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Die Existenz des Spekulativen

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1 Die Seelenlehre des Plotin 1.1 Überblick 1.1.1 Die Seelenlehre als Teil einer henologischen Transzendenzmetaphysik Die Seelenlehre des Plotin ist niemals losgelöst von dem umfassenden Gesamtentwurf seiner Metaphysik zu betrachten. Diese muss inerster Linie als eine prinzipientheoretische Henologie verstanden werden, inder alle anderen Aspekte der plotinischen Philosophie gründen. Insbesondere der von Hegel thematisierte „Intellektualismus“¹ Plotins darf nicht verabsolutiert werden und damit auch nicht die inenger Verbindung mit der intelligiblen Bewegung des Geistes gedachte Aufstiegsbewegungder Seele. Die plotinische Hypostasenhierarchie² des Seins entfaltet sich vielmehr vor dem Hintergrund der absoluten Jenseitigkeit des Einen als des ersten Prinzips.³ Anders als Hegel dies später deuten wird, denkt Plotin das Eine radikal in seiner Transzendenz gegenüberdem Geist und damitdem Seienden.⁴ Alles TWA , S.. Zum Hypostasen-Begriff vgl. Dörrie: „Υπόστσσις.Wort- und Bedeutungsgeschichte“, in: Ders.: Platonica Minora, S.–; Hammerstaedt: Art. „Hypostasis“, in: Reallexikon für Antike und Christentum , S.–; sowie Horn: Plotin über Sein, Zahl und Einheit, S.ff. Grundlegend für die Deutung des plotinischen Henologie sind Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen,bes. S. ff. und ff.; Beierwaltes: Denken des Einen,bes. S. ff.; Ders.: Selbsterkenntnis und Erfahrung der Einheit;Huber: Das Sein und das Absolute,bes. S. ff.; Hager: Der Geist und das Eine;Trouillard: La Purification Plotinienne; Ders.: La Procession Plotinienne; sowie Hadot: Plotin ou la simplicité du regard. Die platonischen Hintergründe der bei Plotin greifbaren Prinzipientheorie, die vorallem im Zusammenhangmit Platons „ungeschriebener Lehre“ zu verstehen sind, wurden aufgedeckt vor allem von Gaiser: Platons ungeschriebene Lehre; Krämer: Arete bei Platon und Aristoteles; Ders.: Der Ursprung der Geistmetaphysik; Ders.: Plato and the Foundation of Metaphysics; Reale: Zu einer neuen Interpretation Platons; Ders.: Platone; Halfwassen: a.a.O.; sowie Ders.: „Monismus und Dualismus inPlatons Prinzipienlehre“, in: Bochumer Jahrbuch für Antikeund Mittelalter ,S.–.Jüngst hat Halfwassen die Metaphysikdes Einen innerhalb der platonischen Tradition umfassendphilosophiehistorisch nachgezeichnet und als „Grundgestalt“ philosophischen Denkens ausgewiesen: Auf den Spuren des Einen. Zur Transzendenz des plotinischen Einen vgl. vor allem Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, bes. S. – und zur Seins-, Geist-und Erkenntnistranszendenz bes. S. –; sowie Ders.: Hegel und der spätantike Neuplatonismus,S.–.Die Erkenntnis,dass das Philosophem des transzendenten Einen als des absoluten und ersten Prinzips aufPlatonund Speusipp zurückgeht und damit zum Urbestand der platonischen Tradition gehört, stammt von Krämer: Der Ursprung der Geistmetaphysik,S.–;Ders: „ΕΠΕΚΕΙΝΑΤΗΣ ΟΥΣΙΑΣ. ZuPlaton, Politeia B“,in: Archiv fürGeschichte der Philosophie ,S.–;Ders.: Arete bei Platon und Aristoteles,S.– ;sowie Halfwassen: „Speusipp und die Unendlichkeit des Einen“,in: Archiv fürGeschichte der Philosophie , S.–.

10 1Die Seelenlehre des Plotin Seiende – der Geist als Inbegriff des Seins und Denkens, die Sinnenwelt und die zwischen beiden vermittelnde Seele – ist seiend nur aufgrund der vom Absoluten stammenden einheitlichen Bestimmung.⁵ Das Eine selbst wiederum bleibt seinen Prinzipiaten transzendent⁶ und somit überseiend, das heißt jenseits jeder Bestimmtheit und auch jenseits des Denkens und Seins selbst.⁷ Die Fülle des Seins geht ausder absoluten Überfülle des Einen hervor,⁸ wobei dieser Hervorgang von Plotin in einer Emanationsmetaphorik geschildert wird,⁹ die er allerdings nur deshalb gebraucht,weil die Vielheit und das Sein nicht in einer für das Denken nachvollziehbaren Weise aus dem Einen abgeleitet werden können: Denkbarkeit als solche kommterst mit der Geisthypostase ins Sein.¹⁰ Der Hervorgang des Seins ist darum auch nicht,was im wesentlichen Hegels Plotin- Deutung ausmachen wird,die Selbstbestimmung des Geistes,¹¹ sondern vielmehr die Fremdbestimmung des Seins durch das überseiende Eine. Denn erst in der Hinwendung auf das Eine erfolgt die Selbstkonstitution des Geistes.¹² Die um- Vgl. etwa Enn. VI , und VI , sowie dazu Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, S.ff. Vgl. hierzu etwa Enn.VI ,,V , undIII ,.Plotin übernimmt damit einen bereits in deralten Akademie (namentlich bei Speusipp: fr. , der sich auf Politeia af. bezieht) formulierten Grundgedanken derPrinzipienlehre: DasPrinzip bleibt seinen Prinzipiaten transzendent; als Prinzip vonVielheit und Sein könnendem Einen keinevielheitlichen oder Seins-Bestimmungenzukommen. Vgl. hierzu Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.f. und zur Jenseitigkeit des Absoluten gegenüber der Totalität des Seins Ders.: Der Aufstieg zum Einen, S.–. Bezeichnenderweise zitiert Plotin keine einzige Platonstelleöfter als diejenige berühmte, an der die Seinstranszendenz des ersten Prinzips ausgesprochen wird (Politeia b). Laut Index fontium der editio minor wirddiese Stelle mal vonPlotin zitiert oder referiert,wobei nirgendwo ein inhaltlicher Unterschied zwischen der Transzendenz des Seins und derjenigendes Denkens zu bestehen scheint. – Zum Aspekt der negativen Theologie des Plotin, die sich aus der Denk- Transzendenz des Einen ergibt,vgl. Mortley: „Negative Theology and Abstraction in Plotinus“,in: American Journal of Philology , S.–. Vgl. zur πρόοδος des Seins aus dem Einen Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.–. Zur „Überfülle“ und „Übermächtigkeit“ des Einen gegenüber der Fülle des Seins vgl. Ders.: Der Aufstieg zum Einen, S.–. Halfwassen (Der Aufstieg zum Einen, S.f.) verweist darauf, dass der Hervorgang des Seins auch gar keine Emanation in dem Sinne darstellt, dass das erste Prinzip „aus sich selbst herausginge und dem Entsprungenen immanentwürde.“ Vielmehr „verharrt“ das Absolute „in seiner Transzendenz unverändert und unvermindert in sich und bei sich selbst […].“ –Zur Genese und Bedeutung des Emanationsbegriffs in der Antike vgl. Kremer: Art. „Emanation“, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie II, S. –. Vgl. zu dem sich daraus ergebenden „Problem eines philosophischen Zugangs zum Einen selbst“ Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, S.–. Vgl. hierzu Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.–. Vgl. zu diesem „Urakt des Denkens“ vor allem Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, S.– und Ders.: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.–. – Eine gänzlich andere

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Arbeit schaffen, Existenzen sichern
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