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Die Existenz des Spekulativen

„Der Gedanke schwingt

„Der Gedanke schwingt sich auf zu Gott“ 245 Trotz der Umdeutungder plotinischen Prinzipientheoriezeigt sich, dass Hegel mit der Präsentation seiner Belegstellen und mit seiner Verteidigungund seinem Lob Plotins einen philosophischen Standpunkt darstelltund rechtfertigt,den er in weiten Teilen in Übereinstimmung mit seinem eigenen sieht.Gerade die Einsicht in den metaphysischen Rang der die Denkbewegung des Geistes mitvollziehenden Geistseele stellt einen Beleg dafür dar, dass Hegel hier eine der eigenen Bestimmung des Verhältnisses zwischen der menschlichen Seele und dem göttlichen Geist adäquate philosophische Position rezipiert und ohne größere Probleme in das eigene Systemdenken integrieren kann. Was Plotin in der Gestalt der ekstatischen Einheitserfahrung der Seele schildert, entspricht mithin in Hegels Deutung der Selbstüberwindung der Seele und des Bewusstseins und damit dem Aufstieg des Denkens in den Geist der enzyklopädischen Psychologie: Hier wie dort steht am Ende „ein Heraustreten ausdem Inhalt des sinnlichenBewußtseins; es ist reines Denken, das bei sich selbst ist, sich zum Gegenstand hat.“¹⁸¹ Hegel stellt diesen Austritt des Bewusstseins aus seiner Weltzugewandtheit und seine Annäherung an das reine Denken in einer Weise dar, die terminologisch sehr deutlich an die entsprechenden Passagen zur Philosophie des subjektivenGeistes erinnert,woerden Eintritt der Seele und des Bewusstseinsineine jeweils höhere Weise von Selbstbeziehung und Selbstdenken schildert.¹⁸² Auch inhaltlich entspricht die Paraphrase der Vergeistigung der Seele bei Plotin vor allem solchen Stellen, an denen Hegel die Aufstiegsbewegung des subjektiven Geistes knapp zusammenfasst.¹⁸³ In einer voraussetzungsreichen Paraphrase skizziert Hegel den Gegensatz zwischen dem vereinzelten Bewusstsein und dem allgemeinen Geistwesen bei Plotin und die Aufhebung dieses geist-internen Widerspruchs in einer höheren Form von Einheit und Selbstbeziehung: So ist unser Begriff vom absoluten Wesen das Wesen selbst,wenn er Begriff des absoluten Wesens, nicht von irgendetwas anderem ist. Aber in diesem Wesen scheint nicht Gott erschöpft; denn er ist nicht nur Wesen, sein Begriff, sondernseine Existenz. Seine Existenz als reines Wesen ist unser Denken vonihm, aber seine reale Existenz ist die Natur.Und in dieser realen Existenz ist das Ich einzelnes Denkendes; esgehört zu dieser Existenz als Moment derselben, aber macht sie nicht aus.¹⁸⁴ TWA , S.. Vgl. etwa Enz.³ § , Zus.; § ; §, Zus.; § ; §, Zus.; § ; §; §, Zus.; § . Vgl.vorallem Enz.³ § mit Zus.; § ,Zus.; § ,Zus.;§,Zus.; § ,Zus.; § ,Zus.; § , Zus.; § , Zus.; § , Zus.; § , Zus.; § , Zus. TWA , S..

246 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre Die natürliche Vereinzelungund die unmittelbare Welterfahrungder Seele werden hier in einer Weise geschildert, die an die Aufgehobenheit der besonderen menschlichen Seele in der Allgemeinheit des Geistes erinnert. Diese Selbstbeziehung des Denkens ist für Hegel als voranschreitende Selbsterkenntnis für den Geist konstitutiv. In „unser[em] Denken von ihm“ nähern wir uns dem Absoluten an und dabei ist doch zugleich unser Denken selbst der Vollzug des Absoluten, dessenSelbstbeziehung und Reflexion-in-sich,wenn auch aufeiner gegenüber der reinen Triadik des absoluten Geistes nachrangigen Ebene. Die Feststellung, dass die „Existenzdes Absoluten auch bei Plotin „unser Denken von ihm“ sei, entspricht beinahe dem Wortlaut nach Hegels eigener Bestimmung der menschlichen Seele als der „Existenz des Spekulativen“.¹⁸⁵ Dies verdient eine besondere Beachtung: Hegel erkennt im Intellektualismus Plotins und in dessen Bestimmung der Seele als Manifestation und Vorwegnahme des Geistes ein Denken, das gerade in einem so entscheidenden Punkt wie der noologischen Grundlegung der Seelenlehre die eigene Metaphysik geradezu präfiguriert. Die Bezeichnung unseres Denkens des Geistes als dessen „Existenz“ verweist auch aufsolche Passagen, in denen Hegelden Geist als eine fortschreitende Bestimmung seiner selbst auffasst, die schließlich zur absoluten Selbstbeziehung führt. Hier sei nur ein besonders deutliches Beispiel für die Selbstbestimmung des Geistes bei Hegel genannt, das als Erläuterung zur Selbstbeziehung des subjektiven Geistes in Wortwahl und Duktus, aber auch von seinem systematischen Gehalt her, andie eben zitierte Plotinparaphrase erinnert: Die Existenz des Geistes, das Wissen,ist die absolute Form, d.h. die den Inhaltinsich selber habende Form, oder der als Begriff existierende, seine Realität sich selber gebende Begriff. Daß der Inhalt oder Gegenstand dem Wissen ein gegebener, ein von außen an dasselbe kommender sei, ist daher nur ein Schein, durch dessen Aufhebung der Geist sich als das erweist,was er an sich ist, – nämlich das absolute Sichselbstbestimmen […].¹⁸⁶ Es lassen sich noch einige weitereBeispiele für die besondereformale undinhaltliche Nähe zwischen Hegels eigenen Ausführungen zur Seele als Existenz und Vorwegnahme des Geistes undder hier besprochenenPlotin-Deutung nennen. So spielen die Entwicklungder Seele zu sich selbst¹⁸⁷ undzur geisthaften Selbstbeziehung¹⁸⁸ sowie Enz.³ § , Anm. Enz.³ § , Zus. Vgl. etwa Enz.³ § , Zus.: „Ihr [sc. der Seele] Zweck ist dabei der, daß für sie oder für den Geist werde, was derselbe an sich ist, – daß der an sich im Geiste enthaltene Kosmos in das Bewußtsein desselben trete.“; sowie Enz.³ § : „Das Fortschreiten des Geistes ist Entwicklung, insofern seine Existenz, das Wissen, insich selbst das an und für sich Bestimmtsein, d. i. das

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