denken, das sich selbst denkt, der νοῦς, der sich selber zum Gegenstand hat. Esist also erstens das Denken; dieses hat zweitens ein νοητόν; drittens diese beiden sind identisch, das Denken hat in seinem Gegenstande sich selbst.⁶⁶ Diese grundlegende Einsicht, die Hegel vor allem in Proklos’ triadischem „Intellektualsystem“⁶⁷ nachweist,⁶⁸ bezeichnet, systematisch gesehen, den Übergang der Philosophie zum Denken der Freiheit des Menschen. Dabei wird die Freiheit als Philosophem im Neuplatonismus jedoch nur unvollkommen erreicht: Der Neuplatonismuserfasst „diese Freiheit des Menschen, diese reine Innerlichkeit,die sich selbst absolut,abernur formellabsolutist.“ Undweiter: „Die Freiheit des Menschen in ihm heißt,weilerals Selbstbewußtseinnur denkend ist,die reine Beziehungauf sich und dieseBeziehungdas Absolute, aber nur formell,nicht konkret.“⁶⁹ In der Hinwendung der Seele auf die eigene Innerlichkeit und in der Ausbildung einer inneren Intellektualwelt wird die Idee zwar in ihrer triadischen Selbstbezüglichkeit erkannt, doch eben bloß formell,also so,dass das Denken noch nichtineiner konkreten Einheit mit sich selbst ist. Da das Individuum „nurdenkend“ ist und nicht dieses Denken selbst ist, ist es als Selbstbewusstsein noch nicht in die höhere Identität mit dem Geist eingetreten.Weiterhin besteht hier eine Fremdbeziehung des Denkens. Das Denken wird nicht inseiner wahrhaften Unendlichkeit erkannt, die darin besteht, als vollkommen freier Geist dieEinheitder endlichen und der unendlichen Subjektivitätim konkreten Individuumzuerreichen. In dieser eingeschränkten Einsicht des Denkens in sich selbst zeigt sich die vonHegel dem Neuplatonismus unterstellte unvollendete Bestimmung des Absoluten. Der Neuplatonismus gelangt als Standpunkt des menschlichen Geistes also nicht in die vollkommene Einsicht inden absoluten Geist. Vielmehr bleibt der Geist, indem er nur als Idee begriffen wird, das Jenseitige des menschlichen Geistes und in seiner Transzendenz ist ihm die konkrete Verwirklichung im behierzu Enn.V ,,ff. – Die platonischen und aristotelischen Quellen der proklischen Triadik (vor allem. Soph. eff. und Metaph. Λ ,)und derenBeziehungzur proklischen Geistlehrewurden grundlegend herausgearbeitetvon Szlezák: Platon und Aristoteles in der NuslehrePlotins,vor allem S. –. Hier verkennt Hegel,wie die jüngere Forschunggezeigt hat,dass die eigentliche Grundideedes Neuplatonismus das jenseitige Eine als transzendentes Prinzip aller Seiendheit ist. Vgl. Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.–. TWA , S.. TWA , S.. Vgl. zu Hegels Deutung der proklischen Triadik Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.–. TWA , S..

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